Die Shimano SLX Hinterradbremse hat sich in den letzten Jahren als eine beliebte Option für Mountainbikes etabliert. Sie bietet solide japanische Qualität und unauffälliges Understatement zu einem attraktiven Preis. In diesem Artikel werden wir die SLX Bremse genauer unter die Lupe nehmen und ihre Leistung, Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Bremsen der Shimano X-Serie sowie Konkurrenzprodukten bewerten.
Shimano SLX im Vergleich: XT und XTR
Shimano bietet eine breite Palette an Bremsen, Schaltgruppen und Antrieben an. Die Hierarchie der Serien mit "X" im Namen beginnt mit SLX, gefolgt von XT und XTR. Alle Bremsen der X-Serie sind sowohl mit Vierkolben- als auch mit Zweikolben-Bremssätteln erhältlich. Die SLX ist Shimanos klassische Brot-und-Butter-Bremse und liegt mit 600 g (ohne Scheiben) im Durchschnittsgewicht des Bremsen-Vergleichstests.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Optik der SLX kaum von der XT- oder XTR-Bremse. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass die SLX nicht ganz so hochwertig verarbeitet ist wie die teureren Modelle. Die Bremshebel verzichten beispielsweise auf die Struktur, die den Fingergrip erhöhen soll. Dafür ist die Hebelweitenverstellung wie bei den anderen Modellen einfach und werkzeuglos. Die SLX verzichtet außerdem auf die "Free Stroke"-Schraube, was jedoch nicht weiter schlimm ist, da die Druckpunkt-Verstellung bei den Modellen XT und XTR eher einen Placebo-Effekt zu haben scheint.
Die Klemmung der Shimano SLX-Bremsen ist durchdacht und bietet mit dem I-SPEC-System gute Kombinationsmöglichkeiten mit Schalthebel oder Dropper-Remote und einen breiten Verstellbereich. Das Entlüften der Shimano-Bremsen funktioniert dank Trichter am Bremsgriff und dem sogenannten "One-Way Bleeding" denkbar einfach.
Performance auf dem Trail
Die Bremskraft der Shimano SLX-Bremse auf dem Trail ist sehr gut und ähnelt stark den anderen Shimano-Bremsen im Test. Wie bei den restlichen Stoppern des japanischen Herstellers ist auch das Bremsgefühl der SLX "digital": Der Druckpunkt ist richtig knackig und deutlich definierter im Vergleich zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die volle Power liegt fast schon zu Beginn des Druckpunkts an und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar.
Die BrakeAce-Datenauswertung auf dem Trail lässt bei der SLX eine stärkere Bremse erwarten als bei der eng verwandten Shimano XTR: Die Brems-Ereignisse sind weniger und im Schnitt kürzer als beim Topmodell XTR, zudem ist die Front-Heck-Verteilung mit 40 zu 60 bei der SLX sehr ausgeglichen. Im Vergleich zu den teuren Shimano-Modellen muss man hier nur beim Gewicht leichte Abstriche machen.
Im Rahmen eines Pressecamps in Spanien hatten wir die Gelegenheit, die neue SLX zu testen und auch direkt im Vergleich mit der neuen XT zu fahren. Bei der Performance - egal ob bezüglich der Schaltung oder der Bremsen - muss sie sich keineswegs verstecken. Während wir die Free Stroke Adjust Schraube am Bremsgeber überhaupt nicht vermissten, fiel der Schalthebel jedoch doch spürbar gegenüber seinem höherwertigen Kollegen ab: Vor allem die fehlende Option, mit einem beherzten Druck auch zwei Gänge auf einmal herunterzuschalten, machte sich bemerkbar.
SLX M7100: Details und Neuerungen
Die SLX M7100 wurde zusammen mit der XT 8100 vorgestellt und besitzt die gleiche DNA wie ihr größerer Bruder. Shimano hat sich den Satz "Never change a running system" bei der Entwicklung der SLX Bremse (BL-M7120) scheinbar ganz oben auf das Lastenheft geschrieben. So finden wir bewährte Technologien wie den Servo Wave Bremshebel, die One-Way-Entlüftung und natürlich das Medium Mineralöl wieder. Geändert hat sich das I-Spec System, welches von I-Spec ll auf I-Spec EV modifiziert wurde. Ein cleverer Schachzug, denn nun ist es möglich den Schalthebel oder auch den Hebel der Sattelstütze direkt an den Bremsgriffen zu befestigen und so für ein aufgeräumtes Cockpit zu sorgen.
