Motorradfahren ist Freiheit auf zwei Rädern. Doch so leicht und mühelos es oft aussieht, ist es in Wirklichkeit keineswegs, denn Motorradfahren ist körperlich fordernder, als man zunächst vermuten mag. Wer schon einmal eine längere Tour oder ein Rennen gefahren oder mit einem schweren Bike durch kurviges Gelände manövriert ist, weiß: Der Körper arbeitet mit.
Es geht um Gleichgewicht, Koordination, Reaktion, aber auch um Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Bei jedem Bremsvorgang, in jeder Kurve, bei plötzlichen Ausweichmanövern oder beim Manövrieren auf engem Raum wird der gesamte Körper beansprucht. Der Fahrer stabilisiert das Motorrad schließlich nicht nur mit der Lenkung, sondern oft auch durch Gewichtsverlagerung und Körperspannung. Hinzu kommt, dass der Fahrtwind hohen Luftwiderstand erzeugt und Vibrationen über längere Zeit auf Hände, Arme und Rücken einwirken. Ein trainierter Körper hilft dabei, das Motorrad präziser zu steuern, schneller zu reagieren und Ermüdung vorzubeugen. Das wiederum erhöht die Sicherheit auf der Straße.
Warum Muskelaufbau für Motorradfahrer wichtig ist
Motorradfahren erfordert vor allem funktionale Kraft, also keine Maximalkraft wie im Kraftsport, sondern die Fähigkeit, die eigene Muskulatur effizient und gezielt einzusetzen. Besonders wichtig ist die Rumpfkraft. Mangelt es an ihr, kann es leicht zu unkontrollierten Bewegungen kommen, die das Handling des Motorrads erschweren und das Sturzrisiko erhöhen. Eine starke Körpermitte ist essenziell, um das Gleichgewicht zu halten, in Kurven stabil zu bleiben und Vibrationen abzufangen. Gerade auf längeren Touren neigen viele Motorradfahrer zu Fehlhaltungen wie einem Rundrücken. Durch regelmäßiges Core-Training fällt es leichter, auch über Stunden hinweg eine korrekte Körperhaltung und die Kontrolle über das Motorrad beizubehalten. Core-Training beugt außerdem Schmerzen und Verletzungen vor, indem es die Wirbelsäule stabilisiert und die Belastung auf Rücken und Gelenke reduziert.
Auch hier schützen starke Muskeln nicht nur vor Ermüdung, sondern auch die Gelenke und Knochen, indem sie Stöße und Belastungen besser absorbieren. Das reduziert das Risiko von Verletzungen sowohl während der Fahrt als auch im Falle eines Sturzes. Wer aufs Motorrad steigt, sollte also vorher besser etwas für seine Muskeln getan haben. Ein schneller Muskelaufbau gelingt mit einer Kombination aus zielgerichtetem Training, ausreichend Regenerationsphasen und einer angepassten Ernährung.
Regelmäßiges Ausdauertraining kann dazu beitragen, die körperliche Belastbarkeit auf längeren Fahrten deutlich zu erhöhen. Denn eine solide Grundlagenausdauer verbessert die Durchblutung, die Sauerstoffversorgung und die generelle Leistungsfähigkeit - selbst bei hohen Temperaturen unter Motorradkleidung. Zusätzlich wird die Konzentrationsfähigkeit mit einer höheren Ausdauer gesteigert. Neben Kraft und Ausdauer ist auch Beweglichkeit entscheidend. Ein guter Bewegungsradius in Schultern, Hüfte und Halswirbelsäule erlaubt es, besser in Kurven zu schauen, sich auf dem Bike zu bewegen und weniger Verspannungen zu entwickeln.
