Allein zu reisen oder unterwegs zu sein, kann eine ganz besondere Erfahrung sein: Unabhängig, frei und den Gedanken nachhängend, lerne ich dabei nicht nur viel über mich selbst, sondern auch über meine Umwelt kennen. Die Vorzüge einer Solo-Tour mit dem Fahrrad liegen auf der Hand, denn mein Rad dient auf meinen Ausfahrten und Reisen nicht nur als bestes Fortbewegungsmittel, sondern schenkt mir auch die nötige Unabhängigkeit und Bewegung.
Dieser Beitrag widmet sich primär der Planung der (ersten) Solo-Tour - als Frau, da aus meiner Perspektive geschrieben, doch sicherlich nicht darauf begrenzt. Ich nehme dich mit in meine Touren- und Reisevorbereitung, spreche über Ziele und Grenzen und die wichtigsten Dinge, die ich bei jeder Ausfahrt dabei habe! Du wirst merken, dass ich ab und zu zwischen den Themen (Tages-) Ausfahrt und Radreise wechsele. Ich habe mich dazu entschieden nur einen Blogbeitrag zu schreiben, in dem ich beides behandele, da sich die Inhalte immer wieder überschneiden. Einige Punkte bespreche ich daher etwas detaillierter und gebe Beispiele, wie es mir erging, andere wiederum sind kurz und knapp auf den Punkt gebracht.
Noch ein Hinweis: Ich war bisher mit meinem Fahrrad eher im europäischen Raum unterwegs. Obwohl sich viele dieser Tipps für eine Solo-Tour sicherlich auch darüber hinaus anwenden lassen, werden für manche internationale Reiseziele (bezogen auf Natur, Wetter, Kultur usw.) sicherlich noch weitere Kriterien wichtig. Es besteht also kein Anspruch auf Vollständigkeit ;-). Vielmehr soll dieser Blogbeitrag das Thema Solo-Tour & die Vorbereitung dieser, durch gezieltes Fragenstellen in Kombination mit meinen Erfahrungen, etwas einfacher machen.
Von Geschäftsreisen zur Solo-Radtour
Noch nie allein mit dem Fahrrad aus der Stadt gefahren oder gereist? Probiere es aus! Für mich kam der Wandel vom gemeinsamen Urlaub mit Familie, Partner und Freunden zur Solo-Tour schließlich über geschäftliche Reisen. Quasi ins kalte Wasser geschmissen, lernte ich für mich selbst zu planen, mich mit den lokalen Besonderheiten auseinanderzusetzen und die Welt um mich herum aus meiner ganz eigenen Perspektive kennenzulernen. Es waren Erfahrungen, die mich emotional und persönlich wachsen ließen und irgendwann dazu führten, auch meine erste alleinige Radreise zu wagen.
Wie plane ich eine Solo-Tour mit Fahrrad?
In die folgende Gliederung habe ich Fragen integriert, die mir helfen abzuwägen, wie ich eine Solo-Radtour oder Reise plane und durchführe. Was ich genau mache, darauf gehe ich in den einzelnen Abschnitten ein:
- Zielsetzung: Setze dir ein Ziel!
- Grenzen: Prüfe deine Grenzen!
- Vorbereitung: Bereite dich vor & teste deine Ausrüstung!
- Equipment: Finde heraus, was du wirklich brauchst!
- Basics: Was du immer dabei haben solltest!
- Übernachtung: Entscheide, wie du schlafen willst!
- Fahrradsicherheit: Das Mini-Schloss immer dabei.
- Planung und Informationen: Plane Reisen vorausschauend!
- Fahre los!
1. Zielsetzung: Suche dir ein Ziel!
Wo möchte ich hin (Ort, persönliches Ziel erreichen usw.)?
Die Vorstellung irgendwo allein unterwegs zu sein, fand ich früher recht befremdlich und sicherlich wäre ich nicht auf die Idee gekommen, eine Solo-Tour mit Fahrrad zu machen oder zu reisen. Aber warum eigentlich? Hast du dich auch schon mal gefragt, warum du selten oder nie allein mit dem Fahrrad raus fährst oder reist? Seien es fehlende Motivation dies zu tun, Unsicherheit im Umgang mit dem Fahrrad, Sorgen um die eigene Sicherheit oder ganz einfach der Wunsch nach Gesellschaft, Gründe gibt es einige. Welchen hast du und möchtest du das ändern?
