Umsatzentwicklung des E-Bike-Marktes in Deutschland

Die europäische Fahrradbranche befindet sich weiterhin in einer Phase der Konsolidierung. Die deutsche Fahrradbranche befindet sich in einer Phase der Marktkorrektur - mit sinkenden Umsätzen und einer Neujustierung von Preisstrukturen und Lagerhaltung.

Umsatzrückgang im Jahr 2024

Im Jahr 2024 verzeichnete der deutsche Markt einen deutlichen Umsatzrückgang von zehn Prozent auf 6,3 Milliarden Euro - das ist das stärkste Minus unter den großen europäischen Märkten. Auch europaweit schrumpfte laut einer aktuellen Studie von EY-Parthenon der Branchenumsatz, wenn auch etwas moderater, um sechs Prozent auf 18,1 Milliarden Euro.

Tatsächlich steht vor vielen zentralen Kennzahlen ein Minus. Gedacht steckt darin an manchen Stellen aber ein gewisses Plus.

  1. Weniger Verkäufe.
  2. Geringerer Umsatz.
  3. Rückgang in Produktion, Import und Export.

Angesichts der Voraussetzungen des vergangenen Jahres überraschen diese Ergebnisse nicht. Deutschlands Wirtschaft vermeldete nach rund 20 Jahren erneut das Phänomen von zwei aufeinanderfolgenden Jahren der Rezession. Die Verbraucherpreise stiegen sogar im vierten Jahr in Folge an.

E-Bikes dominieren trotz Umsatzrückgang

Obwohl der Absatz von E-Bikes in Deutschland 2024 leicht um zwei Prozent auf 2,0 Millionen Stück sank, dominieren sie weiterhin den Markt: 86 Prozent des mit Fahrrädern erzielten Umsatzes entfielen auf E-Bikes. Der Umsatzrückgang fiel mit minus zwölf Prozent überdurchschnittlich aus. Der Absatz mechanischer Fahrräder ging ebenfalls zurück - um fünf Prozent auf 1,8 Millionen Stück.

Am Verkauf von E-Bikes in Deutschland 2024 haben die negativen Vorzeichen kaum Spuren hinterlassen. Mit 2,05 Millionen E-Bikes wurde nur rund 95.000 Stück weniger verkauft als im Jahr zuvor. Der Rückgang von 2,1 Millionen auf 2,05 Millionen bedeutet ein Minus von nicht ganz 2,5 Prozent. Gegenüber dem Fahrrad ohne elektrische Unterstützung konnte das E-Bike damit seine Stellung behaupten. Zum zweiten Mal überhaupt vereint es mit 53 Prozent die meisten Verkäufe auf sich. Zur Erinnerung: Für das Jahr 2020 betrug der Anteil noch knapp 39 Prozent. Nach Einschätzung von ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork ist an der Stelle noch längst nicht Schluss. Er sieht beim E-Bike weiterhin hohes Wachstumspotenzial. Es seien noch etliche ältere herkömmliche Fahrräder in Deutschland in Benutzung, die sehr gut von E-Bikes ersetzt werden könnten. Parallel zum E-Bike-Verkauf erwies sich auch der Fahrradverkauf als überraschend robust. Der Rückgang von 1,9 Millionen Stück auf 1,8 Millionen Stück in 2024 fiel moderat aus. In der Summe standen somit 3,85 Millionen verkaufte E-Bikes und Fahrräder zu Buche, was lediglich 2,53 Prozent weniger waren als noch 2023.

Preisrückgang bei E-Bikes

Besonders auffällig ist der Preisrückgang im E-Bike-Segment: Der Durchschnittspreis eines verkauften E-Bikes sank in Deutschland erstmals seit Jahren - und zwar deutlich - um zehn Prozent auf 2.650 Euro. Als Ursache für den derart stark nachgebenden Verkaufspreis gilt der hohe Verkaufsdruck im Fachhandel. Entgegen diesem Trend stieg der durchschnittliche Verkaufspreis für herkömmliche Fahrräder an. Das Plus von 30 Euro auf 500 Euro bedeutet einen Zuwachs um 6,4 Prozent. Laut ZIV gaben die Menschen in Deutschland vor allem für hochwertige Gravelbikes und Rennräder vermehrt Geld aus.

