Viele wählen ihren Helm vor allem nach Gewicht, Passform und sogar Aussehen. Dies ist nachvollziehbar und auch unproblematisch, weil alle Helme prinzipiell den gleichen Normanforderungen entsprechen müssen. Doch welchen Helm benötige ich überhaupt zum Klettern? Reicht mein Fahrrad- oder Skihelm nicht aus?
Drei Helmkategorien beim Klettern
Beim Aufbau von Kletterhelmen gibt es unterschiedliche Bauweisen. Hauptsächlich wird zwischen der In-Mold-Bauweise und der Hartschale unterschieden. Die unterschiedlichen Helmtypen bieten jeweils Vor- und Nachteile:
- Hartschalenhelme: Sie sind robust und relativ günstig, aber eher schwer (400 bis 500 Gramm). Hartschalenhelme zeichnen sich durch eine dickere und extra robuste Schale aus einem stabilen Kunststoff aus. Entgegen der In-Mold-Bauweise dämpft nicht ein aufgeschäumter Kunststoff die mechanische Einwirkung ab, sondern eine Bänderkonstruktion im Helminneren. Die Bänder nehmen die Stoßenergie mittels Dehnung auf und schützen so den Kopf. Der Hartschalenhelm steht typischerweise etwas weiter vom Kopf ab.
- Inmold-Helme: Mit rund 200 Gramm sind die sogenannten Inmold-Helme die leichtesten Helme auf dem Markt. Bei der In-Mold-Bauweise wird (meist aus Polycarbonat) eine dünne Schale geformt, in die ein Hartschaum (EPS- oder EPP-Schaum) eingeschweißt wird. Dadurch entsteht eine robuste und komplette Verbindung zwischen dem dämpfenden Schaum und der harten Schale. Helme, die mittels In-Mold-Bauweise konstruiert sind, sind langlebiger und bleiben vergleichsweise leicht. Durch die vollständige Verschweißung der Helmteile hält der Helm bei Stürzen und Schlägen mehr aus als die punktweise verklebten Hartschalenhelme. Die In-Mold-Bauweise erkennt man an dem engen Sitz. Der Helm steht kaum vom Kopf ab und schützt den Kopf durch das integrierte Schaummaterial. Sie sind aber nicht so robust und können beispielsweise brechen, wenn man sich ungünstig auf den Rucksack setzt, in dem der Helm verstaut ist.
- Hybridhelme: Sie sind eine Mischform dieser zwei Helmarten. Hybridhelme sind In-Mold-Helmen nicht unähnlich, nur dass die Hartschale hier einen kleinen Teil des verwendeten Schaums abdeckt. Das aufgeschäumte Polypropylen oder Polystyrol ist selbst robust genug und fängt Stöße gut ab, ist aber etwas anfälliger gegenüber Abrieb. Die Hartschale dagegen sitzt auf dem Skalp des Helmes, um dort noch effizienter vor Steinschlag zu schützen. Hybridhelme sind extrem leicht, ohne dabei auf das nötige Maß an Robustheit zu verzichten. Bei einem Gewicht zwischen 300 und 400 Gramm sind sie fast so robust wie Hartschalenhelme, aber nicht ganz so schwer.
Anforderungen an Bergsteigerhelme
Die Anforderungen an Bergsteigerhelme sind in der Europäischen Norm EN 12492 und in der etwas strengeren UIAA Norm 106 festgelegt. Neben Festigkeit und Wirksamkeit der Trageeinrichtung sind für die Praxis vor allem die Anforderungen an Stoßdämpfung und Durchdringungsfestigkeit bedeutsam.