Es gibt allerdings auch viele Gründe, weshalb ich heute gern allein mit den Fahrrad unterwegs bin. Manchmal möchte ich zum Beispiel einfach nur mal raus und meinen Gedanken freien Lauf lassen, mich bewegen und machen, worauf ich Lust habe. Aber manchmal darf es auch für mehrere Tage weg gehen.
Ziel setzen = Motivation?
Meistens hat eine Solo-Tour, die ich plane, ein bestimmtes Ziel, das örtlich, Personen oder Event bezogen sein kann. Es motiviert mich während der Tour sehr, mir solche Vorgaben zu geben. Wie schön das Radfahren sonst auch sein mag, nicht immer klappt alles wie geplant. Doch mit meinem Ziel vor Augen bin ich meist eher gewillt, weiter zu fahren, falls es mal nicht so gut läuft.
Persönliche Ziele, wie die ersten 200 km am Stück fahren, sind hilfreich, aber auch nicht in Stein gemeißelt! Für mich ist es wichtig, dass Ziele erreichbar erscheinen und gegebenenfalls anpassbar sind! Sei es eine bestimmte Streckenlänge, die erste Übernachtung draußen allein oder das Erreichen eines bestimmten Ortes (in einer bestimmten Zeit) - du bestimmst, was du machen möchtest! Und zwar nur du!
Für mich war es 2015 zum Beispiel der Wunsch, ein fremdes Land zu erkunden und gleichzeitig eine Freundin zu besuchen. Das dies meiner erste Solo-Reise mit dem Fahrrad im Ausland sein sollte, habe ich erst später wirklich realisiert. Ich wusste nur: Ich würde es gut planen müssen, um mich halbwegs sicher und vorbereitet zu fühlen. Und hätte ich einige der noch folgenden Tipps schon gekannt, wäre das sicherlich - so im Nachhinein betrachtet - auch sehr hilfreich gewesen und ich hätte den ein oder anderen Fehler vermieden.
So bin ich noch im Frühjahr 2015 gereist - meine erste Solo-Radtour in Norwegen
2. Grenzen: Kenne deine Grenzen und teste sie!
Wie weit kann ich pro Tag fahren? Wie sind die äußeren Bedingungen? Kann ich diese beeinflussen oder muss ich mich diesen anpassen? Wie geht es mir dabei?
Zu sagen, es gibt keine Grenzen, entspricht nicht so ganz der Realität. Und das ist auch nichts Schlechtes! Persönliche Grenzen helfen mir abzustecken, wie weit ich gehen möchte - sei es mit meinen körperlichen Fähigkeiten oder im mentalen und persönlichen Rahmen. Wie weit kann ich überhaupt fahren, bevor mein Körper erschöpft ist oder ich einfach keine Lust mehr habe? Traue ich mich allein nachts mit dem Rad durch den Wald zu fahren? Wie sicher fühle ich mich unterwegs auf dem Fahrrad? Wie weit entferne ich mich aus meiner Komfortzone?
Einige Grenzen müssen nicht starr sein und können sich verändern. Ab und zu mag ich es, meine persönlichen, körperlichen und mentalen Grenzen auf dem Fahrrad zu prüfen, kennenzulernen oder gar zu erweitern! Doch wie funktioniert das für etwas, was du noch nie gemacht hast? Schwierige Frage und doch wieder nicht. Der Sprung ins kalte Wasser kann sehr lehrreich sein, aber er ist nicht immer notwendig.
Etwas allein machen zu können, heißt nicht, es allein lernen zu müssen!
Mir hat es sehr geholfen, mich mit Freunden auszutauschen und mit dem Fahrrad raus zu fahren und zu reisen. Dabei begann ich ein Gefühl für meine Fähigkeiten zu entwickeln, zu testen, wie weit ich mit dem Rad fahren kann oder was ich eigentlich wirklich auf einer Tour brauche. Irgendwann kommt er dann, der Schritt nach vorn und rein ins Solo-Abenteuer.
Weißt du, wie lange du auf dem Rad sitzen kannst, bevor du keine Lust mehr hast oder spürst, dass es reicht? Finde es doch heraus! Denn für die Routenplanung kann es hilfreich sein, zu wissen, welche Distanzen du radfahren kannst, falls du bestimmte Tagesstreckenlängen berechnen willst. Natürlich spielen auch Terrain, Wetter und Stimmung mit rein, doch mit jeder Tour lernst du dazu. Erst sind es vielleicht 30 km, dann 50, dann 80 und schließlich die magische 100 km Grenze. Distanzen sind für dich irrelevant? Auch gut. Du kannst auch von Ort zu Ort, Café zu Café oder in Stunden fahren. Ich meine, was ist eine bessere Motivation, als von Eisdiele zu Eisdiele zu radeln? Außerdem hält es dich davon ab, ständig auf diesen Kilometerstand zu schauen!
