Titan Mountainbike Rahmen im Test: Eine umfassende Analyse

Titan gilt unter den Werkstoffen, die für den Bau von Rennradrahmen verwendet werden, als besonders begehrenswert. Das liegt nicht daran, dass das Leichtmetall besonders selten wäre - im Gegenteil gehört es zu den häufigsten Elementen in der Erdkruste. Auch herausragende technische Eigenschaften sind nur bedingt ein Argument, denn in den wichtigen Disziplinen Gewicht und Steifigkeit liegt es auf dem Niveau guter Aluminiumrahmen, diese kosten allerdings nur einen Bruchteil. Gegenüber Carbon hat das grau schimmernde Metall sogar deutlich das Nachsehen; bei gleicher Steifigkeit kann man das Gewicht eines Carbonrahmens beinahe auf die Hälfte eines Titanrahmens drücken und dabei viel freier formen.

Titan: Geschichte im Fahrradbau

Dennoch hält sich der Werkstoff seit seinen Anfängen in den 1990er-Jahren in der Branche und spielt eine kleine, aber feine und beständige Nebenrolle. Es sind vor allem kleine, spezialisierte Anbieter, die vom Verkauf von Rädern aus Titan auch heute noch gut überleben können. Selbst Neugründungen von Firmen gab es in jüngerer Zeit, trotz der erdrückenden Dominanz von Carbon und Aluminium auf dem Markt. Anfangs waren es vor allem Rahmenbauer aus den USA, die das Metall im Fahrradbau etablierten und mit exorbitanten Preisen für penibel verarbeitete Rahmen den Ruf des Materials begründeten.

Für kurze Zeit sah es sogar so aus, als wäre Titan für hochwertige Räder der Werkstoff der Zukunft, weil sich damit etwa 20 Prozent leichtere Rahmen bauen ließen als aus den damals marktbeherrschenden Stahlrohren. Von den Entwicklungen bei Alu und Carbon wurde der Hype aber schnell überholt: Mit Carbon ließen sich noch deutlich leichtere Rahmen fertigen, dank Massenproduktion in Fernost wurden sie auch immer preiswerter. Aluminium ist in der Fertigung einfacher zu handhaben und dadurch konkurrenzlos günstig.

Kurz und knapp: Titan im Wandel

Hersteller aus China erlauben günstige Preise und ermöglichen auch jungen Marken wie Vpace, die keine eigene Fertigungskompetenz besitzen, frische Ideen umzusetzen. Mit Hydroforming und 3-D-Druck bringt man Titan in Formen, die bisher nur aus Carbon möglich waren, das zeigen Falkenjagd und Van Nicholas beispielhaft. Aber auch die perfektionistisch anmutende Fertigungsqualität etablierter Schweißer ist immer noch eine Augenweide, dafür steht das Moots. Der Preis dafür bleibt allerdings hoch.

Titanräder: Für immer schön

Was als Argument für Titan bleibt, ist eine fürs Rennrad eigentlich nicht besonders wichtige, aber sehr besondere Eigenschaft: Die Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse. Das Material gilt als absolut korrosionsbeständig, selbst Salzwasser kann der Oberfläche nichts anhaben. Eine Lackierung ist deshalb überflüssig, was die Rahmen extrem haltbar und beständig macht. Selbst nach einem langen Fahrradleben sehen Titanrahmen deshalb oft noch aus wie neu. Diese Aura des Unvergänglichen scheint auf eine bestimmte Klientel eine derart große Faszination auszuüben, dass sie bis heute viel Geld dafür hinblättern.

Dass die Kosten für Titanrahmen so hoch sind, liegt vor allem an der komplizierten Gewinnung und Verarbeitung. Das Metall kommt fast ausschließlich in mineralischen Verbindungen vor, aus denen es mit hohem Energieaufwand herausgelöst werden muss, was den Rohstoffpreis auf ein Vielfaches des Preises für Stahl oder Aluminium treibt. Für die mechanische Bearbeitung werden extrem harte Werkzeuge benötigt, verschweißt werden kann es nur unter Ausschluss von Sauerstoff, dafür werden spezielle Werkzeuge und viel Erfahrung benötigt.

