Lange Zeit galt Stahl in der High-End-Rahmenproduktion als verpönt. Ein Fahrradrahmen aus Stahl galt als schwer, billig und minderwertig. Spätestens als der Werkstoff Stahl Ende der 90er und in den frühen 2000er an jedem Discounter-Fahrrad zu finden war, war der Charme eines Stahlrahmens verflogen.
Nostalgisch erinnern wir uns an all die Klassiker zurück, von renommierten Altmeistern des Rahmenbaus, die für die absoluten Top-Athleten Rahmen für Paris-Roubaix, den Giro oder nicht zu vergessen, die Tour de France gefertigt haben. 1994 wurde der letzte Tour-Sieg auf Stahl eingefahren, um kurz darauf von Aluminium abgelöst zu werden.
Die Ablösung von Stahl durch Aluminium und Carbon
Aber warum ist Stahl als Werkstoff für Fahrradrahmen eines Tages fast komplett von der Bildfläche verschwunden? Lag es nur an den Nachteilen wie der Anfälligkeit für Korrosion oder dem relativ hohen Gewicht? Oder lag es daran, dass sie zu robust und zu langlebig für die Fahrradindustrie waren? Es musste also ein neuer Werkstoff her, um den Verkauf neuer Räder anzukurbeln.
Und so kam Aluminium als „das” neue und revolutionäre Material um die „Ecke”. Aluminium ist leichter und unempfindlich gegenüber Korrosion und erschien mit seinen dickeren Rohren und großen Schweißschuppen neu und ungesehen. Später hat sich dann im High-End-Segment Carbon durchgesetzt und Titan hatte stets ein Nischendasein für Fahrradliebhaber & Enthusiasten gehabt. Das hat sich bis heute kaum geändert. Hochwertig und fein verarbeitet, mit einer ordentlichen Portion Geschichte.
Stahlrahmen: Vorteile und Nachteile
Ein wichtiger Faktor dabei ist das Gewicht, interessanterweise aber selten schwerer als Fahrradrahmen aus Aluminium. Doch der Gewichtsunterschied ist nicht für jeden Radfahrer entscheidend. Es gibt jedoch spezialisierte Hersteller wie wir von der Manufaktur 83, die sich auf leichte und stabile Stahlrahmen für den Gravelbike-Einsatz spezialisiert haben.
Im Vergleich zu Aluminium- und Carbonrahmen sind Stahlrahmen in der Regel weniger steif, was aber auch einen erheblichen Vorteil in der Langlebigkeit mit sich bringt. Eine zu starke, auf Komfort optimierte Geometrie, kann dazu führen, dass das Fahrrad auf schnellen Abfahrten oder in Kurven etwas weniger präzise und reaktionsschnell ist. Es gibt jedoch hochwertige Stahlrahmen, die speziell für hohe Steifigkeit ausgelegt sind.
So fällt der Hinterbau mit ovalen Rohren etwas steifer aus, als beispielsweise mit runden Rohren. Weiteren Faktoren sind Biegungen oder Querstreben am Hinterbau durch die man ein ausgewogenes Verhältniss zwischen Nachgiebigkeit und Steifigkeit beeinflussen kann.
Wie allgemein bekannt ist, können Stahlrahmen auch anfälliger für Korrosion sein. Wenn der Rahmen nicht ordnungsgemäß gepflegt oder regelmäßig extremen Bedingungen ausgesetzt ist, kann er rosten oder korrodieren. Dies kann die Lebensdauer des Rahmens beeinträchtigen. Dank unserer besonders schlagfesten M83-Lackierung und von innen gewachsten Rohren wird der Korrosionsschutz deutlich erhöht.
Aus den genannten Gründen werden Stahlrahmen aber vorzugsweise pulverbeschichtet. Es gibt für all diese Punkte zwar Lösungs- und Verbesserungsansätze, die jedoch nicht die natürlichen Eigenschaften eines Materials aufwiegen.
Wie bereits erwähnt, sind Stahlrahmen bekannt für ihre Langlebigkeit und Festigkeit. Im Vergleich zu Aluminiumrahmen sind sie weniger anfällig für Ermüdungsbrüche und Verformungen. Titanrahmen sind zwar ebenfalls robust, aber im Falle eines Schadens nur durch Experten wiederherstellbar und sie müssen unter hohem Aufwand instand gesetzt werden. Rahmen aus Titan und Aluminium müssen mehr Material aufwenden, um dieselbe Festigkeit wie Stahl zu erreichen.
Das lässt sich gut erkennen, wenn man den Querschnitt von Stahl-, Titan- und Aluminiumrohren im Vergleich sieht. So kommt es zustande das Aluminiumrahmen trotz der Tatsache, dass Aluminium leichter ist, als Gravelbike-Rahmen meist genauso schwer oder gar schwerer als ein Stahlrahmen ist und teilweise nur wenige Gramm schwerer als ein Gravelbike-Rahmen aus Titan.
