Shimano XTR Schaltwerk 12-fach im Test: Eine umfassende Analyse

Die Marktführer Shimano und Sram vom Thron zu stoßen, haben schon viele probiert. Und nie geschafft.

Einleitung

Wer am MTB Gänge wechselt, tut das quasi immer mit Parts der beiden Branchenriesen Shimano und Sram. Shimano hat bei seiner neuen XTR-Schaltung, der sogenannten M9100, ein zwölftes Ritzel nachgelegt.

BIKE hat eine 1x12-Vorserien­-Gruppe für einen Praxis- und Labortest losgeeist. 12fach Antriebe erhalten seit letztem Jahr immer größeren Zuspruch und sind auf dem besten Wege zum State-of-the-Art in Sachen Mountainbike-Antrieb zu werden.

Es ist also wenig verwunderlich, dass es die Top-Gruppe von Shimano, die XTR, nun auch mit 1×12 Gängen erhältlich ist. Diese neue XTR-Generation hört auf den Namen XTR M9100.

Die nüchternen Fakten zur neuen Shimano XTR (vorgestellt am 25.5.2018) waren der ersten Pressemitteilung der Japaner bereits zu entnehmen: Wie die Eagle-Baureihe von Sram vereint auch Shimanos neue Top-MTB-Schaltung - die M9100 - zwölf Ritzel zu einer Kassette.

Auch wenn es die neue XTR alternativ mit einem Zweifach-Kettenblatt geben wird, folgt die 1x12-Variante klar dem sichtbaren Trend zum Einfach-Kettenblatt - mancher Rahmen sieht gar keine Umwerfermontage mehr vor.

Die Abstufung ist fast identisch. Mit 10 bis 51 Zähnen überbietet die Shimano XTR ab 2018 den Konkurrenten Sram lediglich um ein Zähnchen beim leichtesten Berggang.

Shimano XTR Di2 M9200: Die kabellose Revolution

Mit der neuen XTR-Funkschaltung schlägt Shimano zurück. Schnell, haltbar und edel soll der elektronische Antrieb sein.

Mit der neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe bringt der japanische Komponenten-Gigant erstmals eine vollständig kabellose Schaltgruppe auf den Markt. Verdammt schnell, präzise und robust soll sie sein. Wir hatten bereits die Chance, sie für euch zu testen.

Es ist die erste vollständig kabellose MTB-Schaltgruppe von Shimano und wurde vorgestellt, um dem Trend der Bike-Industrie zu folgen.

Die neue XTR M9200 Di2-Schaltgruppe soll nun schnelle und präzise Schaltvorgänge liefern und dabei vor allem robust sein.

Shimano ist durch seine Vorgängermodelle der SLX-, XT- und XTR-Reihen für grundsolide und langlebige Schaltgruppen bekannt.

Technische Details des XTR M9250 Di2 Schaltwerks

Die Bezeichnung Shimano XTR M9200 Di2 umfasst den kompletten Antriebsstrang, das heißt: Kurbel, Kassette und Schalthebel wurden alle erneuert. Das elektronische RD-M9250-Schaltwerk ist entweder mit einem kurzen als auch mittellangen Käfig verfügbar, um unterschiedliche Kassetten-Bandbreiten abzudecken.

Für E-MTBs gibt es ein neues und kabelgebundenes Schaltwerk namens RD-M9260, das weiterhin die FREE SHIFT- und AUTO-SHIFT-Funktionen unterstützt.

Passend dazu gibt es natürlich einen neuen elektronischen Schalthebel und, wie oben bereits angedeutet, alle weiteren Komponenten einer Schaltgruppe, deren genaue Bezeichnungen wir euch hier mal ersparen ;).

Gleichzeitig stellt Shimano auch eine neue XTR-Vier- und Zweikolbenbremse vor, die wir euch in einem separaten Artikel vorstellen.

Preisgestaltung und Verfügbarkeit

Preislich liegt die neue Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe auf dem High-End-Niveau der elektronischen Konkurrenz.

