Die Alpen mit dem Mountainbike zu bezwingen, ist für viele ein lang gehegter Traum. Ob entspannte Feierabendtour oder anspruchsvolle Transalp, die Vielfalt der Routen bietet für jedes Niveau die passende Herausforderung. Hier finden Sie eine Auswahl an Touren, von leicht bis schwer, mit detaillierten Beschreibungen zu Streckenverlauf, Schwierigkeitsgrad, Höhenunterschied und Einkehrmöglichkeiten.
Entspannte Feierabendtouren in den bayerischen Alpen
Wer nach Feierabend noch eine abwechslungsreiche Mountainbike-Tour mit gemütlicher Einkehr auf der Alm und Blick auf Gipfel und Sonnenuntergang sucht, findet in den bayerischen Alpen zahlreiche Möglichkeiten. Hier sind einige Beispiele:
Von Frasdorf auf die Hofalm
Diese leichte Tour ist ideal für einen entspannten Start. Die Anfahrt von München über die Salzburger Autobahn ist unkompliziert, und die Strecke zur Frasdorfer Hütte und weiter zur Hofalm ist konditionell leicht zu bewältigen. Die Hofalm bietet einen traumhaften Blick auf die Kampenwand.
- Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Lederstube (675 m) bei Frasdorf
- Entfernung von München: ca. 82 km
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Strecke: 10 km
- Zeit: ca. 1.15 Stunden
- Höhenunterschied: 300 m
- Einkehr: Frasdorfer Hütte (946 m, Montag und Dienstag Ruhetag), Hofalm (970 m)
Zwischen Berg und See: Vom Schliersee um das Auracher Köpfl
Diese Bikerunde bietet eine ausgewogene Mischung aus Anstrengung und Entspannung. Die Auffahrt vom Schlierseer Ortsteil Neuhaus ist überschaubar, und der Blick auf den Wendelstein ist wunderschön. Die Abfahrt durch den Leitner Graben Richtung Schliersee und die Umrundung auf einem bequemen Radweg machen diese Tour zu einem perfekten Feierabendausflug.
- Ausgangspunkt: Parkplatz (815 m) beim Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee, unmittelbar vor dem Bahnübergang
- Entfernung von München: ca. 60 km
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Strecke: 15 km
- Zeit: ca. 2 Stunden
- Höhenunterschied: 740 m
- Einkehr: Biergarten beim Hotel Schlierseer Hof, direkt am Ufer des Schliersees (780 m)
Der Schliersee hat meist eine angenehme Wassertemperatur, um sich nach der Bikerunde abzukühlen.
Bequem oder ambitioniert: Von Hausham auf die Gindelalm
Die Gindelalm ist das perfekte Ziel für einen abendlichen Bikeausflug. Es gibt zwei Varianten: eine gemütliche auf einer breiten Forststraße und eine sehr sportliche über einen extrem steilen Weg aus dem Breitenbachtal bei Schliersee. Oben auf der Alm erwartet Sie ein Weißbier in der Abendsonne.
- Ausgangspunkt: Hausham, Parkplatz in der Gindelalmstraße (820 m)
- Entfernung von München: ca. 55 km
- Schwierigkeitsgrad: leicht bzw. schwer
- Strecke: elf bzw. 15 km
- Zeit: ca. 1.15 Stunden bzw. 1.45 Stunden
- Höhenunterschied: 425 bzw. 500 m
- Einkehr: Gindelalm (1242 m)
Der Höhenweg hinüber zur Neureuth mit ihrem Gasthaus und dem Blick auf den Tegernsee ist eine lohnende Zugabe.
Zum Ausrollen: Um den Hirschberg
Diese Bikerunde von Bad Wiessee über Kreuth zur Schwarzentenn-Alm und zurück durch das Söllbachtal ist perfekt für Einsteiger oder als Abschluss eines schönen Sommertages. Die Strecke ist kaum merklich ansteigend und bietet kilometerlangen Abfahrtsspaß.
