Sicherheit beim Radfahren: Tipps für unbeschwerte Touren

Fahrrad-Unfälle haben oftmals schwere Folgen für die Verletzten. Umso wichtiger ist es, sich der Risiken bewusst zu sein und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen, Ihre Sicherheit beim Radfahren zu erhöhen.

Unfallstatistik und Ursachen

Im Jahr 2015 hat die Zahl aller in Deutschland verunglückten Radfahrer gegenüber dem Vorjahr wieder zugenommen: 77.793 Fahrradbenutzer erlitten einen Unfall. Die Zahlen lassen nur begrenzt Rückschlüsse auf die Unfallursachen zu. Eine mögliche Ursache speziell für Unfälle mit PKW-Beteiligung kennt vermutlich jeder aus der täglichen Praxis: Aufgrund der schmalen Silhouette werden Radfahrer oft sehr spät oder überhaupt nicht erkannt. Kritisch wird dies z. B. bei Dunkelheit, Regen und Nebel.

Sehen im Dunkeln

Man muss sich immer wieder darüber bewusst werden: die Sehschärfe bei Dämmerung oder Dunkelheit ist deutlich eingeschränkt, die Leistungsfähigkeit unserer Augen wird mit abnehmender Helligkeit geringer. Das hängt mit dem Sehvorgang zusammen. Am Sehvorgang sind zwei verschiedene Arten von Lichtsinneszellen beteiligt: Zapfen und Stäbchen. Zapfen ermöglichen, dass wir bei Helligkeit scharf sehen und Farben wahrnehmen können. Die Zapfen, die für das Scharfsehen verantwortlich sind, benötigen eine Mindesthelligkeit. Diese ist bereits bei Dämmerung nicht mehr gegeben. Mit den Stäbchen können wir nur hell und dunkel unterscheiden. Hinzu kommt, dass bei geringer Helligkeit die Pupillen weit geöffnet sind, um möglichst viel Licht ins Auge zu lassen.

Ausrüstung für Fahrrad und Fahrer

Sich sichtbar machen, geeignete Ausrüstung für Fahrrad und Fahrer benutzen. Radfahrer werden wegen ihrer schmalen Silhouette oft erst spät oder überhaupt nicht erkannt.

Ausrüstung des Fahrrads

Jedes Fahrrad muss den Vorschriften der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) entsprechen. In der StVZO ist u. a. Mit dem Wegfall der "Dynamopflicht" im Jahr 2013 ist die Energieversorgung der Fahrradbeleuchtung nun auch über Batterie- und Akkustrom erlaubt (Nennspannung der Batterie 6 V). Leuchten mit Standlichtfunktion sind besonders empfehlenswert, weil sie ohne Batterie oder Akku auskommen und bei Fahrtunterbrechungen mehrere Minuten - bei Rückleuchten bis zu 30 Minuten - genau so hell leuchten, wie während der Fahrt. Speichenreflektoren sollten eine Arretierung haben, damit sie sich nicht von den Speichen lösen können.

Ausrüstung des Fahrers

Wer bei schlechter Sicht mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte grundsätzlich helle Kleidung tragen. Um auf sich aufmerksam zu machen, sind reflektierende Gürtel, reflektierende Armbinden und reflektierende Regenschutzkleidung zu empfehlen. Es kommt leider gelegentlich vor, dass Radfahrer belästigt oder gar angegriffen werden. In solchen Situationen hat es sich bewährt, durch Alarmgeräte, wie z. B. Pfeifen, Passanten auf sich aufmerksam zu machen und den Angreifer möglicherweise zu verunsichern. Wenn mit Schnee und Eis zu rechnen ist, sollte man Gleitschutz (z. B. Schuhspikes) griffbereit haben.

Weitere Sicherheitstipps

  • Radwege benutzen: Es ist vor allem notwendig, vorhandene Radwege zu nutzen. Auf dem Radweg sollte man aber immer mit Fußgängern rechnen.
  • Helm tragen: Kommt es zu einem Unfall mit dem Fahrrad, ist der Kopf besonders gefährdet. Bei Fahrradunfällen mit tödlichem Ausgang sind Kopfverletzungen häufig die Todesursache - das zeigen statistische Auswertungen. Der Schutz des Kopfes ist deshalb besonders wichtig. Fahrrad-Schutzhelme dämpfen Stöße und verteilen die Kräfte auf eine größere Fläche. Dies ist zwar kein 100%iger Schutz, kann aber die Unfallfolgen zumindest bei Kopfverletzungen erheblich mindern. Das Tragen eines Schutzhelms sollte daher für jeden Radfahrer selbstverständlich sein.

Die Modellpalette bei Helmen ist groß, beim Kauf sollte man auf das GS-Zeichen achten. Grundsätzlich sollen Helme eine dicke Hartschaumschale haben, die von einer Folie oder harten Schale überzogen ist. Ideal sind helle Farben mit reflektierendem Dekor. Beim Helmkauf muss auf Passform und Tragekomfort geachtet werden. Lieber einen etwas zu großen Helm wählen, bei dem die Größe mit einem Schaumgummikissen oder im Winter mit einer wärmenden Mütze angepasst werden kann.