Zusätzlich zu allen einzelnen Komponenten gibt es für 999 € auch ein Upgrade-Kit, das Schaltwerk, Schalthebel, Akku und Ladegerät enthält.

Eine gesamte Gruppe gibt es leider nicht zu kaufen und ihr müsst hier alle Einzelpreise kombinieren. So kommt ihr dann bei ca. 2.000 € für eine komplette XTR-Gruppe raus.

Design und Konstruktion

Auf den ersten Blick wirkt das neue Shimano XTR M9250 Di2-Schaltwerk recht globig, aber auch robust. Durch seine keilförmige Konstruktion und das flach gehaltene Profil soll es nicht so leicht an Hindernissen hängenbleiben und so vor Beschädigungen bewahrt sein.

Der neue Di2-Akku ist sehr eckig gehalten und lässt sich von unten in das Schaltwerk einschieben. Es wird von einem Kunststoff-Cover mit Einrastmechanismus gesichert. So lässt sich der Akku zum Laden leicht entnehmen und wieder einsetzen.

Akkulaufzeit und Besonderheiten

Laut Shimano hält der Akku ca. 340 km, wenn man von 30 Schaltvorgängen pro Minute ausgeht, was ziemlich ist.

Nach 20 Minuten geht das Schaltwerk zudem in einem Schlafmodus über und lässt sich nur Betätigung des Schalthebels und nicht durch Wackeln wieder aufwecken. Das ist praktisch, denn so müsst ihr den Akku beispielsweise bei der Autofahrt nicht entnehmen, wo er sich sonst durch Vibrationen entladen würde.

Schaltwerk-Technologien

Was die Kettenspannung angeht, hat Shimano am neuen XTR M9250 Di2-Schaltwerk auf eine Kupplung verzichtet. Stattdessen setzt der Komponenten-Hersteller auf ein doppelt gefedertes Design, was dem Schaltkäfig eine extreme Spannung verleiht, aber auch zu Problemen führt.

Laut Shimano ist das neue Schaltwerk für die Verwendung mit UDH-Schaltwerken optimiert, auf die nahezu jedes moderne MTB setzt. Das soll die Schaltperformance nochmal verbessern, bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass die neuen Schaltwerke an Rahmen ohne UDH-Schaltauge nicht so optimal funktionieren.

Der elektronische Schalthebel SW-M9250 Di2

Der SW-M9250 Di2-Schalthebel glänzt mit super Ergonomie und vielen Einstellmöglichkeiten. Zudem gibt es mehrere Schaltmodi und eine Multi-Shift-Funktion, wenn ihr den Schalthebel gedrückt haltet.

Montiert wird der Di2-Hebel entweder über die I-SPEC-Klemmung mit einer Shimano-Bremse oder mit einer eigenen Klemmschelle.

Kassette und Kurbel

Die neue CS-M9200 12-fach-Kassette gibt es sowohl in einer 10-51- als auch in einer 9-45-Abstimmung und beide Modelle setzen auf die HYPERGLIDE+ Technologie. Die Kette hingegen ist gleich geblieben, da sie ja bereits schon bei anderen HYPERGLIDE-Modellen eingesetzt wurde.

Bei der Shimano XTR M9200 Di2-Kurbel gibt es zwei Modelle. Eine gewichtsoptimierte Variante für den XC-Einsatz und eine robustere Version für den Trail- und Enduro-Bereich.

Praxistest der Shimano XTR M9200 Di2

Bereits im Februar hatten wir die Chance, zwei Tage mit der neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe die Trails in Spanien unsicher zu machen. Auch haben wir einige Tage auf unseren Hometrails absolviert, um weitere Eindrücke zu gewinnen.

Ergonomie und Bedienung

Als Erstes fällt die sehr gelungene Hebel-Ergonomie auf, die mit ihren vielen Verstellmöglichkeiten glänzt. Das Klicken der Hebel ist deutlich spürbar und fühlt sich knackig an. So weiß man immer genau, wann man geschaltet hat.

