Wanderer Motorrad Modelle: Eine Geschichte Deutscher Ingenieurskunst

Die Chemnitzer Wanderer-Werke gehörten zu den ältesten deutschen Fahrzeugherstellern. Bereits 1885 begannen die Unternehmensgründer Winkelhofer und Jaenicke mit dem Bau von Hochrädern. 1902 wurde bei Wanderer das erste Motorrad hergestellt. Wanderer Motorräder zeichneten sich immer durch einen sehr hohen Qualitätsstandart und ausgefallene technische Detaillösungen aus.

Die Anfänge: Vom Fahrrad zum Motorrad

Die Firma Wanderer wurde 1885 in Chemnitz als Fahrradhandels und Servicestelle gegründet. Aufgrund erfolgreicher Geschäfte startete bereits 1886 eine fabrikmäßige Herstellung von Hochrädern. Die zur Herstellung der Fahrräder benötigten Teile wurden auf eigens dafür konstruierten Fräsmaschinen gefertigt. Die damaligen Fräsmaschinen entsprachen nicht den Qualitätsanforderungen der Firma Wanderer und somit begann die Fertigung der Fräsmaschinen im eigenen Betrieb.

Ab 1899 wurde die serienmäßige Herstellung von Fräsmaschinen gestartet. In den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten, kamen viele sehr zuverlässige Maschinen, Motorräder, Schreibmaschinen, erste Rechenmaschinen, Autos und vieles mehr, aus dem Firmengeflecht der Firma Wanderer. 1902 präsentiert Johann Winkelhofer, einer der beiden Gründerväter, das erste Motorzweirad, was als Basis ein motorisiertes Fahrrad ist, unter dem Namen "Wanderer" auf den Markt. Damit begann der Anfang der Motorradabteilung in Chemnitz-Schönau.

Frühe Modelle und Innovationen

Die fortschrittliche 3 PS war derzeit das international bedeutendste Modell der Wanderer-Werke. Die Aufpreisliste enthielt auch eine Auspuffklappe zur Leistungssteigerung, allerdings mit dem Hinweis „für Motorräder, die in Deutschland in Gebrauch genommen werden, nicht lieferbar“ - die ewige Lärmdiskussion ist also schon mindestens 110 Jahre alt.

Das Wanderer 3 PS-Modell ist bereits mit einer Federung vorne und hinten ausgestattet und war damit auf Augen-höhe mit NSU oder Indian. Manch Kritiker bezeichnete die innovativen Hinterradfederungen damals abschätzend als „Wackeleinrichtung“. Tatsächlich war die Hinterrad-federung zunächst offenbar noch verzichtbar - folgende Modelle waren bei Wanderer und vielen anderen Herstellern wieder hinten starr ausgeführt und es dauerte noch Jahrzehnte bis sich zufriedenstellende Systeme in der Breite durchgesetzt hatten.

Modelle im Typenprogramm, von 1,5 PS bis 4 PS, hinzu kommt ein breites Zubehörsortiment und eine hervorragende Qualität der Zweiräder. Es ist wohl die gute Zuverlässigkeit und die moderne Ausstattung, die die Kunden überzeugen und die Wanderer Motorräder immer beliebter machen. Von Magnetzündern und Kurzschwingengabeln profitierten die ersten Abnehmer. Zudem folgt ein Zweizylindermodell, was es deutlich auf anspruchsvollere Nutzer abgesehen hat und den Weg in die obere Klasse der deutsche Motorräderbranche ebnet.

Wanderer Motorräder zeichneten sich dadurch aus, nicht nur die Motoren und das Fahrgestell, sondern möglichst alle Teile selbst herzustellen. Hierzu wurde sogar eine WANDERER-eigene Gewindesteigung erfunden. 1912 zog WANDERER von Chemnitz (Poststr. 38) nach Schönau bei Chemnitz in eine neue, moderne Fabrik um.

Wanderer im Ersten Weltkrieg

Die Wanderer-Werke liefern große Stückzahlen vom Typ 4PS Zweitakt an das Deutsche Heer für den Ersten Weltkrieg. Mit dem Kriegsende 1919 frischt man die Typenpalette auf und führt mit dem Starrrahmen neue technische Entwicklungen ein. Einzylinder bis zum Zweittaktzweizylinder.

Die 1920er Jahre: Innovation und Erfolge im Rennsport

Nach dem 1. Weltkrieg wurde eine 327 ccm-Einzylinder (“2 1/2 PS”), und eine 616 ccm V-2 (“4 1/2 PS”) gefertigt. Dreiganggetriebe. Wie die NSU-Werke in Neckarsulm erweiterten auch die Wanderer-Werke in Chemnitz 1909 ihr Angebot um eine große V-2 Maschine.

