Was kostet ein Rennrad der Tour de France?

Die Teilnahme an der Tour de France erfordert viel Vorbereitung. Der Radsport-Wettbewerb ist neben dem Giro d'Italia einer der berühmtesten der Welt und hat über die Jahre hinweg viele epische Etappen erlebt. Da das finale Rennergebnis nicht allein von den menschlichen Fähigkeiten der Fahrer, sondern auch von den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln abhängt, liegt es auf der Hand, dass ein Radprofi sich nur mit dem Besten begnügt.

Die Geheimwaffen der Tour de France

Bei diesen „Hilfsmitteln“ handelt es sich selbstverständlich um die Wettbewerbsräder, die Sie bei einem professionellen Radrennen vorbeirauschen sehen. Die Räder müssen besonders leicht, aerodynamisch und präzise gebaut sein, um das Talent ihres jeweiligen Rennfahrers bestmöglich zu ergänzen.

Der Radsport ermöglicht es Ihnen, ein Fahrrad zu kaufen, das in jeder Hinsicht mit dem der Rad-Champions der Tour de France identisch ist. Während es bei anderen Rennsportarten lediglich den Profis gestattet ist, das beste Equipment zu verwenden, ist es im Radsport möglich, Ihr eigenes wettbewerbstaugliches Rad zu erwerben. Grund hierfür sind die strengen Vorschriften des internationalen Radsportverbandes. Diese verpflichten Hersteller, die Räder der Stars auch für den Hobby-Radfahrer zu Verfügung zu stellen.

Die Kosten eines Tour de France-Rennrads

Natürlich gibt es Unterschiede bei den Kosten eines Tour de France taugliche Rennrads. Achtzehn Fahrradhersteller und Sponsoren nehmen insgesamt an der Tour de France teil, doch die Preise der Räder variieren stark. Bei der Anschaffung eines Rennrads der Spitzenklasse muss man ungefähr mit Ausgaben zwischen 12.000 und 15.000 Euro rechnen. Für eine Gesamtkalkulation, werden die Kosten aller Teile berechnen, aus denen ein solches Fahrrad zusammengesetzt ist. Klassischerweise besteht ein Rennrad aus einem Rahmen, einer Gabel, den sogenannten Gruppen, Laufräder und Reifen, Lenker, Sattel und Pedalen.

Ein Fahrrad der Tour de France: Das S-Works Tarmac SL7

Die Berechnung des Marktpreises für dieses Fahrrad des Hersteller S-Works ist relativ einfach, da dieser das Rad als Komplettpaket anbietet. Lediglich die spezielle, für die Tour de France verwendete Lackierung ist hier nicht standardisiert. Das Tarmac SL7 kann also ohne große Schwierigkeiten über die offiziellen Vertriebskanäle von S-Works erworben werden. Das 2021 von Rennradprofi Mark Cavendish gefahrene Modell war mit einer Elf-Gang-Schaltung ausgestattet. Für 2022 legt der Hersteller jedoch einen Gang zu: Die diesjährige Version des Rennrads kann mit einer 12-Gang-Schaltung glänzen. Diese Grundausstattung des S-Works Tarmac SL7 können Sie für 14.500 Euro erwerben.

Sollten Sie aber tatsächlich das gleiche Rennrad wie Tour de France Champion Mark Cavendish fahren wollen, müssen zwei Komponenten des Fahrrads umgestaltet werden. Als erstes wird der übliche Standardsattel durch einem S-Work Romin Evo mit 3D-gedruckten specialized S-Works Power Mirror ersetzt. Diese Modifizierung kostet Sie 130 Euro. Auch die Standard-Fahrradkette erhält ein Update und wird mit der UFO-Rennkette für weitere 149 Euro ausgetauscht. Insgesamt kostet Sie ein Replika des Profi-Fahrrads also 14.779 Euro.

Alternative Fahrräder für Ihre persönliche Tour de France

Sollten Sie etwas weniger Geld ausgeben möchten, können alternativ auch auf ein Trek Emonda SLR 9 Disc von Trek-Segafredo zurückgreifen. Dieses Rennrad ist bereits für 13.099 Euro erhältlich und ist somit ein wenig günstiger als das Modell von S-Works.

Doch wer Details liebt, kommt an einem Paar Bontrager XXX Trinkflaschen für 149,98 Euro nicht vorbei.

Möchten Sie ein Cannondale SupeSix EVO Hi-Mod von EF Education Easypost?

Das Pinarello Bolide TT von Filippo Ganna

Ein solch hochkarätiges Modell fährt Filippo Ganna, zweifacher Weltmeister und das Aushängeschild des italienischen Radsports. Der Italiener bestreitet Rennen mit einm Pinarello Bolide TT. Der Grundpreis dieses Fahrrads liegt bei 11.000 Euro für einen Rahmen, Gabel, Sattelstütze, aerodynamischen Lenker, Tretlager und Bremsen. Bereits bei den Rädern müssen Sie allerdings erneut tief in die Taschen greifen, denn Filippo Ganna verwendet Exemplare des Edelschmied Priceton Carbonworks. Seine großen Erfolge erzielt er mit einer Kombination aus einem Hinterrad des Modells Blur 633 und dem Modell Mach 7580 an der Front. Insgesamt kosten die Räder rund 5.250 Euro. Für die Elf-Gang-Schaltung werden weitere 4.000 Euro fällig, womit der Gesamtpreis des Rennrads weiter steigt. Das aerodynamische Cockpit des Talon TT ist aus 3D-Titan gefertigt.

