Sport bei Prostatakrebs ist ein billiges Medikament, das für jeden Mann zu haben ist. Dabei gilt jede Art von Bewegung als gesund - von Ausdauer- und Kraftsport bis hin zu mehr Bewegung im Alltag mit Unkrautjäten und Staubsaugen.
Warum Sport bei Prostatakrebs?
Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Wandern - Sport gilt schon länger als äußerst wirksames Medikament bei vielen Erkrankungen, auch bei Prostatakrebs. Ärzte empfehlen diese Ausdauersportarten, aber auch ein moderates Krafttraining besitzt viele positive Effekte auf die Gesundheit. Das Beste dabei ist: Sport ist eine kostenlose Arznei! Was für den einen oder anderen Mann vielleicht gewöhnungsbedürftig sein mag: Der Leistungsgedanke spielt hier keine Rolle.
Es geht nicht um „höher, weiter, schneller“, und einen Marathon sollen Sie auch nicht absolvieren. Vielmehr stehen Ihr persönliches Wohlbefinden und der Grad Ihrer Belastbarkeit im Vordergrund. Jede Art von Bewegung stärkt den Körper und die Psyche bei einer Krebserkrankung.
Sport: Krebs vorbeugen, Rückfälle verhindern
Mediziner und Medizinerinnen wissen heute, dass Sport und Bewegung verschiedenen Krebsarten vorbeugen können. Wer körperlich aktiv ist, senkt nachweislich sein Krebsrisiko. Schätzungen gehen von Werten zwischen 20 und 30 Prozent aus. Studien zeigen, dass Sport bei Prostatakrebs das Rückfallrisiko um bis zu 57 Prozent vermindern kann. So leiden körperlich aktive Krebspatienten zum Beispiel weniger unter der chronischen Erschöpfung, der Fatigue. Sie bewältigen Ihren Alltag insgesamt besser. Körperliche Aktivität beeinflusst auch andere Krankheiten positiv, die den Prostatakrebs manchmal begleiten, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Sport bei Prostatakrebs: Hilfe für Körper und Psyche
Auch wenn Ihnen der Start ins Sportprogramm vielleicht schwer fällt und er etwas holprig ausfällt: Wer einmal mit der körperlichen Aktivität losgelegt hat, verschafft sich schnell positive Erlebnisse. Es lohnt sich also, den inneren Schweinehund, der sich bei den meisten regelmäßig meldet, zu überwinden. Denn die Leistungsfähigkeit ist von Mann zu Mann höchst verschieden. Erlaubt ist alles, was Spaß macht - Verbote für bestimmte Sportarten gibt es für Krebskranke heute nicht mehr.
Allerdings raten Ärzte und Ärztinnen von intensiven, gefährlichen Sportarten wie Boxen, Karate oder Bungee Jumping ab. Wählen Sie lieber „sanftere“ Sportarten, die weniger verletzungsträchtig sind. Sie können Walken oder Radfahren, aber auch Staubsaugen oder im Garten Unkraut jäten. Wichtig ist, dass Sie die Aktivitäten in Ihrem Alltag gut umsetzen können. Außerdem sollte es eine Bewegungsart sein, die Ihnen Freude macht. Dann zeigen sich bei den meisten schnelle Erfolge.
Beckenbodentraining: Sport „der anderen Art“
Männer mit Prostatakrebs leiden oft unter Inkontinenz. Sie ist eine häufige Folge der radikalen Prostatektomie. Gymnastische Kräftigungsübungen in Form eines Schließmuskeltrainings oder Kontinenztrainings sind empfehlenswert. Umgangssprachlich sagen viele dazu auch Beckenbodentraining. Aber auch der Rücken und die Beine kommen dabei nicht zu kurz. In welchem Ausmaß dies geschieht, hängt davon ab, wie oft, lange und intensiv Sie trainieren.
Das Training:
- stärkt die Beckenbodenmuskulatur
- verbessert die Kontinenz
- hilft, rücken- und beckenbodenfreundliche Alltagstechniken zu erlernen
Das Beckenbodentraining erlernen Sie am besten unter professioneller Anleitung eines Physiotherapeuten oder einer Physiotherapeutin. Es gibt spezielle Kurse dafür.
