Die Anfänge in Chemnitz
Die Wurzeln von Wanderer gehen bis in das Jahr 1885 zurück. In diesem Jahr gründeten Johann Baptist Winklhofer und Richard Adolf Jaenicke in Chemnitz die am 26. Februar 1885 ins Handelsregister eingetragene Gesellschaft „Chemnitzer Velociped-Depôt Winklhofer & Jaenicke“ zum Verkauf und zur Reparatur von Fahrrädern. Wenig später fertigten sie bereits einige Hochräder selbst an und ab dem Winter 1885/1886 wurde eine fabrikmäßige Herstellung vorbereitet. Winklhofer und Jaenicke firmierten daher ab 4.Expansion und Diversifizierung
Um die Produktion auszuweiten, erwarben Winklhofer und Jaenicke 1894 ein Areal von 19.000 m² in Schönau bei Chemnitz und bauten dort ein Verwaltungs- und Lagerhaus mit 52 Metern Front, einen Shedbau mit 2.500 Quadratmetern Nutzfläche, ein Maschinenhaus, ein Kesselhaus, einen Stall und eine Wagenremise. Für sich selbst ließen die Unternehmer gegenüber ein Doppelwohnhaus errichten.Das erste Motorrad wurde 1902 gebaut, 1903/1904 begann die Serienproduktion von Schreibmaschinen unter der Marke Continental und 1909 die von Additions- bzw. Die Wanderer-Werke selbst konzentrierten sich sehr erfolgreich auf die Produktion hochwertiger Werkzeugmaschinen, Schreibmaschinen, Rechenmaschinen und Fahrräder. Das Radsportteam des Unternehmens konnte viele sportliche Erfolge erringen. Die fast lautlos arbeitende Schreibmaschine Wanderer Continental silenta war mit ihrem speziellen Hebelwerk weltweit konkurrenzlos.Automobilproduktion
1905 entstand der erste Auto-Prototyp Wanderermobil, 1907 folgte der zweite und 1911 wurde auf dem Berliner Autosalon der Wanderer 5/12 PS Typ W1 gezeigt. 1913 konnte die Automobil-Serienproduktion aufgenommen werden. In Anlehnung an die im selben Jahr in Berlin uraufgeführte Operette Puppchen von Jean Gilbert wurde das zierliche Auto (1,5 m breit, 3 m lang) nach einer Aufführung in Chemnitz vom Volksmund Puppchen genannt. Bereits 1913 kam die Weiterentwicklung zum W2, der 15 PS leistete. Die weitere Entwicklung ging bis zum W8 5/20 PS 1926/1927.Zur Ausweitung der Autoproduktion baute Wanderer ein weiteres Werk im Chemnitzer Vorort Siegmar, das 1927 die Produktion aufnahm. Für den Nachfolger des Puppchen wurde 1930 bei Ferdinand Porsche in Stuttgart die Konstruktion eines Sechszylinder- und zweier Achtzylinder-Motoren in Auftrag gegeben. Nur der Sechszylinder debütierte 1931 im W14 12/65 PS mit einem Dreiliter-Leichtmetallmotor, denn Probleme des Unternehmens ließen es von der Fahrzeugproduktion abrücken.
Verkauf und Neuanfang
Auch auf Druck der Dresdner Bank, die Wanderer Kredite über fünf Millionen Reichsmark gewährt hatte, verkaufte Wanderer Lizenzen für die schweren Motorräder an den tschechischen Ingenieur František Janeček, der damit die Motorradmarke Jawa gründete, und schloss Mitte 1932 mit der auf Bestreben der Sächsischen Landesbank gegründeten Auto Union AG einen Kauf- und Pachtvertrag für das moderne Wanderer-Fahrzeugwerk in Siegmar ab. Unter der Regie der Auto Union kam 1933 der W21, ein direkter Konkurrent des Mercedes-Benz 170, auf den Markt. Insgesamt bot die Marke Wanderer ab diesem Jahr eine breitgefächerte Modellpalette von sechs Karosserien mit drei Motoren an. Vom erfolgreichsten Modell Wanderer W24 wurden von 1937 bis 1940 rund 22.500 Exemplare hergestellt. Eine Besonderheit mehrerer Wanderer-Modelle war in der damaligen Zeit eine geteilte Windschutzscheibe.Nachkriegszeit und Enteignung