Preisverfall durch Fertigungsstätten in Nahost

Titanrahmenbauer wurden deshalb lange regelrecht als Halbgötter unter den Fahrradbauern verehrt, die Rahmen namhafter Hersteller wie Kunstwerke bestaunt. Doch konnte man in den letzten Jahren einen ordentlichen Preisverfall bei Titanrahmen beobachten. Das liegt einmal mehr an Fertigungsstätten in Fernost - zunächst Taiwan, heute vor allem China -, wo die Rahmen mit absurd niedrigen Lohnkosten produziert werden.

Beispiele dafür sind in diesem Test Van Nicholas und Vpace, deren Preisgestaltung mit Carbonrädern konkurrenzfähig wäre; ein einfach ausgestattetes Titan-Rennrad bekommt man beispielsweise bei Van Nicholas schon für weniger als 3000 Euro. Für das Geld bekäme man bei Wettbewerber Moots nicht einmal ein halbes Rahmenset: Das günstigste kostet hier 6500 Euro, immerhin sind Sattelstütze, Steuersatz und Flaschenhalter dabei. Die US-Marke gehört zu den Pionieren im Titanrahmenbau und schweißt die Rahmen bis heute in den USA. Die Spanne zeigt, welchen Einfluss die Lohnkosten auf die Preisgestaltung haben.

Neue Zukunft für Titanräder?

Am Rahmen des Moots findet sich indes ein kleines Detail, das auf längere Sicht die Verarbeitungsmöglichkeiten - und damit den ganzen Markt - regelrecht revolutionieren könnte: Die hinteren Ausfallenden des Vamoots RCS kommen aus dem 3-D-Drucker. Sie entstehen in einem Bett aus sehr feinem Titanpulver, das ein Laserstrahl punktuell so stark erhitzt, dass die Pulverkörnchen miteinander verschmelzen. In sehr dünnen Schichten wird Stück für Stück ein Teil in die Höhe gebaut, das in seiner Form keinen Einschränkungen mehr unterliegt, wie sie beim Gießen oder Schmieden berücksichtigt werden müssten, selbst fast geschlossene Hohlkörper sind möglich.

Titan eignet sich für den 3-D-Druck perfekt, weil das Material auch in Pulverform trotz riesiger Oberfläche nicht korrodiert - mit Alu oder Stahl lässt sich das Verfahren nicht umsetzen. Die Teile aus dem Drucker bieten inzwischen eine ähnliche Festigkeit wie klassisch gefertigte. Noch einen Schritt weiter geht die deutsche Marke Falkenjagd, am Aristos R kommen auch Steuerrohr, Gabelkrone und Tretlagergehäuse aus dem Drucker.

Noch ist das Verfahren relativ teuer, auch leichter als klassisch gebaute Rahmen ist der Falkenjagd nicht, im Gegenteil. Vor allem Teile mit größeren Ausmaßen sind ineffizient, weil es kaum Druckmaschinen dafür gibt. Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich auch Teile von der Größe eines ganzen Fahrradrahmens zu vertretbaren Kosten drucken lassen.

Die Ergebnisse der Titanräder im Überblick

In den Köpfen der meisten Biker gibt es eine klare Hierarchie der Werkstoffe: Carbon hat sich auf breiter Front als Premiumwerkstoff für Mountainbikes etabliert. Aluminium ist das Preis-Leistungs-Pendant zur Kohlefaser. Aus beiden Materialien lassen sich - rein technisch gesehen - exzellente, leichte und steife Rahmen bauen. Perfekt für Rennfahrer, die nach Bestzeiten streben. Alleine der technische Fakt der Materialdichte von Alu oder Carbon reicht, um Rahmen aus diesen Materialien attraktiv zu vermarkten. Die fast viermal so hohe Dichte von Stahl, verglichen zu Carbon, lässt nüchtern betrachtet nur einen Schluss zu: Stahl ist ein Werkstoff der Vergangenheit. Titan ist zwar deutlich leichter, bleibt aufgrund seines hohen Preises aber ein Nischenprodukt, gemacht für Design-Fans und für die Ewigkeit.

Die Tabelle unten zeigt: Egal, ob Titan, Alu oder Carbon, das Rahmengewicht und die Steifigkeit unserer Test-Bikes bleiben in etwa gleich.

