Shimano XT Bremsbeläge Organisch im Test: Eine umfassende Analyse

Die Shimano XT Bremse ist ein etablierter Klassiker im umfangreichen Sortiment des japanischen Herstellers. Seit vielen Jahren präsentiert sich Shimano mit einem breiten Portfolio, in dem neben Bremsen vor allem Schaltgruppen und Antriebe eine große Rolle spielen. Im getesteten Shimano-Line-up positioniert sich die XT-Reihe als mittlere Performance-Bremse.

Technische Details und Design

Mit einem Gewicht von 588 Gramm ohne Scheiben liegt die Vierkolbenbremse Shimano XT fast exakt im Durchschnitt. Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik. Das optische Design entspricht dem klassischen Shimano-Stil mit einer breiten, abgestützten Geber-Einheit.

Durchdachte Konstruktion

Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC. Dadurch kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden. Die Klemmung lässt sich leicht lösen, und dank der einteiligen Ausführung geht nichts verloren.

Einstellmöglichkeiten

Einfache Anpassungen sind dank werkzeugloser Hebelweitenverstellung und der „Free Stroke“-Schraube möglich, wobei Letztere eher eine Placebo-Wirkung hat. Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie ihre Markengeschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt. Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, ist man sicher.

Entlüftung und Wartung

Was das Entlüften angeht, gehören die Shimano-Bremsen zu den einfachsten im gesamten Testfeld. Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen. In der Regel genügt es, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.

Performance im Trail-Test

Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann dabei als „digital“ beschrieben werden: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich im Vergleich zu anderen Marken. Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR.

Auf dem Trail sind die XT und XTR ziemlich gleich, erst im Labortest werden die Unterschiede deutlich: Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und dicht gefolgt von der Shimano XTR.

Verbesserung der Bremsleistung

Mit Sinter Green-Belägen kann die Bremspower der Shimano XT aber noch deutlich gesteigert werden. Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als bei der SLX im direkten Vergleich. Das führt zu weniger Fading auf langen Abfahrten.

Shimano XT M8100 Vierkolben Bremse im Dauertest

Die Unterschiede zwischen den Modellen sind klein, sodass die Wahl für den Dauertest auf die XT M8100-Vierkolbenbremse fiel. Die großen Highlights der neuen Bremsen-Generation von Shimano stecken im Bremshebel. Er ist nicht nur mit einer breiten Klemme am Lenker befestigt, sondern stützt sich auch beim Bremsen an einem zweiten Auflagepunkt am Lenker. So soll der Hebel beim Betätigen noch steifer und das Fingergefühl noch direkter sein.

Typisch Shimano kommt die Servo-Wave-Technologie zum Einsatz, bei der zu Beginn die Beläge schnell an die Scheibe gedrückt werden. Im Verlauf des Hebelwegs verändert sich das Hebelverhältnis und die Bremse wird kräftiger. Ebenso typisch ist die werkzeuglose Hebelweitenverstellung, die einen breiten Einstellbereich bietet.

ICE-TECH-Bremsbeläge

Die neu designten Kühlrippen der ICE-TECH-Bremsbeläge sehen einfach klasse aus, können aber auf ruppigen Strecken laut und nervig klappern. Oftmals reicht es, die Belagfeder etwas weiter zu spreizen und die Beläge neu einzusetzen. Wenn das nichts hilft, lässt sich das Problem mit etwas Klettband zwischen Sattel und Kühlrippen in den Griff bekommen.

ICE-TECH-Bremsscheiben

Die schicken ICE-TECH-Bremsscheiben mit den überdimensionalen Kühlflächen kommen mit Dauerbremsen richtig gut zurecht, sind aber nur mit Centerlock-Naben kompatibel.

Performance auf dem Trail

Auf dem Trail überzeugt die Shimano XT M8100-Bremse vor allem mit ihrer Bremspower, die sie auch ohne viel Handkraft früh und vor allem konstant bereitstellt. Auch auf langen Abfahrten von 1.000 Höhenmetern und mehr konnte die sehr hitzebeständige Bremse nicht überfordert werden. Dazu tragen sicherlich auch die leichten ICE-TECH-Bremsscheiben mit Aluminiumkern und großzügigen Kühlflächen ihren Teil bei.

Druckpunktwandern

Ein Problem konnte Shimano auch mit der neuesten Bremsen-Generation nicht in den Griff bekommen: Der Druckpunkt der Shimano XT M8100-Bremse wandert vor allem auf ruppigen Trails beachtlich. Bei einer Bremsung packt die Bremse genauso zu wie man es sich wünscht, während der Druckpunkt vor der nächsten Kurve viel weiter vom Hebel entfernt sitzt, nur um vor dem nächsten Steilstück fast am Griff zu liegen. Regelmäßiges Entlüften und Überfüllen des Hebels kann hier Abhilfe schaffen.

