Shimano Ultegra Powermeter Nachrüsten: Ein umfassender Test

In der Welt des ambitionierten Radsports ist die Leistungsmessung ein entscheidender Faktor zur Optimierung von Training und Wettkampf. Ein Powermeter ermöglicht es, die erbrachte Leistung in Watt präzise zu erfassen und somit das Training gezielt zu steuern. Dieser Artikel widmet sich der Nachrüstung eines Shimano Ultegra Powermeters, wobei der Fokus auf dem Stages Ultegra LR Powermeter sowie weiteren relevanten Optionen liegt.

Unkomplizierter Umbau mit dem Stages Ultegra LR Powermeter

Der Wechsel von der Standard-Kurbel ohne Powermeter auf den Stages Ultegra LR Powermeter gestaltet sich denkbar einfach. Der Umbau ist unkompliziert:

  1. Kurbelarm auf der Nicht-Antriebsseite demontieren.
  2. Kurbel mit Kettenblättern und Welle auf der Antriebsseite herausziehen.
  3. Die Stages/Shimano-Kombination einschieben.
  4. Den gegenüberliegenden Kurbelarm festschrauben.
  5. Kalibrieren.

Der Powermeter ist mit sämtlichen 11-fach Antrieben aus dem Hause Shimano kompatibel. Es stehen drei Kurbellängen (170 mm, 172,5 mm und 175 mm) sowie drei Kettenblatt-Kombinationen (34-50, 36-52 und 39-53) zur Auswahl. Die Stromversorgung der Messeinheiten übernehmen handelsübliche Knopfzellen, die zwar nur rund 100 Stunden halten, aber extrem schnell ausgetauscht sind und fast überall erhältlich sind.

Was die Messwerte bringen

Powermeter sind Messgeräte, mit denen während der Fahrt die Tretleistung des Fahrers erfasst wird. Die erfassten Leistungsdaten (angegeben in Watt) werden zum Computer am Lenker oder auch aufs Mobiltelefon gefunkt. Ausgewertet dienen sie vorrangig der Belastungssteuerung in Training und Rennen, können aber auch genutzt werden, um Material zu optimieren.

Genaue Messwerte geben eine befriedigende Antwort darauf, ob man besser geworden ist. Keimt Zweifel auf, ob die Zahl stimmt, ist der ganze Messaufwand nichts wert, denn damit ist die Objektivierung von Gefühl und Platzierungen hinfällig, und dann kann man auch darauf verzichten.

Profis nutzen Powermeter im Training, um Anweisungen ihrer Trainer umzusetzen, aber auch im Rennen, um ihre Kraft einzuteilen. Ferner dienen die Daten indirekt dazu, die Aerodynamik zu verbessern, auch ohne Messungen im Windkanal. Hobbysportler können Power­meter genauso nutzen: Wer sich in die Zahlen hineindenkt, kann sein Training selbst steuern, oder er gibt seine Daten einem Trainer, der damit das Training genauer planen und besser kontrollieren kann.

Die Vorteile der Leistungsmessung

  • Exakte Erfassung der Trainings- bzw. Intensitätsbereiche
  • Präzise Anwendung der Trainingsbereiche
  • Objektive Erkennung von Fortschritten in der Form

Powermeter im Einzeltest: Ein Überblick

Im Folgenden werden einige der getesteten Powermeter-Modelle detaillierter betrachtet:

Stages Power LR

Der neue Leistungsmesser Stages Power LR misst die Leistungsdaten des rechten und linken Beins unabhängig voneinander. Die beidseitige Leistungsmessung erlaubt es, das Training nach Wattwerten noch detaillierter zu gestalten. So lässt sich zum Beispiel die Kraftverteilung der einzelnen Beine exakt erfassen und trainieren und die Pedaliereffizienz steigern.

Mit gerade einmal 35 zusätzlichen Gramm gegenüber der Standardkurbel belastet der Power LR die Waage. Die CR2032-Knopfzellen-Batterien der Sender können selbstständig gewechselt werden, die Lebensdauer gibt Stages mit über 175 Stunden an.