Material Rahmengewicht Steifigkeit Materialdichte
Titan ~ Gleich ~ Gleich 4,5 kg/dm³
Alu ~ Gleich ~ Gleich 2,7 kg/dm³
Carbon ~ Gleich ~ Gleich ~1,8 kg/dm³
Stahl deutlich schwerer ~ Gleich 7,8 kg/dm³

Vielmehr steckt hinter jedem eine eigene Philosophie, welche die unterschiedlichen Aspekte, die sich in einem Fahrrad vereinen, anders gewichtet. Auch Florian Seidl, Doktor der Philosophie und leidenschaftlicher Biker weiß: "Man muss sich trauen, einen Blick hinter das Offensichtliche zu werfen." Dann wird man merken: Die individuellen Stärken eines Materials lassen sich nicht immer in eine Excel-Tabelle pressen.

Während Carbon längst zum Performance-Mainstream gehört und Aluminium die Budget-Lösung ist, bleibt Titan ein Symbol für Exotik, Luxus und Prestige. Titan als Rahmenwerkstoff? Für die wenigsten die erste Wahl. Dabei bringt Titan eine Menge mit, was gerade am Fahrrad für Begeisterung sorgen könnte: Es ist unglaublich robust, dabei relativ leicht und - ganz ohne schützenden Lack - nahezu immun gegen Korrosion. Dazu kommt, dass Titan, im Gegensatz zu beispielsweise Aluminium, eine echte Dauerfestigkeit mit sich bringt.

  • Titan ist mit 4,5 kg/dm³ etwa 1,6-mal schwerer als Aluminium (2,7 kg/dm³), punktet jedoch mit seiner hohen Stabilität und Widerstandsfähigkeit.
  • Da Titan weitaus fester ist als Aluminium - es hat das höchste Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht unter allen Metallen -, kann man mit deutlich weniger Material arbeiten und Rahmen mit dünneren Wandstärken konstruieren.
  • Das Resultat sind schlankere Rahmen, die auch noch stabiler sind und in Sachen Gewicht ungefähr gleichauf mit Aluminium liegen.

Titan ist erst seit Kurzem das, was es heute ist. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte reines Titan überhaupt hergestellt werden, dabei entpuppte es sich aber als hart und spröde und dadurch unbrauchbar.

Die Legierungen sind in Grade unterteilt und für den Rahmenbau bei Titanbikes haben sich vor allem Grade 5 und Grade 9 Titan durchgesetzt. Diese beiden Legierungen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Zusammensetzung, sondern auch durch ihre Eigenschaften und Verarbeitbarkeit.

  • Titan Grade 5 ist gewissermaßen die Diva unter den Titan-Legierungen.
  • Es ist extrem fest und zäh, was bedeutet, dass Rahmen aus diesem Material extrem widerstandsfähig und belastbar sind.
  • Doch die hohe Festigkeit hat ihren Preis - die Verarbeitung von Titan Grade 5 ist sehr aufwendig und energieintensiv.

Im Vergleich dazu ist Grade 9 Titan etwas einfacher in der Handhabung. Es lässt sich mit weniger Kraft biegen und verformen, wodurch sich der Produktionsaufwand und die -zeit reduzieren. Grade 9 Titan lässt sich gut kalt verformen, was den Prozess einfacher und günstiger macht. Dadurch ist es im Rahmenbau gängiger und auch für viele industrielle Einsatzbereiche eine gute Wahl.

Die unterschiedlichen Titan-Legierungen erlauben es Herstellern wie Falkenjagd - aus dem scheinbar gleichen Material - zwei unterschiedliche Titanbikes zu fertigen, die sich nicht nur in ihren Fahreigenschaften, sondern auch im Gewicht und natürlich im Preis deutlich unterscheiden. Wir haben die beiden Gravel-Bikes der Marke Falkenjagd Aristos GT und Aristos SL getestet.

Das Aristos GT ist ein echtes Gran Turismo - was ursprünglich für die Klasse von langstreckentauglichen Sportwagen steht. Optisch wirkt das GT wie aus einem Guss: Die Oberflächen sind glatt geschliffen und poliert, alle Übergänge abgerundet und das Titan glänzt im unverwechselbaren weißlichen Silber. Diese fast nahtlose Optik erinnert an die eines 3D-Drucks, bei dem blankes Titan das Gesamtbild des Rahmens dominiert. Hinter der eleganten Fassade steckt die Grad 9 Titan-Legierung (Ti-3Al-2.5V).

