Tune Laufräder Test: Leistung, Gewicht und Haltbarkeit im Fokus

Der deutsche Laufradhersteller Tune aus Buggingen im Schwarzwald präsentiert mit den Yokto 3030 und 4550 seine bislang schnellsten Laufräder. Die neuen Modelle sollen nicht nur mit äußerst leichtem Gewicht, sondern auch durch Aerodynamik und Effizienz auf der Straße überzeugen. ROADBIKE hat die höhere Felgenversion - die Yokto 4550 - bereits in Labor und Praxis getestet.

Tune Yokto 4550 im Detail

Das Vorderrad wiegt laut ROADBIKE-Waage 597 Gramm, das Hinterrad 714 Gramm - gemessen mit montiertem Tubelessfelgenband, aber natürlich ohne Ventile oder gar Reifen, Kassette und Bremsscheiben. Das Setgewicht unseres Testlaufradsatzes beträgt folglich 1311 Gramm - 21 Gramm mehr als die Herstellerangabe, die aber vermutlich ohne Felgenband ermittelt wurde. Vor allem angesichts der wuchtigen Felgendimensionen mit 45 Millimeter hohen Felgen vorne und 50 Millimetern hinten, jeweils mit mächtigen 25 Millimetern Maulweite ist das angenehm leicht.

Der Aufbau bietet überhaupt keinen Anlass zur Kritik: Vorder- und Hinterrad sind mittig zentriert, das Vorderrad weicht 0,10 Millimeter zur Seite und 0,20 Millimeter nach oben ab, am Hinterrad sind es 0,13 bzw. 0,20 Millimeter. Diese Werte von Höhen- und Seitenschlag sind deutlich im grünen Bereich - kurzum: Die Laufräder sind hervorragend zentriert.

Fahrverhalten und Performance

Nach 1700 Testkilometern und über 25 000 Höhenmetern, vor allem gesammelt von ROADBIKE-Testfahrerin Emilia Welte, lautet das einhellige Urteil: verdammt schnell! Richtig Spaß machten die Laufräder aber vor allem bei hohem Tempo: "Sie rollen schnell, aber gleichzeitig ruhig, sicher und vorhersehbar und sind kein Stück seitenwindanfällig", meldete etwa Emilia zurück, "egal ob in den Alpen oder auf der Schwäbischen Alb - wenn die mal rollen, rollen sie."

Auch die präzise Lenkung und das allgemein agile Handling ist lobend zu erwähnen. Im Antritt fühlen sich die Laufräder steif und stabil an - vermutlich eine Folge der mit Carbonfasern umwickelten und dadurch versteiften Speichenkreuzungen.

Allerdings kam die mitunter komplizierte Reifenmontage weniger gut an. Je nach Modell verlangte die Montage extrem viel Kraft: Pirellis Clincher P Zero Race RS ließ sich mit TPU-Schläuchen problemlos montieren, Continentals Grand Prix TR hingegen ging zwar ordentlich über die Felge, wollte aber partout nicht einrasten und rutschte selbst mit Kompressor immer wieder über die Tubelesshöcker zurück in die Mitte des Felgenbettes.

Nicht meckern kann man hingegen in punkto Haltbarkeit: Auch bei Testende waren keine außerhalb der (engen) Toleranz liegenden Höhen- oder Seitenschläge zu verzeichnen, das Lager am Vorderrad lief seidenweich, am Hinterrad waren lediglich die Rastpunkte des Freilaufs zu spüren. Übrigens: Der Freilauf "sägt" mit hellem Knattern - nicht penetrant, aber auch nicht zu leise.

Tune Crosser Carbon Disc Endurance 700C

Der Tune Crosser Carbon Disc Endurance 700C ist für Gravel und Cross konzipiert und soll durch geringes Gewicht und Robustheit überzeugen. Tune verbaut im Crosser Endurance-Laufradsatz flache und superleichte Stan’s Grail CB7-Carbonfelgen. Die Carbonringe drehen sich um leichte Tune KINGkong- bzw. Kong-Naben in der Endurance-Version. Da sämtliche Laufräder direkt bei Tune im Schwarzwald gebaut werden, hat man hier auch die volle Auswahlmöglichkeit an Achs-Versionen, Scheibenaufnahmen sowie Freilaufkörpern und kann zusätzlich aus jeder Menge Eloxalfarben für Naben und Speichen-Nippel wählen.