Schaltgeschwindigkeit und -qualität

Die Schaltgeschwindigkeit kann per E-TUBE App in fünf Stufen eingestellt werden. Allerdings nimmt auch die Qualität der Schaltvorgänge mit steigender Geschwindigkeit ab und wir hatten während unserer Testfahrten mit höherer Schaltgeschwindigkeit ungewöhnlich viele unsaubere Schaltvorgänge.

Selbst im langsameren Modus gehört die XTR-Schaltgruppe zu den schnellsten Schaltungen auf dem Markt und liefert hier präzisere und leisere Schaltvorgänge.

Haltbarkeit und Verschleiß

Denn uns ist leider auch nach kurzer Zeit im schnellen Setting eine Kette gerissen und die XTR-Kassette hatte bereits nach ca. 50 km ordentliche Gebrauchsspuren. In den langsameren Settings ist das nicht passiert und die Kassette sieht auch nach mehreren Fahrtagen noch gut aus.

Geräuschentwicklung

In der Abfahrt erzeugt das XTR-Schaltwerk dann leider eine sehr hohe Geräuschkulisse bei Stufen oder Kompressionen, denn hier ist bei jeder Stufe ein lautes und metallisches Knallen vom Schaltwerk zu hören. Das ist leider sehr störend.

Alternativen und Vergleiche

Im direkten Vergleich zu Srams AXS Transmission Antrieben liegt die Präzision der neuen Shimano auch unter Last fast auf Augenhöhe - aber eben nur fast. Sram bleibt beim Schalten mit viel Kraftinput an der Kurbel ein My sauberer.

Die XTR hat jedoch gerade bei mehreren schnellen Gangwechseln hintereinander einen Geschwindigkeitsvorteil. In Rennsituationen dürfte das bedeutsamer sein als auf Feierabend-Tour.

Weitere Komponenten der XTR M9200 Gruppe

Neben der Schaltung wurden auch die Bremsen und Laufräder der XTR-Serie überarbeitet.

Shimano XTR Bremsen

Eine große Stärke aller Shimano-Bremsen bringt auch die neue XTR wieder mit: Montage und Entlüftung sind ein Kinderspiel. Ebenfalls erfreulich bekannt: die kurze Einbremsdauer.

Für eine leichte Race-Bremse legt die Zweikolben-XTR eine ordentliche Power an den Tag. Beherzt greifen die Stopper in die neuen Scheiben. Der Druckpunkt war im ersten Test durchgehend zuverlässig und konstant.

Die Enduro-Bremse der neuen XTR-Familie setzt auf vier Kolben in je zwei unterschiedlichen Größen. Die Bremsbeläge klappern trotz Kühlrippen nicht.

Shimano XTR Laufräder

Ganz ähnlich, wie der Rest der neuen XTR-Gruppe, bauen die Carbon-Felgen der getesteten Enduro-Variante optisch bullig.

Mit 1806 Gramm pro Satz bricht Shimano keine Rekorde. Der Tubeless-Aufbau gelingt mittels vormontierten Ventilen und Felgenband problemfrei und schnell.

Erfahrungen von Profi-Fahrern

Marathon-Legende und Shimano-Athlet Karl Platt schraubte die neue XTR an sein Racebike und fuhr die brandneue Schaltgruppe zum ersten Mal. Platt bestätigte, dass die Schaltgeschwindigkeit der XTR M9200 richtig Laune macht.

Er bemerkte auch, dass die neue Crosscountry-Bremse überraschend viel Wumms hat, obwohl er bisher die XTR-Bremsen mit vier Kolben bevorzugte.

Die neue XTR M9100 im Detail

Vor wenigen Wochen hat Shimano die neue XTR M9100 Schaltgruppe vorgestellt und schlägt damit ein neues Kapitel auf. Wir hatten die Gelegenheit die brandneuen 12-fach-Komponenten und die neue XTR 4-Kolben-Bremse zu testen und verraten euch, was die neue Highend Gruppe kann.