Für 999 Euro gibt es die komplette Shimano Ultegra R8000-Kurbel inklusive beidseitiger Messung. Wer bereits mit dem bisherigen linksseitigen System trainiert, kann den neuen rechten Kurbelarm samt Messtechnik auch separat erwerben und so die beidseitige Leistungsmessung nachrüsten (Dura-Ace R9100 799 Euro, Ultegra R8000 699 Euro).

Powertap P1

Ein Pedal-Powermeter für echte Links-Rechts-Messung. Die P1 lassen sich unkompliziert und schnell umschrauben und lieferten im Test ­immer etwas zu niedrige, aber stabile Werte. Echtes Plug & Play: Wer mit mehreren Rädern fährt und stets seine Leistung messen will, für den ist das P1 ohne Alternative.

Preis: 1299 Euro
Gewicht: 439 Gramm/Paar ohne Platten
Batterie: je Pedal 1 x AAA, 60 Stunden

Garmin Vector 2

Auch Garmin bietet ein Pedal-Powermeter für echte Links-Rechts-Messung, das mit Dreh­momentschlüssel montiert werden muss. Auch wenn die Verschleißteile samt Pedalkörper austauschbar sind: Das wirkt alles recht filigran. Für den häufigen Wechsel von Rad zu Rad nicht ideal.

Preis: 1149 Euro
Gewicht: 359 Gramm/Paar ohne Platten
Batterie: je Pedal 1 x CR 2032, 175 Stunden

Powertap G3

Seit Jahren bewährter Klassiker mit sehr leichter Messtechnik. Um Leistungsmessung an mehreren Rädern zu verwenden, ist die ­Powertap-Nabe eine sehr günstige Alternative zu Pedalen und deutlich genauer als jede Einbein-Messung.

Preis: 599 Euro
Gewicht: 325 Gramm
Batterie: 1 x CR 2032, rund 60 Stunden im Testbetrieb

Rotor 2InPower DM Road

Der gesamte Messtechnik des getrennt beidseitig messenden ROTOR 2InPower Leistungsmesser befindet sich in einem Teil aus Welle und rechtem Kurbelarm. Eine Übertragung der Leistungsdaten und der sonstigen Werte erfolgt per ANT+ oder BLE ans Smartphone oder einen GPS Radcomputer. Der Listenpreis alleine für den Rotor 2InPower Leistungsmesser liegt bei 1049 Euro. Dazu kommen dann noch Kettenblätter und Zubehör.

SRM Origin

Die neunte Generation von Powermeter-Pionier SRM ist modular aufgebaut: Der Mess-Spider kann mit Tretlagerwellen in 29 mm (SRAM DUB) oder 30 mm kombiniert werden. Im Kreuzvergleich mit Favero-Pedalen zeigt das SRM-Powermeter aufs Watt identische Werte vom lockeren Tritt bis zum Fahren am Anschlag. Erstmals verzichtet SRM auf den Ma­gne­ten zur Erfassung der Trittfrequenz.

Preis: 2299 Euro (mit Kurbeln)
Gewicht: 652 Gramm

Sram Red AXS

577 Gramm für die Leistungsmesskurbel der Red-Gruppe sind konkurrenzlos leicht. Der Preis für die Grammfuchserei: Die Mess­technik ist fest im Doppelkettenblatt verbaut. Ist eines der Blätter verschlissen, kommt die ganze Einheit in die Tonne.

Preis: 1375 Euro (mit Kurbeln)
Gewicht: 577 Gramm

Shimano Dura-Ace 9200

Shi­mano bietet seine Top-Gruppe Dura-Ace wahlweise mit Kurbelpowermeter an. Shimano betreibt zwar viel Aufwand, um die Verformung der Kurbeln mittels 24 nachträglich applizierter Dehnmessstreifen zu ermitteln, trotzdem ist das rohe Messsignal fehlerhaft, besonders das kleine Blatt zeigt zu hohe Werte.