Die Wanderer hatte im Gegensatz zu den Vorgängermodellen keine Ähnlichkeit mehr mit dem Fahrrad. Sie verfügte über komfortablen Trittbrettern statt auf Tretpedalen, einen Kickstarter, und das neue Dreiganggetriebe saß im Blockmotor. V-Zweizylindermotor. Beide waren “kopfgesteuerte” OHV Motoren, weshalb sie ihrer Zeit weit voraus waren.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde ein neues Modell mit seitengesteuertem Zweizylinder-V-Motor und 616ccm Hubraum entwickelt. Vor allem durch die Beteiligung von zahlreichen Privatfahrern war Wanderer durch die seriennahen Zweizylindermodelle erfolgreich vertreten. Mit einer solchen Maschine gewann Albert Schuster 1924 die Klasse über 500ccm. Diese Wanderer-Zweizylinder tauchten im Jahr 1924 in den Bestenlisten von 44 verschiedenen Rennsportveranstaltungen auf.

Für die neue führerscheinfreie Klasse bis 200ccm schuf Wanderer ein leichtes und preiswertes Motorrad. Ab 1927 wurde der Motor von vier Ventilen auf zwei Ventile umgestellt, gewann aber erstaunlicherweise durch eine bessere Brennraumform und optimalere Gestaltung der Ansaugkanäle sogar eine höhere Leistung. Trotz seines relativ hohen Preises war das Krad durch seine Qualität und Leistungsfähigkeit konkurrenzfähig und gefragt.

Das Ende der Motorradproduktion und der Übergang zu Jawa

Mit der Verwendung eines Rahmens aus Preßstahl statt eines Rohrrahmens versuchte man Produktionskosten zu sparen. Die Blechrahmen bekamen aber oft Risse. Auch beim schlicht konstruierten Motor gab es Reklamationen. Der sehr gute Ruf der Wanderer-Motorräder wurde durch dieses unausgereifte Modell beschädigt.

Mit der K 500 endete die Motorrad-Produktion um 1930, weil dieses Modell relativ unausgereift auf den Markt kam und im Gegensatz zu den hohen Qualitätsansprüchen von Wanderer eher ein Flop war. Wanderer entwickelte dem Trend folgend eine 500 ccm Kardan-Maschine. Das Motorrad unter dem Namen "500k" leistet 16PS aus einem Einzylinder. Der überkonstruierte Motor mutiert zu starken Hitzeproblemen und verursacht durch heftige Schwingungen ein wortwörtliches Zerlegen des Zweirades. Nach diesem misslungen Projekt gibt der Wanderer-Konzern den Motorradbau komplett auf.

Die Verkaufsorganisation der WANDERER - Motorräder kaufte Konkurrent NSU, um selbst weiter expandieren zu können. Man beschloss daher sich vor allem dem Automobilbau zu widmen und verkaufte die Maschinen der Motorradfertigung an NSU. Produktionszeichnungen und Fertigungsrechte wurden an Janecek in Prag verkauft und führten zur Marke Jawa (Janecek/Wanderer).

Die Konstruktionsunterlagen der 500K werden an den Industriellen F.Janecek aus Prag verkauft. Die Geburtsunterlagen der tschechischen Marke "JAWA". Gebildet wird der Name aus den ersten Buchstaben JAnecek und WAnderer. Die gesamten Motorradproduktion wurde 1929 nach Tschechien an einen Waffenproduzenten Namens Janecek verkauft.

Mit der Firma NSU einigt man sich auf einen Verkauf der Chemnitzer Motorradschwarte. Die gehen im Jahr 1930 als "NSU-Wanderer" an die Endkunden und besiegeln damit eine Ära.

Wanderer Motorfahrräder

Wie viele andere Hersteller baute Wanderer ab Anfang der dreißiger Jahre sogenannte Motorfahrräder. Die im Volksmund oft als “Trampelmotorräder” bezeichneten Massenprodukte hatten fast immer Einbaumotoren von ILO oder Fichtel & Sachs. Der hier verwendete F & S-Motor leistete, wie Hunderttausende seiner Bauart, 2,25 PS und hatte 2 Gänge im kleinen durch Fett geschmierten Motorgehäuse. Wanderer war durch seine Qualität mit 90.000 Stück bald Marktführer in diesem Segment.

Bedeutende Daten in der Geschichte von Wanderer

Hier ist eine Tabelle mit wichtigen Daten zur Geschichte der Firma Wanderer:

Jahr Ereignis
1885 Gründung der Firma Wanderer. Aufgaben: Fahrrad-Handel & Service
1886 Herstellung von Hochrädern, Fahrrädern
1899 Serienfertigung von Fräsmaschinen
1902 Die ersten Motorräder werden gebaut
1903 Beginn der Serienfertigung von Schreibmaschinen (Marke Continental)
1905 Erste Auto-Prototypen
1913 Serienproduktion von Automobilen
1931 Verkauf der schweren Motorräder an Frantisek Janecek (Marke Jawa)
1932 Gründung der Autounion durch die Zschopauer Motorenwerke AG (Audi / DKW / Horch / Wanderer)

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