Die Krisenstimmung im Fahrradmarkt ist noch nicht vorbei: Nachdem sich 2023 ein Sättigungseffekt einstellte, bremst nun unter anderem die durch Verunsicherung geprägte Konsumstimmung die Fahrradbranche aus. 2024 sank der Fahrradmarkt inklusive Zubehör auf 9,7 Milliarden Euro - ein Minus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz des Umsatzrückgangs liegt die Branche damit weit über dem Niveau vor dem Coronaboom. Das zeigt der aktuelle "Branchenbericht Fahrräder 2025" des IFH KÖLN in Zusammenarbeit mit der BBE Handelsberatung.
Laut der Prognose der Marktexpert:innen, wird der Markt ab 2026 wieder leichtes Wachstum generieren. „Nach einem recht guten Saisonstart 2024 machten unter anderem das Wetter, zu hohe Lagerbestände und damit verbundene Preisabschriften sowie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen einen Strich durch die Umsatzplanung der Fahrradbranche. Mittlerweile stabilisieren sich langsam, aber sicher bei den meisten Händlern die Roherträge,“ erklärt Florian Schöps, Manager Unternehmensberatung bei der BBE Handelsberatung.
E-Bikes verlieren erstmals Marktanteile
Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten 2024 alle Teilmärkte der Fahrradbranche - E-Bikes, mechanische Fahrräder und Zubehör - einen Umsatzrückgang. Besonders bemerkenswert ist, dass E-Bikes erstmals seit zehn Jahren Marktanteile verlieren, auch wenn sie mit 60 Prozent weiterhin den größten Teilmarkt darstellen. Der Zubehörbereich gewinnt hingegen an Bedeutung: Er macht inzwischen etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes aus und profitiert nach wie vor vom langjährigen Aufschwung der E-Bikes.
Stationäre Händler gewinnen online an Bedeutung
Ähnlich wie im E-Bike-Segment, verliert 2024 bei den Vertriebswegen auch der dominierende Kanal: Rund einen Prozentpunkt Marktanteile tritt der Fachhandel (inkl. Fachmärkte) an die anderen Kanäle ab, bleibt mit rund 80 Prozent Marktanteil jedoch weiterhin der wichtigste Vertriebsweg. Die verlorenen Anteile kommen zum Großteil bei den Versendern/ Internet-Pure-Player an. Die Internet-Pure-Player haben das Onlinegeschäft aber nicht vollständig in der eigenen Hand, auch Hersteller und stationärer Handel mischen mit. Letztere konnten 2024 ihren Anteil am Onlinegeschäft deutlich steigern.
„Der Fahrrad-Fachhandel verteidigt erfolgreich seine Festung. In kaum einem Markt ist die Dominanz des Fachhandels derart groß. Über den (Werkstatt-) Service werden Kundinnen und Kunden an den Fachhandel gebunden, eine Leistung die externe Kanäle meist nicht bieten,“ so Christoph Lamsfuß, Senior Consultant am IFH KÖLN.
Die aktuelle Lage und Zukunftsaussichten
Kurz vor dem Start der Eurobike 2025 hellt sich die Stimmung in der Fahrradbranche auf. Laut dem T3 Transportation Think Tank beurteilten die Unternehmen im Mai ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als im April. Zugleich zeigen sich die Firmen für die kommenden sechs Monate etwas optimistischer.
Ob tatsächlich höhere Auftragseingänge und Bestellungen die Laune der Branche zuletzt aufhellten oder das Prinzip Hoffnung die Antworten der Firmen dominierte, bleibt in der am Mittwoch von dem Interessenverband Zukunft Fahrrad vorgestellten Studie unklar. Bei einer eigenen Umfrage unter Führungskräften des Verbands rechneten im April gar 70 Prozent der Firmen mit besseren Geschäften in Zukunft.