Mit einer Innenweite von 21,6 mm passen Reifen von 25 bis 40C auf die Laufräder. Aufgrund der Bauweise sind die Felgen nur für den reinen Tubeless-Betrieb freigegeben. Der Maximaldruck für ein 40C-Modell liegt hier bei 55 psi. Tune verbaut sowohl vorne als auch hinten jeweils 28 dreifach gekreuzte Sapim D-Light-Speichen. Das Handling des Tune Crosser Carbon Disc Endurance ist sehr anfängerfreundlich.

Der Laufradsatz bietet dank der spürbaren Compliance der hochspezialisierten, flachen Felgen vor allem auf Gravel ein äußerst angenehmes Fahrverhalten mit viel Traktion. Jeder Input wird direkt in Vortrieb umgewandelt. Vor allem aber verzeiht er für einen Carbon-Laufradsatz dank der Compliance viele Fahrfehler und steckt plötzliche Bodenunebenheiten sehr gut weg, anstatt durch die Gegend zu springen und Vibrationen direkt weiterzuleiten. So ist stets für guten Grip, Sicherheit und Komfort gesorgt.

Der Tune Crosser Carbon Disc Endurance 700C ist super leicht und dennoch ein sehr guter Allrounder - sowohl am Endurance- und Allroad- als auch am Gravel-Bike. Er beherrscht den schmalen Grat zwischen Steifigkeit und Compliance hervorragend und sorgt so für top Komfort und einfache Beherrschbarkeit auch für Anfänger.

Vor- und Nachteile

  • Tops: Alle Achs-, Freilauf- und Disc-Standards verfügbar, super leicht, angenehmer Mittelweg aus Steifigkeit und Compliance, sehr einfach zu beherrschen
  • Flops: Max. Gewicht: 1.262 g (inkl.

Tune Endurorider Laufradsatz

Genau vor dieser Gretchenfrage standen wir ebenfalls und haben uns für den Tune Endurorider Laufradsatz entschieden. Die Basis bilden die Tune King Boost (vorne) und Tune Kong Boost (hinten) Naben. Die beiden Naben sind mit ca. 115 g (vorne) beziehungsweise ca. 210 g (hinten) sehr leicht. Standardmäßig wird der Endurorider mit 32 D-Light Speichen von Sapim aufgebaut. Wir haben uns aber für das Upgrade auf die CX-Ray Speichen entschieden. Komplettiert wird der Laufradsatz durch die von Ryde speziell für Tune produzierte Aluminium Felge.

Getestet haben wir den Endurorider nicht nur unsere Hometrails in den nahegelegenen Mittelgebirgen, sondern auch in Nauders, Latsch und den Dolomiten. Auch den ein oder anderen Renneinsatz musste der Endurorider über sich ergehen lassen. Der Testzeitraum betrug knapp zehn Monate.

Mit 1860 g ist der 29“ Laufradsatz mit Aluminiumfelge einer der leichteren Sorte. Dennoch mussten wir im Laufe der (Renn-) Saison keinen Ausfall quittieren und haben lediglich zwei Dellen davongetragen, die aber bislang keine weitere Auswirkung auf die Performance hatten. Und auch mit der Steifigkeit des Laufrades waren wir sehr zufrieden.

Allgemeine Aspekte beim Laufradkauf

Geradezu prädestiniert für das Aufrüsten mit hochwertigen Laufrädern sind Carbonrenner in der Preisklasse zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Je nach Qualität des Basis-Rennrads können mit einem Satz Top-Laufräder durchaus 500 Gramm gespart und gleichzeitig spürbare aerodynamische Vorteile erzielt werden. Halbhohe Felgen weisen Höhen von 30 bis 45 Millimeter auf, was gegenüber den flachen Varianten mit einem Mehr an Material beziehungsweise Gewicht verknüpft ist. Damit diese Felgen nicht zu schwer werden, kommt vorzugsweise Carbon zum Einsatz.

Konzentriert sich ein großer Teil des Gewichts außen an der Felge, so ergibt sich eine hohe rotatorische Massenträgheit oder Drehenergie der Laufräder, die beschleunigt werden will. Da Felgen in Tubular-Bauweise gute 100 Gramm weniger als Clincher-Felgen wiegen, beschleunigen diese auch erheblich besser.

Bremsverhalten von Carbonfelgen

Das heißt, im ungünstigen Fall neigen Carbonfelgen zum Überhitzen. Schläuche können platzen, Felgen delaminieren. Fatal wäre in erster Linie das Bremsen mit konstant schleifenden Bremsen, das „Angsthasenbremsen“. Korrektes Verzögern heißt: Kurz und kräftig in Intervallen bremsen, dabei beide Bremsen nutzen. Carbon-Bremsflanken erfordern spezielle Bremsbeläge. Diese sind meist mindestens doppelt so teuer wie die für Alufelgen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0