Marktanteile und Typen

Alles beim Alten lautet das Motto bei der Entscheidung für die verschiedenen E-Bike-Typen. In der Gunst der E-Bike-Fahrenden landeten die E-Mountainbikes auch 2024 ganz vorn. Ihr Anteil wuchs sogar minimal um ein Prozent auf nun 40 Prozent. Ein Grund dafür dürfte die weiterwachsende Diversität in dieser Gattung sein. Dahinter versammeln sich mit den E-Trekkingbikes und den E-Citybikes zwei weitere beliebte und entsprechend verkaufsstarke Gattungen, die ihren Platz auf Rang 2 und 3 erfolgreich behaupten. Dahinter folgen mit einigem Abstand die E-Lastenfahrräder.

Vertriebswege

Etwas ungewohnt wirkt diesmal die Übersicht zu den Vertriebswegen, über die Meschen in Deutschland E-Bikes und Fahrräder kaufen. Der ZIV hat seine Übersicht überarbeitet. Er fasst jetzt Anbieter zusammen, die vorher getrennt aufgelistet wurden. Die Menschen in Deutschland kaufen mehrheitlich bei eben jenem Fachhandel. In rund 70 Prozent der Fälle ist dies ein stationäres Geschäft und zu rund 20 Prozent ein Webshop.

Fahrradbestand in Deutschland

Werden immer mehr Fahrräder verkauft und gleichzeitig weniger verschrottet, wächst naturgemäß der Bestand an. Vor allem aufgrund der langen Halbwertszeit von herkömmlichen Fahrrädern geschieht dies seit vielen Jahren in Deutschland. Und zur eigenen Überraschung musste der ZIV feststellen, dass auch E-Bikes länger in Benutzung sind als angenommen.

Produktion, Import und Export

Kräftig ins Minus rutschte 2024 die Produktion in Deutschland. Sowohl E-Bikes als auch herkömmliche Fahrräder konnten nicht an die Zahlen von 2023 anknüpfen. Mit 1.330.000 Einheiten verließen 14,8 Prozent weniger E-Bikes die hiesigen Werkhallen. Im Vorjahr waren es noch 1.561.000 Einheiten gewesen. Bei Fahrrädern verzeichnete der ZIV einen Rückgang um 11,7 Prozent auf 641.000 Einheiten, nachdem 2023 noch 726.000 Einheiten hergestellt worden waren. Mit erfreulicheren Neuigkeiten konnte der Export aufwarten. Dessen Bilanz sank 2024 lediglich um 27.000 E-Bikes auf 582.000 E-Bikes. Wie dramatisch sich 2024 für Teile der Fahrradbranche gestaltet hat, verdeutlicht stellvertretende die Importstatistik. Mit gut 30 Prozent fällt hier das Minus mehr als kräftig aus.

Hier eine zusammenfassende Tabelle der Marktdaten:

Kennzahl 2023 2024 Veränderung
Umsatz (Mrd. Euro) 7,06 6,3 -10%
Absatz E-Bikes (Mio. Stück) 2,1 2,05 -2,5%
Absatz Fahrräder (Mio. Stück) 1,9 1,8 -5%
Durchschnittspreis E-Bike (Euro) 2.950 2.650 -10,1%
Durchschnittspreis Fahrrad (Euro) 470 500 +6,4%
Produktion E-Bikes (Einheiten) 1.561.000 1.330.000 -14,8%
Produktion Fahrräder (Einheiten) 726.000 641.000 -11,7%

Ausblick auf 2025

Fällt die Bilanz so ernüchternd aus, stellt sich natürlich die Frage nach Besserung. Und die hält der ZIV für wahrscheinlich. Allerdings braucht es nach seiner Einschätzung dafür noch Geduld. Im laufenden Jahr wird sich voraussichtlich noch nicht wieder alles zum Guten wenden. Gerade der hohe Lagerbestand bereite sowohl Händlern als auch Herstellern noch einige Sorgen.

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