Ganz anders tritt das Titan Rahmen Gravel-Bike Aristos SL auf, der Name „Superlight“ wird schon in der puristischen und robusten Erscheinung deutlich. Der Rahmen zeigt eine zeitlose Geradlinigkeit, die sauber verschweißten Übergänge sind sichtbar und das Steuerrohr ist klassisch als Rundrohr gehalten - kein Schnickschnack, dafür eine kompromisslose, klare Designsprache. Das Finish des Aristos SL hebt sich ebenfalls ab: Statt zu glänzen, zeigt der Titan Rahmen am Gravel-Bike ein gleichmäßig mattgraues Titan-Finish, das durch Sand- und Glasperlenstrahlen entsteht. Das Besondere liegt aber unter der matten, rauen Oberfläche: Hier wird Grade 5 Titan (Ti-6Al-4V) verwendet.

Die Hauptunterschiede zwischen den beiden Titan Rahmen Gravel-Bikes von Falkenjagd liegen, wie oben beschrieben, in den unterschiedlichen Legierungen des Rahmenmaterials.

Die beiden Falkenjagd-Bikes verfolgen unterschiedliche Ansätze, die sich klar in ihrem Fahrverhalten widerspiegeln. Das Aristos GT ist nicht nur darauf ausgelegt, mehr Gepäck, sondern auch Schutzbleche und einen Gepäckträger an 2 dezidierten Punkten aufzunehmen und bietet zahlreiche Anschraubpunkte für Ausrüstung. Das Aristos SL hingegen verzichtet bewusst auf diese Flexibilität zugunsten einer sportlichen, schlanken Linienführung ohne Schnick-Schnack.

Die Reduktion aufs Wesentliche merkt man auch im Fahrverhalten: Es fährt sich reaktiv, agil und ist somit weniger für die entspannte Langstrecke gemacht. Stattdessen ist es getrimmt auf Geschwindigkeiten, es schreit nach schnellen, dynamischen Ausfahrten und der KOM-Jagd. Das Aristos GT ist spürbar entspannter unterwegs. Das Gewicht ist um gut ein Kilo höher und das merkt man nicht nur auf der Waage, sondern auch beim Antritt.

Im Vergleich zu einem zeitgemäßen Carbon-Bike zeigen beide Titanbikes ein anderes, direkteres Fahrgefühl: Sie sind steifer und straffer. Die Materialeigenschaften von Titan lassen eine weniger gezielte Feinabstimmung bei Compliance und Steifigkeit zu. Insgesamt merkt man, dass sich Rahmen aus verschiedenen Metallen deutlich näher sind als Rahmen aus Kohlenstofffasern und Harz.

Für all jene, die mit dem Gedanken spielen, ein einzigartiges Bike abseits des Mainstreams zu fahren, die die charakterstarke Optik und hohe Robustheit von Titan zu schätzen wissen oder einen Begleiter fürs Leben suchen, ist ein Titan-Bike genau richtig. Diese Bikes - zumindest der Rahmen und die Titan-Anbauteile - sind für die Ewigkeit gemacht. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Titan Rahmen etwas rostet, reißt oder bricht, ist minimal und wenn das Bike mal ungeschickt umfällt, muss man es nicht direkt röntgentechnisch untersuchen lassen, wie es bei Carbon-Bikes der Fall ist.

Titan ist deutlich exquisiter und hat einen komplett anderen Ursprung. Jetzt teilen sich die Materialien jedoch einen ähnlichen Markt von Puristen und Liebhabern. Auf dem Trail bietet das Titan-Bike mehr Komfort und ein fehlerverzeihenderes Verhalten.

Kaum ein anderes Material ist so widerstandsfähig und langlebig wie Titan. Deshalb kommt der Werkstoff beim Bau von Fahrradrahmen zum Einsatz. Titan ist ein chemisches Element, das zu den Leichtmetallen zählt. Mit einer Dichte von 4,50 Gramm pro Kubikzentimeter ist der Stoff bei Raumtemperatur das schwerste aller Leichtmetalle. Als reine Variation ist das Material selten, sodass der Rohstoff meist aufwändig aus Titaneisenerz oder Rutil gewonnen wird. Dadurch ist Titan als Werkstoff sehr teuer. Bei Rädern macht sich das preislich bemerkbar.

Durch seine weiß-metallisch glänzende Optik ist Titan attraktiv als Werkstoff für Fahrradrahmen. Titan-Räder bestehen jedoch nicht hundertprozentig nur aus Titan. Im Fahrradrahmen finden sich geringe Anteile anderer Werkstoffe. Aluminium wird mit drei Prozent und Vanadium mit 2,5 Prozent zugesetzt, um die Festigkeit des Rahmens zu erhöhen.

