Sushi Bikes: Die Erfolgsgeschichte des E-Bike Startups von Joko Winterscheidt

Cool, nachhaltig und vor allem günstig sollten sie sein: Als TV-Moderator Joko Winterscheidt und Andy Weinzierl Sushi Bikes starteten, wollten sie Hipstern und Millenials eine Alternative zum traditionellen E-Bike anbieten. Mit einem Startpreis von 999 Euro kostete ihr erstes Modell weniger als die Hälfte der Konkurrenz. Heute, zwei Jahre später, erfreut sich das Startup eines treuen Fanclubs.

Die Anfänge und die Namensfindung

Der Münchner Andreas „Andy“ Weinzierl ist mit Fahrrädern aufgewachsen. Sein Vater arbeitete bei BMW und betrieb nach Feierabend eine Zweirad-Werkstatt. Von E-Bikes hielt der Junior nicht viel bis gar nichts. Bis sich sein Vater im Mai 2018 eines zulegte und Andy „total geflasht“ von seiner ersten Schwabing-Runde zurückkam. Von diesem Moment an ließ ihn der Gedanke an ein selbstgebautes E-Bike nicht mehr los.

Wie Winterscheidt und Weinzierl verraten haben, entstand die Idee für den Namen des Münchner Startups beim Asiaten. Sushi war nämlich während der Meetings ihre liebste Mahlzeit. Auf den Firmennamen kamen die beiden Gründer übrigens beim japanischen Schmaus.

Wie sich der Business Angel Joko Winterscheidt gerne zitieren lässt: „Wer denkt bei E-Bikes nicht sofort an Sushi? Andy, wer sich für einen solchen Firmennamen entscheidet, der hat doch bestimmt ein kreatives Team.

Anfang 2019 wurde in einem Sushi-Lokal der künftige Marken-Name (Sushi und Räder - beide rollen) erfunden und noch im März Sushi Bikes gegründet. Ein Vierteljahr später ging der dazugehörige virtuelle Laden online.

Das Konzept und die Zielgruppe

Von Anfang an stand für den Münchner fest, dass sein Beitrag zur Verkehrswende und für eine sauberere Umwelt weniger als die Hälfte eines durchschnittlichen Elektrofahrrads kosten sollte: auf das Wesentliche reduziert, leicht und puristisch im Design. Das Konzept des preiswerten Elektrofahrrades mit genau der richtigen Ausstattung für den Einsatz in der Stadt kam von Anfang an sehr gut an.

Mit Sushi Bikes verfolgen die beiden Gründer das Ziel, einen Einfluss darauf zu haben, dass Städte immer fahrradfreundlicher werden. Besonders in der jungen Generation könne das Fahrrad auch als Coolness-Faktor gelten: "Da schaffen wir es, das Fahrrad als Statussymbol zu platzieren", so Andy. "Das ist dann sexy, weil es eben ein Statussymbol ist, und es ist cool, mit einem Sushi zur Arbeit zu fahren“.

Die Produktentwicklung

Mit seinem Vater baute er schon einen Monat später einen ersten Prototypen, der prompt geklaut wurde. Bei der Euro-Bike im Juli 2018 fand er gerade mal einen Lieferanten und künftigen Fertiger, der über ein Unter-1.000-Euro-Bike überhaupt sprechen wollte. Und beim Streetlife-Festival, wiederum einen Monat später, trugen sich gleich 1.110 Unterstützer bei seiner Kickstarter-Kampagne ein.

Und schon im Februar 2020 rollten die ersten Sushi Bikes über die Straßen, damals noch gefertigt in Asien. Sushi Bikes wuchs und wuchs, das Feedback der ersten Kundinnen und Kunden floss in die Entwicklung der im September 2021 präsentierten zweiten Generation ein.

Drei Jahre nach der Firmengründung gingen die Sushi Bikes 3.0 an den Start. Mit Features wie einer an den Akku angeschlossenen Beleuchtungsanlage, hydraulischen Scheibenbremsen vorne und hinten, einem jetzt 230,4 Wattstunden (Wh) fassenden Akku für bis zu 75 Kilometer Reichweite und frischen Farben.

Die Updates: integrierte Lichter, neue Bremsen und pannensichere Reifen. Um die neuen E-Bikes für den Alltag noch praktikabler zu gestalten, besitzt die neue, dritte Generation der Räder nun hydraulische Scheibenbremsen, die einen guten Grip bieten und sich einfach einstellen lassen. Die Lichter sind erstmals fest in das Fahrrad integriert und es gibt neue, pannensichere Reifen.

Dazu gibt es das passende Package fürs elektrifizierte Stadtradeln: Einen Heckmotor mit einer Leistung von 200 Watt, dessen Unterstützung bis maximal 25 km/h in fünf Stufen zugeschaltet werden kann und einen Single-Speed-Antrieb ohne störungsanfällige Schaltkomponenten. Die Reifen sind laut Hersteller pannensicher, auf eine Federung hat Sushi Bikes mit Blick auf den überwiegenden Asphalteinsatz und natürlich aus Kostengründen verzichtet.

Und noch eine Neuerung brachte die dritte Generation mit: Die Fertigung erfolgt jetzt in Portugal, was den logistischen Aufwand und den transportbedingten CO₂-Fußabdruck jedes einzelnen Pedelecs deutlich verkleinert.

Die Finanzierung und die Strategie

Vier Jahre lang hatte Sushi Bikes es geschafft, mit Kapital von der Familie, Freunden und Krediten ein E-Commerce-Unternehmen aufzubauen und nach eigenen Angaben eine fünfstellige Anzahl E-Bikes zu verkaufen. Jetzt geht der E-Bike-Hersteller neue Wege und konnte - trotz schwierigem Marktumfeld - gleich vier VCs gewinnen.

