Wir waren skeptisch, denn Low-Budget E-Bikes sind normalerweise nicht unser Fachgebiet. Aber die Tatsache, dass Sushi Bikes in Europa produziert werden und seit einigen Jahren viel Aufmerksamkeit generieren, hat uns neugierig gemacht. Welche Kompromisse präsentieren die Sushi Bikes?
Fahrverhalten
Die Sushi Bikes kommen mit einem Hecknabenmotor und fester Singlespeed Übersetzung, das heißt, dass es keine Gangschaltung gibt. Bei 25km/h ist die Trittfrequenz bei etwa 75 U/Min, was ein guter Kompromiss ist. Das Anfahren gelingt mit der 46-18 Kombination dank des Motors im Flachen recht gut, am Berg ist es sehr schwierig, da der Motor auch eine kurze Zeit zum Einsetzen braucht. Er kommt ohne Drehmomentsensor aus, sondern misst nur, dass die Kurbel gedreht wird. Erstaunlicherweise ist das Einsetzen aber sanft und die Wartezeit kurz und wir konnten auch keinen nennenswerten Nachlauf feststellen. Steigungen macht der Motor gut mit, unter 10km/h setzt er aber aus, wodurch kurze, knackige Anstiege mit viel Schwung genommen werden sollten.
Die 200W Leistung geben das Gefühl eines ständigen Rückenwinds und halten das Gefährt im Flachen gut auf den 25km/h. Wir waren im Endeffekt erstaunt über die Charakteristik und Kraft des Motors, auch wenn er natürlich nicht mit einem Mittelmotor mit Schaltung mithalten kann. Die Geometrie ist sehr sportlich und direkt ausgelegt. Somit werden Lenkbefehle schnell umgesetzt und Hindernissen kann leicht ausgewichen werden. Bei unebener Strecke werden aber deutliche Komforteinbußen merkbar. Hier bieten weder Rahmen, Gabel und Anbauteile, noch die schmalen Reifen eine gute Dämpfung, was Kopfsteinpflasterpassagen sehr unangenehm werden lässt.
Innovation und Design
Das Design der Sushi Bikes ist sehr zurückhaltend und sie sind verhältnismäßig einfach konstruiert, setzen aber auf Lösungen, die eine lange Haltbarkeit und einfache Wartung ermöglichen. Die nach hinten geöffneten horizontalen Ausfallenden unterstreichen den „fixed-gear-style“, es gäbe aber elegantere Lösungen, um die Kette zu spannen. Ebenfalls geben die klassischen Schnellspanner, außen liegenden Lagerschalen und leichtes Kabelwirrwarr am Cockpit Aufschluss über den Low-Cost Ansatz von Sushi. Ebenfalls sucht man Bluetooth Konnektivität vergeblich. Die USB-C Buchse im Akku, um externe Geräte laden zu können ist ein nettes Feature, den Fahrrad-Akku darüber laden zu können wäre aber noch die Kirsche auf der Torte.
Schön sind die deutlichen Unterschiede der beiden Rahmenvarianten, wobei unterschiedliche Rahmengrößen beim California Roll wünschenswert sind.
Ausstattung
Sushi ist mit der Version 3.0 einen großen Schritt nach vorne gegangen und hat zwei wichtige Schwachstellen der früheren Versionen beseitigt. Die Kontaktpunkte sind einfach, aber scheinen langlebig zu sein. Besonders positiv aufgefallen sind uns die großen, griffigen Pedale. Auch die Sättel sind passend für die jeweiligen Fahrrad-Geometrien. Die Tektro Bremsen mit den großen Bremsscheiben zeigen eine super Performance und auch die Beleuchtung ist besser, als wir das bei Rädern in diesem Preisbereich erwarten. Leider müssen gerade beim Maki Schutzbleche, Ständer und Gepäckträger dazugekauft werden, um es richtig alltagstauglich zu machen.
Der Akku hat in der höchsten Unterstützungsstufe auf meiner Testrunde durch die Stadt knapp über 30km durchgehalten. Das ist okay und dürfte für die meisten Anwendungszwecke reichen. Auf Radtouren außerhalb von Stop&Go dürfte es aber deutlich mehr sein.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Ein E-Bike für 1.399€ ist ein echt guter Deal und die Sushi Bikes geben bei diesem Preis wenig Anlass zur Kritik. Natürlich gibt es auch E-Bikes, die mit einer Schaltung kommen und noch günstiger sind, da sollten dann aber die Produktionsbedingungen hinterfragt werden. Wenn man beachtet, dass Sushi ein Deutsches Unternehmen mit einem guten Kundenservice und einer Produktion in Europa ist, zeigt sich das gute Preis-Leistungsverhältnis.
