Ältere Mehrgang-Fahrräder sind oft mit einfacheren Hinterradnaben ausgestattet, die ein Gewinde auf der rechten Seite des Nabengehäuses aufweisen. Ein Standard-Schraubkranz wird auf der Nabe montiert, indem man ihn auf das entsprechende Gewinde der Nabe dreht. Im Gegensatz dazu steht das moderne Design der „Kassettennaben“, bei dem der Freilauf-Mechanismus einen mehr oder weniger festen Bestandteil der Nabe bildet.
Kompatibilität und Standards
Alle aktuellen Schraubkränze und Naben mit Gewinden verwenden ISO-Gewinde, egal wo sie hergestellt wurden. Die älteren britischen und italienischen Standards verwendeten die gleiche Gewindesteigung, aber mit einem leicht abweichenden Gewindedurchmesser und sind grundsätzlich untereinander austauschbar. Allerdings ist es für kräftige Fahrer und bei Tandems am besten, sie nicht zu mischen - Schraubkränze reissen mitunter die Gewinde von Aluminiumnaben ab.
Ein französischer Schraubkranz lässt sich anfangs auf eine ISO/Britisch/Italienisch-Nabe aufschrauben, wird sich aber schnell verklemmen. Ein ISO/Britisch/Italienisch-Schraubkranz wird die Gewindegänge einer französischen Nabe abtragen und durchrutschen, wenn versucht wird, den Schraubkranz zu benutzen.
Sie können die Gewindesteigung eines Schraubkranzes prüfen, indem Sie die linke Schale eines ISO-Tretlagers einschrauben (nicht die rechte Schale, die ein Linksgewinde hat). Die Schale eines Tretlagers kann als Gewindemaß für einen Schraubkranz dienen: Die Maße sind normalerweise auf den Schalen gekennzeichnet. Halten Sie das Gewinde gegen die der Nabe und schauen Sie im Gegenlicht dazwischen. Wenn die Gewindegänge über die gesamte Breite eng ineinander greifen, ist die Gewindesteigung identisch. Wenn Sie nur wackelig zueinander stehen, weicht sie ab.
Demontage des Schraubkranzes
Warnung: Lösen Sie einen Schraubkranz, bevor Sie die Speichen durchtrennen, um die Felge zu wechseln, andernfalls sind Sie möglicherweise nicht mehr in der Lage den Schraubkranz zu lösen oder die Speichen auf der rechten Seite des Laufrads auszutauschen. Obwohl man einen Schraubkranz von Hand aufschrauben kann, indem man einfach die Ritzel im Uhrzeigersinn dreht, helfen die Ritzel nicht, wenn man ihn entfernen will, weil der Freilaufmechanismus den Schraubkranz entgegen dem Uhrzeigersinn frei drehen lässt.
Für die Demontage benötigen Sie ein spezielles Werkzeug:Dieses Werkzeug ist eine Einheit mit Nuten, die in einem Schraubstock eingespannt oder mit einem Schraubenschlüssel gedreht wird. Die Nutzen greifen in die entsprechenden Aussparungen im inneren (nicht-drehenden) Teil des Freilaufkörpers.
Ältere Schraubkränze hatten einfache Nuten und passende Abzieher mit zwei oder vier „Greifern“. Die Form und Abstände dieser Greifer variierten von einer Marke zu anderen. Es war recht häufig für diese Greifer, die Nuten rund zu drehen oder abzubrechen und den Schraubkranz zu ruinieren.
Wenn ein Abzieher mit Greifern eingesetzt wird, sollte er gegen den Schraubkranz mit der Achse oder dem Schnellspannerhebel (ohne Federn) gesichert werden. Der übliche Weg zur Demontage eines Schraubkranzes ist es, den Abzieher in einen stabil montierten Schraubstock einzuspannen und das Laufrad vom Schraubkranz abzuschrauben.
Wenn Ihr Schraubstock dies zulässt, funktioniert es besser, wenn das Laufrad in einer vertikalen Position eingespannt wird, was Ihnen ermöglicht, das Rad kräftiger zu drehen, ohne auf dem Boden abzurutschen. Dies gibt Ihnen einen bessere Hebelwirkung, um das Rad zu drehen. Mein aktueller Schraubstock hat ein zusätzliches Gelenk, das es erlaubt, die Klemmbacken um 360 Grad zu drehen.
