Radfahren oder Walken: Vor- und Nachteile im Vergleich

Die Welt auf Rädern oder auf Füßen erkunden? Man könnte meinen, dass der Vergleich von Radfahren und Wandern nicht wirklich fair ist. Aber mit dem Aufstieg des Bikepackings, stellen sich einige interessante Fragen, die wir gerne beantworten möchten.

Kalorienverbrauch und Gewichtsverlust

Wie viele Kalorien du verbrennst hängt von deinem Fitnesslevel, Gewicht (plus Rucksack und/oder Fahrrad), und der Intensität, also wie die Steigung der Wanderung ist, ab. Es scheint, als würde man beim Radfahren mehr Kalorien pro Stunde bei maximaler Intensität verbrennen. Es ist aber wichtig zu beachten, dass die Intensität sich im Laufe des Tages häufig ändern kann.

So verbrennt Radfahren bergab nahezu keine Kalorien, während Wandern bergab immer noch anstrengend ist. Über den Tag gesehen, kann man jedoch nicht genau sagen, welche Sportart mehr verbrennt. Durch beide Aktivitäten kann allerdings ein Kaloriendefizit erzeugt werden. Beim Gewichtsverlust solltet ihr immer euren gesamten Lebensstil mit einbeziehen.

Essgewohnheiten, Schlafqualität, die Aktivität über den Tag verteilt und welche Übungen ihr macht, spielen dabei eine wichtige Rollen. Wie wir bereits erfahren haben, verbrennt man beim Radfahren mit maximaler Intensität mehr als beim Wandern. In dieser Kategorie ist es schwierig, sich für eine Sportart zu entscheiden.

Wer einen möglichst hohen Kalorienverbrauch erzielen und Körperfett, insbesondere das schädliche viszerale Bauchfett, abbauen möchte, kann dies offenbar besonders effektiv mit Laufen im HIIT-Modus erreichen. Allerdings zeigte eine andere Studie kürzlich, dass Laufen nicht dazu beiträgt, dauerhaft Gewicht zu verlieren.

Obwohl zu Beginn der Trainingsroutine Körperfett abgebaut wird, senkt der Körper seinen Gesamtenergieverbrauch, um Fettspeicher zu schonen (ein Überlebenstrieb aus Urzeiten). Aber das Laufen verhindert eine langfristige Gewichtszunahme, so die Autoren der Studie.

Laufen und Radfahren sind zwei wunderbare Möglichkeiten, Gewicht zu verlieren und die Fettverbrennung anzukurbeln. Laufen sorgt für eine sehr hohe Kalorienverbrennung in kurzer Zeit und kräftigt gleichzeitig den ganzen Körper. Radfahren hingegen ist eine sanfte Alternative, die die Belastung der Gelenke minimiert und sich ideal für längere, entspannte Trainingseinheiten vor dem Fernseher eignet.

Generell kann man sagen, dass beim Laufen tendenziell mehr Kalorien als beim Radfahren verbrannt werden, da hier mehr Muskelgruppen beteiligt sind.

Tabelle: Kalorienverbrauch - Laufen vs. Radfahren

Sportart Körpergewicht Verbrannte Kalorien pro Stunde
Laufen (9,5 km/h) 60 kg 598
Radfahren (19-21 km/h) 60 kg 478
Laufen (9,5 km/h) 70 kg 693
Radfahren (19-21 km/h) 70 kg 558
Laufen (9,5 km/h) 80 kg 798
Radfahren (19-21 km/h) 80 kg 638

Ausrüstung und Kosten

Sowohl zum Wandern als auch zum Bikepacking wird entsprechendes Equipment benötigt. Dazu zählt beispielsweise ein Zelt, ein Schlafsack, eine Matte und ein tragbarer Kocher. Zusätzlich wird zum Bikepacking nach Möglichkeit ein geeignetes Fahrrad für das Terrain benötigt, auf dem ihr auch noch eure Ausrüstung mitnehmen könnt.

Ebenso die speziellen Rahmen-, Lenker- und Sitztaschen sind ein zusätzlicher Aufwand im Vergleich zu einem normalen Rucksack, den ihr zum Wandern benötigt. Außerdem solltet ihr Werkzeuge und Materialien mitnehmen, falls etwas an eurem Fahrrad kaputt geht. Wandern ist die kostengünstiger.