Starte klein: Es reicht manchmal auch schon, ein paar Kilometer raus aus der Stadt zu fahren, einen Tag oder für ein Wochenende in bekannte Gefilde zu radeln, um zu erfahren, was passt oder nicht. Die erste kurze Ausfahrt allein kann ein ganz besonderes Erlebnis sein und eine wichtige Erfahrung noch dazu. Verrückt, was die Gedanken in der Zeit so mit einem anstellen. Meine fliegen regelrecht, wenn ich allein radfahre: Keine Gespräche, die mich unterhalten, keine Ablenkung. Mein Fokus liegt auf dem Weg vor mir, auf der Straße, auf der Natur oder in meinen Gedanken: Wunderschön, aber auch fordernd zugleich!
Mit der Zeit habe ich gelernt, mich unterwegs ein wenig einzuschätzen, merke, wann eine Pause nötig ist oder, wann ich nicht mehr weiterfahren sollte, weil z.B. die Konzentration nachlässt oder ich gar Schmerzen habe! Wenn ich jetzt noch die Sache mit dem regelmäßig-essen-trotz-Hungerlosigkeit in den Griff bekommen würde. Vielleicht stelle ich mir doch mal einen Futter-Alarm, denn wenn der Indikator Laune-verändert-sich anschlägt, ist es definitiv schon zu spät…
3. Vorbereitung: Bereite dich vor & teste deine Ausrüstung!
Wie viel Zeit und Budget habe ich zur Verfügung? Welche Route fahre ich? Wie gut kenne ich mein Fahrrad? Was habe ich bereits erlebt und inwiefern sind dieser Erfahrungen auf meine aktuelle Reise anwendbar? Wie ist die Wetterlage und Verpflegungssituation auf meiner Tour?
Einfach mit dem Fahrrad losfahren und herausfinden, was für dich funktioniert, ist für Tagesausfahrten eine ganz schöne Variante, denn zu viel Planen kann dich auch verrückt und unsicher machen. Andererseits sorgt ein wenig Vorbereitung bei längeren Touren oder Reisen auch dafür, dass es dann währenddessen alles etwas entspannter abläuft. Das Thema richtige Vorbereitung kann also sehr individuell ablaufen. Wie bereits im Abschnitt Zielsetzung formuliert, gehöre ich eher zur Fraktion: Ausführlich planen. Ich informiere mich einfach gern vorher und prüfe, was mich erwarten kann auf meiner Strecke. Dadurch erhalte ich ein gewisses Gefühl von Planungssicherheit und Stressfreiheit.
Für mich inkludiert das…
- die Wahl des passenden Fahrrads (inkl. Teile, also passende Reifen, Übersetzung, Sattel usw.).
- das Planen einer Route (obwohl selbst das optional sein kann, aber zur besseren Orientierung und Zeiteinschätzung beiträgt).
- zu entscheiden, wie ich navigiere (Smartphone, Navigationsgerät, Papierkarte, Schilder)?
- herauszufinden, wie ich anreise, falls ich nicht von zu Hause losfahre (Bahn, Fähre, Flieger).
- die Entscheidung, wo und wie ich essen will (Kocher, Imbiss, Restaurant, Supermarkt?).
- die Suche nach Verpflegungspunkten (und gegebenenfalls Übernachtungsorten).
- das Packen der passenden Ausrüstung.
- das eigene Fahrrad zu kennen und z.B. einen Platten flicken zu können.
- regionale Besonderheiten zu prüfen.
- Notfallkontakte und Versicherung (besonders bei Auslandreisen) parat haben.
Wenn ich ein neues Fahrrad habe oder neue Ausrüstung, führe ich diese normalerweise vor einer Reise erst einmal auf eine Testfahrt aus. So mache ich mich mit allem vertraut und kenne bei einer längeren Tour mein Equipment. Ich weiß es zu nutzen oder gar zu reparieren. Du musst dein Fahrrad nicht komplett auseinander nehmen können - auch wenn das bestimmt ein Bonus ist, den ich auch nicht bieten kann ;-).
Aber zumindest das Laufrad ausbauen und einen Schlauch flicken und wechseln können oder die Kette wieder einhängen, sind ein leicht zu lernendes Pflichtprogramm. Es gibt zahlreiche Anleitungen online, Videos, Texte und Fotos. Das vermittelt auch für eine mögliche Panne unterwegs mehr Ruhe und Sicherheit, auch wenn es immer ein nerviges Übel ist.
