Die Bandbreite der Kassette hat bei allen Kettenschaltungen einen wesentlichen Einfluss auf die nutzbare Übersetzung.
In der Regel wird das kleinste und das größte Ritzel angegeben, bei einer 10-42-Kassette hat also das kleinste Ritzel 10 Zähne und das größte Ritzel 42 Zähne.
Die Bandbreite erhält man, indem man die Zähne des größten Ritzels durch die Zähne des kleinsten teilt, also z. B. 42/10 = 4,20 = 420 %.
Dabei wird offensichtlich, dass auch kleinste Veränderungen am kleinen Ritzel die Bandbreite sehr stark beeinflussen.
Eine 9-46-Kassette von E*thirteen hat z. B. 511 %, während eine 11-46-Kassette von Shimano gerade einmal 418 % bietet.
In der Praxis kommt es also nicht immer auf die Anzahl der Gänge an, sondern vor allem auf die Bandbreite der Kassette.
Wechselt man zum Beispiel von einer typischen 11-fach-Gruppe auf eine 12-fach-Schaltung wie die SRAM Eagle oder die neue Shimano XTR, gewinnt man im Grunde nicht nur einen, sondern zwei zusätzliche Gänge.
Während die Wahl der Kassette die Bandbreite des Antriebs festlegt, kann diese mit der Wahl des Kettenblatts verschoben werden.
Je kleiner das Kettenblatt, desto leichter wird der kleinste Klettergang; je größer das Kettenblatt, desto höher wird die Endgeschwindigkeit, in der man im größten Gang noch pedalieren kann.
Die Über- bzw. Untersetzung berechnet man, indem man die Zähne des Kettenblatts durch die Zähne des Ritzels teilt.
Ausgangspunkt ist eine Shimano XT 11-46-Kassette und ein Kettenblatt mit 32 Zähnen.
In dieser Konfiguration hat der kleinste Gang eine Untersetzung von 32/46 = 0,696 und der größte Gang eine Übersetzung von 32/11 = 2,909.
Eine SRAM 10-42-Kassette hat zwar eine sehr ähnliche Bandbreite, hätte bei einem 32er Blatt aber eine Untersetzung von 32/42 = 0,762 im kleinsten Gang und eine Übersetzung von 32/10 = 3,200 am anderen Ende des Spektrums.
Wechselt man beim SRAM-Antrieb auf ein 30er Kettenblatt, erhält man mit 30/42 = 0,714 bzw. 30/10 = 3,000 wieder eine ähnliche Übersetzung wie bei der Shimano XT mit 32er Blatt.
Habt ihr das Grundprinzip verstanden, lassen sich unterschiedliche Antriebe leicht miteinander vergleichen.
Wechselt ihr z. B. von einem 1×11 SRAM-Antrieb mit 32er Kettenblatt auf eine Eagle-Gruppe, könnt ihr auf ein 38er Kettenblatt umsteigen und erhaltet damit einen ähnlich leichten Klettergang wie bisher.
Gleiches gilt beim Wechsel auf die neue 12-fach XTR-Gruppe von Shimano, die sich mit ihrer 10-51 Kassette sehr ähnlich wie die SRAM Eagle verhält.
Wechselt ihr hingegen auf einen 1×11 Shimano-Antrieb, ist der kleinste Gang mit einem 34er Kettenblatt etwas leichter als bisher, bzw. mit einem 36er Kettenblatt etwas schwerer.
Die gleiche Rechnung funktioniert natürlich auch am anderen Ende des Gang-Spektrums.
Ein 29” MTB-Laufrad hat einen Außendurchmesser von 622 mm, mit einem typischen 2,35” Reifen beträgt der Gesamtdurchmesser ca. 735 mm.
Ein 27,5”-Laufrad mit einem Außendurchmesser von 584 mm kommt mit dem gleichen Reifen also auf einen Gesamtdurchmesser von ca. 697 mm.