Wer regelmäßig Motorrad fährt, sich sonst aber nicht nennenswert sportlich betätigt, sollte mindestens zweimal pro Woche ein kurzes, aber gezieltes Training absolvieren. Es müssen keine stundenlangen Einheiten sein. Schon 20 bis 30 Minuten reichen oft aus, um effektiv zu trainieren. Über den Winter steht das Motorrad meist in der Garage, weshalb der Körper erst wieder aufs Fahren eingestellt und darauf vorbereitet werden muss. Ideal ist eine Mischung aus Kräftigung, Mobilisation und Ausdauer. Wichtig: Es geht nicht darum, ein Leistungssportler zu werden.
Die richtige Balance: Ausdauer und Krafttraining
Motocross-Fitnesstraining soll die Muskulatur intensiv fordern, sich darüber aber nicht dem Konditionsaspekt verschließen. Entscheidend ist die Balance. Nur mit dem richtigen Mix aus Ausdauer- und Krafttraining gelingt das richtige Motocross-Workout. Wenngleich es auch damit nicht getan ist.
Ihr Motocross-Fitnesstraining sollten Sie grundsätzlich vielseitig aufbauen, mit Ausdauereinheiten auf der einen und Kraftübungen auf der anderen Seite. Die Kondition trainieren Sie dabei durch Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Beim Krafttraining für Motocross orientieren Sie sich an den oben aufgeführten Übungen.
Wir haben für Sie als Hobbyfahrer für Ihre Kraft- und Ausdauereinheiten für das MX-Fitnesstraining einen Trainingsplan erstellt. Steigern Sie Ihre Gewichte beziehungsweise Intensität jede Woche. Außerdem empfehlen wir Ihnen, in Ihre Laufeinheiten Übungen für Reaktionstraining einzubauen. Wenn Sie auch Enduro-Wettbewerbe ausprobieren wollen, sollten Sie einen zusätzlichen Fokus auf die Ausdauerübungen legen.
So viel Spaß die schnelle Runde macht, mit all ihren Sprüngen, Schlamm- und Schlaglöchern und unvorhersehbaren Kurven verlangt sie dem Körper einiges ab. Umso wichtiger ist eine gute Fitness. Gehen Sie also unbedingt Ihr Motocross-Fitnesstraining an.
Effektive Übungen für Motorradfahrer
Beim Krafttraining für Motorradfahrer gibt es einige Übungen, die sich besonders bewährt haben:
- Kniebeugen: Kniebeugen eignen sich aus diversen Gründen als Motocross-Krafttraining. Primär arbeiten Sie dabei an Ihren Adduktoren, dem vorderen Oberschenkel sowie Ihrem Gluteus maximus (Po-Muskulatur). Alles Muskelgruppen, die Sie für eine schnelle Runde auf dem Motocross-Parcours benötigen. Mit dem BOSU-Ball trainieren Sie zusätzlich Ihr Gleichgewicht. Legen Sie ihn mit der flachen Seite auf den Boden und steigen Sie dann auf die runde, weiche Oberfläche. Dort müssen Sie nun immer wieder ausgleichen, wenn Sie mit nach vorne ausgestreckten Armen langsam in die Knie und wieder nach oben gehen.
- Kettlebell Swings: Kugelhanteln, sogenannte Kettlebells, eigenen sich hervorragend für das Motocross-Training, da Sie die Übungen dynamisch durchführen. Das bezieht gleich mehrere Muskelgruppen mit ein. Das Gewicht selbst ist kugelförmig und aus einem Guss mit einem massigen Griff gefertigt. So können Sie Kugelhanteln schwingen. Kettlebells gibt es mit unterschiedlichen Gewichten. Fangen Sie also behutsam an, aber nehmen Sie auch nicht zu wenig. Sonst entsteht kein Schwungeffekt - und der ist essenziell für den Kettlebell Swing. Am Anfang stehen Ihre Beine etwas weiter als schulterbreit auseinander. Der Körper ist bereits unter Spannung. Die Kettlebell liegt bei ausgestreckten Armen vor Ihnen auf dem Boden. Wichtig ist, dass der Schwung aus dem unteren Rücken und dem Unterkörper kommt. Auch wenn Sie die Kugelhantel mit den Händen greifen, dient der Kettlebell Swing der Rumpfstabilisation, nicht der Armkräftigung.
