Carbon-Laufräder im Test: Der Traum vom Performance-Upgrade

Carbon- und Aerolaufräder sind der Upgrade-Traum vieler Roadies, doch was bleibt nach Abzug der Marketingversprechen übrig? Kaum ein anderes Update verspricht so viel wie ein Satz begehrter Laufräder. Doch auch keine anderen Komponenten kosten so viel. Die Entscheidung zum Kauf der knapp 7.000 € teuren Lightweight Obermayer EVO treffen wohl die wenigsten von uns mal nebenbei.

Welcher Laufradsatz ist also der richtige und wie groß sind die Unterschiede? Ist teuer auch immer besser? Wir hatten die elf spannendsten und einzigartigsten Modelle im Laufrad-Test, waren auf der lokalen Feierabendrunde und fernen Anstiegen unterwegs und haben die Räder auf Herz und Nieren getestet.

Doch gerade bei dem Performance-Upgrade schlechthin sind Zahlen und Fakten ebenso wichtig. Im Laufrad-Test sind alle großen und wichtigen Hersteller vertreten: Von Carbon-Pionieren wie Lightweight, absoluten Klassikern wie Mavic und DT Swiss über etablierte Hausmarken der großen Bike-Hersteller zu den neuesten Playern in der Laufradwelt.

Treu dem GRAN FONDO Motto haben wir die begehrtesten und vielversprechendsten sowie Mythen-umrankte Laufräder am Start. Das heißt, wir vereinen die begehrtesten und bekanntesten Laufräder mit Performance-Anspruch. Bei uns messen sich Weightweenie-Träume mit Performance-Monstern, 60-mm-Aero-Felgen mit Allround-Endurance-Laufrädern und Allrounder mit Spezialisten.

Testkriterien und -bedingungen

Wir testen Laufräder im „Allround”-Segment, heißt: Räder mit Aero-Anspruch, aber ohne das Gewicht zu vernachlässigen. In diesen Bereich fallen Laufräder, die sowohl auf schnellen, flachen Strecken als auch in den Bergen die richtige Wahl sind. Also keine 80-mm-Carbon-Bomber oder extreme Kletter-Spezialisten.

Weil alle getesteten Wheels für moderne Reifen, ob tubeless oder nicht, geeignet sein sollen, achten wir auf modern gewählte Felgenbreiten und Maulweiten. Ebenfalls zur Felge gesellt sich das aktuell heiß diskutierte Hookless-Thema. In unserem Testfeld sind hakenlose sowie klassisch behakte Modelle vertreten. Und - Achtung Spoiler - einige der Hookless-Modelle sind ganz vorn mit dabei.

Und so ergibt sich ein spannendes und gleichzeitig polarisierendes Testfeld. Wir haben die leichtesten und schnellsten Allrounder und die angesagtesten Modelle im Laufrad-Test. Laufräder sind mehr als eins von vielen Anbauteilen am Bike, nicht einfach ein neuer Lenker mit besserer Aerodynamik oder ein (noch) schnelleres Keramiklager. Laufräder bestimmen das Fahrgefühl und Feeling des Bikes wie kein anderes Bauteil am Rad. Und daher findet unser Test nicht nur im Windkanal statt.

Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht. Im Back-to-back-Testing haben wir innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet.

Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet. Die Compliance der Räder entscheidet viel über den tatsächlichen Einsatzbereich. Ja, Steifigkeit ist nicht gleich Compliance. Ein steifes Laufrad bedeutet vor allem ein reaktives und agiles Rad, das auf Lenkimpulse und Antritte flink reagiert und den Input direkt umsetzt. Eine Kombination aus Compliance und Steifigkeit, die aber auch stark von individuellen Präferenzen abhängt.

Denn je steifer ein Rad desto präziser, aber eben auch unverzeihender fährt sich das Bike. Je tiefer die Felgen werden, desto höher ist die Anfälligkeit bei Seitenwind? So zumindest die Faustformel, doch einige Laufräder haben spezielle Features, um dem entgegenzuwirken.

Allround soll auch klettern können, daher wurde jedes Laufrad ausgiebig am Berg getestet. Wir waren mit den Laufrädern in Deutschlands neuestem radsport-spezifischen Windkanal. THE AEROW aus Bad Wörishofen und die Spezialisten von HYCYS haben sich ganz dem Sport verschrieben und standen uns für den Test zur Seite. Getestet wurden dabei alle Laufräder im Bike bei 45 km/h Windgeschwindigkeit und mit angetriebenen Rädern. Ein aktuelles Canyon Ultimate CFR dient uns als Benchmark für moderne Racebikes.