„Es war keine Notrunde“, sagt Sushi Bikes-CEO und Co-Gründer Andy Weinzierl im Gespräch mit Gründerszene. Das Unternehmen habe das Kapital also nicht gebraucht, um weitermachen zu können. Das Geld wolle Sushi Bikes vor allem nutzen, um sich weiterzuentwickeln.

Wie Weinzierl erklärt, möchte das Startup „mehr in die Marke investieren“ - also das Marketing ausbauen. Vor allem aber wolle Sushi Bikes das Extra-Kapital nutzen, um interne und operative Prozesse weiter zu professionalisieren und damit auch effizienter zu gestalten. Das betreffe unter anderem das Service-Segment.

Eines der stärksten Verkaufsargumente des Unternehmens war bisher, dass Sushi Bikes mit 1.300 bis 1.400 Euro pro Stück deutlich günstiger sind als die E-Bikes der Konkurrenz. Die setzt den Preis teilweise mehr als doppelt so hoch an. Auch in Zukunft wolle Sushi Bikes günstige E-Bikes anbieten.

Die aktuellen Strukturen würden eine Profitabilität grundsätzlich ermöglichen. „Das neue Kapital liefert uns einfach mehr Spielraum“, sagt Weinzierl. Weil Sushi Bikes nicht zwangsläufig darauf angewiesen sei, hätte das Startup in der Finanzierungsrunde zudem die „Entscheidungsmacht“ behalten.

Herausforderungen und Marktumfeld

Aktuell haben es Fahrradhändler schwer. Weinzierl sagt, Sushi Bikes sei davon kaum betroffen. „Wir hatten gar nicht die Mittel, um so viele Bikes vorzuproduzieren, beziehungsweise um Teile vorzubestellen. Das kommt uns jetzt sogar zugute“, sagt er.

Weil viele Hersteller Material-Bestellungen wieder stornieren würden, bekomme Sushi Bikes die Teile mitunter sogar günstiger. Auch die nun gezwungenermaßen sinkenden Preise der Konkurrenz würden das Sushi-Bike-Business weniger tangieren. „Dadurch, dass wir von Anfang an einen deutlichen Abstand zu den anderen Preisen hatten, sind wir immer noch günstiger“, sagt Weinzierl.

Und die Nachfrage sei nach wie vor da. „E-Bikes sind immer noch ein Wachstumsmarkt“, sagt er. Tatsächlich sind E-Bikes laut Idealo.de im Durchschnitt um 15 Prozent teurer im Vergleich zum Vorjahr geworden.

Der Teamgeist und die Unternehmenskultur

Im Team von TV-Moderator und Business Angel Joko Winterscheidt und Andy Weinzierl gibt es viel zu lachen, wie uns der CEO erzählt. So ernst sind die Gründer von Sushi Bikes nicht immer: CEO Andreas Weinzierl (links) und TV-Promi und Business Angel Joko Winterscheidt.

Alle im Team haben Zugriff auf unsere Verkaufszahlen und bekommen auch von allen Kooperationen mit. Sind die Zahlen gut, steigt die Laune im Team automatisch. Manchmal reichen aber auch ein paar Personen, die einfach einen guten Tag haben und mit ihrer Laune alle anderen anstecken.

Wir sind ein superjunges Team bei Sushi Bikes und ich glaube, dass das in vielen Situationen zu ungewöhnlichen und innovativen Entscheidungen geführt hat. Wir laufen nie Gefahr, etwas einfach so zu machen, weil es woanders schon mal funktioniert hat. Wir finden immer Lösungen, die auf uns zugeschnitten sind. Ergänzt mit der inzwischen hinzugefügten Erfahrung ist das ein magischer Mix. Und alle im Team leben mein Lieblingskonzept: „frugal innovation.” Kurz zusammengefasst bedeutet das: Leiste mehr mit weniger.

Tabelle: Modelle und Preise der Sushi Bikes

Modell Preis Besonderheiten
Maki 3.0 1.399 € Hydraulische Scheibenbremsen, pannensichere Reifen
California Roll 3.0 1.399 € Tiefer Einstieg, hydraulische Scheibenbremsen, pannensichere Reifen

Die Vision für die Zukunft

Mit Sushi Bikes wollen Joko und Andy ein Statement für Nachhaltigkeit setzen und Fahrräder schaffen, die für jedermann zugänglich sind. "Fahrräder sind die beste Erfindung der Welt und mit Sushi Bikes machen wir sie noch ein Stück besser", erklärt Weinzierl.

Joko Winterscheidt: Wichtige Frage. Weil wir unsere E-Bikes nicht hier um die Ecke produzieren, sondern in Taiwan. Das Wichtigste ist ja, dass wir für Pendlerinnen und Pendler eine echte Alternative zum Auto schaffen. Jedes Auto, das stehen bleibt, kompensiert auf Dauer schon mal den Weg, den unsere Bikes hierhin machen.

Andy Weinzierl: Unser E-Bike treibt Nachhaltigkeit voran. Jetzt geht es darum, mehr Fertigungstiefe im näheren Ausland hinzukriegen. Das ist ein intensiver Prozess, wir sind da mittendrin. Noch in diesem Jahr wird sich da was verändern.

Joko Winterscheidt: Ganz einfach: Es braucht mehr Fahrräder und mehr autofreie Innenstädte. Was mich außerdem ärgert, ist, dass es immer noch kein Tempolimit auf Autobahnen gibt. Ich frage mich wirklich, wie viel Power die Automobil- und Mineralöl-Lobby hierzulande hat.

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