Während man zum Laufen nur einen guten Schuh benötigt (für vernünftige Einsteigermodelle legt man etwa 80 Euro hin, für Top-Modelle zwischen 120 und 200 Euro), muss man für das Radfahren deutlich mehr investieren. Für ein Fahrrad, Schuhe, Helm und spezielle Radbekleidung schlagen bis zu mehrere Tausend Euro zu Buche. Für viele ist das nicht erschwinglich. Hier hat das Laufen also einen Vorteil.

Erkundung und Abenteuer

Beim Bikepacking kannst du ein viel größeres Gebiet erkunden. Selbst die langweiligen Abschnitte einer Wanderung entlang der Straße können richtig Spaß machen, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Mit dem Fahrrad bergab zu rasen, über Steine und durch Pfützen ist Nervenkitzel, den ihr zu Fuß nicht erleben werdet.

Aber es gibt einen klaren Nachteil: Das Fahrrad könnt ihr nicht überall mit hinnehmen. Die wildesten Orte und die schönsten Aussichten auf die Berggipfel sind selbst für die abenteuerlustigsten Bikepacker oft unerreichbar.

Mit dem Fahrrad könnt ihr außerdem ein viel größeres Gebiet erkunden als zu Fuß. Beim Radfahren hat man das Gefühl zu fliegen - egal ob man nun richtig schnell fährt oder einfach nur mit dem Wind in den Haaren dahinrollt.

Herzkreislauf-System und Gesundheit

Wenn du dein Herz-Kreislauf-System stärken möchtest, sind sowohl Joggen als auch Radfahren ein gutes Training. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 ergab, dass Laufen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduziert. Nachgewiesen ist auch, dass mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren eine gute Möglichkeit ist sein Herz-Kreislauf-System zu stärken und es reduziert ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Regelmäßiges Radfahren kann Herz-Kreislauf-Störungen vorbeugen und verringert das Risiko einer im mittleren Lebensalter häufig auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankung um das 20-fache. Regelmäßiges Radfahren bringt den Blutkreislauf auf Trab. Herz und Kreislauf werden weniger belastet und arbeiten fortan ökonomischer.

Auch die Durchblutung des Herzmuskels in den Koronararterien wird positiv beeinflusst. Vor allem wer länger als 30 Minuten Rad fährt, verbessert seine Herzfunktionen. Zudem wird Cholesterin abgebaut, das die Blutgefäße verkalken lässt. Die Adern werden wieder flexibler, das Herz-Kreislauf-System insgesamt wird trainiert und erreicht eine höhere Leistungsfähigkeit.

Radfahren ist gut für den Rücken. Häufige Ursache für Rückenleiden kann sowohl Bewegungsmangel als auch eine ständige, falsche Belastung der Rückenmuskulatur sein. Radfahren gehört zu den rückenschonenden Aktivitäten. Es kräftigt die Rückenmuskulatur und stabilisiert die Wirbelsäule durch Stärkung der kleinen Stützmuskeln um die einzelnen Wirbelkörper herum. So werden Verspannungen gelöst. Wenn der Rücken schmerzt, kann Radfahren helfen.

Muskelaufbau und -beanspruchung

Laut einer aktuellen Studie unterstützt Radfahren die Knochengesundheit möglicherweise nicht so sehr wie Laufen. Laufen ist eine gewichtstragende Übung, die das Skelett mechanisch belastet. Dies stimuliert die Knochenbildung und den Knochenumbau.

Radfahren kann besser für den Aufbau von Beinmuskeln sein, aber keine der beiden Sportarten ist dabei besonders effektiv. Wenn ihr große Muskeln erzielen wollt, solltet ihr mit Gewichten trainieren. Du kannst deinen Muskelaufbau mit dem Heben von Gewichten unterstützen.

Beim Radfahren werden alle großen Muskelgruppen beansprucht, insbesondere die Oberschenkelmuskulatur. Dazu gehören: Oberschenkelvorderseite, Oberschenkelrückseite, die Waden und die Gesäßmuskulatur. Beim Gehen hingegen werden vor allem die Waden und der Gluteus medius beansprucht - das sind die Muskeln, die daran beteiligt sind, sich vom Boden abzustoßen und dein Körpergewicht auszugleichen, während du bei jedem Schritt nach vorne fällst.