Alle Laufräder wurden mit Continental GP 5000 S TR Reifen in 28 mm Breite und Schläuchen für einen schnelleren Umbau getestet. Der Reifendruck im Test lag bei 5 bar. Zugegeben, vor dem Test hätten wir nicht gedacht, so große Unterschiede zwischen den Laufrädern zu finden. Doch schon während der ersten Meter stellte sich heraus, es gibt zwar Ähnlichkeiten, doch kein Laufrad gleicht dem anderen.

Fahreindrücke und Windkanal-Ergebnisse

Und so zeigen sich auch im Fahrtest unterschiedlichste Charaktere. So kristallisieren sich beispielsweise die sehr leichten Lightweight Obermayer EVO als absolute Kletter-Freunde heraus. Dank der extrem steifen und leichten Bauweise machen die Räder besonders am Berg absolut Spaß. Kein anderes Laufrad kann da mithalten. Oder das DT Swiss ERC 1100, ein unglaublich ausgeglichenes Laufrad ohne Zicken oder unerwartetem Verhalten. In jeder Situation machen die Räder exakt was man will und braucht. Auch Carbonspeichen, wie sie an den Rädern der 50-mm-Gang HUNT und CADEX verbaut sind, ergeben ein einzigartiges Fahrgefühl.

Durch die hohe Zugfestigkeit der Speichen lässt sich ein steifes Laufrad bauen. Doch wie steht es um die Daten aus dem Windkanal? Hier zeigt sich, wie schnell die Räder wirklich sind und ob die hochlobenden Marketing-Versprechen der Realität entsprechen. Erstens: Der Wert der aerodynamischen Belastung, hier angegeben mit Cx*A (aus dem Englischen als CdA-Wert bekannt), gibt an, wie viel Luftwiderstand ein Objekt hat. In unserem Fall bezieht sich dieser Wert auf das Gesamtsystem Fahrrad. Da das Canyon Ultimate CFR, in dem die Laufräder verbaut werden, jedes Mal dasselbe ist, vergleichen wir lediglich die Unterschiede zwischen den Laufrädern.

Zweitens: Die im Radsport beliebte Kennzahl Watt. Beide Werte stellen über die gemessenen Gierwinkel gemittelt eine Vergleichbarkeit zwischen den Laufrädern dar. Außerdem ist der Gierwinkel, aus dem Englischen als Yaw Angle bekannter Anströmwinkel, relevant. Dieser bezeichnet den Winkel, aus dem der Luftstrom auf das zu messende Objekt trifft, in unserem Fall das Bike mit den Testlaufrädern. Welche Winkel in der Realität tatsächlich relevant sind, hängt von vielen Faktoren ab und sorgt selbst unter Experten für viel Diskussion.

Klar ist aber, je schneller ihr fahrt, desto flacher wird der Winkel. Für unseren Test messen wir zwischen +/- 20°, mit Messpunkten alle 2,5°. Zu sehen sind die gemessenen Gierwinkel auf der y-Achse und die gemessenen Cx*A-Werte auf der x-Achse. Dadurch ergibt sich ein Verlauf der Aero-Leistung über die gemessenen Winkel hinweg. Schon mal vorweg: Alle Laufräder im Test funktionieren hinsichtlich der Aerodynamik. Zum Vergleich hatten wir ein Einsteiger-Alu-Laufrad im Windkanal, und im Schnitt lagen die Performance-Laufräder über 12 Watt weiter vorn. Doch auch unter den Laufrädern gibt es klare Unterschiede.

Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schneiden tendenziell am schlechtesten ab. Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber. Roval und Reserve setzen an Front und Heck auf verschieden profilierte Felgen mit unterschiedlicher Tiefe. Dabei ist der Gedanke, die Anfälligkeit für Seitenwind an der sensiblen Front zu minimieren und mit einem tiefen Hinterrad für gesteigerte Effizienz und einen höheren Segeleffekt zu sorgen. Und der Gedanke scheint aufzugehen, denn trotz flacherem Vorderrad performen sowohl Roval als auch Reserve besser als die 60 mm tiefen Vision Metron SL.