Wann wieder Radfahren nach der Operation?
Radfahren (nicht direkt nach einer Operation, weil schmerzhaft, sondern erst drei bis sechs Monate später). Radfahren sollte man erst wieder, wenn man dabei keinerlei Schmerzen mehr spürt.
Beliebte Ausdauersportarten sind:
- Joggen, Laufen
- Schwimmen (nicht bei starker Inkontinenz)
- Wandern und Nordic Walking
- Skilanglauf
Mit Vorsicht: Fußball, Handball, Volleyball
Krafttraining: Muskeln aufbauen
Viele Krebskranke verlieren erheblich an Muskelmasse aufgrund ihrer Erkrankung oder der Krebsbehandlungen. Ein Krafttraining hilft Ihnen, Ihre Muskeln wieder aufzubauen. So kommen Sie auch wieder besser im Alltag zurecht. Wie beim Ausdauersport gilt: Machen Sie vor Aufnahme des Training einen Krafttest bei einem Sportmediziner oder in einem Fitnessstudio. Dieses sollte über qualifiziertes Personal verfügen und am besten mit Krebskranken Erfahrung haben. Das Trainingsprogramm richtet sich nach Ihren individuellen Fähigkeiten.
Wie viel Sport bei Prostatakrebs?
Sowohl beim Ausdauer- als auch beim Kraftsport gilt die Regel: Muten Sie sich nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig zu. Versuchen Sie, das richtige Maß zu finden. Später können Sie die Belastung langsam und stufenweise steigern. Trainieren Sie immer so, dass Sie währenddessen keine Schmerzen und am nächsten Tag keinen Muskelkater haben. Am besten lassen Sie sich sportmedizinisch beraten und von Fachleuten das richtige Sportprogramm und die richtige Dosis für Sie austüfteln. Sie können Ausdauer- und Krafttraining auch miteinander kombinieren. Dann müssen Sie allerdings auf die Gesamtdosis der körperlichen Aktivität achten.
Um das Ausmaß der körperlichen Belastung selbst besser einschätzen zu können, helfen folgende grobe Regeln:
- Leichte körperliche Aktivität: Sie schwitzen nicht und können sich problemlos mit anderen unterhalten. Ein Beispiel ist der Spaziergang in normalem Tempo.
- Moderate körperliche Aktivität: Sie schwitzen leicht und können sich während der körperlichen Aktivität noch halbwegs mit anderen unterhalten. Beispiele: Nordic Walking oder ein flotter Spaziergang
- Anstrengende körperliche Aktivität: Sie schwitzen stark und sind kaum oder nicht mehr in der Lage, sich mit anderen zu unterhalten. Beispiele: Joggen, schnelles Radfahren
Ausdauertraining: So viel sollte es sein
Ärzte raten, dreimal pro Woche für jeweils 60 Minuten körperlich aktiv zu sein. Sie können alternativ auch fünf bis sechs Einheiten wöchentlich für jeweils 30 Minuten trainieren. Gut sind Spazierengehen, Nordic Walking oder sanftes Schwimmen. Sie sollten sich bei der Betätigung leicht anstrengen müssen.
Krafttraining: Wie viel soll es sein?
Absolvieren Sie Sie zwei- bis dreimal pro Woche für 45 bis 60 Minuten ein Krafttraining. Setzen Sie dabei aber nur etwa 50 bis 75 Prozent Ihrer vollen Muskelkraft ein.
Wiederholen Sie die Übungen in zwei bis drei Serien 8- bis 15-mal.
In der Prostatakrebsnachsorge können Sie auch stärker und intensiver trainieren. Sie entscheiden selbst, welches Maß für Sie richtig ist.
Achtung! Ein maximales Krafttraining während einer medizinischen Therapie, bei dem Sie Ihre volle Muskelkraft einsetzen, ist ohne Therapeut oder Therapeutin auf keinen Fall ratsam. Die Gefahr von Überlastung und Verletzung ist zu groß.
Bewegung in den Alltag bringen!
