Mit der Shimano Ultegra R8000 präsentieren die Japaner die nächste Evolutionsstufe ihrer Erfolgsgruppe aus dem oberen Mittelklassesegment. Nachdem man in diesem Frühjahr bereits mit der Dura Ace R9100 der Top-Gruppe ein umfassendes Update spendiert hatte, zieht mit der Shimano Ultegra nun die Mittelklasse-Gruppe schlechthin nach. Die neue Ultegra erbt dabei einige Features von der Dura-Ace und bekommt auch deren neue Optik verpasst. Zudem sinkt das Gewicht teilweise beträchtlich.
Optik und Design
Klar, im ersten Moment sticht insbesondere die aktualisierte Optik ins Auge, die stark an die der kürzlich vorgestellten Dura Ace erinnert. Besonders markant sind die neuen Kurbelarme mit der markanten, asymmetrischen Optik und dem insgesamt deutlich wuchtigeren Aufbau. Optische Unterschiede zur Top-Gruppe beschränken sich auf einfachere Oberflächen: Die graphitgraue Ultegra schimmert matt, wo die tiefschwarze Dura-Ace mit polierten Flächen glänzt. Die Bremshebel ziert Klarlack statt aufwendigem Spiegellack, auch die Oberflächen des Schaltwerks erscheinen etwas rauer. Verarbeitet sind die Komponenten indes auf höchstem Niveau, wie man es von Shimano gewohnt ist.
Vielfalt und Varianten
Vielseitigkeit soll ihre große Stärke sein: Mit einem nie dagewesenen Variantenreichtum soll Shimanos jüngste Generation der Shimano Ultegra die Anforderungen aller Rennrad-Kategorien erfüllen. Von der Schaltgruppe gibt es allein vier Grundversionen: neben der mechanischen Schaltung auch eine elektronische Di2, und beide sowohl für Felgen- wie für hydraulische Scheibenbremsen. Dazu kommen spezielle Teile für Zeitfahrräder und ein erweitertes Spektrum an Übersetzungen, vor allem mit mehr leichteren Gängen. Vom klassischen Straßenrenner über Cross- und Zeitfahrräder bis zum Gravelbike mit dicken Reifen und Scheibenbremsen lässt sich mit der Ultegra künftig fast alles bestücken, was einen Rennlenker trägt.
Übersetzungen und Kassetten
Bei den Ausführungen der Kurbel bzw. ihrer Kettenblätter beglückt man wieder beinahe das gesamte Spektrum von Fans dicker Gänge (53-39t) bis hin zu Crossern (46-36t). Mit der klassischen Compact (50-34t) und Mid-Compact (52-36t) gibt es auch dazwischen genügend Abstufungen. Bleiben wir noch einen Moment bei den Übersetzungen: Viel Auswahl gibt es auch bei den Kassetten. Die Standard-Ausführungen umfassen 11-25T, 11-28T, 11-30T, 11-32T, 12-25T und 14-28T. Zusätzlich gibt es mit der CS-HG800 eine Option für Fans größerer Bandbreiten mit 11-34t.
Di2 und Synchro-Shift Modi
Insbesondere die Di2 Variante der neuen Ultegra erbt zahlreiche Features des „größeren Bruders“ Dura Ace. Dazu zählen neben den Zusatzknöpfen unter den Hoods der STIs auch die Kompatbilität mit den neuen Synchro-Shift Modi, die als Teil der Shimano E-Tube Anfang des Jahres präsentiert wurden. Interessant dürfte hier für einige sicherlich der Semi-Synchro Shift sein, der das Gegenschalten auf der Kassette bei einem Wechsel des Kettenblattes automatisiert.
Schaltwerk und Shadow RD Technologie
Auch ganz am anderen Ende des Antriebs, nämlich beim Schaltwerk, gibt es Dura Ace Technologie: Der neue Ultegra Kettenwechsler kommt nämlich ausschließlich als schmal bauende Shadow RD Variante. So bleibt das Schaltwerk auch bei eventuellen Stürzen oder bei „Feindkontakt“ oft unbeschadet. Am Schaltwerk sind Geometrie und Zugführung neu, ein Geheimnis der geringen Bedienkräfte der Ultegra R8000 11fach-Schaltung.
Bremsen: Felgen- und Scheibenbremsen
Klar, Scheibenbremsen sind inzwischen auch bei den Rennrädern angekommen und so verwundert es nicht, dass auch die neue Ultegra Gruppe ihre eigene Scheibenbremse bekommt. Natürlich hat man bei Shimano aber auch die Felgenbremse nicht abgeschrieben. Die neuen Bremsen wird es hier sowohl als Dual-Pivot als auch als Direct Mount geben. Auch die Felgenbremse hat Shimano ein weiteres Mal verbessert, obwohl mancher die im Vergleich zur Scheibenbremse vermeintlich antiquierte Technik schon auf dem Abstellgleis sieht. Ein zusätzliches Blech zwischen den Bremsarmen macht die Zange noch steifer, was sich vor allem bei hohen Kräften bemerkbar macht: Aus hohem Tempo lässt sich die Bremse so besser dosieren. Auch die maximale Bremskraft erhöht sich leicht - wobei das in der Praxis kaum eine Rolle spielt.
Zwei neue Laufradsätze passend zu den neuen Gruppen wird es auch geben. Während man sich mit dem WH-RS700 an Felgenbremsfahrer richtet, darf natürlich auch ein Scheibenbremslaufrad nicht fehlen. Letzteres hört auf den Namen WH-RS770 und ist ausschließlich mit E-Thru Steckachsen erhältlich.