Stahlrahmen sind auch für ihren Komfort bekannt. Stahl absorbiert Vibrationen besser als Aluminium und Titan, was zu einem ruhigeren Fahrgefühl führt. Da das Gravelbike tendenziell für längeren Strecken ausgelegt ist, kommt dem Rahmen eines Gravelbikes diese Eigenschaft von Stahl zugute. Im Vergleich zu Titanrahmen sind Stahlrahmen auch preiswerter und leichter zu reparieren, falls es zu Beschädigungen kommt. Diesen Vorteil weiß man vor allem als Globetrotter zu schätzen.
Titan muss in einem sterilen Umfeld geschweißt werden, da es extrem empfindlich auf Verunreinigungen reagiert. Stahlrahmen sind auch sehr vielseitig in Bezug auf Design und Herstellung. Sie können in fast jeder Form und Größe hergestellt werden, was sie ideal für Über- oder Untergrößen macht. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Wahl eines Stahlrahmens ist die Nachhaltigkeit. Im Vergleich zu Aluminium- und Titanrahmen kann Stahl als nachhaltiger angesehen werden, da es ein langlebiges und recycelbares Material ist.
Wer sich für Stahl entscheidet, entscheidet sich in 98 % aller Fälle für eine Farbbeschichtung. Aufgrund der günstigen und aufwandsarmen Durchführung wird hier eine Pulverbeschichtung bevorzugt. Aber warum ist das so? Nun, dazu muss man eine kurze Exkursion in den Beschichtungsprozess durchführen. Dass die Lackierung nahezu nie transparent ist, hat aber noch einen weiteren Grund.
Nachdem die Rahmen geschweißt wurden, haben sie in der Regel Flugrost angesetzt. Dieser kann mit Schleifpapier oder mit Hilfe des Sandstrahlen entfernt werden, wodurch auch die optisch ansprechenden Hitzeverfärbungen abgetragen werden. Unsere Rahmen werden nach dem Schweißen direkt mit einem Ölnebel versiegelt, der erst kurz vor der Lackierung entfernt wird geliefert.
Ist ein Stahl-Gravelbike das Richtige für mich? Ein klares Ja, wenn du einen Allrounder suchst und nicht alle paar Jahre ein neues Rad kaufen möchtest, sondern einen fahrbaren Untersatz für die nächsten Jahrzehnte haben möchtest.
Titanrahmen: Die Alternative für Individualisten
Steel is Real - aber ist Titan noch realer? Wir haben uns Stahl und Titan in diesem Zuge genauer angeschaut: Was sind die Unterschiede, was machen die beiden Materialien aus und wie war deren Verwendung an Mountainbike-Rahmen der Vergangenheit?
Titan ist ein Reinstoff, das heißt, es kann mit chemischen Methoden nicht mehr in andere Stoffe zerlegt werden. Mit einer Dichte von 4,5 kg/l ist es gerade noch so ein Leichtmetall, da diese Stoffe leichter als 5 kg/l sein müssen. Damit ist Titan zwar deutlich schwerer als Alu, das lediglich 2,7 kg/l aufweist, aber weitaus leichter als Stahl, das je nach Legierung um die 7,8 kg/l mitbringt. Die Stabilität von Titan ist aber fast mit der von Stahl gleichzusetzen. Ähnlich wie es bei Alu der Fall ist, werden jedoch auch zu Titan weitere Stoffe beigemischt - auch hier kommt wieder Aluminium oder Vanadium zum Einsatz. Die Gewinnung und Verarbeitung von Titan ist jedoch um ein Vielfaches aufwendiger als von Eisen bzw. Stahl, weshalb der Preis dementsprechend deutlich höher ist.
Das Switch9er Ti ist spürbar komfortabler und weniger anstrengend zu fahren, da man in roughen Passagen weniger durchgeschüttelt wird. Insgesamt fühlt sich die Titan-Version etwas fehlerverzeihender an, da sich das flexiblere Heck in anspruchsvollen Passagen eher noch durchschlängelt und weniger von Steinen aus der Bahn geworfen wird. Zusammen mit dem knappen Kilo Gewichtsersparnis ist das Titan-Bike eine klare Empfehlung. Das Standard Switch9er-Enduro-Hardtail von Stanton ist für alle Nostalgiker, die ein Stahlbike haben wollen, das an die Ursprünge des Mountainbikens erinnert. Dafür bekommt man ein direktes Fahrverhalten, das wirklich jedes Watt in Vortrieb umsetzt.
Das Switch9er Ti ist hingegen ein Bike für die Individualisten unter den Individualisten und alle, die Bock auf ein exotisches MTB haben, das bereits durch die Materialwahl auffällt.
Weitere Materialien im Überblick
Welches ist denn nun DAS perfekte Material für einen Fahrradrahmen? Bei dieser Thematik scheiden sich schon lange die Geister bzw. gilt eben auch hier teils: Geschmäcker sind eben verschieden. Nicht jeder Radfahrer setzt die gleichen Prioritäten für sein Bike. Im Sport dominiert schon Carbon als Material, aber auch Aluminium ist nach wie vor weit verbreitet. Noch dazu gibt es als Nischenprodukte Stahl, Titan und gar Bambus zur Wahl.
