Tageszulassung beim Motorrad: Vorteile und Nachteile

Viele Käufer, die sich ein neues Motorrad kaufen möchten, wissen nicht, dass sie durch eine Tageszulassung beim neuen Motorrad sehr viel Geld sparen können. Wie der Name schon sagt, wurden die Fahrzeuge für einen Tag bei der Zulassungsstelle angemeldet.

Was ist eine Tageszulassung?

Wenn ein Neuwagen auf den Händler zugelassen wird, liegt eine Tageszulassung vor. Die Tageszulassung ist ein rein bürokratischer Akt, den nur Händler bei der Zulassungsstelle vornehmen können. Und zwar, indem sie für einen Tag ein nagelneues Motorrad anmelden und abmelden. In dieser Spanne darf das Motorrad nicht oder kaum bewegt werden.

Die An- und Abmeldung findet somit nur auf dem Papier statt. Man spricht daher auch von einer „Scheinzulassung“. Hersteller, Händler und letztlich auch der Endkunde können davon profitieren, da die Teilnahme an Prämienprogrammen möglich ist.

Es macht natürlich einen Unterschied, ob Sie ein neues Motorrad mit oder ohne Tageszulassung kaufen. Für den Endkunden ist dies aber in der Regel zu verschmerzen.

Tageszulassung vs. Kurzzeitzulassung

Neben der Tageszulassung gibt es die Kurzzeitzulassung. Der Unterschied: Bei der Tageszulassung bleibt ein fabrikneues Motorrad beim Händler an Ort und Stelle. Es darf an dem Tag höchsten ein paar Meter gefahren werden. Deshalb kann es als Neuwagen verkauft werden. Demgegenüber dauert die Kurzzeitzulassung zwischen zwei und 31 Tagen. In dieser Zeit kann der Händler das Fahrzeug beispielsweise über längere Strecken überführen.

Vorteile der Tageszulassung

  • Günstiger Preis: Der Hauptvorteil für den Endkunden besteht in dem günstigen Preis für das Motorrad. Durch die Tageszulassung kann er das starre Preissystem verlassen und Autokäufern Rabatte gewähren. Der Rabatt aus einer Tageszulassung liegt laut ADAC bei bis zu 25 Prozent im Vergleich zum Listenpreis. Das ist ein starkes Argument aus Käufersicht.
  • Schnelle Verfügbarkeit: Außerdem sind Motorräder mit Tageszulassung relativ schnell verfügbar, da es sich um Lagerfahrzeuge, also bereits produzierte Neuwagen, handelt. Weil das Fahrzeug bereits fix und fertig auf dem Hof des Auto­händ­lers steht, gibt es keine Wartezeit.
  • Neuwertiger Zustand: Juristisch gesehen gilt ein Fahrzeug mit Tageszulassung als Neuwagen. Hierin besteht auch ein großer Vorteil gegenüber einen Vorführwagen oder wenn Sie einen Gebrauchtwagen kaufen.
  • Möglichkeit zur Erfüllung von Gewährleistungsbedingungen: Bei Importfahrzeugen aus dem EU-Ausland kann eine Tageszulassung notwendig werden, um Gewährleistungs- und Garantiebedingungen für den Neuwagen erfüllen zu können. Bei diesen Tageszulassungen handelt es sich also ebenfalls um einen bürokratischen Akt, da viele Händler aus dem Ausland nur an den Endkunden verkaufen dürfen.

Nachteile der Tageszulassung

  • Eingeschränkte Konfigurationsmöglichkeiten: Die Käufer müssen das Fahrzeug so nehmen, wie es ist. Das heißt, sie können an der Aus­füh­rung und Aus­stat­tung nur begrenzt noch etwas ändern. Zunächst handelt es sich stets um Lagerfahrzeuge.
  • Verkürzte Garantiezeit: Mit dem Moment der Tages­zu­las­sung läuft der Countdown für die Garantie des Fahrzeugs. Wenn Sie einen Neuwagen mit Tageszulassung kaufen, ist zudem zu beachten, dass die Garantie mit der Erstanmeldung zu laufen beginnt. Daher kann diese um zwei bis drei Wochen verkürzt sein. Häufig bieten die Handler aber auch verlängerte Garantien an, um diesen Mangel zu kompensieren. Die Herstellergarantie ist ab dem Zulassungsdatum gültig.
  • Kein Neuwagenrabatt bei der Versicherung: Da bereits der Händler als erster Käufer eingetragen ist, können Sie in der Regel keine Rabatte für Neuwagen mehr bei der Kfz-Versicherung erhalten. Manche Rabatte bei der Kfz-Versicherung für Neuwagen können nicht gewährt werden, weil dazu der Käufer als erster Eigentümer in der Zulassungsbescheinigung stehen muss.
  • Wertverlust: Bei Tages­zu­las­sung steht der Name des Auto­händ­lers als Erst­be­sit­zer in der Zulas­sungs­be­schei­ni­gung. Der Kunde kommt erst an zweiter Stelle. In den Zulassungspapieren wird die Käuferin oder der Käufer als zweiter Besitzer geführt, der Erst- und Vorbesitzer ist das Autohaus bzw. der Autohändler. Das kann sich auf den Wiederverkaufswert auswirken.