Ärzte und Ärztinnen wissen heute, dass jede Art von Bewegung zählt - nicht nur Sport! Versuchen Sie, so wenig wie möglich zu sitzen oder zu liegen, sondern bleiben Sie untertags möglichst viel in Bewegung.
Die besten Tipps für den Alltag!
- Laufen oder radeln Sie zum nächsten Supermarkt statt sich ins Auto zu setzen.
- Lassen Sie Aufzüge und Rolltreppen links liegen und steigen Sie Treppen!
- Gehen Sie nach dem Essen ein Stück spazieren.
- Bevor Sie zu Bett gehen: Laufen Sie einige Schritte, am besten an der frischen Luft.
- Wählen Sie eine Bewegungsart, die Ihnen wirklich Spaß macht - so bleiben Sie eher dabei und der innere Schweinehund hat weniger Chancen.
Wenn Sie vor Ihrer Krebserkrankung ein Sportmuffel waren, müssen Sie vielleicht mehrere Sportarten ausprobieren. Falls Sie kein Alleinkämpfer sind: Suchen Sie sich Mitstreiter! Und: Auch ein Spaziergang von 20 Minuten bringt schon etwas. Jeder Art von Bewegung ist besser als auf dem Sofa zu liegen.
Sport-Apps für Krebskranke - Tipps!
Für Krebspatienten, die Sport treiben möchten, gibt es heute einige digitale Helfer. Spezielle Sport-Apps fördern die Motivation, bringen Sie mit anderen in Kontakt und geben Tipps und Hilfestellungen. Die Apps sind bei iTunes und im Google Play Store als iOS oder Android erhältlich.
Einige Beispiele:
- App „Sport gegen Krebs“: Sie erhalten Tipps und Anleitungen, wie sie während und nach der Krebsbehandlung ihr Wohlbefinden durch Sport und Bewegung fördern können.
- App „movival - Aktiv gegen Krebs“: Ziel ist es, durch Bewegung das Rückfallrisiko zu senken. Die werbefreie Vollvariante ist mit einem kostenpflichtigen Abo verbunden.
- App Onko NachsorgeAktiv
Fahrradfahren, Prostatitis und PSA-Wert
Fahrrad fahren schadet der Prostata und erhöht den PSA-Wert - ein Mythos, der seit Jahren kursiert und Unsicherheiten verbreitet. Der Irrglaube wurde unter anderem durch Fälle von Profiradsportlern mitgetragen, die an Prostatakrebs erkrankten. Die Ursache der Erkrankung lag hier jedoch in den meisten Fällen an einer chronischen Prostatitis.
Der PSA-Wert kann dadurch kurzzeitig in die Höhe getrieben werden und die Testergebnisse verfälschen, denn Fahrradfahren und der Sitz im Sattel wirken wie eine Prostatamassage, bei der vermehrt das Eiweiß PSA gebildet wird; soll heißen: Fällt der PSA-Wert hoch aus, deutet das erstmal nicht auf Veränderungen der Prostata hin, sondern liegt am Drahtesel. Für einen aussagekräftigen PSA-Wert können Sie vor Blutentnahme vorübergehend auf das Radeln verzichten.
Es gilt daher: Wer Prostatakrebs hat oder im Alter ist, in dem das Krebsrisiko steigt, kann beruhigt auf das Fahrrad steigen. Denn prinzipiell ist Radfahren nicht schädlich.
Fit und mobil - so gesund ist Fahrradfahren
Prostatakrebspatienten wird meist empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen und sportlich zu betätigen. Hierfür eignet sich das Radfahren wunderbar. Der Ausdauersport fördert die körperliche Gesundheit, indem er das Herz-Kreislaufsystem ankurbelt, für eine gute Durchblutung sorgt und den Stoffwechsel anregt. Radeln schont die Gelenke. Auch als Transportmittel ist der Drahtesel bestens geeignet. Das Beste daran: Auch der Umwelt wird damit Gutes getan.
Tipps für eine optimale Haltung und Ausrüstung beim Radfahren
- Kontinuierliches Radfahren bei niedrigem Gang ist ein effektiveres Training als gelegentliches Treten bei hohem Gang.
- Für eine optimale Haltung beim Fahrradfahren ist es besonders wichtig, den Rücken gerade zu halten.