Diese kann die Fahrradwirtschaft auch dringend gebrauchen: Denn erstmals seit 2019 ist der Umsatz der Branche laut der T3-Studie gesunken, auch die Beschäftigung ging zurück. Die Erlöse rutschten 2024 um 7 Prozent auf rund 27,2 Milliarden Euro ab. Mit einem Minus von 10 Prozent traf es die Hersteller im Vergleich zu Handel und Dienstleistern am stärksten. Während Hersteller und Händler Stellen abbauten, schafften Dienstleister in den Bereichen Fahrradleasing, Sharing und Abo neue Jobs, berichtet Wasilis von Rauch, der Geschäftsführer des Fahrradverbands.
Berater erwartet Wachstum von 3 bis 5 Prozent. Ralf Kindermann, Gründer und CEO einer Strategieberatung für Fahrrad-, Sport- und Outdoormarken, ist davon überzeugt, dass die Fahrradbranche in Deutschland wieder zu einem „normalen Wachstum“ zurückkehren werde. Wenn man die positiven Effekte des Corona-Booms und die negativen der zwei Jahre danach ausklammert, sei die Branche im Schnitt der vergangenen 25 Jahre zwischen 3 und 5 Prozent gewachsen. Auf diesen „normalen“ Wachstumspfad werde die Fahrradwirtschaft wieder zurückkehren, zeigte sich der Experte gegenüber manager magazin überzeugt.
Der Premium-Hersteller Rose Bikes war einer der wenigen Marktteilnehmer, die im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn gegen den schwachen Trend zweistellig zulegten. Doch mittlerweile rechnet selbst der Überflieger im Segment Gravel- und Rennrad im laufenden Geschäftsjahr mit einer Normalisierung der Geschäfte.
E-Bike wird wohl das Wachstum tragen
Wichtigste Stütze beim erhofften Aufschwung dürfte laut Kindermann das E-Bike sein. Schon jetzt ist mehr als jedes zweite verkaufte Fahrrad in Deutschland ein E-Bike, das in der Regel professionelle Wartung benötigt und damit zusätzliche Jobs in der Branche schaffen dürfte.
Bestand Fahrräder und E-Bikes in Deutschland
Der Bestand an Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland wächst kontinuierlich - auf 84 Mio. Stück in 2023 (2022: 82,8 Mio.). Im Vergleich zu 2019 entspricht das einer Zunahme um 8,1 Mio. Stück (+ 10,67 %). Statistisch verfügt somit fast jede Person in Deutschland über ein Fahrrad oder E-Bike. Beim Kaufverhalten geht die Entwicklung neben dem Neukauf vermehrt auch zur Anschaffung von Zweit- oder Dritträdern - zum Beispiel für die Freizeit, den Sport oder den Transport.
Der ZIV gibt den Bestand an E-Bikes zum Ende des Jahres 2023 mit 11 Mio. Stück an (2022: 9,8 Mio.). Damit ist der Bestand nun fast siebenmal so hoch, wie der Bestand vor 10 Jahren (2013: 1,6 Mio.). Wichtig mit Blick auf gesundheitliche Vorteile, die Mobilitätswende oder Diskussionen um Unfallzahlen: E-Bikes werden erheblich öfter und über längere Wegstrecken verwendet, durchschnittlich 1.500 bis 2.000 Kilometer pro Jahr.
In der Freizeit erschließen E-Bikes für breite Bevölkerungsgruppen und auch die wachsende Zahl älterer Radfahrer:innen neue Möglichkeiten und neue Routen, zum Beispiel in hügeligen Regionen.
Produktion: Fahrradbranche trotzt dem negativen Konsumklima
Nach dem Allzeithoch in der Fahrrad- und E-Bike-Produktion in Deutschland im Jahr 2022, das angesichts der zwischenzeitlich eingebrochenen Nachfrage zu übervollen Lägern beitrug, hat sich die Produktion 2023 mit 2,3 Millionen Einheiten auf dem Niveau des Boom-Jahres 2020 und damit auf einem sehr guten Wert eingependelt.
- Gesamtproduktion: 2,3 Mio. Fahrzeuge (2022: 2,6 Mio., 2020: 2,2 Mio.
- E-Bike-Produktion: 1,6 Mio. Fahrzeuge (2022: 1,7 Mio., 2020: 1,3 Mio.
