Wozu dient ein Nierengurt beim Motorradfahren?

Praktisch jeder Motorradfahrer trägt während der Fahrt einen Nierengurt. Dies geht so weit, dass man dann im Sommer vor der Eisdiele sitzt und Motorradfahrer in T-Shirt, Flipflops und nur einem Nierengurt vorfahren. Auf jedes bisschen Sicherheitsausstattung wird verzichtet, Hauptsache ein Nierengurt wird getragen. Fragt man nach dem Nutzen eines Nierengurts, hört man erstaunliche Dinge.

Was ist ein Nierengurt?

Der Nierengurt ist ein wahrer Verkaufsschlager und neben Handschuhen und Motorradhelm vermutlich der meistverkaufte Motorradartikel auf dem Markt. Es handelt sich um einen 15 bis 30 cm breiten und elastischen Leibgurt, der von Motorradfahrern um die Taille getragen wird.

Es gibt verschiedene Modelle von Nierengurten (einfache Einsteiger-Nierengurte, gefütterte Modelle, mit Protektoren versehene) und dementsprechend auch verschiedene Materialien (PU-Schaum, wärmendes Neopren, elastische Synthetik-Materialien, Leder). Und es werden häufig Sommer- und Wintergurte unterschieden - für die Jahreszeiten.

Warum tragen Motorradfahrer einen Nierengurt?

Dem Nierengurt werden verschiedene Funktionen und Aufgaben zugesprochen. Er kann eine Blasenentzündung verhindern, beugt Verspannungen vor, schützt Organe im Falle eines Sturzes durch die Kompression und verbessert die Passgenauigkeit eines Rückenprotektors und sorgt dadurch für eine bessere und bequemere Körperhaltung des Motorradfahrers. Er wird um die Leibesmitte bzw. Taille getragen und dient also Schutz, Erwärmung und Stabilisation.

Die Hauptaufgaben eines Nierengurts

Dem Nierengurt werden insgesamt drei verschiedene Funktionen zugesprochen. Aber Vorsicht! Einige sind klar akzeptiert, einige sind umstritten.

  • Schutz vor Auskühlung
  • Schutz vor Vibrationen
  • Stabilisierung

1. Schutz vor Auskühlung

Ein Nierengurt kann vor Unterkühlung schützen, die zum Beispiel aus ständigem Fahrtwind resultieren kann. Der Nierengurt schützt einen sehr empfindlichen Körperbereich. Auskühlen kann zu Muskelverspannungen führen und im schlimmsten Fall auch zu Organproblemen.

Allerdings muss man auch einräumen, dass die heutige Motorradkleidung und Schutzausrüstung separate Nierengurte gar nicht immer mehr nötig macht. Insbesondere die Motorradkombis (also Einteiler) bieten hier bereits guten Schutz.

Oft gibt es Zugluft. Das merkt man besonders bei einigen Textiljacken und oder wenn man mit offener oder halb geöffneter Jacke fährt. Und die Zugluft hat Auswirkungen auf die Rückenmuskulatur. Es kann zu Verspannungen kommen, was zu Rückenschmerzen führt. Wer mit verkrampften Muskeln fährt, fährt auch unsicherer. Die Wetterfrösche reden ja auch immer von tatsächliche oder gefühlten Temperaturen. Mit Wind / Fahrtwind ist es eben übler.

2. Schutz vor Vibrationen

Im Gegensatz zum Auto spürt der Motorradfahrer das Bike und die Kraft des Motors sehr direkt und sehr deutlich. Bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten gibt es eine Menge Vibrationen, die über Sattel und Gesäß direkt in die Körpermitte gelenkt werden. Die Nieren benötigen eine besondere Stabilisierung. Was ja auch den Namen des Nierengurtes erklären würden.

Mediziner sehen dafür keine Indikation, da die Nieren im Körper ausreichend gut gelagert und geschätzt sind. Einen zusätzlichen „Stoßdämpfer“ braucht es daher also nicht.