Weitere Kostenfaktoren

Neben den reinen Fahrradkosten gibt es noch weitere Faktoren, die den Gesamtpreis beeinflussen können:

  • Bekleidung: Die normalen Teamtrikots sind dabei günstiger: Ein Leibchen des deutschen Bora-Hansgrohe-Teams kostet in verschiedenen Onlineshops knapp 75 Euro (mit Hose ist es etwas mehr).
  • Zubehör: Die neueste Ausgabe ist vergleichsweise günstig und kostet 169,99 Euro - das Bora-Team um Weltmeister Sagan setzt auf Specialized-Zubehör, das etwa doppelt so teuer ist.

Teamräder kaufen

Gebrauchte Räder der Profi-Teams sind für Radsport-Fans verlockend. Optisch sind sie in jedem Fall ein Hingucker - technisch aber nicht immer ein Kauftipp. Die Räder sind absolut auf Leistung und nicht auf Komfort ausgerichtet - die extrem sportliche Sitzposition kann möglicherweise nicht oder nur mit erheblichem Aufwand verändert werden.

Die Geschichte der Räder kann sehr unterschiedlich sein; die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass mit dem Rad viele Kilometer abgespult wurden - auch bei schlechtem Wetter. Kennt man den Namen des Rennfahrers, der das Rad pilotiert hat, kann man zumindest etwas spekulieren: Ist er die Frühjahrsklassiker gefahren oder später in die Rennsaison eingestiegen? Vielleicht hat man aber auch Glück und es handelt sich um ein Ersatzrad, das nur gelegentlich Rennluft geschnuppert hat. Auch komplett neue Teamräder werden angeboten. Probefahren ist in den seltensten Fällen möglich.

Beispiele für Anbieter von Teamrädern

  • Bikeroom: Ehemalige Profiräder sind ein Schwerpunkt - der Shop hat Verträge mit mehreren Teams. Bereits ab 2000 Euro gab es einen BMC-Rahmen - Kompletträder begannen bei 3300 Euro und das Specialized Tarmac SL7 von Remco Evenepoel wurde für knapp 20.000 Euro verkauft. Das Scott Foil RC 2023 von Vlad van Mechelen (Team dsm-firmenich PostNL) wurde für 3892 Euro angeboten.
  • Cykom: Die Räder kosten zwischen 3000 und 8000 Euro. Es werden zwei Jahre Garantie gewährt.
  • Canyon: Die Preise liegen zwischen 5600 und 8000 Euro. Auf die gebrauchten Profiräder verspricht Canyon zwei Jahre Gewährleistung und sechs Jahre Garantie - zudem werden alle Räder technisch überprüft.
  • Visma | Lease a Bike: Das Team Visma | Lease a Bike verkauft seine Teamräder (Cervélo) am 22. und 23. November 2024.
  • Intermarche-Wanty World Team: Jährlich am Ende der Saison werden die aussortierten Teamräder (in dieser Saison Cube), Bekleidung und sonstiges Material angeboten, verkauft wird das Equipment im Teamlager im belgischen Tournai.
  • Groupama-FDJ: Das französische Team Groupama-FDJ plant auch am Ende dieser Saison wieder einen Verkauf seiner Räder (aktuell Wilier).

Kosten für eine Stadt bei der Tour de France

Villeneuve-sur-Lot ist eine Stadt mit rund 22.000 Einwohnern im Südwesten Frankreichs, auf halber Strecke zwischen Toulouse und Bordeaux. Am 11. Juli 2024 endete dort die 12. Etappe der Tour de France, gewonnen von Biniam Girmay. Die Zeitung La Dépêche hat letztes Jahr nachgerechnet, welche Kosten die Stadt bewerkstelligen musste, um als Zielort zu fungieren.

Für die Tour de France an sich beliefen sich die Kosten für die Stadt, ohne Straßenbau, auf 225.363 Euro. Die straßenbaulichen Maßnahmen - Erneuerung der Fahrbahn, Entfernung von Verkehrsinseln und Kreisverkehren - schlugen nochmal mit 30.000 Euro zu Buche.

Beispielrechnung Villeneuve-sur-Lot

Die folgende Tabelle zeigt die Kosten und Einnahmen von Villeneuve-sur-Lot im Zusammenhang mit der Tour de France:

Ausgaben Euro
Marketing 117.899
Gebühr A.S.O. 95.254
Straßenbaumaßnahmen 30.000
Aktivitäten im Vorfeld 12.210
Personalkosten 9.000
Kosten gesamt 264.363
Einnahmen Euro
Pflaumenbauernverband 100.000
Departement Lot-et-Garonne 55.000
Unternehmen und Spenden 45.500
Einnahmen gesamt 200.500

Was die Kosten angeht ist Villeneuve-sur-Lot vergleichsweise noch “günstig” weggekommen, wenn man bedenkt, was beispielsweise ein Grand Départ kostet, wo die Tour oft gleich mehrere Tage bleibt.

Einnahmen von rund acht Millionen Euro standen Ausgaben von 15,9 Millionen Euro entgegen, wie der damalige Bürgermeister Thomas Geisel in seinem Abschlussbericht veröffentlichte.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0