Als Faustregel lässt sich feststellen, dass die Übersetzung beim Wechsel von 27,5” auf 29” nahezu gleich bleibt, wenn man ein Kettenblatt mit zwei Zähnen weniger montiert.
So entspricht die zurückgelegte Strecke im kleinsten Gang mit einem SRAM Eagle-Antrieb mit 34er Kettenblatt und 29” ca. 1,57 m pro Kurbelumdrehung, mit einem 36er Kettenblatt und 27,5” ca. 1,58 m.
Je größer die Bandbreite einer Kassette bei gleicher Ganganzahl, desto größer sind im Schnitt auch die Gangsprünge.
Kritisch wird es oft bei Nachrüstlösungen, bei denen bestehende 10-fach- oder 11-fach-Kassetten mit größeren Ritzeln erweitert werden.
Für einige Fahrer kann diese Lösung aber durchaus ein guter Kompromiss sein.
Wenn man die Größe des Kettenblatts wechselt, sollte man vorher genau prüfen, welche Kettenblattgrößen für den Rahmen zugelassen sind - vor allem bei großen Kettenblättern kann es Platzprobleme geben.
Je größer das Kettenblatt, desto geringer wird auch die Bodenfreiheit.
Besonders bei Bikes mit niedrigem Tretlager kann es dann öfter zu Aufsetzern kommen.
Welche Übersetzung sollte man denn jetzt fahren?
Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, dazu spielen die Faktoren Mensch und das bevorzugte Gelände eine zu große Rolle.
Doch wer die Berechnung der Übersetzung verstanden hat, kann auf Basis der aktuell verbauten Schaltung leicht entscheiden, welches Kettenblatt geeignet ist.
Bei einer kleinen internen Umfrage hat sich ein klarer Favorit herausgestellt: Die meisten würden auf eine SRAM Eagle oder die 12-Fach XTR mit einem 32er Kettenblatt bei 29” bzw. einem 34er Kettenblatt bei 27,5” setzen.
Gleiches gilt für einen Shimano-Antrieb mit 11-46-Kassette, bei SRAMs 1×11 Schaltungen würden die meisten ein 30er Kettenblatt bei 29” und ein 32er bei 27.5” auswählen.
1x10-fach Schaltung im Test
Seit vor einiger Zeit Sram mit der XX1 Gruppe die erste 1x11-fach Gruppe auf den Markt gebracht hat, ist der Trend, nur noch mit einem Kettenblatt an der Kurbel zu fahren, nicht mehr aufzuhalten.
Aber da es relativ teuer ist, direkt komplett umzusteigen, um das Prinzip auszuprobieren, habe ich mich dazu entschieden, zunächst die günstigere „light“ Version mit 1x10-fach zu testen und zu schauen, ob es sich für meine Anforderungen überhaupt lohnt, von 2 auf 1 Kettenblatt umzusteigen.
Bisher bin ich in der Kombination Kettenblätter 24/36 und 11-36 Kassette gefahren, was sowohl für das Aachener Umland als auch für die Alpen eine ausreichende Übersetzungsbandbreite zur Verfügung gestellt hat.
Nachdem die Idee, nur noch mit einem Kettenblatt zu fahren, in mir gereift ist, stand die Suche nach den passenden Komponenten auf dem Plan.
Da zu dem Zeitpunkt der Überlegungen Bionicon gerade das B-Ring Oval auf den Markt gebracht hat und ich mich an die Zeiten von Shimanos Biopace erinnert gefühlt habe, stand für mich relativ schnell fest, dass ich meinen 1x10-fach Test mit dem ovalen Kettenblatt von Bionicon durchführen möchte.
Die Entscheidung der Zahnanzahl war nicht ganz einfach, aber für die hiesigen Trails und Anstiege habe ich mich schlussendlich für das Blatt mit 32 Zähnen entschieden.