Qualität und Wartung
Sushi Bikes sind der Einstieg in die Welt der E-Bikes, aber qualitativ gibt es wenig auszusetzen. Gut erkennbare und sauber verarbeitete Schweißnähte werden mit einer widerstandsfähigen Beschichtung gepaart. Durch die Standardmaße lassen sich die Komponenten leicht warten. Das Einzige, um das sich regelmäßig gekümmert werden muss, ist die Kette, was jedoch recht einfach ist. Single-Speed Übersetzung sei dank! Die Kette ist verhältnismäßig dick und sollte so ebenfalls viele Kilometer durchhalten. Die Sushi-eigenen Reifen laufen etwas unrund, selbst bei hohem Druck.
Alltagstauglichkeit
Die Sushi Bikes haben einen Alltagsnutzen wie normale 28″ Bio-Bikes, mit dem Vorteil des E-Motors. In der Standardausstattung ist das Maki jedoch kaum Alltagstauglich. Schutzbleche und Ständer, sowie ein Gepäckträger sind alle optional. Das California Roll hat hier den Vorteil, es muss nur der Gepäckträger ergänzt werden. Für Städte mit leichten oder kurzen Steigungen sind die Sushi Bikes gut geeignet, längere oder stärkere Steigungen werden jedoch zum Problem. Mit einer entprechenden Ausstattung sind aber leichte Transportaufgaben oder die Mitnahme von Packtaschen kein Problem. Die 120kg Gesamtgewicht-Angabe dürfte jedoch trotz des geringen Eigengewichts für Einige zu wenig sein.
Coolness Faktor
Trotz des zurückhaltenden Designs werden Sushi Bikes sehr oft im Alltag erkannt. Der Fixed-Gear-Style des Maki spricht nach wie vor viele an und die klassische „Damenrad“-Optik des California Roll ist wirklich elegant, ohne aufdringlich oder übertrieben stylisch zu sein.
Zubehör
Dank des Standard-Designs lässt sich viel Fahrrad-Zubehör an die Sushi Bikes bauen. Sushi Bikes selbst bietet jedoch ein breites Zubehörprogramm an, auch in Kooperation mit anderen Brands. Von Schutzblechen, Gepäckträgern für vorne und hinten, über Taschen bis zu weiteren Gadgets lässt sich das Sushi Bike für den eigenen Gebrauch anpassen. Jedoch sind die Zubehör-Produkte im Online Shop von Sushi oft teurer als anderswo.
Parken und Rangieren
Die Sushi Bikes sind leicht und nur so groß, wie normale Fahrräder. Das macht das Handling leicht. Der Ständer beim California Roll lässt sich verstellen, sodass es auf allen Untergründen einen sicheren Stand findet. Das Maki muss in der Standardversion immer irgendwo angelehnt werden, da der Ständer fehlt. Ein Speichenschloss ist nicht verfügbar, aber am Maki ließe sich leicht ein Faltschloss montieren.
Sicherheit
Mit den Sushi Bikes ist das Fahren im Stadtverkehr sehr leicht. Dank der fehlenden Schaltung und dem kräftigen Motor ist es einfach, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Das Bremsen gelingt einfach und sie verzögern kräftig, auch wenn breitere Reifen den Bremsweg und Komfort deutlich verbessern könnten. Die Beleuchtung ist super und auch dunkle Streckenabschnitte werden ausreichend ausgeleuchtet. Das Rücklicht ist hell, könnte aber von Dingen, die auf dem Gepäckträger verzurrt, sind verdeckt werden. Die Sitzposition des California Roll ist aufrecht und auch kleinere Leute haben einen guten Überblick. Beim Maki wird eine sportlichere Sitzposition eingenommen, woran sich Einige gewöhnen müssen.
Das neue Sushi Bike 3.0+ im Test
Pünktlich zum Frühling bringt Sushi die überarbeitete Version seines City-Pedelecs raus: das Sushi Bike 3.0+. So wurden einige hochwertigere Komponenten wie ein leichter laufendes Ritzel und ein korrosionsbeständiges Tretlager verbaut. Wie gewohnt steht Minimalismus im Fokus: keine App, kein Schnickschnack, einfach fahren. Aufgrund der filigranen Bauweise war ich erst skeptisch, was die Qualität anbelangt, wurde aber positiv beim Auspacken überrascht. Trotz des günstigen Preises wirkt das 3.0+ nicht billig. Besonders gut gefallen mir die lackierten Alu-Schutzbleche mit integriertem Rücklicht. Kleine Details, die das Rad deutlich hochwertiger wirken lassen, als ich erwartet habe.
Beim Sushi Bike 3.0+ ist für den Alltag in der Stadt konzipiert und beschränkt sich somit auf das Nötigste. Das heißt: Keine Federung, keine Gänge - die würden ohnehin nur das Gewicht erhöhen. Mit knapp 17 Kilo zählt das Bike zu den Fliegengewichten der Pedelecs. Für den Antrieb sorgt nämlich ein mit 200 Watt und 36 Newtonmetern (Nm) vergleichweise schwacher Motor. Erfreulich dagegen: Das Fahrrad ist dank Katzenaugen, Reflektoren und ausreichend hellen Lampen StZVO-konform.