- Schulterdrücken: Arm- und Schultermuskulatur, der Bizeps und der Nacken sollten immer Teil eines Motocross-Fitness-Workouts sein. Führen Sie die Übung zum ersten Mal durch, nutzen Sie zunächst Kurzhanteln. Sie erleichtern Ihnen am Anfang eine saubere Durchführung. Fällt Ihnen diese Übung am Anfang schwer? Dann führen Sie das Schulterdrücken mit nur einer Hand aus. Die Langhantel liegt in der Ausgangsposition auf Schulterhöhe auf ihren Handwurzeln, möglichst nah am Handgelenk auf.
- Liegestütze: Liegestütze in Ihr Motocross-Fitnesstraining einzubauen, macht aus mehreren Gründen Sinn: Zum einen benötigen Sie kein Equipment und können die Übung jederzeit einbauen. Wichtig beim Ausführen von Liegestützen ist eine konstant hohe Körperspannung. Nur so können Sie eine gerade Linie aus Beinen, Oberkörper und Kopf bilden. Ihre Hände liegen schulterbreit mit nach vorne zeigenden Fingerspitzen auf dem Boden bzw. Ihre Füße berühren mit abgewinkelten Zehen den Untergrund, wobei Sie sie so weit auseinander bewegen, dass Sie einen festen Halt haben. Legen Sie Ihren Kopf nicht in den Nacken. Von dort drücken Sie sich wieder nach oben. Einsteiger können statt der Füße auch die Knie ablegen. So sinkt der Kraftaufwand. Für Fortgeschrittene bietet sich an, schnell nach oben zu kommen und in die Hände zu klatschen. Geübte Sportler können auch negative Liegestütze durchführen. Dabei liegen die Füße erhöht.
- Mountain Climbers: Mit Mountain Climbers können Sie Kraft- und Ausdauertraining für Motocross kombinieren. Sie trainieren dabei Ihren Rumpf, Ihre Schultern und Arme. Ausgangspunkt für Mountain Climbers ist das Brett beziehungsweise die Plank bei ausgestreckten Armen. Wie bei Liegestützen sollten Sie dabei auf eine intensive Körperspannung achten. Nun lassen Sie zunächst den einen, danach den anderen Fuß in Richtung Arme vorschnellen.
Trainingsplan für Motorradfahrer
Führen Sie die fünf Übungen entsprechend Ihres Fitnesslevels jeweils hintereinander aus. Wir empfehlen Ihnen jeweils 10 bis 15 Wiederholungen à drei Sätze. Zwischen den einzelnen Sätzen machen Sie 15 bis 20 Sekunden Pause.
Neben den genannten Übungen ist es wichtig, auch die Nackenmuskulatur regelmäßig zu trainieren und zu dehnen. Denn mit einer entspannten Muskulatur sitzen Motorradfahrer entspannter auf ihrer Maschine und fahren flüssiger.
Mentale Fitness nicht vergessen
Neben dem Körper sollte auch der Geist gefordert werden. Bei einem mentalen Training lässt sich beispielsweise die Lieblingsstrecke mit geschlossenen Augen nachfahren, Brems-, Schalt-, und Scheitelpunkte stellt man sich bildlich vor.
Matthias Haasper vom ifz hält die mentale Fitness für einen entscheidenden Punkt: "Das Durchdenken von Handlungsabläufen abends auf dem Sofa kann helfen, sicherer in kritischen Verkehrs- oder Extremsituationen zu werden."
Fit in die neue Saison starten
Aus der Winterpause starten Motorradfahrer dann lieber ganz entspannt: Bei der ersten Tour rät Verkehrstrainer Wolfgang Stern zum langsamen Fahren.
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