Für viele, die noch nie auf einem Motorrad saßen, mag es eine skurrile Geste sein: der Biker-Gruß. Man erlebt es jeden Tag: Zwei Motorräder begegnen sich und es kommt zum gegenseitigen Biker-Gruß.
Die Bedeutung des Bikergrußes
Der Bikergruß, auch „Die Linke zum Gruß“ (DLzG) genannt, symbolisiert heute das Zusammengehörigkeitsgefühl und drückt Respekt unter entgegenkommenden Bikern aus - in der Art wie in einer großen Familie. Der Gruß zwischen Motorradfahrern ist uns allen wohlbekannt: Er ist eine Geste der Anerkennung und der Freundschaft. Wir machen ihn als Teil einer Gemeinschaft, die eine gemeinsame Leidenschaft eint. Daher grüßen wir uns auch, ohne uns zu kennen. Der Gedanke dahinter ist: „Hallo Zweiradkollege, fahr allzeit sicher auf der Straße".
Der Bikergruß ist ein Zeichen der Community. Die Solidarität und der Respekt unter den Motorradfahrern werden damit eindeutig zum Ausdruck gebracht. Es ist eine einfache Art, jemanden zu würdigen, der die gleiche Leidenschaft hat wie wir. Dies schafft eine emotionale Verbindung, aber es ist auch anspruchsvoll, und gerade deshalb schafft es auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Die Geste, wenn wir einen anderen Motorradfahrer treffen, ist mehr als ein einfacher Gruß, sie ist ein Zeichen des Respekts und der Solidarität.
Ursprünge des Bikergrußes
Aber es steckt noch mehr dahinter, angefangen bei der Geschichte. Wie und wann wurde der Gruß geboren? Wie ist der Biker-Gruß entstanden? Es scheint, dass die Geste 1904 entstand, als Arthur Davidson und William Harley, die Väter von Harley-Davidson, sich mit ihren Motorrädern auf der Straße begegneten, sich erkannten und - einfach grüßten. Es handelte sich also um eine normale Geste zwischen Freunden, aber da sie von anderen Leuten wahrgenommen wurde, glaubte man, dass es sich um einen Brauch unter Motorradfahrern handelte. Obwohl es zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts noch nicht viele Motorräder gab, verbreitete sich dieses Gerücht in der Umgebung - gerade auch deswegen, weil der erste Gruß von Arthur und William gemacht wurde - und wurde von da an bei allen Motorradfahrern sehr beliebt. Ganz gleich, ob sie auf Harley-Davidsons oder den damaligen Konkurrenzbikes von Indian unterwegs waren.
Die Ursprünge des Bikergrußes gehen auf den Rennsport der 1970er-Jahre zurück. Der britische Motorradrennfahrer Barry Sheene (1950-2003) verwendete schon damals das V-Zeichen, wenn er Gegner überholte, und als Gruß ans Publikum während seiner Siegesrunden.
Der ursprüngliche, traditionelle Gruß besteht aus einem mit Zeige- und Mittelfinger geformtem V, das für das englische Wort „Victory“ (Sieg) steht. Dieser wird in vielen Foren und Beiträgen dem Superstar des Motorradrennsports der 1970er Jahre, Barry Sheene, zugeschrieben. Seine 23 Rennsiege und 2 WM-Titel feierte der Brite während der Auslaufrunden immer mit dem Victory-Zeichen zum Gruß der Rennsportfans.
Wie grüßt man richtig?
Der klassische Motoradfahrergruß ist sehr einfach: Man löst die linke Hand vom Lenker und hebt die Hand in Richtung des entgegenkommenden Bikers (oder der Bikerin) - manche öffnen zudem Zeige- und Mittelfinger zu einem V, wobei die Finger zur Seite oder nach unten zeigen. Damit wird das „V“ nicht zum Symbol des Sieges (das vor allem durch Winston Churchill berühmt wurde), vielmehr bedeutet es, dass zwei Reifen auf dem Boden bleiben. Natürlich können wir auch auf andere Weise grüßen: Manche heben eine Hand, zeigen eine geballte Faust mit dem Daumen nach oben, andere strecken ein Bein aus oder nicken einfach mit dem Kopf.