Um aber mit der Kombination auch künftig alle Anstiege ohne abzusteigen zu bewältigen, habe ich meine 11-36er Kassette um das Hope 40T-REx mit 40 Zähnen ergänzt, um weiterhin eine sinnvolle Übersetzungsbandbreite zur Verfügung zu haben und auch längere Anstiege zu erklimmen.
Dafür musste die Kassette nur um das 17er Ritzel erleichtert und das 40er einfach hinter dem 36 Zahn Ritzel auf dem Freilaufkörper montiert werden.
Um weiterhin vernünftig schalten zu können und die Umschlingung des Schaltwerks an den größeren Umfang des Ritzels anzupassen, musste nur die Schraube für den Endanschlag durch ein längeres Modell ersetzt werden, welches aber schon zum Lieferumfang des 40T-REx gehört.
Bei dem Kettenblatt gestaltete sich die Montage etwas schwieriger, da das B-Ring über eingeschnittene Gewinde verfügt und nicht wie bei dem vorherigen Blatt mit Gewindegegenhülsen gearbeitet wird.
Daher stellte sich bei der Montage heraus, dass die vorhandenen Schrauben ein Stück zu kurz waren und so nur wenige Gewindegänge im Kettenblatt griffen.
Dies erschien mir auf Dauer doch etwas zu unsicher, so dass ich mich auf die Suche nach passenden Schrauben machen musste, was sich als nicht so einfach erwiesen hat.
Aber letztendlich bin ich mit den Schrauben für die Race Face Atlas 3-fach Kurbel fündig geworden, so dass die Montage mit ruhigem Gewissen beendet werden konnte.
Da ich eine Shimano 3-fach Kurbel fahre, habe ich mir zusätzlich für lange Anstiege in den Bergen ein 24er Kettenblatt montiert, auf welches ich bei Bedarf „manuell“ schalten kann.
Nachdem alle Teile montiert und die Schaltung eingestellt war, konnte es endlich auf den Trail gehen und die neue Kombination konnte zeigen, was sie kann und ob die Umstellung für mich sinnvoll ist.
Gerade in Kombination mit einem runden Bashguard fällt die Ovalität des Bionicon Blattes optisch extrem auf und sorgt zunächst für einige verwunderte Blicke.
Bezüglich des Trittverhaltens durch das ovale Kettenblatt konnte ich ehrlich gesagt keine große Veränderung feststellen, abgesehen davon, dass ich bei manchen Gang- und Trittfrequenzkombinationen das Gefühl hatte, dass mir das Kettenblatt „sagt“, dass ich nicht die richtige Kombination fahre.
Das zeigt sich dadurch, dass ich ab und zu das Gefühl hatte, für einen kurzen Moment, am Totpunkt, ins Leere zu treten, was aber durch einen Gangwechsel behoben werden kann.
Gefühlt wird so immer der richtige Gang „vorgegeben“.
Da das Bionicon Kettenblatt über ein alternierendes Zahnprofil verfügt, das ein Abspringen der Kette verhindern soll, sitzt diese sehr fest auf dem Kettenblatt und ist mir bisher auch bei gröberem Geläuf nicht abgesprungen.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich am Anfang immer mit der SCS Kettenführung von Syntace unterwegs war, welche die Kette zusätzlich fixiert hat.
Zu Beginn meiner Testphase musste ich bei schlammigen Bedingungen feststellen, dass die Kette mehrfach vom Kettenblatt hochgezogen wurde und so für einen Chainsuck gesorgt hat.
Ich gehe davon aus, dass das Problem aufgrund der nötigen Einfahrzeit entstanden ist, da es nach ca. 50 Km nicht mehr aufgetreten ist und die Kette sich an die Form des Kettenblatts angepasst hat.
Der Härtetest für die 1x10-fach Kombination folgte Ende Mai bei der TrailTrophy in Latsch, im Vinschgau.