Checkliste für mehr Sicherheit

Überlassen Sie Ihre Sicherheit nicht dem Zufall. Insbesondere folgende Teile Ihres Rades sollten regelmäßig auf die Funktionsfähigkeit überprüft werden:

  • Bremsen: Belag auf Abnutzung, Bowdenzüge auf Verschleiß, Gesamtsystem auf Bremswirkung und leichte Bedienbarkeit
  • Beleuchtung: Leuchten vorn/hinten, Verkabelung
  • Tragende Teile: (Rahmen, Gabel, Lenker, Sattelrohr) auf Risse, Deformierung, lose Schrauben
  • Antrieb: Kette, Pedale, Kettenblatt, Ritzel, Schaltung

Gehen Sie mit Ihrem Fahrrad regelmäßig zu einem fachmännischen Check, beispielsweise immer im Frühjahr.

Verhalten im Straßenverkehr

Sie fahren ein Fahrzeug und sind damit ebenso Verkehrsteilnehmer wie Auto- oder Motorradfahrer. Mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gilt auch für Radfahrer, insbesondere die Regeln für Vorfahrt - Straßenbenutzung durch Fahrzeuge/Rechtsfahrgebot - Verkehrszeichen und Signale - Abbiegen, Wenden und Einordnen in den fließenden Verkehr - Verhalten an Fußgängerüberwegen und Haltestellen.

Es gibt benutzungspflichtige Radwege (gekennzeichnet mit einem blauen Schild) und solche, die nur ein Angebot für Radfahrer sind. Doch alle diese Radwege sind nicht immer sichere Zonen. Wenn man auf ihnen fahren muss, dann mit besonderer Vorsicht. Besondere Gefahrstellen bilden jede Kreuzung, Einmündung, jede Ein- und Ausfahrt. Besonders gefährlich sind linksseitige Radwege. Auf ihnen befindet man sich noch mehr außerhalb der auf die Fahrbahn und auf Rechtsverkehr konzentrierten Wahrnehmung.

Auch benutzungspflichtige Radwege müssen Sie nicht benutzen, wenn sie absolut unzumutbar bzw. überhaupt nicht befahrbar sind. Dies ist z.B. der Fall, wenn Autos auf Radwegen parken oder andere Hindernisse einen Radweg blockieren - kein Winterdienst erfolgte - sich Baustellen auf dem Radweg oder Scherben befinden.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass man auf Radwegen unsicherer fährt als auf der Fahrbahn daneben. Das Gefühl der Sicherheit auf Radwegen trügt. Fahren Sie niemals auf Radwegen entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Die einzige Ausnahme, wo dies sogar vorgeschrieben ist, sind so genannte Zweirichtungsradwege.

Gehwege sind für Radler tabu.

Grundtechniken und Fahrverhalten

aktiv Radfahren empfiehlt jedem Radfahrer das Verinnerlichen von Grundtechniken wie die vorausschauende Blickführung und das Beherrschen von Manövern wie Vollbremsung oder schnelle Kurvenfahrten auf verschiedenen Untergründen. Auch schweres Gepäck am Rad verändert das Fahrverhalten und will geübt sein.

Aktuelle LED-Strahler leuchten die Fahrbahn dutzende von Metern weit aus und ermöglichen es Radfahrern, innerhalb der einsehbaren Wegstrecke jederzeit zum Stillstand kommen zu können. Nehmen Sie genug Essen und Getränke auf eine Radtour mit, da man bei einem „Hunger­ast“ oder „Dehydration“ nicht mehr Herr der Lage ist. Zu einem Start der Radtour gehört ein reichhaltiges Frühstück.

Zwischendurch lässt sich der Energiebedarf mit Obst, belegten Broten, Joghurt oder mittags mit einem Salat oder anderer leichter Kost decken. Wichtig ist zudem, dass man während der Fahrradtour ausreichend trinkt, je nach Temperatur und Anstrengung zwei bis drei Liter am Tag, und am besten bevor der große Durst kommt. Bewährt haben sich Fruchtsäfte, mit Mineralwasser zur Schorle gemischt. Auch Früchtetee oder alkoholfreies Bier eignen sich, um den Mineralstoff- und Vitaminhaushalt auszugleichen.

Achten Sie darauf, die Wahl Ihrer Kleidung den Wetter- und Fahrtbedingungen anzupassen. Helle Kleidung in auffälligen Farben mit zusätzlichen Reflektoren erhöht die Sichtbarkeit im Straßenverkehr. Baumwolle ist als Funktionskleidung nicht sinnvoll, da sie den aufgesogenen Schweiß nur sehr schwer wieder abgibt, besser sind Merino oder Synthetikfasern.