- Ausgangspunkt: Bad Wiessee, gebührenpflichtiger Parkplatz im Söllbachtal (780 m)
- Entfernung von München: ca. 57 km
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Strecke: 27 km
- Zeit: ca. 2.15 Stunden
- Höhenunterschied: 360 m
- Einkehr: Schwarzentenn-Alm (1027 m)
Wer Zeit hat, fährt mit dem Bike noch schnell ans Ufer des Tegernsees, um sich dort abzukühlen.
Gemütlich von Anfang bis Ende: Auf die Kenzenhütte
Diese Tour ist perfekt für den Feierabend. Die Landschaft im riesigen Waldgebiet zwischen Hohem Trauchberg und Hochplatte ist wie gemalt, die Kulisse mit Geiselstein und Ammergauer Matterhorn ebenso. Das Beste kommt zum Schluss: die Kenzenhütte mit schöner Terrasse und gemütlicher Stube.
- Ausgangspunkt: Parkplatz der Kenzenhütte (830 m) in Halblech
- Entfernung von München: ca. 115 km
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Strecke: ca. 25 km
- Höhenunterschied: 580 m
- Zeit: ca. Spannende Trails und traumhafte Aussichten
Herausfordernde Touren für ambitionierte Mountainbiker
Für erfahrene Mountainbiker, die eine Herausforderung suchen, gibt es in den Alpen zahlreiche anspruchsvolle Routen. Diese Touren erfordern eine gute Kondition, Fahrtechnik und Trittsicherheit. Hier sind einige Beispiele:
Bis die Beine streiken: Zum Brünnsteinhaus
Diese Biketour fällt unter die Kategorie "kurz und knackig". Die steile Straße von Mühlau über Rechenau hinauf zur Hütte ist nichts für Konditionsschwache. Die Strecke ist eine einzige Schikane, bei der die Hoffnung "steiler geht es nicht" mehrmals enttäuscht wird.
- Ausgangspunkt: Mühlau (620 m) oberhalb von Oberaudorf im Inntal
- Entfernung von München: ca. 85 km
- Schwierigkeitsgrad: schwer
- Strecke: 11 km
- Zeit: ca. 2.15 Stunden
- Höhenunterschied: 740 m
- Einkehr: Brünnsteinhaus (1360 m)
Der Blick vom Brünnsteinhaus über das Inntal auf die im Abendlicht leuchtenden Felswände des Wilden Kaisers ist beeindruckend.
Sehr anstrengend: Rotwand
Die Rotwand über dem Spitzingsee gehört sicherlich zu den schönsten Aussichtsgipfeln der Bayerischen Alpen. Der 360-Grad-Rundblick ist famos. Zumindest für trainierte Biker, denn das Bergauf ist überaus anstrengend.
- Ausgangspunkt: Gebührenpflichtiger Parkplatz am Spitzingsee (1090 m)
- Entfernung von München: ca. 66 km
- Schwierigkeitsgrad: schwer
- Zeit: ca. 2 Stunden
- Höhenunterschied: 660 m
- Einkehr: Rotwandhaus (1737 m)
Biker mit Stirnlampe können sich Zeit lassen und fahren erst in der letzten Dämmerung im Schein der Lampe oder des Vollmondes hinunter zum Spitzingsee.
Folgen Sie der Forststraße: Der Blomberg
Am Blomberg geht es gleich zur Sache. Einmal eingefädelt in die breite Forststraße gibt es keine Orientierungsprobleme mehr. Der dichte Bergwald spendet auch an heißen Sommerabenden Schatten. Nach etwa einer Stunde radelt man entspannt zum Ziel Blomberghaus.
- Ausgangspunkt: Gebührenpflichtiger Parkplatz an der Blombergbahn (710 m) bei Bad Tölz
- Entfernung von München: ca. 70 km
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Strecke: 13 km
- Zeit: ca. 1.20 Stunden
- Höhenunterschied: 500 m
- Einkehr: Blomberghaus (1203 m)
Für einen abendlichen Biketrip mit Einkehr sollte man den Dienstag wählen, an diesem Abend hat das Blomberghaus länger geöffnet.