Eine weitere Überraschung ist die sehr gute Performance der Bontrager Aeolus RSL 51 TLR. Denn trotz etwas veraltet wirkender Felgengeometrie funktioniert die Aerodynamik weit besser als bei der Konkurrenz mit gleicher Felgenhöhe. Beachtet man den Verzicht auf tiefe Messerspeichen, wird das Ergebnis umso beachtlicher. Vermutlich erkauft sich das Bontrager-Entwicklungsteam durch eine vergleichsweise schmale Felge und eine daraus resultierende kleinere Stirnfläche, also durch schmalere Felgen und Reifen, viel Performance bei niedrigen Gierwinkeln.

Die Testsieger

Der Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero kann auf ganzer Linie überzeugen. Als modernstes Laufrad mit One-Piece-Konstruktion, innovativen Aero-Reifen und 60 mm Felgen erfüllt es sämtliche Punkte auf unserer Wunschliste mit Bravour. Dazu kommen das geringe Gewicht und ein perfekt ausbalanciertes Fahrgefühl. Ja, die Laufräder sind für Racing gebaut und wollen schnell bewegt werden, und das macht eine herausragende Performance auch umso leichter.

Die Reserve 52|63-Laufräder sind die unangefochtenen Sieger der Herzen. Mit klassischer behakter Felgenkonstruktion, überraschend starker Aero-Performance und einem vielseitigen Fahrgefühl bestechen die Räder durch verlässliche und ausgewogene Leistung in fast jeder Situation. Auch das Gewicht von 1.455 g, zwar etwas schwerer als der Schnitt im Laufrad-Vergleichstest, ist für Räder mit solch hohen Felgentiefen auf einem sehr guten Niveau.

Erkenntnisse und Überraschungen

Nach all dem Sichten von Daten und dem Besprechen von Testeindrücken haben sich einige Erkenntnisse besonders herauskristallisiert. Ein paar Punkte und Features haben uns dabei nachträglich überrascht oder die Augen geöffnet. Dazu gesellen sich auch einige Dinge, die wir an unseren nächsten Laufrädern nicht missen wollen.

  • Carbonspeichen machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance. Für Racing und das letzte bisschen Performance zwar die richtige Wahl, doch für die entspannte Wochenendtour etwas zu hart.
  • Ein ungebohrtes Felgenbett, wie es Syncros, Lightweight und Mavic bieten, macht selbst den größten Tubeless-Skeptikern richtig Spaß. Ventil rein und schon ist die Felge ready, kein Tape und keine schleichenden Platten.
  • Ja, den Segeleffekt, den gibt’s auch im Radsport, und dieser macht richtig was aus. Kurz gesagt gilt: je tiefer die Felge und je mehr Fläche durch breite Speichen, desto mehr Angriffsfläche für den Wind.
  • Breitere Reifen bieten dank geringerem Druck mehr Grip und Compliance, das schont auf der großen Fahrt und macht einfach mehr Spaß. Die viel diskutierte Reifenbreite ist auch hier Thema und obwohl schmale Reifen im Windkanal schneller waren, sagen wir: breiter ist besser, und schneller!
  • Im Laufrad-Test hatten wir allerdings keine Probleme, ganz im Gegenteil: Die hakenlosen Räder funktionieren problemlos und teils besser als die behakte Konkurrenz. Ja, hookless ist und bleibt vorerst ein Streitthema.
  • Keramiklager versprechen maximale Effizienz und eine bessere Haltbarkeit, in unserem Fahrtest haben wir davon allerdings nichts gemerkt.
  • Praktisch alle Hersteller bieten eine Garantieverlängerung sowie ein Crash Replacement über die gesetzlichen Ansprüche hinaus. Doch Augen auf bei den Details. Einige Hersteller sind hier sehr konservativ.
  • Auch kleine Unterschiede in der Effizienz lassen sich im Back-to-back-Test herausfahren.

Auch der Preis von über 4.000 € für den Laufrad-Testsieger ist wohl außerhalb des Budgets der meisten von uns. Zwischen den Testkandidaten gab es große Unterschiede, bei einem war sich die Testcrew aber direkt einig: Die Syncros Capital SL Aero sind der verdiente Testsieger. Mit so vielen cleveren Features und eigenen Ansätzen hatten wir schon lange keinen so spannenden Vergleichstest mehr. Auch die durchweg gute Performance spricht für sich und beruhigt angesichts der teils sehr hohen Preise. Ja, richtig: Gute Laufräder sind teuer.