Carbon ist der umgangssprachliche und bekannte Begriff - hochoffiziell bedeutet CFK: Carbonfaserverstärkter Kunststoff. Carbon ist das leichteste Material, welches zur Herstellung von Fahrradrahmen genutzt wird. Seit etwa 1990 wurden die ersten Rahmen aus Carbon gefertigt, jedoch waren es eher geringe Mengen. Die großen Vorteile dieses Werkstoffes sind das extrem geringe Gewicht und noch dazu die freie Formgebung. Jedoch konnten die meisten Rahmenhersteller diese Vorteile nicht zu einem passenden und vertretbaren Preis ausschöpfen. Erst durch ein neues Herstellungsverfahren und nachdem die Produktion in den Fernen Osten verlegt wurde, machten Carbonrahmen einen großen Schritt nach vorne und etablierten sich vor allem im Bereich sportlicher Fahrräder, also sowohl bei den Rennrädern als auch bei den Mountainbikes.
Gerade, wenn es um Tempo geht, ist Carbon als Material in der Fahrradszene nicht wegzudenken. Es gibt kein anderes Material welches leichter und verwindungssteifer, komfortabler und zugleich aerodynamisch optimierbarer als CFK ist.
Stahl ist ein Material, welches gut zu verarbeiten und langlebig ist - Fahrräder aus Stahl sind filigran und trotzdem „stark“. Die hochwertigen Rohrsätze wurden mehrfach konifiziert; vom Hersteller wird die Wandstärke des Rohres den tatsächlichen Ansprüchen entsprechend gewählt.
Titan ist ein magischer langlebiger Wertstoff: Es verkratzt nicht, bekommt außerdem eine Patina. Selbst nach längerer Zeit sieht man dem Titan-Fahrradrahmen zwar seine abgespulten Kilometer und interessanten Erlebnisse an, jedoch wirkt er desto trotz nicht ramponiert oder veraltet. Daher ist für einen Rahmen aus Titan keine Lackierung nötig, welche zerkratzen könnte und noch dazu rostet Titan eben auch nicht. Ein passend moderates Gewicht und eine ausreichende passende Steifigkeit sind weitere Vorteile, die für solch einen Fahrradrahmen sprechen.
Mit einem Titan-Fahrrad in Ihrem Besitz brauchen Sie sich langfristig keine Gedanken zum Thema Haltbarkeit machen; mit diesem Fahrrad kann man eben einfach fahren und genießen. Es muss nicht viel Zeit für die Pflege aufgebracht werden oder nach einem Transport oder Sturz nach verborgenen Schäden gesucht werden.
Aber dank einer sehr langen und intensiven Nutzungsmöglichkeit - z.B. Gerade heutzutage, wo uns überall eine steigende Ressourcenknappheit erreicht, sollten wir in allen Bereichen auf nachwachsende Rohstoffe schauen. Somit bietet es sich hier also an, ein Fahrrad aus Bambus zu fahren. Dank der Form bieten sich Bambusrohre hervorragend zum Rahmenbau aus. Aufgrund der natürlichen Herkunft ist das Bambus-Fahrrad logischerweise wetterbeständig - und auch beim Thema Haltbarkeit und Stabilität kann Bambus wunderbar ganz vorne mit anderen Materialien mithalten.
Am meisten werden Fahrradrahmen aus Aluminium hergestellt, es ist das meist verwendete Material. Es ist perfekter Mix - quasi die goldene Mitte der Materialien. Es hat ein wunderbares ausgewogenes Mittelmaß. Für den sportlichen Bereich leicht und steif genug, aber auch robust genug für Mountainbikes oder Alltags-Fahrrädern, die auch bei schlechtem Wetter standhalten, wo vermehrt Dreck, Sand, Matsch, Regen und Salz den Rahmen wie Sandpapier strapazieren.
Aluminium kann relativ frei geformt werden; so können auch ganz spezielle Anforderungen und Wünsche der Ingenieure umgesetzt werden. Noch dazu ist es im preisgünstigen Segment angesiedelt. Nach der Aluminium-Produktion kann dieser Wertstoff in beliebig viele Varianten geformt werden, ebenso kann man es upcyceln und nachnutzen. Im Prinzip ist ein Alu-Rahmen die „eierlegende Wollmilchsau“.
Zusammenfassung
Zusammenfassend kann man sagen, dass Stahlrahmen im Fahrradbau viele Vorteile bieten, wie Haltbarkeit, Vielseitigkeit, Komfort und individuelle Anpassbarkeit.
Hier eine Tabelle, die die Eigenschaften der verschiedenen Rahmenmaterialien zusammenfasst:
| Eigenschaft | Carbon | Aluminium | Stahl | Titan |
|---|---|---|---|---|
| Preis | Hoch | Mittel | Sehr gering | Sehr hoch |
| Gewicht | Sehr gering | Gering | Sehr hoch | Gering |
| Steifigkeit | Sehr hoch | Hoch | Gering | Mittel |
| Komfort | Hoch | Gering | Sehr hoch | Sehr hoch |
| Alltagstauglichkeit | Sehr gering | Hoch | Sehr hoch | Hoch |
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