Die Prüfung der Stoßdämpfung erfolgt durch fünf Kilogramm schwere Schlagkörper aus Stahl. Von senkrecht oben fällt ein halbkugelförmiges Gewicht aus zwei Metern Höhe auf den auf einem Prüfkopf montierten Helm. Von schräg oben (vorne, seitlich und hinten, der Helm ist dabei um 60° geneigt) fällt eine ebenfalls fünf Kilogramm schwere flache Stahlplatte. Der Krafteintrag auf den Prüfkopf darf in keinem Fall 10 kN (UIAA: 8 kN) überschreiten. Die Prüfung der Durchdringungsfestigkeit wird an zwei Stellen im Umkreis von fünf Zentimetern um den höchsten Punkt des Helms durchgeführt. Hier fällt ein kegelförmiger Schlagkörper mit drei Kilo Gewicht mit der Spitze voran auf den Helm - die Spitze des Schlagkörpers darf den Prüfkopf nicht berühren.
Diese Normanforderungen sind Beleg dafür, dass nach der gültigen Norm Bergsteigerhelme primär dem Schutz vor herabfallenden Gegenständen dienen.
Untersuchung: Wie schützen Helme vor Anprallverletzungen?
Die Untersuchung überprüfte jeweils ein Modell der drei unterschiedlichen Helmtypen, ausgewählt entsprechend der wahrgenommenen Verbreitung zum Zeitpunkt der Studie: Petzl Ecrin Roc (Hartschale), Black Diamond Half Dome (Hybridhelm) und Petzl Meteor III (Inmold-Helm). Die Helme wurden auf Dummies montiert, so dass realitätsnahe Pendel- und Bodenstürze simuliert werden konnten. Bei Fallhöhen zwischen ein und zwei Metern wurden drei Testszenarios durchgeführt, in denen die Dummies frontal (mit dem Gesicht voran), lateral (mit den Schläfen voran) und dorsal (mit dem Hinterkopf voran) gegen eine Stahlplatte prallten. Messzellen, Beschleunigungsmesser und Highspeed-Kameras dienten der Messung und Aufzeichnung. Neben den Belastungen auf den Kopf wurde der Krafteintrag auf die Halswirbelsäule gemessen. Bei der aktuell gültigen Normprüfung für Bergsteigerhelme wird die Belastung auf das Genick nicht geprüft. Um zu beurteilen, ob die Simulationen zu einer Verletzung führen würden, verwendeten die Autor*innen Schwellenwerte, die auch in der Automobilindustrie angewandt werden: den HIC-Wert (Head Injury Criterion) zur Bewertung von beschleunigungsbedingten Kopfverletzungen und den IAR-Wert (Injury Assessment Reverence Value).
Untersuchungsergebnisse
Stürze auf den Hinterkopf, bei denen die kletternde Person den Boden zuerst mit den Füßen berührt und dann nach hinten kippt, führten überraschenderweise zu größeren Krafteinträgen als ein senkrechter Sturz aus gleicher Höhe. Erklärung: Durch die Rotationsbewegung um Beine und Gesäß wird der Kopf zusätzlich beschleunigt. Dieses Verletzungsmuster ist für Bodenstürze - beim Sportklettern und vor allem auch beim Bouldern - relevant. Der Inmold-Helm war der einzige, der in diesem Szenario einen Schutz innerhalb der Schwellenwerte lieferte - und dies nur mit dem kleineren (steifen) der beiden Prüfköpfe, weil bei diesem weniger Kopffläche vom Helm unbedeckt blieb. Beim Hartschalenhelm dagegen wirkten sogar höhere Kräfte auf den Hinterkopf als ohne Helm! Der untersuchte Hybrid-Helm hat ein Einstellrad hinten unterhalb des Helmrands ohne zusätzliche Polsterung, das einen direkten Krafteintrag vom Boden auf den Hinterkopf provozierte - ein solches Einstellrad kann also die Verletzungsgefahr bei Sturz auf den Hinterkopf erhöhen.