- Fahrradproduktion: 726.000 Fahrzeuge (2022: 848.000, 2020: 827.000 Fahrzeuge)
Tatsächlich ist die Leistungskraft der deutschen Fahrradindustrie noch größer, denn ein guter Teil wird im Auftrag der deutschen Unternehmen im Ausland (mit 85 % vor allem in EU-Ländern) produziert. Die Auftragsfertigung deutscher Unternehmen im Ausland kommt auf 1,08 Millionen Einheiten, wovon 710.000 Stück in eigenen Produktionsstätten gefertigt werden. In der Summe stehen die Unternehmen der deutsche Fahrradindustrie 2023 damit für 3 Millionen im In- und Ausland produzierten Fahrrädern und E-Bikes.
Die Importe haben sich nach dem Ende der Lieferkettenprobleme normalisiert. Die Exporte bleiben stabil.
Inlandsanlieferung
Die Inlandsanlieferung von Fahrrädern und E-Bikes an den deutschen Handel lag 2023 bei 4,36 Mio. Stück. Das bedeutet einen leichten Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2022 mit 5,45 Mio.
Umsätze
Stabil auf hohem Niveau waren 2023 auch die Umsätze der Fahrradbranche: Der Wert, der im Jahr 2023 in Deutschland verkauften Fahrräder und E-Bikes betrug 7,06 Milliarden Euro (2022: 7,36 Mrd. €, 2021: 6,56 Mrd. €, 2019: 4 Mrd. €). Gründe sind der weiterwachsende Anteil von E-Bikes und anderen hochwertigeren Produkten, wie zum Beispiel Cargobikes etc.
Verkauf Fahrräder und E-Bikes: Das E-Bike ist der Motor der Fahrradbranche
Die Gesamtstückzahl der verkauften Fahrräder und E-Bikes in Deutschland lag 2023 bei 4,0 Millionen. Damit ist die Verkaufsmenge insgesamt leicht rückläufig und ungefähr wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Weiter nachgelassen hat insbesondere der Verkauf von Fahrrädern ohne Motorunterstützung. 1,9 Mio. Fahrräder wurden 2023 abgesetzt (2022: 2,4 Mio. Stk.).
Weiterhin positiv sind die Entwicklungen bei den E-Bikes, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Treiber bei Absatz, Umsatz und Innovation entwickelt haben. 2023 wurden 2,1 Mio. E-Bikes in Deutschland abgesetzt. Damit haben E-Bikes im Jahr 2023 erstmals Fahrräder beim Absatz hinter sich gelassen. Die stabilen Absatzzahlen bei E-Bikes liegen sogar über dem Niveau des Boom-Jahres 2020 (2,0 Mio. Stk.). Das Ergebnis des Rekord-Vorjahrs 2022 (2,2 Mio. Stk.) konnte aufgrund der allgemeinen Kaufzurückhaltung bei den Verbraucher:innen nicht erreicht werden.
Sportiv
Anteil sportliche Fahrräder: 14 % (Rennräder, Gravel, Fitness, MTB) (2022: 11 %). Sportliche Fahrräder wurden 2023 wieder stärker nachgefragt: Marktanteil MTB plus 1 Prozentpunkt auf jetzt 5 %. Anteil Rennräder, Gravel, Fitness plus 2 Prozentpunkte auf 9 %.
E-Bikes
Das E-MTB lag im Verkauf nach der erstmaligen Spitzenposition im Vorjahr auch 2023 wieder auf Platz Eins der Käufergunst bei den motorisierten Rädern. Leicht nachgelassen haben erneut E-Trekking- und E-Cityräder. S-Pedelecs / E-Bike 45: 0,5 % (2022: 0,5 %)
Kinder, Lasten und Transporte
Lastenräder bzw. Cargobikes gehören, mit Motorunterstützung, zu den wachstumsstärksten Modellgruppen. Für viele ist die Unterstützung durch den Motor ein Möglichmacher für Mobilität in der Nutzung eines Cargobikes. Daneben erklären die hohe Beliebtheit der E-Cargobikes das einfache Handling im Alltag, der hohe Wiederverkaufspreis, die Möglichkeit des Leasings sowie praktische Gründe, wie die Kostenersparnis gegenüber dem Pkw oder das Entfallen von Parkplatzproblemen.