Varianten des Bikergrußes
- Klassiker-Gruß: Der Motorradfahrer hält mit der rechten Hand Lenker und Gasgriff fest und streckt mit der Linken den Zeige- und Mittelfinger kurz nach oben. Alternativ kann man auch den Zeigefinger und kleinen Finger hochrecken. Dies ist ein Zeichen des Respekts und der Wertschätzung für den anderen Biker. Auch soll die Geste signalisieren: Fahr vorsichtig und passt gut auf!
- V-Gruß: Das V-Zeichen als Biker-Gruß steht auch für „Victory“ (Sieg) und geht auf den britischen Rennfahrer Barry Sheene (1950-2003) zurück.
- Sportlicher Gruß: Sportlich veranlagte Biker strecken den linken Arm nach unten und machen mit Zeige- und Mittelfinger das V-Zeichen.
- Finger-Gruß: Eine weitere Variante besteht darin, die rechte Hand am Lenker zu belassen (sonst könnte man ja kein Gas mehr geben) und nur die Finger abzuspreizen. Das wirkt cooler und ist vor allem bei sportlichen Fahrern beliebt.
- Italienischer Gruß: Die Geste besteht darin, lediglich den kleinen Finger der linken Hand ein wenig abzuspreizen. Da dieser Gruß leicht übersehen werden kann, ist er nur etwas für echte Zweirad-Profis.
- Winter-Gruß: Dafür wird die rechte Handfläche kurz vom Lenker nach oben abgespreizt.
Wann grüßt man?
Eigentlich ist es selbstverständlich, dass der Biker-Gruß dem Fahren auf Landstraßen vorbehalten ist. Wenn es auf der Autobahn rasant zur Sache geht, der innerstädtische Verkehr die ganze Aufmerksamkeit erfordert oder beim Überholen, ist die gegenseitige Hallo-Geste ohnehin unangebracht. Aus Sicherheitsgründen wird vor allem auf Landstraßen DLzG gezeigt. Auf Autobahnen und im dichten Stadtverkehr ist der Bikergruß selten zu sehen. Wobei ich als Städter gerne auch in Wien meine Bikerfreunde grüße und immer mehr diesen auch erwidern.
Als erstes sollte man sich überlegen, mit welcher Hand man grüßt, was von Land zu Land unterschiedlich ist. Bei Rechtsverkehr ist der klassische Gruß mit der linken Hand einfacher, da sich die Kupplungsseite in der Mitte der Straße befindet. Schwieriger ist es dagegen, sich bei Linksverkehr durch Loslassen des Gasgriffs zu grüßen, ein Manöver, das nicht immer zu empfehlen ist. In diesem Fall genügt eine kurze Bewegung mit den Fingern der rechten Hand, wobei diese auf dem Lenker verbleibt.
Vor allem aus Sicherheitsgründen ist das Grüßen nicht immer möglich. Wir sollten es daher vermeiden, in schwierigen Fahrsituationen zu grüßen - etwa beim Abbiegen oder Bremsen. Gleiches gilt auf der Autobahn, da der andere Motorradfahrer den Gruß nicht sieht oder dieser von einem Autofahrer fehlinterpretiert werden könnte und auch bei Regen oder in der Nacht, da es nicht nur gefährlich ist, sondern der Entgegenkommende uns auch unter diesen Bedingungen nicht sieht.
In den meisten Fällen wird der Gruß erwidert - und wenn nicht, sollten wir das nicht übelnehmen, denn wie gerade aufgelistet gibt es mehrere Gründe dafür. Wir sollten immer im Hinterkopf behalten, dass wir nicht wissen, was der andere Fahrer gerade macht. Er hat den Gruß vielleicht deswegen nicht erwidert, weil er uns nicht gesehen hat. Vielleicht hat er in den Rückspiegel geschaut, die Fahrspur gewechselt oder wollte gerade bremsen. Oder es ist jemand, der nichts vom Grüßen hält.