Bei den frontalen Sturzszenarios wurden die Schwellenwerte mit allen drei Helmen überschritten, der Inmold-Helm dämpfte den Sturz allerdings deutlich besser als die beiden anderen. Die seitlichen Stürze wurden nur vom Inmold-Helm mit Werten unterhalb der Verletzungsgrenze gemeistert. In zusätzlichen Tests, in denen der Dummy-Kopf voran am Boden einschlug, lieferten alle drei Helme befriedigende Ergebnisse bezüglich des Krafteintrags auf den Kopf. Die Kräfte auf das Genick, die zusätzlich überprüft wurden, lagen aber fast durchweg oberhalb von Werten, die in der Automobilindustrie akzeptiert werden würden.
Kletterhelm vs. Fahrradhelm: Die Unterschiede
Ein Radhelm z. B. hat Belüftungsöffnungen, die auch oben auf dem Scheitel sitzen und so den Kopf nicht ausreichend vor Steinschlag schützen. Beim Klettern geht die Motivation, einen Helm aufzuhaben, in erster Linie nicht vom Sturz auf den Kopf aus sondern von Gegenständen (Steinschlag), die von oben auf den Kopf fallen.
Kletterhelme sind so konstruiert, dass sie Deinen Kopf verlässlich vor mehreren Zusammenstößen schützen können. Darunter fällt sowohl Steinschlag von oben als auch frontale oder seitliche Kontakte mit spitzem Fels. Fahrradhelme sind dagegen eher für einmalige Sturzszenarien ausgelegt. Nach einem harten Aufprall auf ein stumpfes Hindernis, wie etwa den Asphalt, muss der Helm sofort ausgetauscht werden.
Grundsätzlich werden Kletterhelme mit dynamischen Gewichten von bis zu 5 kg geprüft. Beim Fahrradhelm sind die Lasten bis zu 6,1 kg und die Fallhöhen höher. Ich kann mir also durchaus vorstellen, dass Sturzhelme (Fahrrad, Skateboard) strenger sind. Beim Kletterhelm werden allerdings auch strenge Anforderungen an den Sitz am Kopf gestellt, er darf nicht zu sehr ins Sichtfeld verrutschen (kann aber beim Rad ähnlich sein).
All in all unterscheiden sich aus meiner Sicht die Prüfnormen so unwesentlich, dass man es auf vielbegangenen, leichten und wenig steinschlaggefährdeten Klettersteigen aus meiner Sicht in Einzelfällen riskieren kann. Es ist immer besser als gänzlich ohne Helm. Beim Radhelm wird ein Sturz (umkippen) nach vorne und zur Seite geprüft (impuls auf Helmseite). Die Belastungen sind recht unterschiedlich, darum werden die Helme auch anders gebaut.
Kletterhelme gelten als persönliche Schutzausrüstung (PSA) und unterliegen einer strengen Zertifizierung nach EN 12492. Nur nach dieser Norm getestete Helme sollte man fürs Klettern und Bergsteigen nutzen.
Es gibt sicherlich einige Details im Design eines solchen Helms, die diesem Zweck besonders gerecht werden, kenne mich aber damit auch nicht so im Detail aus.
Die richtige Passform und Komfort
Damit ein Kletterhelm gut schützt, muss er natürlich gut passen. Rutscht er uns beim Klettern ins Gesicht, ist das ein enormes Sicherheitsrisiko. Bei Hartschalenhelmen ist darauf zu achten, dass zwischen dem Kopf und der Schale ein Luftraum vorhanden sein muss, damit die Dämpfung über die Seildehnung funktioniert. Der Helm sollte in der Größe zum Kopfumfang passen. Moderne Helme sind alle in einem gewissen Bereich größenverstellbar. Steht man zwischen zwei Größen, empfiehlt es sich durchaus, den größeren zu nehmen, falls man z. B. mal eine Mütze oder ein Stirnband darunter tragen möchte.