Summe verkaufter Lastenräder ohne Motor 2023: 46.250 (2022: 47.800)
Fahrradanhänger-Markt weiterhin unterschätzt
In der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion sind Fahrradanhänger gegenüber Lastenrädern in den Hintergrund geraten.
Anteile der Vertriebswege
Die ZIV-Statistik weist für 2023 einen weiterhin sehr hohen Fachhandelsanteil von 77 % aus. Davon entfallen 74 % auf den stationären Fachhandel (2022: 74 %) und 3 % auf Online-Angebote des Fachhandels.
Durchschnittliche Verkaufspreise Fahrräder und E-Bikes
Die Werthaltigkeit der Produkte spiegelt sich auch in den Verkaufspreisen. Über alle Verkaufskanäle hinweg (Fachhandel, Online, SB-Märkte etc.) verzeichnet die Branche 2023 einen Brutto-Durchschnittspreis bei Fahrrädern von 470 Euro (2022: 500 Euro) und bei E-Bikes von 2.950 Euro (2022: 2.800 Euro).
Daten Importe - Exporte
Die Importe der Fahrradbranche nach Deutschland sind 2023 angesichts voller Läger und einer schwer einzuschätzenden gesunkenen Nachfrage zurückgegangen. Bei den Exporten zeigt sich eine sinkende Zahl bei Fahrrädern und ein leichter Anstieg bei E-Bikes.
Importe
Fahrräder: Insgesamt wurden 2,26 Mio. Fahrräder in 2023 importiert (2022: 2,98 Mio.). Ein großer Teil kommt dabei mit 49 % aus EU-Ländern (oft Produktionsstandorte deutscher Unternehmen). Der Anteil aus Asien beträgt 46 %.
E-Bikes: Insgesamt wurden 1,22 Mio. E-Bikes importiert. Der Import-Anteil von E-Bikes aus EU-Ländern liegt 2023 bei rund 71 % (2022: 69 %) und ist damit fast dreimal so hoch wie der Anteil aus Asien mit 26 % (2022: 27 %).
Gründe: Ausbau der Produktion in der EU / Produktionsstandorte in EU-Nachbarländern, Unabhängigkeit innerhalb der EU von Entwicklungen im Zoll-Bereich, Anti-Dumping Zoll auf Importe von E-Bikes aus China.
Exporte
Fahrräder und insbesondere E-Bikes «Made in Germany» sind im Ausland und hier vor allem in den EU- und EFTA-Ländern sehr gefragt.
Fahrräder: Die Zahl der exportierten Fahrräder ist 2023 gesunken auf 800.000 Einheiten im Vergleich zu 970.000 Einheiten in 2022. Fast 93 % der exportierten Fahrräder werden in EU- oder EFTA-Länder geliefert. Die Niederlande waren 2023 mit 19 % (2022: 22 %) das wichtigste Ausfuhrland, gefolgt von Österreich mit 13 % (2022: 12 %) und Frankreich mit 9 % (gleichbleibend).
E-Bikes: Trotz des allgemein schwierigen Marktumfelds konnten die Exporte von E-Bikes gesteigert werden von 580.000 im Jahr 2022 auf 610.00 im Jahr 2023. Über 98 % der E-Bike-Exporte gingen in EU- und EFTA-Länder. Die Niederlande sind weiterhin das wichtigste Exportland mit 23 % (2022: 22 %). Mit einigem Abstand folgen Österreich und Frankreich mit je 13 % (2022: je 12 %), Belgien mit 13 % (2022: 11 %), die Schweiz mit 10 % (2022: 11 %) und Italien mit 5 % (2022: 6 %).
ZIV-Marktdaten: Der Fahrradmarkt in Zahlen
Seit mehr als 50 Jahren veröffentlicht der ZIV jährlich - branchenexklusiv - die Wirtschaftszahlen der deutschen Fahrradindustrie. Die ZIV-Marktdaten sind die zentrale Quelle für Erhebung, Monitoring und Analyse der Entwicklung der Fahrradwirtschaft und geben zusätzlich Ausblick auf Trends der Branche sowie die Zukunft des Marktes.