Wer wird gegrüßt?
Grundsätzlich darfst du jeden grüßen, der einspurig motorisiert unterwegs ist. Es gibt keine allgemein festgelegte Regel, ab welchem Hubraum andere Biker gegrüßt werden. Einige sagen, unter 125 cm³ wird nicht gegrüßt, andere sagen sogar unter 250 cm³. Die Frage, ab welchem Hubraum andere Biker nicht mehr gegrüßt werden sollen, ist eine, die viele Motorradfahrer beschäftigt. Die heutigen 125er-Motorräder ähneln den großen Brüdern und Schwestern derart, dass man sie im schnellen Vorbeifahren oft ohnehin nicht mehr unterscheiden kann. Und meine persönliche Meinung ist, dass jeder Motorradfahrer und jede Motorradfahrerin es verdient hat, von der Community gegrüßt zu werden.
Es ist oft verbunden von der jeweiligen Motorradkultur, die im jeweiligen Land herrscht. Daher erlebst du den Gruß auch unterschiedlich, wenn du mit dem Motorrad auf Reisen im Ausland bist. Wenn du nicht sicher bist, ob in speziellen Motorradkulturen und -ländern gegrüßt werden sollte oder nicht, initiiere selbst den Bikergruß bei allen Motorradtypen bzw. -größen und beobachte die Reaktion der anderen Fahrer.
Roller-Fahrer werden erfahrungsgemäß so gut wie nie gegrüßt, da aus Bikersicht diese Ihr motorisiertes Zweirad nur quasi als Transportmittel von A nach B oder Fun-Bike nutzen.
Apropos „nicht grüßen“
Es gibt sie, die Nichtgrüßer. Diese Motorradfahrer, die sich bewusst entscheiden, andere Biker nicht zu grüßen, haben vielfältige Gründe dafür. Von mangelndem Interesse an der Motorradkultur, Arroganz, persönliche Vorlieben oder einfach dem Wunsch, sich auf das Fahren zu konzentrieren. Dann sind da noch die „Zauderer“. Soll ich jetzt grüßen, oder nicht? Und dieses Zeitfenster ist knapp. Aber letztlich ist das Gegenüber eine Black Box und so kann man nur raten, warum der andere Biker nicht grüßt.
Aber auch „Grußverweigerer“ sollten uns nicht umstimmen, denn ein Gruß ist immer eine nette Sache und er ist in anderen Bereichen im Verkehr sehr selten zu finden.
Der Einfluss des Motorradhelms
Besonders interessant ist, wie der Gruß selbst durch die Anwesenheit eines Motorradhelms beeinflusst wird. Ein Motorradhelm, mehr als nur ein Schutzinstrument, wird Teil dieses ikonischen Rituals. Während der Helm das Gesicht verbirgt und somit nonverbale Ausdrücke wie Lächeln oder Nicken einschränkt, wird der Bikergruß umso bedeutsamer.
Die Ehrenrunde für verstorbene Biker
In vielen Ländern gibt es die Tradition, dass Motorradfahrer, wenn ein Motorradfahrer verstorben ist, eine letzte Ehrenrunde für ihn fahren.
Verwandte Beiträge:
- Rechtsabbiegen & Radfahrer: Warum warten? Regeln & Sicherheit
- Radfahren nach Prostata-OP: Risiken, Vorsichtsmaßnahmen & Tipps
- Flow-Erlebnis beim Mountainbiken: Warum es glücklich macht
- Julia Schäfer: Die ultimative Mountainbike-Leidenschaft, Werkstatt-Geheimtipps & epische Trail-Abenteuer!
- Shimano Cardiff Flügel Flat 5g: Der Ultimative Köder für Erfolgreiches Angeln!
Kommentar schreiben