Gute Radjacken haben unter anderem einen verlängerten Rücken, eine Kapuze und rutschfeste Bündchen. Zum Schutz vor Nässe sollten die Nähte verklebt und Taschen sowie Reißverschlüsse mit überlappenden Abdeckleisten versehen sein. Hosen und Shirts sollten in jeder Fahrposition gut passen und bequem sein. Hosenbeine dürfen nicht in die Kette und weite Röcke nicht in die Speichen geraten.

Rücksichtnahme im Straßenverkehr

Fahrradfahren hält fit, schont die Umwelt und macht Spaß. Allerdings sind im täglichen Verkehr nicht nur Radfahrende unterwegs. Zu Fuß, auf dem E-Scooter, im Auto: Die Anzahl und die Vielfalt der Verkehrsteilnehmenden sind groß. Damit alle gut und sicher an ihrem Ziel ankommen, ist vor allem eines geboten: gegenseitige Rücksichtnahme.

Gerade in der Stadt ist das Fahrradfahren mit einer Vielzahl von Herausforderungen verbunden. Viele verschiedene Verkehrsteilnehmende bedeuteten gleichzeitig viele verschiedene Sichtweisen und Interessen auf der Straße. Häufig kommt es zu Konflikten oder sogar Unfällen, weil es an Rücksichtsnahme und Verständnis füreinander fehlt. Besonders für Radfahrende kann dies gefährlich werden, da sie im Vergleich zu Autofahrenden ungeschützter sind und ein höheres Risiko tragen, bei Kollisionen verletzt zu werden.

Dabei ist Sicherheit und Rücksicht die gemeinsame Verantwortung aller Verkehrsteilnehmenden.

  • Vorausschauende Fahrweise: Vermeiden Sie riskante Manöver und behalten Sie immer eine defensive Fahrweise bei. Seien Sie also stets darauf vorbereitet, dass andere Verkehrsteilnehmende Fehler machen könnten.
  • Sichtbarkeit erhöhen: Tragen Sie helle Kleidung und nutzen Sie Reflektoren sowie Beleuchtung, um bei schlechten Lichtverhältnissen gut sichtbar zu sein.
  • Handzeichen geben: Kommunizieren Sie Ihre Absichten klar und deutlich durch Handzeichen.

Tipps für spezielle Situationen

Beladen des Fahrrades

Beim Beladen des Fahrrades ist auf die richtige Gewichtsverteilung zu achten. Speziell beim Transport von schweren Lasten sollte langsam gefahren werden, da die Fahrstabilität sehr gering ist. Der Lastschwerpunkt soll möglichst niedrig sein und die Last gleichmäßig verteilt werden. Die Hauptlast soll in Gepäcktaschen am Hinterrad verteilt werden. Lenkertaschen und vordere Taschen dürfen nur mit geringen Gewichten beladen werden, da sonst die Lenkeigenschaften des Fahrrads erheblich beeinträchtigt werden.

Standsicherheit beim Abstellen

Speziell schwer beladene Fahrräder können beim Abstellen leicht kippen. Kippt das Fahrrad, wird man instinktiv versuchen es abzufangen, um eine Beschädigung des Transportguts zu vermeiden.

Fahrrad an die Körpergröße anpassen

Jedes Fahrrad muss auf die Körpergröße des Nutzers abgestimmt sein. Auch die Sitzposition bzw. der Lenker-Vorbau müssen korrekt eingestellt sein. Dies ist besonders in brenzligen Situationen wichtig, wenn man plötzlich bremsen oder rasch beschleunigen muss. Die Sitzhöhe ist dann richtig, wenn die Ferse des ausgestreckten Beins im Sitzen auf dem unteren Pedal aufliegt.

Zeitungszusteller

Zu beachten ist, dass handelsübliche Fahrräder in der Regel nicht für das tägliche Transportieren schwerer Lasten ausgelegt sind. Für das regelmäßige Transportieren von Lasten in der Größenordnung ab 50 kg gibt es spezielle Lastenfahrräder, die für höhere Belastung ausgelegt sind.

Checkliste für Notfälle

  1. Schutzausrüstung tragen - Sicherheit geht vor!
  2. Regelmäßige Wartung des Fahrrads
  3. Notfallwerkzeug und Ersatzteile immer dabei haben
  4. Kommunikation und Navigation sicherstellen
  5. Grundlegende Erste-Hilfe-Kenntnisse
  6. Notfallkontakte speichern
  7. Wetterbedingungen berücksichtigen
  8. Sichtbarkeit im Verkehr erhöhen
  9. Selbstverteidigung und Deeskalation
  10. Versicherungsschutz überprüfen

Vorsorge ist besser als Nachsorge! Mit einer guten Vorbereitung kannst du viele Notfälle vermeiden oder zumindest angemessen darauf reagieren. Egal, ob auf dem Arbeitsweg oder einer langen Radtour - mit diesen Tipps bist du für jede Situation gewappnet.

ADFC - Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen.

Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.

Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.

Vorteile einer ADFC-Mitgliedschaft

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