Der Kletterhelm sollte so sitzen, dass die Stirn beim Vor- und Zurückbewegen leichte Falten schlägt. Da das Klettern ein intensiver Sport ist, sorgt eine gute Belüftung ebenfalls für hohen Tragekomfort. Außerdem passiert es bei schlecht belüfteten Helmen schnell, dass einem vermehrt Schweiß in die Augen läuft, was sehr gefährlich werden kann. Die Belüftung wird durch Öffnungen in der Schale erzeugt, über die Stauwärme entweichen kann und frische Luft an den Kopf kommt. Für den Nutzerkomfort sorgen auch die Bedienelemente am Helm. Hierzu zählen Verschlussschnalle, Größenverstellung und Halterungen. In unserem Test verfügen alle Helme mindestens über eine Stirnlampenhalterung. Beim Verschluss setzen die Hersteller auf eine handelsübliche Verschlussschnalle. Zu kleine Schnallen können etwas friemelig werden, während zu große durchaus drücken können. Bei der Größenverstellung bekommen wir es derzeit entweder mit Drehrädern oder Bandzugsystemen zu tun.
Bei den meisten Helmen muss man erst einmal eine Art Grundeinstellung vornehmen, dass der Kopfumfang grob passt, der Kinnriemen sauber verläuft und z. B. nicht an den Ohren einschneidet.
Sicherheitsaspekte und Lebensdauer
Helme sind dafür da, Deinen Kopf vor Steinschlag oder ähnlichem zu schützen. Bei einem größeren Einschlag ist es deshalb sogar erwünscht, dass der Kletterhelm bricht, um die Energie besser zu verteilen. Die Lebensdauer eines Helms ist beschränkt durch das Material. Kletterhelme, egal welchen Typs, bestehen aus Kunststoffen und diese werden mit den Jahren (u.a. durch UV-Licht) spröde. In der Regel geben die Hersteller ein Datum an, bis zu dem der Kletterhelm im Einsatz sein sollte.
Empfehlungen für verschiedene Kletterarten
- Sportklettern: Beim Sportklettern ist niedriges Gewicht der Schlüssel zum Erfolg. Deswegen empfehlen wir hier ein In-Mold-Modell.
- Klettersteig: Bei der Nutzung eines Klettersteigs besteht erhöhte Steinschlaggefahr durch den Klettersteiger vor Dir, was für einen Hartschalenhelm spricht. Besteht in dem Gebiet, in dem Du kletterst, erhöhte Ausrutschgefahr, ist ein Hybridhelm lohnenswerter, da er einen besseren Anprallschutz bietet.
- Eisklettern/Hochtouren: Bei Hochtouren oder beim Eisklettern ist davon auszugehen, dass weniger Seilschaften vor einem sind als beim Klettersteig. Dennoch kann es zu Eis- oder Steinschlägen kommen und deshalb ist Dir in diesem Fall ein Hybridmodell zu empfehlen.
- Alpinklettern: Auch hier können durch Tiere oder Vorsteiger Steinschläge ausgelöst werden und deswegen ist der Hybrid-Kletterhelm für dieses Vorhaben ebenfalls die beste Wahl.
- Multisport: Willst Du Deinen Helm nicht nur zum Klettern tragen, sondern beispielsweise auch zum Fahrrad- oder Skifahren? Dann solltest Du darauf achten, dass der Helm auch entsprechend zertifiziert, also für beide Sportarten wirklich geeignet ist. Denn verschiedene Sportarten stellen unterschiedliche Anforderungen an den Helm.
- Unser Tipp: Je nachdem welche Tour beziehungsweise Route Du wählst, können auch ortsspezifische Besonderheiten auftreten. Du solltest Dich vorher also gut über die Gefahren am entsprechenden Berg informieren und dann Deine Entscheidung treffen.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
| Merkmal | Kletterhelm | Fahrradhelm |
|---|---|---|
| Norm | EN 12492, UIAA 106 | EN 1078 |
| Schutzart | Mehrere Stöße, Steinschlag, frontale/seitliche Kontakte | Einmaliger Sturz |
| Belüftung | Weniger Belüftungsöffnungen oben | Viele Belüftungsöffnungen |
| Bauweise | Hartschale, In-Mold, Hybrid | Variiert |
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