In diesem Zusammenhang liest man auch immer wieder mal etwas über die so genannte „Wanderniere“. Die gibt es tatsächlich, ist aber eher ein Krankheitsbild, das mit dem Motorradfahren nichts zu tun hat und auch nicht durch Vibrationen herbeigeführt wird.

3. Stabilisierung

Durch den Nierengurt wird der untere Rumpfbereich kompakt gehalten und gestützt. Da der Unterkörper (Beine, Gesäß und Hüfte) durch die Sitzposition eng am Tank eine gute Stabilität bekommt, wird hier quasi der Rumpfbereich mit stabilisiert und nach oben verlängert.

Das Tragen des Nierengurts gibt also nicht nur ein „sicheres“ Gefühl, weil man kompakt gehalten und gestützt wird, sondern entlastet auch deutlich bei langen Fahrten. Es muss etwas weniger Kraft aufgewendet werden, um die Körpermitte zu halten und auch die Erschütterungen werden etwas kompensiert. Verspannungen können verhindert werden und der Fahrkomfort steigt dadurch sozusagen.

Materialien und Arten von Nierengurten

Es gibt Nierengurte aus Polyester und aus Neopren. Das sind die Hauptgruppen. Es mag auch Mischformen und Sonderfälle geben, aber grundsätzlich sind das die beiden Materialgruppen. Die Jahreszeit spielt eine große Rolle bei der Wahl des Materials.

Nierengurte für Frühling und Sommer verfügen in der Regel über Belüftungssysteme und sind aus atmungsaktiven Materialien (Polyester, Polyamid) hergestellt. Oft sind auch Netzmaterialien eingearbeitet, die für eine bessere Durchlüftung sorgen.

Im Herbst und Winter hingegen eignet sich Neopren besonders gut, da Nierengurte aus diesem Material hervorragend wärmen. Außerdem ist Neopren, dass einige sicher in Form von Spezialanzügen vom Tauchen, Wellenreiten oder Kitesurfen kennen, wasser- und winddicht, aber eben auch besonders dehnbar. Der Nachteil ist leider, dass Neopren nicht besonders atmungsaktiv ist.

Wintergurte sind mitunter auch mehrlagig. Sie bestehen dann beispielsweise außen aus einer wärmenden und schützenden Neoprenschicht und innen aus geschmeidigem Fleece oder Thermostoff.

Im Grunde haben sich nur zwei Verschlussarten durchgesetzt: der Klettverschluss und der Haken bzw. Schnallenverschluss.

Was kostet ein Nierengurt?

Nierengurte gibt es in den verschiedensten Ausführungen und bewegen sich preislich im Mittel zwischen 40 und 60 Euro. Aber es gibt auch preiswertere Modelle und durchaus hochpreisige Ausführungen.

Einsteiger-Nierengurte aus Synthetik-Materialien starten bei rund 15 Euro, qualitativ hochwertigere Ledergurte hingegen bei 40 Euro.

AusführungPreisspanne
Einsteigerab 15 Euro
Lederab 40 Euro
Protektoren integriertab 60 Euro

Wie trägt man einen Nierengurt richtig?

Der Körpermitte-Gurt wird am besten unter der Motorradkleidung - Motorradjacke, Protektorenhemd, Protektorenweste oder Motorradkombi - getragen. Aber über der Unterbekleidung, also nicht auf der nackten Haut. Und ein separater Nierengurt ist auch nur nötig, wenn solch ein Gurt nicht bereits Teil eines der eben genannten Kleidungsstücke ist. Oft haben Motorradkombis oder Schutzkleidung integrierter Nierengurte.

Der Gurt wird eng am Körper getragen, sodass er fest sitzt ohne einzuengen und unangenehm zu sein. Wenn du das Gefühl hast, dass der Gurt dich stützt und angenehm wärmt, dann sitzt er genau richtig. Wenn du den Nierengurt anlegst, dann lasse ihn gerne eine Spur lockerer, denn beim Setzen auf dein Mopped wird er eh noch etwas enger.

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