Nach dem Krieg kam es am 30. Juni 1946 zu dem von der sowjetischen Besatzungsmacht wohlwollend geduldeten Volksentscheid über die Enteignung von Kriegs- und Naziverbrechern. Aufgrund dieses Volksentscheids wurden sowohl die Wanderer-Werke als auch die Auto Union enteignet und bis 1948 teilweise demontiert und als Reparationsleistungen in die Sowjetunion verbracht.Die wechselvollste Geschichte hatte der Büromaschinenbetrieb in Schönau: Er wurde zunächst zum VEB Wanderer-Continental Büromaschinenwerk unter dem Dach der VVB Mechanik. 1953 wurde er mit der ehemaligen Astrawerke AG zum VEB Büromaschinen Chemnitz fusioniert, zwei Jahre später aber schon wieder als VEB Industriewerk Karl-Marx-Stadt ausgegliedert und mit der Produktion von Flugzeugmotoren beauftragt. Die Produktion von Schreibmaschinen wurde an das Optima Büromaschinenwerk Erfurt abgegeben, Rechen- und Buchungsmaschinen wurden fortan im VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt (vormals Astrawerke) weiterentwickelt und hergestellt. Nach dem plötzlichen Ende des DDR-eigenen Flugzeugbaus 1961 fertigte man im Industriewerk Hydraulikpumpen und Motoren für die Fahrzeugindustrie.Neuanfang in Westdeutschland
Als Folge von Enteignung und Verstaatlichung in der DDR führten Eigentümer und Manager der Wanderer-Werke das Unternehmen in Westdeutschland fort. So tagte im Jahr 1948 in München eine außerordentliche Hauptversammlung der Wanderer-Werke AG und beschloss, den Sitz der Gesellschaft von Chemnitz nach München zu verlegen. Ab 1949 wurden wieder Fahrräder und Mopeds gehandelt, hergestellt von der Firma Meister in Bielefeld.In den 1950er Jahren setzte Wanderer die Tradition als Büromaschinenhersteller fort. Das Unternehmen beteiligte sich 1953 zunächst zu 50 % an der Exacta Büromaschinen GmbH und späteren Exacta Continental GmbH in Köln. 1960 folgten die restlichen 50 %. Um mit der rasanten Entwicklung des modernen Informatik Schritt halten zu können, hatte Wanderer einen elektronischen Tischrechner, die Wanderer Logatronic für die Mittlere Datentechnik entworfen, dessen Elektronik Wanderer beim Computerpionier Heinz Nixdorf entwickeln ließ.
Wiederbelebung der Marke
Fahrräder mit dem Markennamen „Wanderer“ wurden seit 1998 wieder hergestellt. Seit 2006 geschah dies unter Federführung der Zwei plus zwei GmbH in Köln. Dort werden die Fahrräder entwickelt, in Deutschland hergestellt und von ausgewählten Fachhändlern vertrieben.Finanzielle Schwierigkeiten und Insolvenz
Ansonsten stellte sich die Wanderer-Werke AG 2008 als Finanzholding ohne eigenen Geschäftsbetrieb mit den Sparten Poststellen-Verwaltung (engl. KG, Merseburger Verpackung GmbH) dar. Als höchst problematisch erwies sich dabei die Tatsache, dass große Teile des Unternehmens auf Kredit finanziert worden waren. Die Kredite wurden dabei nicht nur durch Banken, sondern auch zwischen den Unternehmenstöchtern vergeben.Als die Sparte Kraftfahrzeugteile im Zuge der Absatzkrise der Automobilindustrie hohe Verluste einfuhr und sich gleichzeitig die Übernahme des US-Konkurrenten Bell & Howell durch die Böwe-Systec-Gruppe als Fehlinvestition herausstellte, ließen sich die Defizite nicht mehr auffangen, und die Wanderer-Gruppe brach Stück für Stück zusammen. Das Insolvenzverfahren wurde im Juli 2010 eröffnet. Während die Sparte Verpackungen noch über ein Management-Buy-Out an eine Investorengemeinschaft und Böwe Systec an die Possehl-Gruppe verkauft werden konnten, musste der Bereich Kraftfahrzeugteile mit seinen rund 500 Mitarbeitern gänzlich schließen.Nur die Fahrräder wurden bis März 2013 noch unter dem Markennamen Wanderer produziert, zuletzt von der Zwei plus zwei GmbH. Seit 2017 gehört die Domain www.wanderer.de der Hercules GmbH aus Köln, die weiterhin unter dem Markennamen Wanderer Fahrräder vertreibt.Historische Wanderer Fahrradmodelle
Hier stellen wir euch in regelmäßigen Abständen Räder aus den „Sammlungen“ unserer Mitglieder vor.- Juni 2025: Ein treuer Begleiter aus dem Jahr 1935, technisch hergerichtet und ergänzt mit neuen Teilen.
- März 2025: Wanderer Herrenfahrrad Baujahr 1940, passend zum Damenfahrrad vom Januar 2025.
- Januar 2025: Wanderer Damenfahrrad von 1938, ein wunderschön erhaltenes Original.
- November 2024: Wanderer H 40, das Standard Modell in der mittleren Ausführung „Continental“.