Weitere getestete Carbon-Laufradsätze

Im Rahmen des Tests wurden auch andere Carbon-Laufradsätze unter die Lupe genommen. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke: Leichtfüßig, schnell und fahrstabil. Bemerkenswertes Gewicht von 1356 Gramm, aber Hinterrad war außermittig zentriert.
  • Fulcrum Sharq: Funktional unauffällig, optisch extravagant. Geeignet für breite Reifen und bietet ein hohes Sicherheitsgefühl.
  • Black Inc 28/33: Spritziger Antritt und agiles Handling, jedoch Speichenbruch am Hinterrad nach kurzer Zeit.
  • Scope Cycling Artech 4: Begeisternd leichte Laufräder mit nur 1124 Gramm Set-Gewicht und hoher Fahrstabilität.
  • DT Swiss ARC 1100 Dicut 38: Aero und leicht. Die niedrigste Aero-Felge von DT "segelt" spürbar.
  • Newmen Streem Allround Vonoa: Sehr spritziger Antritt, tolle Kraftübertragung und hohe Lenkpräzision.
  • Aerycs Aero WT 30: Viel Fahrspaß, fairer Preis und handwerklich top.
  • Fulcrum Wind 42: Kaum Verschleiß, top zentriert, schnell und fahrstabil.
  • Leeze CC 38 Basic R: Leicht, schnell und fahrstabil mit attraktivem Preis.
  • Mavic Cosmic SL 32: Fahrstabil und sehr komfortabel, aber träge Beschleunigung.
  • Newmen Streem Climbing: Sehr leicht und tolle Praxiseindruck.
  • Shimano Ultegra WH-RS8170 C36: Solider Dauerläufer mit einfachem Tubeless-Setup.
  • Winspace Lún Grapid: Leicht und flink mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Carbon-Laufräder unter 900 Euro im Test

Das Angebot an Carbon-Laufrädern erweitert sich stetig, vor allem in die günstigere Richtung. Es stellt sich die Frage, ob es Unterschiede in der Aero-Performance, beim Gewicht oder den Steifigkeitswerten im Vergleich zum Profimaterial gibt. Die Modelle der großen Anbieter sind im Handel oft günstiger zu haben, als es die unverbindliche Preisempfehlung vermuten lässt. Große Unterschiede gibt es dagegen bei den Punkten Garantie, Crash Replacement und Lieferumfang.

Die zwischen 22 und 24 Millimeter breiten Felgenprofile eignen sich soeben noch für den Straßenradsport und sollten mit mindestens 28 Millimetern gefahren werden. Bereift und getestet haben wir mit 30 Millimeter breiten Reifen, womit die Felgen gut harmonieren. Die Felgenhöhe von rund 50 Millimetern hat sich für gute Allround-Eigenschaften etabliert. Sie verspricht gute Aerodynamik, ohne zu große Kompromisse bei der Seitenwindanfälligkeit oder beim Gewicht eingehen zu müssen.

Zwischen den Modellen gibt es kaum messbare Unterschiede in der Aerodynamik - und sie sind kaum langsamer als deutlich teurere Produkte. Zu den schnellsten Laufrädern dieser Klasse, wie einem DT Swiss ARC 1100, das 2500 Euro kostet, verlieren die Günstigen gerade einmal zwei bis drei Watt. Schon größere Unterschiede gibt es beim Gewicht der Laufräder, was durchaus überrascht. Den leichtesten Satz von Engage und den schwersten von Mai Bikes trennen dennoch erstaunliche 250 Gramm. Genau umgekehrt verhält es sich mit den Steifigkeitswerten: Schwächen zeigen die beiden leichtesten Pärchen von Engage und Newmen; das bekommen am ehesten schwere Piloten zu spüren, die mit den Engage-Laufrädern etwas Lenkpräzision vermissen könnten. Sehr stabil fahren sich die Modelle von Mai Bikes und Leeze.

Carbon-Laufräder im Gelände

Neben der Physis der Fahrer ist das „Material“ schon längst ein Sieg-Faktor bei den großen Gravel-Rennen. Schneller Radfahren mit der gleichen Leistung - das ist das, was die meisten Radprofis und Hobbysportler wollen. Mit die beliebtesten „Tuningteile“ sind in diesem Zusammenhang: die Laufräder. Wir haben zehn verschiedene Laufradsätze im Labor und in der Praxis getestet. Um den Trend zu schnellen, aerodynamischen Hochprofil-Laufrädern abzubilden, haben wir alle Modelle im Windkanal unter realen Fahrbedingungen untersucht. Wir wollten wissen: Machen hohe Felgen auch Gravel-Bikes klar schneller?