Neben den erwähnten Schutzblechen gibt’s noch eine Gepäckträgerhalterung sowie einen per Knopfdruck ausfahrbaren Ständer. Ich bin das Sushi Bike 3.0+ zwei Wochen lang gefahren. Dabei war ich auf Asphalt sowie abseits der Straße auf Schotterwegen und Wiesen unterwegs.
Technische Daten des Sushi Bike 3.0+
- Motor: 24 V / 200 W
- Akku: 24 V / 9,6 Ah, 230,4 Wh
- Reichweite: bis zu 75 Kilometer
- Maximale Geschwindigkeit: 25 km/h
- Ladezeit: 5,5 Stunden
- Display: LCD mit 5 Unterstützungsmodi
- Rahmen: Aluminium, Rahmenhöhen 50cm, 55cm, 60cm
- Gabel: Aluminium
- Bremsen: Hydraulische Scheibenbremse, Tektro HD-M275
- Felgen: 28 Zoll, 40 mm, 36 H
- Reifen: 37-622, SUSHI Logo, Pannenschutz
- Antrieb: 46 Zähne x 170 mm, hinten: 18 Zähne
- Gesamtgewicht: 17 kg inkl. Pedale
- Maximales Gesamtgewicht: 120 kg inkl.
Das neue Sushi Bike 3.0+ kann ab sofort für 1.399 Euro bei Sushi vorbestellt werden. Es soll im Zeitraum zwischen April-Mai zum Preis von 1.499 Euro erscheinen.
Fahrgefühl
Kurz gesagt: Leicht, wendig und mit E-Schub - aber nicht ohne Eigenleistung. Der Punkt, an dem der Motor abschaltet, ist aber stets spürbar. Es fühlt sich wie ein kleiner Widerstand an. Auch wenn ich erst skeptisch war: Der vergleichsweise schwachbrüstige Motor macht trotzdem jede Menge Spaß. Trotzdem merkt man gerade bei Steigungen, dass der Motor nicht viele Reserven hat. Abseits der Straße eignet sich das Sushi-Bike nur bedingt. Auch wenn kleinere Hügel kein Problem sind, mag’s das Sushi Bike 3.0+ eher flach. Doch selbst auf ebener Strecke macht sich der fehlende Drehmomentsensor bemerkbar. Aus dem Stand heraus braucht der Motor nämlich eine halbe Kurbelumdrehung, bis er erwacht. Was richtig Spaß macht: die Wendigkeit. Durch das geringe Gewicht und die schmale Bauweise flitze ich regelrecht durch den Stadtverkehr. Komfort ist nämlich nicht die Stärke: Keine Federung, harte Griffe, dünne Reifen - Kopfsteinpflaster wird zur Rüttelparty.
Reichweite und Features
Sushi gibt bis zu 75 Kilometer an; im Alltag läuft es bei mir eher auf 50 bis 60 Kilometer heraus. Für die Stadt ist das auf alle Fälle ausreichend, für Pendler zwischen zwei Städten dürfte der Akku aber zu knapp bemessen sein. Hier hat Sushi einen kleineren Akku zugunsten des niedrigeren Gesamtgewichts verbaut. Apropos Akku: Der ist herausnehmbarer und kann als Powerbank verwendet werden. Das Problem: Davon abgesehen bietet das Sushi 3.0+ keine Features: Keine App, keine Wegfahrsperre, keinen verbauten GPS-Tracker. Das Bike wirkt in jeder Hinsicht reduziert und das ist okay.
Alternativen
Das Tenways CGO 600 Pro kostet nur 300 Euro mehr, bietet dafür aber einen Drehmomentsensor, einen wartungsarmen Carbon-Riemen statt einer Kette, einen größeren Akku, einen stärkeren Motor sowie eine App mit Navigation.
Die Konkurrenz
- Tenways CGO 600 (Pro): Bietet ebenfalls ein minimalistisches Design, hat aber einen stärkeren Motor, Riemenantrieb sowie einen Drehmomentsensor für ein geschmeidiges Fahrgefühl. Die Pro-Variante bietet unter anderem einen herausnehmbaren (größeren) Akku.
- Fiido C21: Ebenfalls ein leichtes E-Bike für die Stadt mit Drehmomentsensor, 250-Watt-Motor und neun Gängen.
Die Modelle gibt es in drei Größen und in Schwarz und Braun (Leder-Lenkergriffe, Reifen). Die Hauptzielgrupe von Sushi Bikes sind jüngere oder junggebliebene urbane Pendler, von zuhause zum Job oder zur Schule bzw. Uni.
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