Beispiele historischer Fahrräder
Einige bemerkenswerte Beispiele historischer Wanderer Fahrräder sind:* Wanderer Herrenfahrrad Baujahr 1940: Gekauft als Pärchen mit dem Damenfahrrad, kaum Verschleiß.* Wanderer Damenfahrrad von 1938: Ein bis auf den Rockschutz noch wunderschön erhaltenes Original Fahrrad mit Berko Fahrradbeleuchtung und Continental Bereifung fast wie neu.* Wanderer H 40: Das Standard Modell in der mittleren Ausführung „Continental“.Die Marke Wanderer heute
„Wähle Wanderer des Wertes wegen“ - so heißt ein Werbeslogan der Marke Wanderer aus dem Jahr 1920. Ein Slogan, der auch heute - fast 100 Jahre später - noch seine Gültigkeit behalten hat. Das geflügelte W im Logo des Premiumherstellers steht für Fahrkultur und Wertbeständigkeit, für ein elegantes Design und anwendungsorientierte Technik.Die Manufactum GmbH aus Waltrop hat sich auf die Suche nach Fahrrädern mit Fahrkultur und Ästhetik begeben und die Marke Wanderer wieder aufleben lassen. Das typische klare Design der Räder sollte beibehalten und mit neuester Technik kombiniert werden. Letztendlich lag der Fokus also auf Wertbeständigkeit gepaart mit Modernität.
Moderne E-Bikes von Wanderer
Erkennen kannst du die Wanderer Modelle an ihrer Funktionalität und den harmonischen Proportionen der Rahmen. Daraus resultiert ein zeitloses Design und stimmiges Gesamtkonzept. Das Sortiment von Wanderer ist klein, aber sehr fein. Denn um das Gesicht der Marke Wanderer nicht zu sehr zu verändern, steht lediglich eine kleine, aber sehr gut durchdachte Auswahl an zusätzlichen Konfigurationsoptionen zur Verfügung.Wanderer hält bewusst an seinem Konzept fest und unterwirft sich keinen Trends. Dazu tragen auch alle verwendeten Materialien und Komponenten bei, die am e-Bike verarbeitet sind. Es wird nur Technik verarbeitet, die robust ist und daher selten einer Wartung bedarf. Bei jedem noch so kleinen Bestandteil des Fahrrads legt der Premiumhersteller den Fokus auf Qualität, Fahrkomfort und das zeitlose Design.Die Modelle bieten dir Mobilität mit Stil, Sportlichkeit und Komfort in jeder Lebenslage. Auch hier wurde natürlich Wert auf ein ganzheitliches Konzept gelegt. Wenn du dich auf die Suche nach deinem speziellen Wanderer-e-Bike machst, sind es die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen, die ausschlaggebend sind. Jedes Modell hat seinen ureigenen Charakter und eines davon könnte vielleicht genau deins sein.Die hochwertigen e-Bikes sind in zwei Kategorien aufgeteilt: E-Trekking + E-City und E-Fold + E-Compact: Alle sind sie schwarz-glänzend lackiert, was ihnen einen sehr edlen Look verleiht. Drei verschiedene Rahmenvarianten stehen bei dem Hersteller zur Verfügung: Tiefeinsteiger, Trapez oder Diamant - eher sportlich oder wie ein e-Bike Hollandrad. Die E-Trekking + E-City-Modelle sind hervorragende Tourenbikes, die dich sicher auch durch unwegsameres Gelände führen, gleichzeitig aber auch perfekte Begleiter im Alltag in der Stadt sind. Das E-Fold + E-Compact-Modell ist perfekt für dich, wenn du dein Rad immer mal wieder irgendwo verstauen musst. Die eher aufrechte Sitzposition sowie der gefederte Sattel sorgen bei allen Modellen jederzeit für einen guten Komfort. Bei der Schaltung kannst du je nach Modell zwischen einer Ketten- oder Nabenschaltung wählen.Chronik der Wanderer-Werke
Die Firma Wanderer wurde 1885 in Chemnitz als Fahrradhandels und Servicestelle gegründet. Aufgrund erfolgreicher Geschäfte startete bereits 1886 eine fabrikmäßige Herstellung von Hochrädern. Die zur Herstellung der Fahrräder benötigten Teile wurden auf eigens dafür konstruierten Fräsmaschinen gefertigt.
Wichtige Stationen der Unternehmensgeschichte
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1885 | Gründung der Firma Wanderer. Aufgaben: Fahrrad-Handel & Service |
| 1886 | Herstellung von Hochrädern, Fahrrädern |
| 1899 | Serienfertigung von Fräsmaschinen |
| 1902 | Die ersten Motorräder werden gebaut |
| 1903 | Begann die Serienfertigung von Schreibmaschinen (Marke Continental) |
| 1905 | Erste Auto-Prototypen |
| 1913 | Serienproduktion von Automobilen |
| 1931 | Verkauf der schweren Motorräder an Frantisek Janecek (Marke Jawa) |
| 1932 | Gründung der Autounion durch die Zschopauer Motorenwerke AG ( Audi / DKW / Horch / Wanderer ) |
| 1946 | Zerschlagung des Werkes in Chemnitz-Schönau Wiedergutmachung an Russland Im Osten von Deutschland |
| 1948 | Wanderer Werke AG, Haar b. München |
| 1949 | Beginn der Werkzeugmaschinenproduktion in München |
| 1953 | Exacta Büromaschinen, später Exacta Continental, Köln |
| 1960 | Wanderer Logatronic Pionierarbeit in Richtung Datentechnik, später Nixdorf |
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