ZIV - Die Fahrradindustrie
Der ZIV ist die Interessenvertretung und starke Stimme der Fahrradindustrie. Als Branchenverband bündelt und vertritt der ZIV 121 Mitgliedsunternehmen gegenüber den Gesetzgebern in der EU und in Deutschland, der Regierung, Behörden, Medien, Institutionen und Organisationen. 90 Prozent der 2022 in Deutschland produzierten Fahrräder und E-Bikes stammen von Mitgliedsunternehmen des ZIV, die zusätzlich zum Absatz im Binnenmarkt jährlich 1,5 Mio. Fahrzeuge exportieren.
Mit dem Fahrrad durch die Stadt oder ins Grüne: Radeln ist beliebt und immer mehr Radfahrerinnen und Radfahrer lassen sich dabei von einem Elektroantrieb unterstützen. Europaweit machten E-Bikes 2022 rund 62 Prozent des Gesamtumsatzvolumens mit Fahrrädern aus, das entspricht 13,58 Milliarden Euro bei 5 Millionen verkauften E-Bikes. Fast die Hälfe des gesamteuropäischen Umsatzes mit elektrifizierten Rädern wurde im vergangenen Jahr in Deutschland erwirtschaftet.
Der E-Bike-Umsatz lag hierzulande bei 6,16 Milliarden Euro und erhöhte sich damit um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Fahrradbestand in Deutschland ist größer als angenommen: Der Fahrradindustrieverband ZIV korrigierte besonders Elektroradfahrradzahlen nach oben. Verkaufte Fahrräder und Elektrofahrräder in Deutschland von 2019 bis 2024.
Erneut wurden mehr Elektrofahrräder als Fahrräder verkauft. Die Fahrradwirtschaft zeigt sich trotz aktueller Herausforderungen widerstandsfähig. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) als Branchenverband der deutschen Fahrradindustrie hat seine Marktdaten für 2024 veröffentlicht und korrigierte den Fahrradbestand auf 89 Millionen. Die wirtschaftliche Situation der Branche bleibt weiterhin angespannt, dennoch fielen die Rückgänge der Fahrradverkäufe geringer aus als erwartet.
Elektrofahrräder bleiben stark nachgefragt
Im Jahr 2024 verkaufte der Fachhandel in Deutschland insgesamt 3,85 Millionen Fahrräder und Elektrofahrräder - 2,53 Prozent weniger als 2023. Der Anteil der Elektroräder bleibt mit 53 Prozent stabil (2,05 Mio. Elektrofahrräder, 1,8 Mio. klassische Fahrräder).
Der Branchenverband korrigierte den Bestand an Elektrofahrrädern um fast fünf Mio. Stück nach oben und gibt für 2024 einen Bestand von 15,7 Millionen an. Laut ZIV wurden die Außerbetriebnahme und Verschrottung bisher zu hoch angesetzt, die tatsächliche Lebensdauer der Elektrofahrräder sei länger als ursprünglich angenommen.
Während die Verkaufszahlen leicht zurückgehen, wächst das Geschäft der Fahrradwerkstätten deutlich: Knapp 90 Prozent der Betriebe meldeten 2024 einen Anstieg der Umsätze im Service- und Reparaturbereich.
Sportliche Fahrradtypen und Gravelbikes im Trend
In den einzelnen Modellgruppen sind besonders Gravelbikes und Rennräder beliebt. Erstmals wertet der ZIV diese separat aus. Daneben etabliert sich Bikepacking - Fahrradreisen mit Gepäck - als wichtiger touristischer Trend in ganz Europa.
Elektrische Mountainbikes behaupten mit einem Anteil von 40 Prozent den Spitzenplatz in ihrem Segment. Bei Lastenrädern zeigt sich, dass sie fast ausschließlich mit Elektromotor gekauft werden.
Preise entwickeln sich unterschiedlich
Über alle Verkaufskanäle hinweg kostete 2024 ein Fahrrad durchschnittlich 500 Euro (2023: 470 Euro) und ein Elektrorad 2.650 Euro (2023: 2.950 Euro). Rabattaktionen im Handel haben 2024 die Preise von Elektrorädern um durchschnittlich 10,1 Prozent gesenkt. Bei Fahrrädern ohne Motor stieg der Preis um 6,4 Prozent.