- Um Druck, Taubheitsgefühle und mögliche Verletzungen an der Prostata zu vermeiden, können sogenannte Prostata-Sattel montiert werden.
Prostata Fahrradsattel
Ein Prostata Fahrradsattel sollte den Druck auf den empfindlichen Dammbereich und damit auf die Prostata reduzieren.
Wer bisher noch ein Fahrrad ohne Federung nutzt, kann durch das nachrüsten einer hochwertigen gefederten Sattelstütze, die Belastung für sein Gesäß um über 60 Prozent reduzieren. Wer häufig mit Entzündungen der Prostata zu kämpfen hat, sollte sich für einen Fahrradsattel entscheiden der den Druck auf die Prostata reduziert oder überhaupt keinen Druck auf den Dammbereich und die Prostata ausübt.
Medizinische Fahrradsättel wie der SQ-Lab 600 active oder der Hobson Easy Seat sind so konstruiert, dass die Prostata zu 100 Prozent entlastet wird.
Vor einer PSA Wert Bestimmung beim Urologen sollten Sie auf das Radfahren verzichten. Die Dauer reicht von 24 Stunden bis zu 3 Tagen.
Die konventionellen SQlab Sättel reduzieren den Druck auf den Damm zwischen 55 und 75 Prozent.
Es gibt drei Modelle für verschiedene Einsatzbereiche.
- Der SQlab 610 M-D active ist die sportlichste Version, geeignet für MTB und Trekkinkbike. Die Sitzposition geht von leicht sportlich bis moderat.
- Der SQlab 602 M-D active ist etwas komfortabler als der 610er und eignet sich sehr gut längere Touren und den Alltagseinsatz auf Trekkingbikes.
- Der SQlab 621 M-D active ist für Citybikes und Tourenrädern mit aufrechter Sitzposition eine gute Wahl. Er ist in den Breiten 18, 21 und 24 cm erhältlich.
Die maximale Entlastung des Dammbereichs beträgt 87 Prozent.
Weitere wichtige Hinweise für die Zeit nach der Prostata-OP
- Kläre immer mit einem Arzt oder einer Ärztin ab, welches Verhalten nach der Prostata-OP in deinem individuellen Fall das richtige ist.
- Medikamenteneinnahme abklären: Insbesondere Blutgerinnungshemmer werden jetzt oft für den Heilungszeitraum gegen ein anderes Medikament ausgetauscht.
- Generell sollte während der Heilungszeit kein Druck auf das Operationsgebiet ausgeübt und nichts getan werden, das die Durchblutung an dieser Körperstelle stark fördert.
- Besprich mit den Ärzt*innen die Nachsorge, bevor du das Krankenhaus nach der Operation verlässt.
- Achte auf regelmäßige Toilettengänge und auf deinen Stuhlgang, der im Idealfall weich und regelmäßig ist.
- Mit dem Beckenbodentraining kann meist recht schnell nach der Prostata-OP begonnen werden.
Sportangebote und Rehabilitation
Besonders zu empfehlen sind Reha-Sportgruppen speziell für Prostatapatienten. Grundsätzlich ist jeder Sport geeignet, der Spaß macht. Ein besonderes Augenmerk sollte auf dem Beckenbodentraining liegen, weil es hilft, die Inkontinenz, eine der häufigsten Folgen der Krebstherapie, zu lindern.
Radfahren trotz Inkontinenz
Solange dieses Problem ausgeprägt ist, muss schwimmen gemieden werden. Zu vermeiden sind bei erst kurz überwundener Inkontinenz jegliche sportliche Betätigung unter Pressatmung, weil diese auf den Beckenboden drückt. Pressatmung bedeutet, dass die eingeatmete Luft angehalten wird, aber Brust- und Bauchmuskulatur sich wie beim Ausatmen anspannen. Eine große Unterstützung in der Zeit nach der Prostata-OP können auch die Produkte von TENA Men sein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Radfahren nach einer Prostata-OP unter Beachtung der individuellen Umstände und ärztlichen Empfehlungen eine wertvolle Möglichkeit darstellt, die Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern.
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