4. Equipment: Finde heraus, was du wirklich brauchst!
Was benötige ich unterwegs? Was besitze ich schon und was muss ich noch besorgen?
Die Frage der Ausrüstung ist eine ganz individuelle und definitiv abhängig von der Reiseregion und Infrastruktur: Für eine Tagestour brauche ich nicht viel mehr als mein Fahrrad, Getränke, Snacks und vielleicht ein Repair-Kit, eine Pumpe und Werkzeug. Für eine Radreise darf es etwas mehr sein: Je nach Ort und Art der Tour kann die Ausrüstung stark variieren.
Zur Ausrüstung selbst habe ich schon andere Beiträge geschrieben: Einmal zu Taschen und Zelten und zur Packliste für eine Wochenendtour. Packlisten sind für Reisen übrigens kleine Retter, wenn es darum geht, nichts zu vergessen! Von Zahnbürste über Ladekabel bis Stirnlampe helfen sie, sich auch an die kleinen Dinge zu erinnern. Und wie befriedigend ist am Ende das Häckchensetzen bitte, wenn alles eingepackt ist?
Ich reise am liebsten im Bikepacking-Stil, denn es erlaubt mir für jede Tour, mein Set Up ganz nach meinem Platzbedarf zusammenzustellen. Mein Fahrrad ist viel flexibler nutzbar und leichter. Mein Gravelbike kann ich mit Gepäck hochheben und auch mal eine Treppe hochtragen. Das konnte ich mit Reiserad quasi nie. Durchs Bikepacking habe ich gelernt weniger und leichter zu packen und fast nur das Wichtigste mitzunhemen, aber das limitiert eben auch.
Folgende Fragen können außerdem bei der Ausrüstungswahl helfen:
- Was habe ich vor? Will ich weit reisen und muss möglichst viel mitnehmen, plane ich Übernachtungs- oder Mehrtagestouren oder möchte ich eher Tagestouren angehen?
- Wie sind die Wetteraussichten? Inwiefern beeinflusst das mein Ausrüstung und meine Kleidung?
- Schlafe ich in Pensionen und spare mir Gepäck oder nehme ich Zelt und Schlafsack mit und campe? Je nachdem, was in meiner Reiseregion vorhanden ist oder wie ich bevorzuge unterwegs zu sein, macht diese eine riesigen Unterschied, in der Art und Menge an Ausrüstung.
- Will ich mit klassischem Radreise Set-Up und Gepäckträger fahren oder lieber im Bikepacking-Modus alles ans Rad schnallen? Vollausstattung oder Minimalismus? Wo bekomme ich rein, was ich mitnehmen will?
- Wo und wie esse ich? Nehme ich eine Kocher mit oder kehre ich ein bzw. verpflege ich mich vor Ort?
- Was kann ich mir an Equipment leihen, was habe ich und was muss ich kaufen?
Ausrüstung leihen oder gebraucht kaufen
Nicht alles muss oder kann sofort gekauft werden! Je nach Reiseplan, kann das schnell teuer werden. Warum also nicht leihen oder gebraucht kaufen? Gerade wenn die Sachen nicht regemäßig in Benutzung sind, ergibt das Kaufen wenig Sinn. Frag im Freundeskreis herum oder gar via Social Media! Ich habe mir schon Reisrucksack, Schlafsack oder Zelt ausgeliehen und bin sehr gut damit gefahren. Über die Zeit kam dann nach und nach meine eigene Ausrüstung hinzu!
Es gibt übrigens auch kommerzielle Möglichkeiten, Ausrüstung zu leihen, vom Zelt, über die Isomatte bis zum Rucksack ist die Auswahl sehr groß. So etwas lohnt sich auch, wenn du ein Produkt erst ausprobieren möchtest, bevor du es selbst kaufst. Meist ist dieses Leihsystem mit einer Kaution und Leihgebühr verbunden und ist nur für ein paar Tage sinnvoll, da auch hier sonst die Kosten zu hoch werden können.
Outdoor-Ausstatter Vaude hat zum Beispiel eine eigene Leihplattform ins Leben gerufen: iRentit auch kleinere Outdoorläden bieten vor Ort Leihservices: wie z.B. MontK in Berlin Online Nachbarschaftsplattformen oder Kleinanzeigen-Seiten haben oft diverse Artikel zum Verleih im Angebot: Von der Bergsteigerausrüstung bis zum Zelt ist da eine ...
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