Foto: Kerstin LeichtDie Ultegra-Bremsschalthebel für hydraulische Scheibenbremsen (links) und für Felgenbremsen (rechts) im Vergleich.
Gewicht und Verfügbarkeit
Ein wichtiges Thema - nicht nur für die potentiellen Kunden - sondern auch für Shimano selbst ist das Gewicht. Bei der neuen Ultegra konnte man gegenüber dem Vorgänger teils beachtlich einsparen. Bereits im Laufe des Junis ist mit den komplett mechanischen Varianten der Shimano Ultegra R8000 zu rechnen. Die Di2 Variante und die hydraulischen Scheibenbremsen folgen dann im August.
Die erste echte Überraschung teilt das Display der Feinwaage mit: Kein Gramm leichter ist die neue Ultegra geworden. Die meisten Teile wiegen nur wenige Gramm mehr oder weniger als die alten. Zwar hat der japanische Hersteller niedriges Gewicht nie zum Hauptziel seiner technischen Entwicklungen erklärt, dennoch war jede neue Generation der Ultegra in der Vergangenheit auch stets leichter geworden. Die Argumente für die neue Gruppe müssen also anderer Art sein.
Schaltperformance und Bedienkräfte
Wirklich frappierend ist, um wie viel besser die neue Gruppe schaltet. Mit der aktuellen Generation wird Shimanos Vorsprung gegenüber der Konkurrenz deutlich (unabhängig vom Funktionsprinzip), einen spürbaren Unterschied zwischen Ultegra und der viel teureren Dura-Ace hingegen gibt es nicht. Hier macht sich vor allem die veränderte Schaltwerksgeometrie bezahlt: Die von den Mountainbike-Gruppen übernommene Shadow-Technik verringert mit einem besser geführten Schaltzug die Reibung deutlich, die ohnehin schon leichtgängigen, teflonbeschichteten Shimano-Züge sind auch bei der neuen Ultegra Standard. Obwohl die Federspannung des Schaltwerks etwas erhöht wurde, sind die Bedienkräfte und Hebelwege bei den neuen Shimano-Gruppen geringer als je zuvor. Dabei wirkt das System keinesfalls teigig, der Hebel meldet mit einem hör- und spürbaren „Klick“ den vollzogenen Schaltschritt.
Neuer Schwung bei den Ultegra Schalthebeln: Beim ersten Griff an die Schaltbremshebel fällt deren leicht geänderte Form auf. Die Griffkörper sind schlanker, die Oberseite ist etwas flacher, sodass die Hände bequem aufliegen. Die Überzüge haben wie bei der Dura-Ace ein eingearbeitetes Profil, das den Gummi rutschfester machen soll. Ob das nötig ist, sei dahingestellt, aber es stört nicht, auch wenn man keine Handschuhe trägt. Dass die Bremshebel weiter nach außen geschwungen sind und der kleine Schalthebel leicht vergrößert ist, spürt man hingegen. Alle Hebel sind dadurch leichter zu erreichen. Geblieben ist, dass man den Abstand des Bremshebels zum Lenker mit einer Schraube unter dem Griffgummi einstellen kann.
Umwerfer: Kompakter und einfacher einzustellen
Auch der neue vordere Umwerfer überzeugt. Shimano ist vom vorherigen Design mit dem langen Arm an der Zugklemmung wieder abgerückt, der Umwerfer ist deutlich kompakter. Das schafft Platz, an Adventure- und Gravelbikes kann der Umwerfer dicken Reifen nicht mehr im Wege stehen. Viele Nutzer hatten die komplizierte Einstellung des bisherigen Systems kritisiert: Die verschiedenen Möglichkeiten, den Schaltzug zu klemmen, waren nicht selbsterklärend, und die Schaltqualität litt bei falscher Einstellung deutlich. Das ist nun wieder einfacher geworden, zudem hat der neue Umwerfer auch eine Schraube, mit der man die Zugspannung verändern kann, ohne den Zug lösen zu müssen - ein Novum bei mechanischen Schaltungen. Beim Wechsel der Kette von Blatt zu Blatt sind Kräfte und Wege ebenfalls geringer, aber auch die Charakteristik des Umwerfers hat Shimano verändert: Während man bei den bisherigen Gruppen gleichmäßig Kraft aufbringen musste, um die Kette vom kleinen auf das große Blatt zu bewegen, ist der Widerstand beim neuen Umwerfer am Anfang höher, verringert sich aber gegen Ende des Hebelwegs deutlich. Das fühlt sich direkter an und die Gefahr, dass die Kette wieder herunterfällt, weil man den Hebel nicht komplett durchgedrückt hat, wird kleiner.
Foto: Kerstin LeichtShimano ist vom vorherigen Umwerfer-Design mit dem langen Arm an der Zugklemmung wieder abgerückt, der Ultegra-Umwerfer ist deutlich kompakter und einfacher einzustellen.
Kurbel: Herzstück des Antriebs
Die Kurbel als Herzstück des Antriebs ist an das aktuelle Design angepasst, technisch hält sie das hohe Niveau der Vorgängerin. Shimano bleibt bei der bewährten Aluminium-Bauweise und dem Hollowtech-II-Standard mit Stahlwelle für das Tretlager. Das zweiteilige große Kettenblatt besteht auf der Innenseite aus Kunststoff und ist extrem steif, was eines der Geheimnisse der guten Schalteigenschaften ist. Die eingearbeiteten Steighilfen führen die Kette sauber und ohne große Geräusche zwischen den Kettenblättern. Die Kurbel wird es in den gängigen Varianten 50/34, 52/36 und 53/39 sowie als Cross-Variante mit 46/36 geben.
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