Beim Wechsel der Beläge ist dann allerdings Vorsicht geboten, um die Dichtungen des Bremshebels beim Zurückdrücken der Kolben nicht zu sehr zu belasten. Hier empfiehlt es sich, den Entlüftungstrichter am Hebel anzusetzen und/oder die Druckpunktverstellung ganz zuzudrehen.

Bremsbeläge im Detail

Bremsbeläge müssen sich an die Scheibe gewöhnen, wobei es ruhig heiß hergehen soll. Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Bei Dauerbremsungen kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen. Darauf sollten beide Partner vorbereitet sein, sonst kann es sein, dass die Bremse kollabiert.

Materialien und Eigenschaften

Jeder Hersteller bietet verschiedene Arten von Belägen an, jede mit ihren Vor- und Nachteilen. Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein, dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen.

Der Test zeigt, dass es stark darauf ankommt, wie Bremsen eingefahren werden. Ein definierter Einbremsprozess ist wichtig, bei dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Das ist wichtig, damit sich auf Belag und Scheibe die sogenannte Reibschicht bilden kann.

Testbedingungen

In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest. Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht - in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht. So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben - oder eben bis zum Kollaps.

Testergebnisse

Die Bremsenklassiker Magura MT6, Shimano XT und Sram Guide wurden getestet, auf denen je zwei Originalbeläge sowie insgesamt vier Nachrüstbeläge getestet wurden. Wobei die Bremsenhersteller betonen, dass nur eigene Originalteile optimal zu ihren Bremsen passen und bei Verwendung von Fremdprodukten Garantie-, Gewährleistungs- und Haftungsansprüche in der Regel verfallen.

Nicht jede Paarung harmoniert also. Doch wenn man die richtige gefunden hat, kann es ruhig heiß hergehen. Auch nach der Eingewöhnungsphase.

Übersicht der Bremsbelag-Typen

  • Organische Beläge: Faserstoffe aus der organischen Chemie, meist leise und scheibenfreundlich. Fading-Gefahr bei extremer Hitze!
  • Sintermetall-Beläge: Extrem hitzebeständig und Fading-resistent, kann aber sehr laut werden. Leiten viel Hitze in den Bremssattel!
  • Beläge mit Kühlrippen: Sollen für eine bessere Wärmeabfuhr sorgen und so vor allem hitzeempfindliche Scheiben schonen.

Vergleich der Bremsscheiben

Die Wahl der Bremsscheibe beeinflusst die Bremsleistung maßgeblich. Hier eine Übersicht:

Modell Preis Gewicht Standfestigkeit Bremskraft Stärke Verschleißgrenze
Magura Storm HC 180 mm 30 Euro 140 Gramm extrem sehr hoch 1,95 mm 1,8 mm
Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm ca. 27 Euro 150 Gramm mittel mittel 1,72 mm 1,5 mm

Einbremsen der Bremsbeläge

Nur, wenn Beläge und Scheiben aufeinander eingestimmt werden, funktionieren die Bremsen optimal. So geht es:

  1. Einschleifen: Scheibe und Belag müssen sich geometrisch anpassen. Dazu die Bremse bei langsamer Fahrt drei Mal circa 30 Sekunden leicht schleifen lassen.
  2. Reibschicht erzeugen: Auf Belag und Scheibe muss sich eine mikroskopisch dünne Schicht bilden. Beschleunigen Sie auf circa 30 km/h und bremsen Sie dann bis auf Schritt-Tempo ab - und zwar so lange, bis sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöht, ungefähr 30 Mal.
  3. Heiß bremsen: Sinterbeläge benötigen teilweise hohe Temperaturen, um eine tragfähige Reibschicht zu erzeugen, organische Beläge können ausgasen. Bremsen Sie auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln) richtig heiß. Dann gut abkühlen lassen!

Fazit

Mit der neuesten Generation der XT-Vierkolbenbremse ist Shimano nicht nur optisch ein absolutes Highlight gelungen. Die XT M8100 zählt auch zu den kraftvollsten und standfestesten Bremsen auf dem Markt. Das Shimano-typische Hebelgefühl wird geschätzt. Es ist wichtig, die richtigen Beläge für die jeweiligen Bedingungen und Bremssysteme auszuwählen und diese korrekt einzubremsen, um die optimale Leistung und Sicherheit zu gewährleisten.

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