Preis: 1449 Euro
Gewicht: 738 Gramm

Sram Rival DUB Wide

Eine der günstigsten Möglichkeiten, ein Powermeter nachzurüsten, ist die Messung nur auf einer Seite. Sram bietet dazu linke Kurbeln mit Welle an, die Leistungsmessung steckt unsichtbar in der Aluminium-Welle. Im Test zeigt sich das Rival-Powermeter tadellos. Dass es zu Messabweichungen von im Schnitt 13 Watt kommt, liegt an der einseitigen Messung.

Preis: 274 Euro (linker Kurbelarm mit Welle)
Gewicht: 359 Gramm

Ein- oder beidseitige Leistungsmessung?

Beidseitig messende Powermeter erfassen die Kraft beider Beine, einseitig messende Powermeter erfassen die Kraft eines Beins, meist auf der Nicht-Antriebsseite, also links. Bei einseitigen Systemen wird die gemessene Kraft verdoppelt und darüber die Gesamtleistung angenommen. Da unsere Beine in der Regel nicht gleich stark sind, ist hier ein gewisser Fehler enthalten.

Suchst Du einen Powermeter für eine leistungsbasierte Trainingssteuerung, als Kontrollinstanz zum Pacing oder zum Einstieg in die Powermeter-Welt, ist eine einseitige Messung ausreichend. Beidseitig messende Systeme sind vor allem dann für Dich interessant, wenn Du weißt, dass Du eine nennenswerte Dysbalance zwischen beiden Beinen hast.

Powermeter Test: So wurde getestet

Die absolute Genauigkeit der Geräte lässt sich mit vertretbarem Aufwand nicht ermitteln. Doch auch die Messwerte direkt vergleichen zu können, ist sehr aufschlussreich. So testeten wir auf einem neuen Prüfstand erst­mals Kurbel-­Powermeter im direkten Vergleich. Eines der Infocrank-Modelle dien­te als Referenz, mit deren Messwerten wir die Werte aller anderen kurbelbasierten Systeme verglichen - darunter auch ein zweites Info­crank-­­Modell.

Zusätzlich haben wir auf zahlreichen Testfahrten (Rolle und Straße) alle Powermeter miteinander verglichen. Das Leistungsspektrum lag zwischen 150 und 1200 Watt. Bei den Messwerten haben wir sowohl die geglätteten Durchschnittswerte als auch die Rohdaten­sätze der Geräte analysiert. Zum Datensammeln nutzten wir Garmin-Edge-520-Computer mit identischen Einstellungen. Ausgewertet wurde in Excel und Golden Cheetah.

Tabelle: Übersicht der getesteten Powermeter

Modell Typ Preis (ca.) Gewicht Besonderheiten
Stages Power LR Kurbel (beidseitig) 999 € Geringe Gewichtszunahme Beidseitige Messung, einfache Installation
Powertap P1 Pedal (beidseitig) 1299 € 439g (Paar) Einfacher Wechsel zwischen Rädern
Garmin Vector 2 Pedal (beidseitig) 1149 € 359g (Paar) Filigrane Bauweise
Powertap G3 Nabe 599 € 325g Günstige Alternative, genaue Messung
Rotor 2InPower DM Road Kurbel (beidseitig) 1049 € (nur Leistungsmesser) 530g (nur Messeinheit) Getrennte Messung beider Beine
SRM Origin Kurbel-Spider 2299 € 652g Modulares System, hohe Genauigkeit
Sram Red AXS Kurbel-Spider 1375 € 577g Extrem leicht, Messung fest im Kettenblatt verbaut
Shimano Dura-Ace 9200 Kurbel (beidseitig) 1449 € 738g Integrierte Lösung, softwareseitige Korrekturen notwendig
Sram Rival DUB Wide Kurbel (einseitig) 274 € 359g (linker Kurbelarm) Günstige Option, einseitige Messung

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