Mit der Anzahl der Kolben (vier) und dazu passenden großen Scheiben war bereits vor der Montage klar, dass die Bremse primär für steile und lange Abfahrten gedacht ist. Während dieser Abfahrten hat sich die Shimano SLX Bremse unbeeindruckt gezeigt und in jedem Moment genug Power bereitgestellt. Stoppie am Ende einer schnellen Abfahrt? Kein Thema! Eine hervorragende Leistung, die ich in diesem Fall nicht zuletzt den Bremsbelägen mit zusätzlichen Kühlrippen und den Ice-Tech Bremsscheiben zuspreche.
Der Druckpunkt ist Shimano-typisch sehr straff. Eine Eigenschaft, die viele Fahrer an Shimano Bremsen schätzen. Ein bissiger Druckpunkt geht im Normalfall zu Lasten der Modulation. Ganz wegzureden ist das bei der Shimano SLX Bremse nicht, im Gegensatz zur Downhillschwester Zee fühlt sich die Modulation aber angenehmer an.
Mögliche Probleme und Wartung
Bremsen von Shimano haben sich in den letzten Jahren vereinzelt mit der Eigenschaft eines wandernden Druckpunktes bemerkbar gemacht. So leider auch bei den zwei Exemplaren die mir vorliegen. Jedoch ist es nicht so, dass der Druckpunkt vom Lenker weg wandert, sondern zum Lenker hin wenn man mehrfach kurz nacheinander den Bremshebel zieht. In der Regel ist das kein Problem. Da ich meine Bremshebel aber sehr nahe am Lenker fahre, hat es mir in ein bis zwei Situationen ein wenig den Schweiß auf die Stirn getrieben.
Die scheinbar graue Maus unter den Bremsen überzeugt mit guter Performance, benötigt aber regelmäßige Pflege! Nach rund 1500 Kilometern musste ein festgefressener Bremskolben mit viel Aufwand repariert werden.
SLX am E-MTB
Die Bremse ist einer der Knackpunkte am E-MTB: Hohes Systemgewicht, lange Abfahrten und viele Tiefenmeter bringen Stopper ans Limit. Shimanos SLX, ausgestattet mit Shimanos Icetech-Technologie, hat bis hierhin einen guten Job gemacht. Sie war gut auf dem Trail, hat eine Schleifbremsung ohne Murren überstanden und läuft auch nach 20 Intervallbremsungen noch rund. Dies ändert sich nach weiteren drei harten Bremsungen aus hoher Geschwindigkeit jedoch schlagartig, die Bremsscheibe geht in die Knie. Hitzetod. Dabei soll gerade die Icetech-Technologie die Bremse kühl halten.
Fazit
Die Shimano SLX Vierkolben Bremse ist und bleibt ein Preis-/Leistungshammer am Bremsenmarkt. Freunde eines knackigen Druckpunktes werden hier weiterhin bedient und bekommen sogar eine bessere Modulation als noch beim Vorgänger. Für 350 € lässt die Shimano SLX keine Wünsche offen und überzeugt sowohl in Verarbeitung, Haptik, Ergonomie und natürlich auf dem Trail. Wer sich noch mehr End-Verzögerung wünscht, kann die SLX-Bremse mit den Sinter Green-Belägen günstig upgraden und - zumindest im Labor - nahezu auf ein Level mit der fast viermal so teuren Trickstuff MAXIMA heben.
Vorteile:
- Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Starke Verzögerung und gute Dosierbarkeit
- Knackiger Druckpunkt
- Gute Ergonomie und Handling
- Durchdachte Klemmung mit I-SPEC-System
- Einfaches Entlüften
Nachteile:
- Nicht ganz so hochwertige Verarbeitung wie XT und XTR
- Wandernder Druckpunkt kann vereinzelt auftreten
- Benötigt regelmäßige Pflege
Empfehlung:
Die Shimano SLX ist eine ausgezeichnete Wahl für preisbewusste Mountainbiker, die eine zuverlässige und leistungsstarke Bremse suchen. Sie bietet ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und überzeugt sowohl auf dem Trail als auch im Labor. Wer bereit ist, etwas mehr zu investieren, kann mit den teureren Modellen XT und XTR noch etwas mehr Performance und Gewichtsersparnis erzielen.
Tabelle: Vergleich Shimano Bremsen
| Modell | Gewicht (ca.) | Besonderheiten | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|
| SLX | 600g (ohne Scheiben) | Solide Verarbeitung, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis | 350 € |
| XT | 410g (mit Scheibe und Belägen) | Free-Stroke-Einstellung, Einkerbungen am Griffende | K.A. |
| XTR | K.A. | Hochwertigste Verarbeitung, leichteste Bauweise | K.A. |
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