Noch vor einigen Jahren waren an den ersten Gravel-Rädern in der Regel stabile Rennrad-Laufradsätze mit Innenmaulweiten von 19 bis 21 Millimetern verbaut. Aktuelle Modelle weisen oft höhere Felgen im Bereich von 40 bis 45 Millimetern auf. Einige Hersteller wie DT Swiss und Scope haben inzwischen Laufräder mit 50 Millimetern Felgenhöhe und mehr im Portfolio. Als „aerodynamisch“ erachten wir Felgen ab 30 Millimetern Höhe.

Im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee prüften wir den Luftwiderstand der zehn Gravel-Laufräder, genauer: die benötigte Leistung bei 35 km/h. Alle Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde durchgeführt. Während der Messungen dreht sich der Prüfstand von plus nach minus 20 Grad - damit fließen auch Seitenwindverhältnisse, wie sie in der Realität vorkommen, in das Gesamtergebnis ein.

Race Face Era Carbon-Laufräder im Langzeittest

Mit dem Race Face Era will der kanadische Komponentenhersteller neue Maßstäbe im Bereich der Enduro- und Trail-Laufräder setzen. Carbon-Felgen kombiniert mit der bewährten Vault-Nabe und eine lebenslange Garantie sollen den Laufradsatz zum ultimativen Begleiter für jeden Trail machen. Die Felgen der Race Face Era-Laufräder bestehen aus einem Carbon-Lay-up, das nicht nur für hohe Steifigkeit sorgen soll, sondern laut Hersteller auch eine gewisse Nachgiebigkeit bewahrt, um Schläge effizient zu dämpfen. Die Felgenflanke ist sehr breit gehalten, wodurch Reifenpannen durch Durchschläge vermieden werden sollen.

Um das niedrige Gewicht von 1.754 g pro Satz halten zu können, setzen die Era auf nur 28 Speichen an beiden Laufrädern. Die Race Face Era sind mit hauseigenen Vault-Naben ausgestattet, die sich bereits an den anderen Laufrädern der Marke bewiesen haben. Das Freilaufsystem ist sehr voluminös, da die Sperrklinken im äußeren Bereich der Nabe sitzen, statt innen wie bei den meisten anderen Herstellern. Es bietet einen feinen 3°-Eingriffswinkel, was für wenig Verzögerung sorgt, sobald man in die Pedale tritt.

Auf Flowtrails bieten die Race Face Era eine hohe Präzision und gute Steifigkeit, die einen aus Anliegern förmlich hinausschießen. Hier dürfte auch das geringe Gewicht seinen Teil dazu beitragen. Trotzdem fühlen sie sich nicht zu steif an, sondern ermöglichen eine angenehme Compliance, die auch auf ruppigen Trails für Komfort und Kontrolle sorgen und eure Unterarme vor Armpump bewahren. Während des gesamten Testzeitraums haben sich die Race Face Era-Laufräder als äußerst zuverlässig erwiesen: Keine einzige Speiche lockerte sich, und die Nabe lief durchgehend problemlos. Selbst nach harten Einschlägen und langen Tagen im Bikepark hielt das Era-Laufradset ohne Murren.

Vision SC 60 Disc Carbon-Laufräder im Test

Mit den SC 45 und SC 60 Disc präsentierte der Komponentenhersteller Vision zu Beginn des Jahres zwei neue Disc-Carbon-Laufräder. Die Ziffern 45 beziehungsweise 60 stehen je für die Felgenhöhe. Wir testeten das Modell SC 60 Disc über mehrere hundert Trainingskilometer auf verschiedenen Rennrädern und bei bergigen Rennrad-Rennen wie dem Rad Race 120. Mit 1690 Gramm Satzgewicht liegen die SC60, in der Relation zu ihrer Felgenhöhe, voll im „grünen Bereich“. Punkten kann der Laufradsatz zudem stark mit seinen aerodynamischen Eigenschaften. In schnellen Abfahrten machten sich die hohe Laufruhe und die für einen Aero-Laufradsatz niedrige Seitenwindempfindlichkeit bemerkbar.

Alu vs. Carbon im Gelände

Bis auf die zugegebenermaßen zähe Beschleunigung führt kein Weg an Alu vorbei. Die Notizen unserer drei Testfahrer sprechen zumindest beim Fahrgefühl bergab eine eindeutige Sprache zugunsten des wesentlich günstigeren, aber auch deutlich schwereren Referenz-Laufradsatzes mit Alu-Felgen. Gutmütig, fehlerverzeihend und gedämpft lauten die Attribute, die das schwerere Alu-Laufrad im Vergleich zur Carbon-Konkurrenz einheimste. Tatsache allerdings ist, dass die Rennen im Cross-Country nun mal bergauf gewonnen werden. Und hier kommt es auf andere Tugenden an: geringes Gewicht, Steifigkeit, Beschleunigung.