Ein alternativer Ansatz, der, wie ich finde, bei wirklich hartnäckigen Schraubkränzen gut funktioniert, ist die Verwendung eines Ringschlüssels, um den Abzieher zu halten und den Griff des Schlüssels mit einem grossen Gummihammer kräftig zu schlagen. Welche Methode Sie auch verwenden, es ist am Besten, wenn auf dem Laufrad ein Reifen montiert und aufgepumpt ist.
Montage des Schraubkranzes
Die Montage eines Schraubkranzes ist recht einfach und benötigt überhaupt keine Werkzeuge. Grundsätzlich schrauben Sie einen Schraubkranz genau so auf, wie Sie auch einen Deckel auf ein Marmeladenglas schrauben würden. Vergewissern Sie sich sorgfältig, dass der Schraubkranz gerade aufgeschraubt wird.
Schraubkranzgewinde sind ungewöhnlich fein für ihren Durchmesser und die Aluminiumgewindegänge auf der Nabe sind weich und werden sehr leicht beschädigt, wenn der Schraubkranz verkanten aufgeschraubt wird. Die Art des Fettes, das dafür verwendet wird, ist überhaupt nicht wichtig, aber Sie müssen wenigstens ein wenig verwenden.
Das endgültige Festziehen erfolgt durch „Fußkraft“, sobald Sie den ersten Hügel hochfahren. Sie können spüren, wie der Schraubkranz ein Stück nach vorne springt. Wenn Sie den Schraubkranz für jemand anderen montieren, ist es eine gute Idee, die Ritzel mit einer Kettenpeitsche anzuziehen oder das Fahrrad in jedem Gang einmal zu fahren, um zu vermeinen, dass der Eindruck zu entsteht, es wäre etwas nicht in Ordnung.
Wartung und Pflege
Schraubkränze sollten von Zeit zu Zeit mit einem mittelschweren Öl geschmiert werden. Das Fahrrad sollte mit dem Hinterrad in der Luft und in einem Winkel von etwa 45 Grad nach Links gehalten werden. Eine zweite Person kann hilfreich dafür sein.
Wenn man in das kleinste Ritzel schaut, sieht man, dass das Ritzel steht, während das Laufrad sich dreht, aber man sieht den inneren Teil des Schraubkranzes, der sich mit dem Laufrad dreht. Man gibt einige Tropfen Öl auf den Schlitz zwischen dem sich drehenden und dem feststehenden Teil.
Austausch der Ritzel
Die meisten Mehrfachschraubkränze haben ersetzbare, austauschbare Ritzel. Um die Ritzel von einem Schraubkranz zu entfernen, verwendet man normalerweise zwei Kettenpeitschen: eine, um das Ritzel abzuschrauben, die zweite, um den Freilauf daran zu hindern, sich zu drehen. Das geht am einfachsten mit dem Schraubkranz auf einem Laufrad montiert. Oder Sie verwenden eine spezielle Schraubkranzzwinge an Stelle der zweiten Kettenpeitsche.
Bei älteren, europäischen Schraubkränzen, wurden alle Ritzel aufgeschraubt. Die grossen Ritzel wurden dabei besonders fest angezogen. Aufgrund der niedrigen Übersetzung der größeren Ritzel wurden diese üblicherweise sehr, sehr fest angezogen und es konnte eine beachtliche Anstrengung erfordern, sie abzuschrauben. Die kleineren Ritzel wurden von aussen mit einem normalen Rechtsgewinde geschraubt.
In der Praxis hat man niemals alle Ritzel auf einmal entfernt, weil ein Ritzel benötigt wurde, um den Schraubkranz zu halten, während man das gewünschte Ritzel abgeschraubt hat. Es gab spezielle Werkzeuge, die das Gewinde gehalten haben, um das letzte Ritzel abnehmen zu können, aber ich fand nie, dass man so etwas braucht. Ein anderer Weg, alle Ritzel zu entfernen ist es, die beiden größten Ritzel gegeneinander festzuziehen, die verbleibenden kleineren Ritzel zu lockern und dann die größten Ritzel voneinander zu lösen.
Neuere Schraubkränze verwenden Ritzel mit Nuten: Man muss nur die äußeren beiden Ritzel abschrauben und die anderen Ritzel können dann einfach abgenommen werden. Behalten Sie die Abstandshalter zwischen den Ritzeln im Auge, um die korrekten Abstände zwischen den Ritzeln beizubehalten, wenn Sie den Schraubkranz wieder zusammensetzen. Viele Ritzel sind asymetrisch.