Biketour mit Gipfelalternative: Von Lenggries auf die Lenggrieser Hütte
Vis-a-vis vom Brauneck findet man eine Route, die durchaus die Voraussetzungen für eine Münchner Parade-Biketour hat. Mit der Abendsonne im Rücken radelt man von Lenggries-Hohenburg aus auf einer zum Auftakt eher sanft ansteigenden Forststraße ins Hirschbachtal. So richtig schön wird es auf den letzten Metern, sobald man den Kessel der Seekaralm erreicht und an den Kühen vorbei auf die Lenggrieser Hütte zuhält.
- Ausgangspunkt: Parkplatz in Lenggries-Hohenburg (721 m)
- Entfernung von München: ca. 65 km
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Strecke: 22 km
- Zeit: ca. 2 Stunden
- Höhenunterschied: 650 m
- Einkehr: Lenggrieser Hütte (1338 m)
Wer nicht ausgelastet ist, zweigt rund eineinhalb Kilometer nach dem Hirschtalsattel links ab und erklimmt auf steilem Weg den Nordostrücken des Seekarkreuzes.
Der See ist das Ziel: Bikerunde am Barmsee
Eingerahmt von Karwendel, Estergebirge und dem Wettersteingebirge ist Krün der perfekte Ausgangspunkt für Wanderer, Biker - und Schwimmer. Eine traumhafte Bikerunde führt oberhalb der Finzbachklamm vorbei zur Finzalm. Egal welche Variante man wählt, zum Abschluss kühlt ein Sprung in den Barmsee mit traumhaftem Karwendelblick.
- Ausgangspunkt: Parkplätze (870 m) in Krün bei der Krottenkopfstraße
- Entfernung von München: ca. 105 km
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Strecke: ca. 16 km
- Zeit: ca. 1.45 Stunden
- Höhenunterschied: 350 m
- Einkehr: Auf der Tour leider keine, in Krün mehrere Gasthäuser.
Einen Kiosk sowie eine Wasserrutsche gibt es am kleinen Grubsee, der als Dritter im Bunde auf eine lange Tradition als Badesee zurückblicken kann.
Transalp: Die Königsdisziplin für Mountainbiker
Eine Transalp, die Überquerung der Alpen mit dem Mountainbike, ist für viele ein Traum und eine Herausforderung zugleich. In der Regel geht es einmal über den Alpenhauptkamm auf die andere Gebirgsseite. Bei einer Überquerung von Nord nach Süd locken Pizza und Pasta am Mittelmeer oder an einem oberitalienischen See.
Planung und Vorbereitung einer Transalp
Wer eine Transalp plant, sollte einige wichtige Punkte beachten:
- Dauer: Die meisten bekannten Routen dauern zwischen fünf und neun Tagen.
- Fitness: Die eigene Fitness und das individuelle Können richtig einschätzen.
- Wetter: Das Wetter in den Bergen kann zu Verzögerungen führen.
- Ausrüstung: Die richtige Ausrüstung ist entscheidend für den Erfolg der Tour.
- Route: Die Wahl der Route sollte den eigenen Fähigkeiten entsprechen.
Bekannte Transalp-Routen
Es gibt zahlreiche Transalp-Routen, die sich in Schwierigkeitsgrad und Streckenverlauf unterscheiden. Hier sind einige der bekanntesten Routen:
- Heckmair-Route: Von Oberstdorf an den Gardasee in sieben Etappen.
- Via Claudia Augusta: Von Oberstdorf oder Garmisch-Partenkirchen an den Gardasee.
- Route Berchtesgaden-Venedig: In sechs Etappen bis an die Adria.
- Route vom Genfersee nach Ventimiglia: Für konditionsstarke Biker mit acht Pässen über 2500 Meter.