Die gemessene Seitensteifigkeit spiegelt also nur einen Teil des Fahrgefühls wider. Und auch die vertikale Nachgiebigkeit scheidet als Kerngröße aus. Im Gelände scheinen also weitere Faktoren maßgeblichen Einfluss zu haben. So können sich Felgen- und Speichenmaterial auf die Dämpfung und das Schwingungsverhalten auswirken und im Gesamtaufbau ein zum Beispiel gutmütiges oder sogar steifes, unnachgiebiges Verhalten bewirken.

Um der Qualität eines Laufrades auf den Grund zu gehen, setzt BIKE auf umfangreiche Labortests. Ob das Zusammenspiel der gewonnenen Daten passt und damit das Fahrgefühl, zeigt unser Popometer im Praxistest. Ohne die Laborwerte (Steifigkeit, Gewicht, Trägheit) zu kennen, fuhren drei erfahrene Tester alle Laufräder mit Einheitsreifen und identischen Luftdrücken auf einem selektiven Rundkurs. Die gewonnenen Fahreindrücke zum Fahrkomfort, zur Präzision und zum allgemeinen Handling flossen zu 20 Prozent in die Endnote ein.

Bei dem von BIKE im Newmen-Testlabor durchgeführten Schlagtest trifft ein 7,5 Kilo schwerer, runder Kunststoffzylinder einseitig im 20-Grad-Winkel auf ein Felgenhorn. Es wird jeweils das hintere Laufrad getestet, das an der Nabe fixiert wird. Jeder neue Schlag trifft auf eine intakte Stelle auf der Felge. Die Schlagenergie/-höhe wird ausgehend von 3,09 Joule bis zum Defekt gesteigert.

Die beiden leichtesten Laufradsätze von Newmen und Pi Rope bleiben unter 1200 Gramm und kommen mühelos in Schwung. Die Bike Ahead-Laufräder mit breiter Felge lassen sich rund 20 Prozent schlechter beschleunigen. Beim Alu-Referenzsatz sind es 35 Prozent Differenz. In Kombination mit einem aufgezogenen Reifen relativiert sich der Unterschied zwischen den Laufradsätzen wieder. Durch die weit außen liegende Masse des Reifens (z. B. 715 Gramm XC-Reifen) schmilzt der Abstand zwischen Pi Rope und Bike Ahead auf sieben Prozent.

Die besonders leichten Laufräder besitzen auch niedrigste Trägheit. Die zum Vergleich gemessene Alu-Laufräder haben im Vergleich zu Carbon das Nachsehen. Der Newmen-Beskar-Light-Laufradsatz wiegt 1680 Gramm und verfügt über Alu-Felgen, die ebenfalls eine Maulweite von 30 Millimetern besitzen. Im Vergleich zum leichtesten Laufradsatz in diesem Test bringen die Alu-Räder damit mehr als 500 Gramm zusätzlich auf die Waage, kosten dafür aber auch nur 680 Euro. Im Antritt macht sich die um bis zu 35 Prozent höhere Trägheit deutlich bemerkbar. Bei der Seitensteifigkeit erzielen die Alu-Laufräder den zweithöchsten Wert hinter den Roval-Control-SL-Laufrädern. Das Fahrgefühl zwischen diesen beiden Laufrädern unterscheidet sich dennoch grundlegend. Beim Crashtest schlagen sich die Alu-Laufräder bestens.

Vergleich ausgewählter Carbon-Laufradsätze
Laufradsatz Gewicht (Satz) Felgenhöhe Besonderheiten
Lightweight Obermayer EVO Sehr leicht Variabel Extrem steif und leicht, ideal zum Klettern
DT Swiss ERC 1100 Variabel Variabel Ausgeglichen, ohne unerwartetes Verhalten
Syncros Capital SL Aero Gering 60 mm One-Piece-Konstruktion, innovatives Aero-Design
Reserve 52|63 1455 g 52/63 mm Klassische Felgenkonstruktion, ausgewogene Leistung
Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke 1356 g Variabel Carbon-Speichen, leichtfüßig
Scope Cycling Artech 4 1124 g 45 mm Carbon-Speichen, Schuppenprofil
Newmen Streem Climbing Unter 1200 g 35/38 mm Sehr leicht, Tubelesssystem

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