Der stationäre Fachhandel bleibt mit 70 Prozent Marktanteil (2023: 74 Prozent) der wichtigste Vertriebsweg. Vor allem kompetente Beratung und Service bleiben für die Kundinnen und Kunden entscheidend, so der ZIV.
Für 2025 erwartet die Branche ein angespanntes Jahr, hofft aber auf ein gutes Frühjahrsgeschäft.
iEY-Studie stellt infrage:
Der Wirtschaftsprüfer Ernest and Young widmet sich in einer aktuellen Studie dem Fahrradmarkt. Das Unternehmen wertet das vergangene Jahr als Dämpfer für die Branche in Europa und nimmt die künftige Entwicklung in den Blick.
Im vergangenen Jahr ist der Absatz von E-Bikes erstmals auf 2,1 Millionen Stück und damit um 5 Prozent oder 100.000 Fahrräder gesunken. Dennoch sind die E-Bike-Preise weiter gestiegen, wenn auch weniger stark als in den Vorjahren (von 2800 auf 2950 Euro). In einer aktuellen Studie spricht das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernest and Young von einem Dämpfer, den es nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa für den Fahrradmarkt gegeben hat.
Der Absatz ging um 17 Prozent und der Umsatz um neun Prozent zurück. Im zweitgrößten Markt Spanien brach der Umsatz gar um 23 Prozent ein. „Wir sehen überall in Europa einen spürbaren Abschwung auf dem Fahrradmarkt“, sagt Dr. Stefan Mohr, Partner und in der Region Europe West verantwortlich für das Sportbusiness bei EY. „Besonders massiv sind die Einbußen zwar bei mechanischen Fahrrädern, inzwischen sind aber auch auf dem E-Bike-Markt die Boom-Zeiten vorbei.“
Die vergangenen Jahre seien für die Branche trotz der insgesamt positiven Umsatzentwicklung schwierig gewesen, so Mohr: „Seit dem Ausbruch der Pandemie gab es eine regelrechte Achterbahnfahrt bei der Nachfrage. Zunächst stieg diese massiv, was zu Rekordverkäufen und hohen Bestellungen führte. Dann kam es zu Unterbrechungen der Lieferketten und erheblichen Lieferproblemen. Und aktuell normalisiert sich die Nachfrage auf einem niedrigeren Niveau, während die Lagerbestände immer noch hoch sind.
Laut einer von EY durchgeführten Umfrage unter 40 Branchenteilnehmern und Experten erwarten 71 Prozent, dass es in den kommenden 24 Monaten mehr Insolvenzen geben dürfte. 63 Prozent gehen von mehr Fusionen und Übernahmen aus. Dennoch schätzt Constantin Gall, Managing Partner und Leiter Mobility bei EY für Westeuropa: „Mittelfristig gehen wir von einem Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent pro Jahr aus.
Als alarmierend stuft EY den Absatzrückgang bei Kinder- und Jugendfahrrädern ein, der im vergangenen Jahr um acht Prozent, seit 2019 bei ganzen 37 Prozent liegt. „Die stark sinkende Zahl an verkauften Kinder- und Jugendfahrrädern könnte auf den seit Corona allgemein beobachteten Trend zu weniger Bewegung bei Kindern zurückzuführen sein“, sagt Mohr.
Der Saisonstart im Frühjahr 2024 fiel ins Wasser - im wahrsten Sinne des Wortes. Dauerregen in vielen Regionen Deutschlands verhinderte, dass die Kundschaft in Scharen zu den Händlern strömte. Doch das war nur der Anfang. Im Laufe des Jahres kamen konjunkturelle Sorgen und politische Unsicherheiten hinzu. "Wetter schlägt Konjunktur" - dieses geflügelte Wort galt lange als Gesetz im Fahrradhandel.
Besonders deutlich wird die Krise beim Blick auf den E-Bike-Markt. Hier sanken die Umsätze laut VDZ um 10 bis 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist ein herber Schlag, denn E-Bikes waren in den letzten Jahren der Wachstumstreiber der Branche. Ein Grund für den Rückgang: Viele Kundinnen und Kunden haben sich in den Boomjahren bereits mit E-Bikes eingedeckt.