Laufen trainiert zwar wie das Radfahren vornehmlich den Unterkörper, zusätzlich müssen aber Bauch und Rücken aktiviert sein, um den Oberkörper stabil und aufrecht zu halten und die Laufökonomie zu verbessern.

Verletzungsrisiko und Erholung

Joggen ist definitiv die Sportart, die dem Körper mehr Schaden zufügt. Eine Studie, die Radfahrer und Läufer verglichen hat, die 3 Tage lang 2,5 Stunden pro Tag trainierten, ergab, dass die Läufer bis zu 404 % mehr Muskelschäden, bis zu 256 % höhere Entzündungswerte und 87 % mehr Muskelkater hatten als die Radfahrer. Radfahren hat schnellere Erholungszeiten.

Im Durchschnitt haben Läufer 11 Verletzungen pro 1000 Stunden Joggen. Am häufigsten sind Knie-, Achillessehnen- und Fußverletzungen. Das sind die typischen Verletzung bei einer Überlastung. Radfahrer haben im Vergleich nur 6 Verletzungen pro 1000 Stunden Radfahren. Abgesehen von Verletzungen durch Überlastung im Knie, Nacken, Rücken, Handgelenk und Fuß, zählen hier auch Verletzungen durch Unfälle zu.

Radfahren ist ein Sport mit geringer Belastung. Dadurch werden die Gelenke weniger belastet, was für Personen, die sich in der Rehabilitationsphase von Verletzungen befinden oder an bestimmten Gelenkerkrankungen wie Arthritis leiden, besser geeignet sein kann.

Spaß und Wohlbefinden

Laufen ist für uns Menschen eine der natürlichsten Arten sich zu bewegen. Das Gefühl, mit dem eigenen Körper eine große Strecke zurückzulegen, hat etwas Besonderes. Beim Laufen könnt ihr außerdem jedes Terrain erkunden, über jedes Hindernis springen, darauf klettern oder darunter durchkriechen.

Das seelische Wohlbefinden wird auch von physischen Funktionen und der Leistungsfähigkeit beeinflusst. Wer oft Ausdauersport treibt, ist psychisch stabiler und weniger anfällig bei Stress. Bewegungsmangel, Übergewicht oder Fettleibigkeit können hingegen mit psychologischen Probleme einhergehen.

Fachleute schreiben dem Radfahren aufgrund seiner gleichmäßigen, zyklischen Bewegungsform eine hohe entspannende Wirkung zu: Es werden sogenannte Stressoren abgebaut - eine emotionale Harmonie und ein positives Körpergefühl breiten sich aus, manchmal sogar schon nach kurzer Fahrt.

Denn: Bei Ausdaueraktivitäten wie Radfahren werden nach 30 bis 40 Minuten die Glückshormone Endorphin und Adrenalin ausgeschüttet.

Weitere Vorteile des Radfahrens

  • Radfahren befreit die Atemwege: Auch die Lunge profitiert vom Rhythmus des Radfahrens und wird gleichmäßig mit Sauerstoff gefüllt.
  • Radfahren ist gut für die Gelenke: Durch seine zyklischen Bewegungsabläufe ist Radfahren besonders gelenkschonend.
  • Radfahren ist gut für die Muskeln: Wer richtig radelt, kann fast die gesamte Muskulatur des Körpers trainieren.
  • Radfahren kurbelt den Fettstoffwechsel an: Wer viel im Sitzen arbeitet, hat oft mehr Fettreserven als notwendig. Mit Radfahren ist es möglich, diese Reserven als Energiequelle anzuzapfen.
  • Radfahren macht glücklich: Bewegungsmangel, Übergewicht oder Fettleibigkeit können hingegen mit psychologischen Probleme einhergehen.

Radfahren und Walken haben viele Gemeinsamkeiten. Bei beiden Aktivitäten könnt ihr wunderbar abschalten und die wunderschöne Natur erkunden. Während beim Radfahren mehr Kalorien auf härterem Terrain verbrannt werden, verbrennt das Wandern mehr auf den leichteren Teilen. In jedem Falle sind beide hervorragend geeignet, um in Form zu bleiben.

Auch wenn Bikepacking tendenziell teurer ist, könnt ihr beides mit einer einfachen Ausrüstung genießen. Für weitere Strecken, empfehlen wir das Fahrrad, für die Erkundung wilderer Orte, solltet ihr besser zu Fuß gehen.

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