Fahrräder mit einem Titanrahmen sind stabil und bieten robusten Schutz vor Beschädigungen. Im Vergleich zum Alu-Rahmen oder Carbon-Rahmen übersteht ein Fahrradrahmen aus Titan einen Sturz meist unbeschadet. Die Oberfläche des Materials ist widerstandsfähig gegenüber Beulen, Rissen oder Kratzern. Zudem korrodiert Titan nicht, selbst wenn Streusalz oder Schweiß daran haften bleiben.

Vorteile und Nachteile von Titanrahmen

Bikes mit einem Rahmen aus Titan bieten Stärken, weisen aber auch einige Schwächen auf. Die Übersicht zeigt, dass die Vorteile eines Titanrahmens überwiegen.

  • Vorteile:
    • Hohe Widerstandsfähigkeit
    • Geringe Dichte
    • Korrosionsbeständigkeit
    • Lange Lebensdauer
    • Individuelle Anpassung möglich
  • Nachteile:
    • Hoher Preis
    • Aufwendige Verarbeitung
    • Geringe Auswahl an Herstellern

Rohre aus Titan gibt es mit speziell geformten Wandstärken. Das breite Spektrum erweitert den Einsatzbereich, sodass sich Titanrahmen für jeden Anspruch bauen lassen. In der Praxis verfügen vor allem Rennräder und Mountainbikes über diese Art von Fahrradrahmen. Ausschlaggebend für den Einsatz bei diesen Fahrradtypen sind einmal das leichte Gewicht, die flexible Bauweise und die widerstandsfähige Eigenschaft.

Wer mit einem Titanrahmen liebäugelt, kann sich die Komponente für sein Bike individuell herstellen lassen. Der Rahmen passt dann wie ein maßgeschneiderter Anzug zu den eigenen Körpermaßen. Und er verfügt über ein Design, das einzigartig wäre. Doch selbst ohne Maßanfertigung bleibt ein Titanrahmen nicht günstig. Er kostet mehrere tausend Euro, auch weil es nur wenige Hersteller gibt, die solche Rahmen in Handarbeit produzieren.

Alle Stoffe besitzen jeweils ihre Vorteile, sodass es nicht den perfekten Fahrradrahmen gibt. Die Wahl des Rahmens ist immer persönlich motiviert und von der Art des Fahrrads abhängig. Auf der anderen Seite ist ein Bike mit Titanrahmen teuer, aber der Preis relativiert sich mit der Zeit.

Zwar hängt viel vom Rahmenbau und mithin von der Kon­struktion der Rahmenrohre ab und nicht selten ist ein (wichtig:) hochwertiger Stahlrahmen komfortabler, dafür aber meist schwerer. Auch sind im Gesamtkomfort eines Fahrrades andere Elemente sogar wichtiger: Gabel, Dämpfung im Lenker und Vorbau, Sattelstütze, Speichenspannung und die Reifen.

Der größte Vorteil ist - siehe oben - wohl aber die Langlebigkeit und Unempfindlichkeit von Titanrahmen. Stürze und andere Eindrücke erträgt er ebenso klaglos wie das Wetter. Wer sein Rad also gut pflegt, kann sehr lange etwas davon haben. Insofern ist ein Titanfahrrad trotz sehr hohen Energieaufwands bei der Produktion und wenig schonender Abbaubedingungen eine gewisse nachhaltige Anschaffung. Es widerspricht im Prinzip dem Wegwerfgedanken.

Alle vier Testräder überzeugen mit einer feinen Verarbeitung - das Schweißen der Rohre muss unter sauerstofffreien Bedingungen erfolgen und ist die größte Herausforderung im Titanrahmenbau.

Die Hersteller haben sich mit hohem und sehr hohem Aufwand darum bemüht, dem schwersten aller Leichtmetalle mit ihren Modellen die angemessene Plattform zu geben. Herausgekommen sind Räder, die, mit einzelnen Abstrichen, im Alltag und auf gemütlichen wie sportlichen Touren eine überzeugende Figur machen. Wer sich darauf einlässt und den Wert erkennt, wird früher oder später zugreifen und mit der Freude an einem Rad, das ihn nicht im Stich lässt, belohnt.