Die Rampen zur Aufnahme der Kette bei neueren Ritzeln zeigen ebenfalls nach rechts. Die hohe Seite der Zähne von SunTour-Ritzeln zeigt nach rechts. Wenn sie umgekehrt montiert werden, schalten diese Ritzel sehr schlecht. Es waren 2 oder 3 verschiedene Gewindegrössen auf einem Schraubkranz üblich, so dass Ritzel, die für eine Position gedacht waren, nicht unbedingt an einer anderen Position passten.
Entwicklung der Schraubkränze
Einer der Gründe dafür, dass die Japaner in der Lage waren, den Markt gegenüber den europäischen Herstellern zu übernehmen, war der Umstand, dass die grösseren Ritzel aufgesteckt und mit dem Freilaufkörper über Nuten gesichert wurden und nicht mit Gewinden. Die Steckritzel wurden mit einigen, kleineren geschraubten Ritzeln fixiert.
Die japanischen Schraubkränze boten auch besser geformte Zähne, wodurch sie wesentlich besser schalteten. Die Ritzelzähne von Sun Tour waren an der Spitze in einer Richtung abgerundet, um der Kette zu erleichtern, in die richtige Position zu rutschen, wenn geschaltet wurde. Japanischen Schraubkränze hatten auch eine bessere, tiefere und zuverlässigere Aufnahme für Abzieher.
In den späten 1950ern wurde die Einbaubreite auf 120 mm erweitert, was die Verwendung von 5-fach-Schraubkränzen ermöglichte. In den 1970ern gab es einen Wechsel in die Richtung von 6-fach-Schraubkränzen. In den frühen 1990ern ist die Industrie zu 8-fach-Paketen mit 130 mm Einbaubreite übergegangen. Als die Anzahl der Ritzel weiterhin zunahm auf 9-fach und darüber, wurden Schraubkränze für anspruchsvolle Anwendungen obsolet.
Anpassung und Kompatibilität
Die meisten modernen Schraubkränze - selbst alte SunTour Ulta - weisen Ritzelabstände von 5 mm auf, was mit gerasterten Shimano 7- oder 8-fach-Schalthebeln und Schaltwerken funktioniert. Zusätzliche Gänge des Schalthebels werden durch die Begrenzungen des Schaltwerks blockiert. Sofern Sie keine Friktionsschalthebel einsetzen möchten, benötigen Sie neue Schalthebel.
Ein schmaler 6-fach-Schraubkranz funktioniert mit der Einbaubreite von 120 mm zwischen den hinteren Ausfallenden, die in den 1970ern üblich war. Ein 7-fach-Schraubkranz benötigt mindestens eine Breite von 126 mm, aber meistens sind nur Stahlrahmen schmaler und sie können kalt verformt werden, um die Ausfallenden weiter auseinander zu bringen.
Ritzelpakete und Individualisierung
Früher, in den Tagen von 4-, 5- und selbst 6-fach-Schraubkränzen war es üblich, die Abstufungen anzupassen. Als sich die Anzahl der Gänge zu 7-, 8-, 9- und nun 10-fach-Kassetten vermehrte, wurde dies zu einem weniger wichtigen Punkt. Im Ergebnis sind angepasste Abstufungen wesentlich unüblicher als früher.
Auf der anderen Seite - viele ältere Fahrradfahrer nehmen an, dass es schwieriger ist, eine Ritzelkassette anzupassen, als es bei den alten Schraubkränzen der Fall war. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall! Kassetten sind viel einfacher anzupassen, da alle Ritzel das gleiche Nutmuster verwenden, so dass jedes Ritzel (außer dem Kleinsten) an jeder Position des Freilaufkörpers genutzt werden kann.
Bei Schraubkränzen war der Freilaufkörper „abgestuft“, so dass die Ritzel für verschiedene Positionen an unterschiedlichen Nutmustern oder Gewinden angebracht wurden. In diesen Tagen hatten bessere Fahrradwerkstätten grosse „Ritzeltafeln“ mit dutzenden Haken um all die verschiedenen Permutationen zwischen Zähnezahl und Befestigungsgröße vorzuhalten, die nötig waren, um angepasste Schraubkränze herzustellen.
Besondere Hinweise
Bei einigen SunTour Pro Compe und Perfect Schraubkränzen neigt der Verschlussring dazu, sich zu lösen. Glücklicherweise fallen nur die Lagerkugeln heraus: Die Achse und die Ausfallenden werden die anderen Teile an ihrem Platz halten. Es ist normalerweise möglich, den Verschlussring wieder anzuschrauben (entgegen dem Uhrzeigersinn) und nach Hause zu fahren, solange man nicht im Leerlauf rollt.
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