Vorteile für Händler und Hersteller

Nicht nur der Käufer, auch die Händler und Hersteller profitieren von Tageszulassungen. Trotz des Preisnachlasses machen sie Gewinn. Händler haben außerdem die Chance auf mehr Provision und Prämien. Hersteller können mit einer Zulassung auf den Händler ihre Statistik verbessern. Auch in Testberichten werden meist nur Modelle ab einer bestimmten Zahl von Zulassungen aufgenommen.

Diese Strategie können Händler jedoch über eine sogenannte Tageszulassung umgehen. Denn sie ermöglicht es ihnen, danach das Fahrzeug günstiger zu verkaufen, als es ihnen der Autobauer einräumt. Und das völlig legal.

Der günstige Neuwagen mit Tageszulassung ist im Grunde für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. Der Kunde profitiert vom geringen Preis, der Händler von den gesteigerten Verkaufszahlen und der Hersteller kann seine Statistiken schönen.

Für die Hersteller verringert sich ebenfalls die Gewinnmarge. Dennoch ziehen auch sie Nutzen aus Tageszulassungen. Denn damit erhöhen sie die Anzahl der Zulassungen ihrer Marke(n).

Worauf Sie achten sollten

Aus diesen Gründen sollten Interessenten es sich gut überlegen, ob sie über eine Tageszulassung ein Motorrad kaufen.

  • Prüfen Sie den Zustand: Eine Tageszulassung kann man nur für neuwertige Lagerfahrzeuge beantragen. Dabei darf das Fahrzeug noch nicht bewegt worden sein, d. h. deren Kilometerstand muss bei nahe null (+10) liegen.
  • Garantiebedingungen: Informieren Sie sich über die Garantiebedingungen und ob es Einschränkungen gibt.
  • Versicherungsangebote vergleichen: Demnach solltest Du die Angebote der Versicherungen vergleichen, bevor Du eine Police abschließt bzw. bevor Du Dich für den Kauf eines Neuwagens mit Tageszulassung entscheidest.

Euro 5+ und Euro 6

Gefühlt ist’s alle paar Jahre dasselbe: Weil zum Jahresende eine neue Euro-Homologationsnorm in Kraft tritt, müssen all jene Motorradmodelle, die sie nicht erfüllen, abverkauft oder zumindest als Vorführmodelle erstmals zugelassen werden.

2017 wurde Euro 4 verbindlich, 2021 kam Euro 5. Und ab 1. Januar 2025 kann kein Motorrad unterhalb von Euro 5+ mehr erstmals neu zugelassen werden.

In der zweiten Jahreshälfte von 2024 könnte es für Schnäppchenjäger interessant werden. Denn der Motorradhandel kommt dann in Zugzwang: Euro 5-Modelle ohne +-Zusatz müssen vom Hof. Was zum Beispiel durch Rabattaktionen oder eben durch vermehrt angebotene Tageszulassungen beschleunigt werden kann.

Modelle, die die Euro 5+-Norm bereits erfüllen, sind äußerlich an den 2 Lambdasonden erkennbar - eine vor und eine nach dem Katalysator.

Und ab wann und womit kommt Euro 6? Das steht tatsächlich bisher nicht wirklich fest. 2028 könnte es so weit sein. Und zwar mit einer ABS-Pflicht für Leichtkrafträder und einer Absenkung des Fahrgeräuschgrenzwerts neuer Motorräder.

Zulassungsformalitäten

Als Verbraucher kannst Du keine Tageszulassung beantragen. Wenn Du selbst ein Auto für kurze Zeit zulassen möchtest, musst Du auf ein Kurzzeitkennzeichen zurückgreifen. Dieses ist bis zu 5 Tagen gültig und kann für Probefahren, Überführungen oder Fahrten zum TÜV verwendet werden.

Willst Du ein Auto zulassen, benötigst Du eine gültige eVB von Deinem Versicherungsunternehmen. Der Hintergrund ist einfach: In Deutschland darf kein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr geführt werden, das nicht über eine Haftpflichtversicherung verfügt.

Die Kosten für die Tageszulassung trägt der Händler oder der Hersteller - je nachdem, wer sie beantragt. Die kurzfristige Zulassung dient allein dazu, potenziellen Käufern höhere Rabatte zu bieten.

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