Im Vorfeld der Trophy habe ich in weiser Voraussicht und im Wissen um die Anstiege während des Rennens getestet, ob die Kette auf dem 24er Blatt sauber läuft, aber leider führte das Umlegen der Kette auf das 24er Kettenblatt zu einem Schleifen an der Kettenführung, so dass ich diese für die Trophy demontieren musste.
Zunächst dachte ich, das könnte ein Nachteil bei Abfahrten sein, aber durch die besondere Form der Zähne des Bionicon B-Ring Kettenblatts blieb die Kette auch bei heftigsten Schlägen sicher auf dem Kettenblatt liegen, so dass ich bereits nach der ersten Abfahrt keinen Gedanken mehr an die Kette bzw. das Kettenblatt verschwendet habe und mich voll auf das Biken konzentrieren konnte.
Besonders angenehm ist die Kombination des einen Kettenblatts und der größeren Abstufung der Kassette in Rennsituationen, da die Schaltvorgänge mit nur einem Shifter wesentlich schneller vonstattengehen und man sich keine Sorgen mehr um die Position des Umwerfers machen muss.
Die bisherigen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich im Alltag mit nur einem Kettenblatt sehr gut zurechtkomme, aber im alpinen Gelände doch nicht auf die Vorteile eines kleineren Kettenblatts verzichten möchte.
Ob dafür eine „2-fach“ Lösung wie aktuell an meinem Bike nötig ist oder evtl. eine reine 1x10 bzw. 1x11-fach Lösung mit kleinerem Ersatzkettenblatt reicht, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen, aber ich werde diese Kombination erstmal weiter fahren.
Nach ca. 5 Monaten mit dieser Kombination kann ich bisher für mich sagen, dass mir ein Kettenblatt in Kombination mit der 11-40er Kassette in den meisten Situationen reicht.
Neben der Reduzierung der Defektanfälligkeit ist die Gewichtsersparnis durch den fehlenden Shifter und Umwerfer natürlich auch sehr angenehm.
Bezüglich des Verschleißes kann ich bislang, weder bei dem B-Ring noch bei dem 40T-REx, Auffälligkeiten feststellen.
Ob die ovale Form des Kettenblattes einen Vorteil mit sich bringt, wird sich wohl nur im direkten Vergleich mit einem runden Blatt feststellen lassen.
Fahrrad-Kassetten im Vergleich (2025)
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene Fahrrad-Kassettenmodelle, verglichen anhand wichtiger Eigenschaften:
| Modell | Geeignet für | Anzahl Gänge | Gewicht | Übersetzung | Material |
|---|---|---|---|---|---|
| Bolany BIKECO-04020 | Mountainbike | 10 Gänge | 460 g | Leichte Übersetzung | Beschichteter Stahl |
| Shimano Deore XT | Citybike | Mountainbike | Rennrad | 11 Gänge | 600 g | Leichte Übersetzung | Aluminium |
| Sram XG-1275 GX Eagle | Citybike | Mountainbike | Rennrad | 12 Gänge | 816,5 g | Leichte Übersetzung | Keine Herstellerangabe |
| Gdwd 31 | Mountainbike | Rennrad | 10 Gänge | 538 g | Leichte Übersetzung | Stahl |
| ZTZ MTB-Kassette 10-fach | Mountainbike | Rennrad | 10 Gänge | 515 g | Leichte Übersetzung | Beschichteter Stahl |
| Ktkeet 11-32T | Citybike | Mountainbike | Rennrad | 10 Gänge | 356 g | Mittlere Übersetzung | Stahl |
| Shimano CS-HG500 | Citybike | Mountainbike | Rennrad | 10 Gänge | 300 g | Leichte Übersetzung | Beschichteter Stahl |
| Mszweirad Shimano CS-HG200 | Citybike | Mountainbike | Rennrad | 9 Gänge | 450 g | Leichte Übersetzung | Beschichteter Stahl |
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