Die Folge des Nachfragerückgangs: Die Lager der Händler sind voll. Überbestände ziehen sich durch alle Handelsstufen, von den Herstellern über die Importeure bis zum Einzelhandel. Um die Lager zu räumen, setzen viele Händler auf aggressive Rabattaktionen. Der Umsatz mit Fahrradsortimenten ging im Durchschnitt um rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.
Dieser Rückgang der Erlöse und Margen führt zu einer Verminderung der Roherträge. Hinzu kommen allgemeine Kostensteigerungen, insbesondere bei den Personalkosten. Die Liquidität vieler Händler ist angespannt, Kredite belasten die Bilanz. Meldungen über Insolvenzen mehren sich in der Branche.
Zahlen Daten (Fachhandel)
Gesamt Umsatzveränderung (alle Sortimente, Fahrrad, E-Bike, Zubehör, Werkstatt usw.) gegenüber 2023: ca. minus 10 Prozent
- E-Bike - Umsatzveränderung gegenüber 2023: minus 10 bis minus 15 Prozent
- Unmotorisierte Fahrräder - Umsatzveränderung gegenüber 2023: eher nur leicht rückläufig zum Vorjahr, gestützt durch sportliche Räder, wie z.B. Gravelbikes.
- Bekleidung | Helme | Zubehör | Teile - Umsatzveränderung gegenüber 2023: minus 5 bis minus 10 Prozent
- Werkstatt - Umsatzveränderung ggü. 2023: plus 10 bis plus 12 Prozent
- Durchschnittspreis Fahrräder: ca. 700.- Euro Brutto
- Durchschnittspreis E-Bike: ca.
Doch es gibt auch positive Nachrichten. So boomt weiterhin das Geschäft mit Werkstatt-Services. Inspektionen und Wartungen sind gefragt wie nie, mit einem Umsatzplus von 10 bis 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hier zeigt sich, dass der Fachhandel seine Stärken ausspielen kann: Beratung, Service und Kundennähe.
Auch bei den Fahrradtypen gibt es Gewinner. Während der Absatz von E-Bikes und klassischen Fahrrädern insgesamt rückläufig ist, erfreuen sich sportliche Räder wie Gravelbikes großer Beliebtheit und stützen damit den Absatz unmotorisierter Fahrräder.
Ein weiterer Dämpfer für die Branche: Das Geschäft mit E-Bike-Leasing schwächelt. Insolvenzen und konjunkturelle Rückgänge bei den Leasinggebern, insbesondere im Automotive-Bereich, haben die Nachfrage einbrechen lassen.
Das Jahr 2024 war für den Fahrradfachhandel ein Jahr der Herausforderungen. Die Branche muss sich neu aufstellen, um in Zukunft bestehen zu können. Dazu gehört eine kluge Lagerhaltung, eine konsequente Kostenkontrolle und eine stärkere Fokussierung auf die Stärken des Fachhandels: Beratung, Service und Werkstatt.
Trotz aller Schwierigkeiten blickt der VDZ optimistisch in die Zukunft. Das steigende Umweltbewusstsein und die politische Unterstützung für den Radverkehr stimmen die Branchenexperten positiv.
Die Läden sind voll mit unterschiedlichsten E-Bike-Modellen - da fällt die Auswahl nicht immer leicht. Frank Aeschbacher, CCO von m-way, gibt praktische Tipps für den Kauf eines E-Bikes. Die Eurobike 2025 steht ganz im Zeichen eines Trends, der die E-Bike-Branche grundlegend verändert: Immer mehr Hersteller präsentieren Mittelantriebe, die sowohl durch ihr geringes Gewicht als auch durch beeindruckende Leistungswerte überzeugen.
| Segment | Umsatzveränderung |
|---|---|
| Gesamt (alle Sortimente) | ca. -10% |
| E-Bike | -10% bis -15% |
| Unmotorisierte Fahrräder | Leicht rückläufig |
| Bekleidung, Helme, Zubehör | -5% bis -10% |
| Werkstatt | +10% bis +12% |
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