Die 12-fach Schaltung

Die offensichtlichste Neuerung ist der Sprung von 11 auf 12 Gänge. Der 12. Gang ist in der Praxis weit mehr als nur ein weiterer Klick am Schalthebel, denn er ebnet den Weg für einen breitbandigen 1-fach-Antrieb ohne Umwerfer.

Übersetzung und Bandbreite

Die neue 10-51Z XTR Kassette bietet 22% mehr Bandbreite als die bisher breitbandigste Shimano Lösung, die 11-46Z XT Kassette für 11-fach Antriebe. In der Praxis lässt die Bandbreite kaum mehr Wünsche offen: Egal ob super steiler Anstieg oder Highspeed Downhill, es gibt einen passenden Gang für (fast) jede Biker-Lebenslage.

Freilauf und Naben

Das kleine 10er Ritzel erfordert einen neuen Freilauf, die XTR ist nicht mit bisherigen Naben kompatibel. Bisher ist die Wahl der Naben durch den neuen MICRO SPLINE-Freilauf noch recht eingeschränkt, denn neben der Shimano-eigenen XTR-Nabe wird vorerst nur DT Swiss entsprechende Freilaufkörper anbieten.

SCYLENCE-Technologie

Dank der SCYLENCE-Technologie entfällt das gewohnte Rattern der Sperrklinken oder Zahnscheiben völlig, die Nabe gitb beim Rollen keinen Laut von sich.

Schalthebel und Bedienung

Die neuen Schalthebel lassen sich dank I-SPEC-EV direkt am Bremshebel montieren und die Position lässt sich in Längsrichtung und Rotationsrichtung großzügig anpassen.

Schaltverhalten und Performance

Bereits bei den ersten Schaltvorgängen fällt auf wie, sanft und leise die Gangwechsel mit der neuen XTR M9100 durchgeführt werden. Wirklich beeindruckend ist jedoch das Schaltverhalten unter Last, denn die neue XTR wechselt die Gänge auch mit viel Druck an den Pedalen, ohne zu murren.

Die neue XTR 4-Kolben-Bremse

Für Trail- und Endurofahrer stellt Shimano eine komplett neue XTR 4-Kolben-Bremse vor, die der Schaltung fast ein wenig die Schau stiehlt. Die neuen XTR-Bremsen bieten massig Power, lassen sich dabei aber deutlich besser dosieren als bisherige Shimano-Bremsen.

Zusammenfassung der Testeindrücke

  • Schnelle und präzise Schaltvorgänge: Die XTR Di2 begeistert mit ihrer hohen Schaltgeschwindigkeit, die per App einstellbar ist.
  • Ergonomische Schalthebel: Die Hebel sind vielseitig einstellbar und bieten eine gute Haptik.
  • Hochwertige Materialien und Verarbeitung: Die XTR-Gruppe überzeugt mit robusten und langlebigen Komponenten.
  • Hoher Preis: Die XTR Di2 ist eine High-End-Gruppe, die entsprechend teuer ist.
  • Geräuschentwicklung: In der Abfahrt kann das Schaltwerk laute Geräusche verursachen.

Gewichte und Preise im Überblick

Alle der folgenden Angeben beziehen sich auf die getestete, fahrfertige Trail-/Enduro-Version der neuen Teile:

Komponente Gewicht Preis (Euro)
Schaltwerk (kurzer Käfig, inkl. Akku) 388 g 664,95
Schalthebel 101 g 234,95
Kassette (9-45 Z.) 322 g 504,95
Kette (ungekürzt) 269 g 78,95
Kettenblatt (30 Z.) 63 g 174,95
Kurbel (170 mm) 528 g 334,95
Innenlager (BSA) 75 g 50,95
Antriebsgruppe gesamt 1746 g 2044,65 (999 als Upgrade-Kit)
Bremse (vorne / hinten) 296/312 g je 314,95 (649,95 als Upgrade-Kit)
Bremsscheibe (Centerlock, vorne 203 mm / hinten 180 mm) 165/136 g -
Laufradsatz 1806 g 1649

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