Für Fahrradrahmen bringt die hochfeste Legierung Titan eine für den Fahrradbau wichtige Eigenschaft mit: es ist sehr leicht! Isoliert lässt sich das bloße Gewicht nicht betrachten, andere Eigenschaften sind ebenso wichtig: ausreichende Elastizität für maximalen Komfort und notwendige Steifigkeit. Hier bietet gerade Titan so hervorragende Werte wie sonst kein anderer Werkstoff. Durch den Flex absorbiert Titan Stöße und Vibrationen besser als andere Rahmenmaterialien.

Besonders bei einem Gravelbike, das häufig unter rauen Bedingungen wie Staub, Schlamm und Steinschlag eingesetzt wird und wo das Risiko eines Sturzes höher ist als bei einem Straßenrad, zeigen sich bei lackierten Rahmen aus Stahl, Aluminium oder Carbon oft schon nach kurzer Zeit erste Gebrauchsspuren. Ein unlackierter Titanrahmen hingegen bleibt von solchen Abnutzungserscheinungen größtenteils verschont. Selbst wenn er einmal beschädigt wird, lässt sich dies meistens mit wenig Mühe wieder herauspolieren.

Titan könnte für die Robustheit und Haltbarkeit der perfekte Werkstoff für den Rahmen sein, da es als das widerstandsfähigste Material für Fahrradrahmen gilt. Der Schlüssel zu dieser Beständigkeit liegt nicht im Material selbst, sondern in der Tatsache, dass Titanrahmen üblicherweise keinen Lack haben, der beschädigt werden kann. Da Titan weder korrodiert noch altert, benötigen diese Gravelbikes keine schützende Lackierung, die anfällig für Kratzer wäre.

Titan ist das ideale Material für ein strapazierfähiges Gravelbike, da es selbst bei harscher Behandlung kaum Schäden zeigt. Allerdings sollte man keine besonders leichten oder bequemen Fahrräder erwarten. Positiv zu bemerken ist, dass kleine Anbieter mit innovativen Ideen auf den Markt kommen und die Preise für den Einstieg sinken. Trotzdem ist Titan im Vergleich zu Aluminium und Carbon immer noch recht kostspielig.

Es hat sich herausgestellt, dass die Annahme, Titan würde besonders leichte Rahmen produzieren, nicht zutrifft. Dies gilt insbesondere für die stabiler konstruierten Gravelbikes. Unsere Testrahmen wiegen in der Regel um die 1800 Gramm ohne Anbauteile. Obwohl sie damit 10 bis 20 Prozent leichter sind als vergleichbare Stahlrahmen, erreichen selbst günstige Aluminiumrahmen dieses Gewicht ohne Probleme. Hochwertige Aluminiumrahmen können sogar deutlich weniger wiegen und sind dabei noch preiswerter.

Die schweren Rahmen bringen es mit sich, dass die Räder auch mit teuren (also leichten) Komponenten nicht viel leichter gebaut werden können. Titan-Gravelbikes sind selbst mit viel Mühe kaum leichter als 9 Kilo hinzubekommen. Zum Vergleich: Großserien-Gravelbikes aus Carbon in der (relativ niedrigen) Preisklasse um 3000 Euro wiegen ebenso 9 Kilo. Bei Straßenrädern mit Titanrahmen geht die Waage auch bis höchstens 8 Kilogramm herunter.

Nachdem wir zunächst von dem Gewicht etwas enttäuscht waren, kommt schnell die Ernüchterung darüber, dass das Material des Rahmens nicht so bequem ist, wie oft behauptet wird. Unsere Vergleiche zeigen, dass alle Gravelbikes höchstens ein durchschnittliches Komfortniveau bieten; im Vergleich zu modernen Carbon-Fahrrädern sind viele sogar deutlich härter. Besonders Endurance-Bikes mit Carbonrahmen schneiden beim Komfort am hinteren Teil des Rads meist sehr gut ab. Bei Gravelbikes spielt das jedoch eine kleinere Rolle, da die breiten Reifen ohnehin viel Dämpfung schaffen.

Wenn man die klaren Fakten betrachtet, steht das Preis-Leistungs-Verhältnis von Titanrädern nicht besonders gut da, obwohl der Zugang zu diesem edlen Material durch preiswerte Rahmen aus Asien mittlerweile günstiger geworden ist als früher. Aber die Begeisterung für Titan lässt sich nicht allein mit Zahlen erklären. Wer sein Fahrrad schätzt, weil es auch nach langer Zeit noch aussieht wie am ersten Tag, wird den höheren Preis oder das zusätzliche Gewicht wahrscheinlich in Kauf nehmen.

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