Checkliste für die Transalp-Ausrüstung
Ein Rucksack für eine Transalp sollte maximal acht Kilo wiegen und folgende Dinge enthalten:
- Hose, Oberteil, Unterwäsche für die Abende
- Regenjacke
- Isolierende Schicht
- Erste-Hilfe-Set
- Biwaksack
- Smartphone, Lademöglichkeit
- Karte digital und Papier
- EC-Karte, Bargeld, Personalausweis
- Hüttenschlafsack
- Energieriegel, Snacks
- Funktionshandtuch
- Duschgel/Shampoo
- Zahnbürste und -pasta
- Deo
- Sonnencreme
- Ohropax
Das richtige Mountainbike für die Transalp
Die Wahl des Mountainbikes sollte auf die geplante Route abgestimmt sein. Bei technisch leichten Touren reicht ein Cross-Country-Hardtail, bei höherem Trail-Anteil ist ein Fully sinnvoll. Auch E-Mountainbikes sind heute keine Seltenheit mehr.
Tipps für die Transalp-Vorbereitung
Um fit für die Transalp zu sein, sollten Sie folgende Tipps beachten:
- Regelmäßiges Radfahren im Alltag
- Mehrtagestouren in der Umgebung
- Gezieltes Krafttraining für Beine und Rumpf
- Frühzeitige Planung und Buchung der Unterkünfte
Wichtige Fähigkeiten für die Transalp
Für eine erfolgreiche Transalp sind folgende Fähigkeiten wichtig:
- Solide Fahrtechnik auf allen Untergründen
- Umgang mit Platten und Pannen
- Orientierung mit Karte und Kompass
- Durchhaltevermögen und Willensstärke
- Erste-Hilfe-Kenntnisse
Risiken und Gefahren bei einer Transalp
Bei einer Transalp können verschiedene Risiken und Gefahren auftreten, wie:
- Schnelle Wetterumschwünge
- Erschöpfung und Überforderung
- Pannen und Verletzungen
Eine gute Vorbereitung und die richtige Ausrüstung können helfen, diese Risiken zu minimieren.
Die "Albrecht Route": Eine besondere Herausforderung
Das Bayerische Fernsehen begleitete Tassilo Seitz bei seinem Versuch, die Alpen mit dem Mountainbike zu bezwingen. Auf der sogenannten "Albrecht Route" wollte der Oberbayer seinen jahrelang gehegten Traum verwirklichen. Die ersten Kilometer sind noch zum Eingewöhnen: Von Garmisch geht es unterhalb der Zugspitze über den Eibsee nach Leermoos und von dort weiter über den Fernpass hinüber nach St. Anton.
Die nächsten Tage durch die Berge folgen einem festen, immer härter werdenden Rhythmus: morgens steile Anstiege, am späten Nachmittag dann rasche Abfahrten ins Tal. Die Königsetappe und der höchste Punkt der Tour, der Fimbapass auf 2.608 Metern Höhe - mit den wunderschönen Blicken ins Engadin - ist eine Extrembelastung und Grenzerfahrung für Tassilo. Fast 400 Höhenmeter muss das Rad getragen werden.
Natürlich könnte man an vielen Stellen mit Gondel und Bus schummeln. Aber das kommt für Tassilo trotz Wintereinbruch, mehreren Stürzen und Dauerregen nicht in Frage. Dafür begegnet er auch auf diesem schwierigen Passagen immer wieder interessanten Menschen: Von dem Schnitzer Gerhard Casari in Imst, der Weltklassekletterin Christine Schranz in Landeck, dem Brunnenbauer Gisep Derung in Scuol oder der Rangerin Seraina Campell im einzigen Schweizer Nationalpark erfährt der 30-Jährige über die Region viel mehr, als auf einer Autofahrt über die Alpen.
Und als in Italien der Himmel endlich aufreißt und das Ziel - der Gardasee - sichtbar wird, weiß Tassilo: das Ziel war alle Strapazen wert.
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