Weil viele Verschraubungen am Renner filigran sind und sicherheitsrelevante Bauteile verbinden, sollte man beim Schrauben immer einen Drehmomentschlüssel benutzen. Das Präzisionswerkzeug verhindert einerseits, dass Schraubverbindung oder Bauteil durch zu hohe Kräfte Schaden nehmen und andererseits, dass die Verbindung aufgrund zu geringer Schraubkraft nicht sicher ist.
Warum ein Drehmomentschlüssel für Fahrräder wichtig ist
Vorbau, Lenker, Sattelklemmung: Es gibt kaum mehr eine Schraubverbindung am Rennrad, die ohne Drehmomentvorgabe in Newtonmeter (Nm) auskommt. “4 Nm”, “6 Nm” oder “12 Nm” steht dann häufig klein auf den verschiedenen Bauteilen aufgedruckt oder eingelasert. Doch was bedeuten beispielsweise 4 Newtonmeter, wie sie oft an Carbonlenkern gefordert werden? Ungefähr handfest? Für ein derart sensibles Bauteil, an dem auch die Sicherheit des Radlers hängt, wäre das in etwa so präzise wie die Angabe “eine Prise Salz” im Backrezept.
Der Drehmomentschlüssel gehört daher zur Grundausstattung jeder Werkstatt. Wer auch unterwegs nicht auf korrekte Anzugsmomente verzichten möchte, ist mit einem der vier handlichen Tools im Test gut beraten.
Die Gefahren des Schraubens nach Gefühl
TOUR: Viele Hobbymechaniker ziehen Schrauben am Rad rein nach Gefühl an. Wie gefährlich ist das?
Dirk Zedler: Fahrräder sind unter dem Gesichtspunkt des Maschinenbaus absoluter Leichtbau. Faktisch wird an jedem Detail Gewicht gespart. Dreht man Schrauben nach Gefühl an, kann das nicht nur das Gewinde selbst schädigen. Bauteile aus Carbon können regelrecht zerquetscht werden. Im Ergebnis können vorgeschädigte Bauteile im Betrieb versagen.
Reagiert Aluminium genauso empfindlich auf ein zu hohes Drehmoment wie Carbon?
Zerquetschen ist hier nicht das große Thema, und wenn eine Delle in den Alu-Rahmen kommt, ist das typischerweise auch kein Bruchkeim. Kritisch kann es bei den Klemmstellen am Lenker werden, wenn hier Einschnürungen auftreten. Dann spricht der Fachmann von Kerbwirkung, und es kann über kurz oder lang zum Ermüdungsbruch kommen.
Gibt es nur ein “zu fest”, oder können auch zu geringe Drehmomente Probleme bereiten?
Lenker können sich bei einem Stoß abrupt im Vorbau verdrehen oder Vorbauten in Spurrillen auf Gabelschäften. Aber auch Kurbeln oder Pedale können sich vollständig lösen und plötzlich abfallen, wenn diese nicht korrekt festgedreht sind. Besonders kritisch sind auch Schrauben von Sattelstützen. Daher der dringende Rat, sich innerhalb der Drehmomentspannen zu bewegen. Und wichtig: Die Verschraubungen sollten nach etwa zehn bis fünfzehn Betriebsstunden erstmals mit dem Drehmomentschlüssel kontrolliert werden und dann turnusgemäß und je nach Härte des Einsatzes etwa alle 50 Stunden. Genaues steht in der Bedienungsanleitung.
Wichtige Tipps für die Verwendung von Drehmomentschlüsseln
Was soll beim Schrauben mit einem Drehmomentschlüssel schon schiefgehen? Jede Menge, weiß Rene Steuth, Schulungsexperte bei Werkzeughersteller Gedore. Hier seine Tipps für korrektes Schrauben!
- Einstellen: Stellen Sie das erforderliche Drehmoment immer vom höheren Wert kommend ein, damit sich der Mechanismus im Inneren entspannt und nicht verspannt. Fassen Sie den Schlüssel mittig und mit gleichmäßigem Druck am Griff. Gute Exemplare haben eine Markierung, an welcher der Mittelfinger aufliegen sollte. Ziehen Sie kontrolliert mit zunehmender Kraft, niemals ruckartig. Stoppen Sie den Anzugsvorgang sofort bei Auslösung, um nicht zu überziehen. Bei geringen Drehmomenten können Sie auch nur mit der Daumenbeuge in der Griffmitte oder an der entsprechenden Markierung drücken, um besonders exakte Werte zu erreichen.
- Sauber arbeiten: Setzen Sie den Schlüssel exakt und gerade in die Schraube ein. Verkantet der Schlüssel, kann es zum Auslösen kommen, bevor das gewünschte Drehmoment anliegt. Achten Sie darauf, dass die Gewinde der Schraubverbindungen und die Schrauben selbst sauber und trocken sind. Eine auf den Boden gefallene Schraube sollten Sie vor dem Einbau kurz reinigen. Selbst kleinste Schmutzpartikel verändern die Reibwerte im Gewinde und an der Schraubenkopfauflage. Die Reibung macht am Ende bis zu 80 bis 90 Prozent des Drehmoments aus.
- Die richtige Richtung: Verwenden Sie den Drehmomentschlüssel nicht zum Lösen von Schrauben, um Schäden am Werkzeug durch zu fest sitzende Schrauben zu vermeiden. Auch wenn ein Schlüssel in beide Richtungen auslöst, ist er in der Regel nur in eine Richtung kalibriert. Ein Pfeil sollte auf die entsprechende Funktionsrichtung hinweisen.
- Am Ende - Entspannen: Viele Hobbyschrauber vergessen, den Drehmomentschlüssel nach Gebrauch wieder zu entspannen, indem sie ihn auf den niedrigsten Wert der Skala zurückstellen. Das schont den Federmechanismus. Drehen Sie jedoch nicht weiter als bis zum Ausgangspunkt der Skala.
- Immer nur ein Mal: Selbst erfahrene Mechaniker drücken oft ein zweites Mal, um sicherzugehen, dass die Schraubverbindung richtig angezogen wurde. Das ist unnötig und erhöht die Gefahr, die Schraube noch zu überziehen. Bei den sensiblen Verschraubungen am Fahrrad liegen so schnell mal ein paar Newtonmeter zu viel an, was bereits zum Defekt eines Bauteils führen kann. Mehrfachauslösungen sind nur an Teilen notwendig, die von mehreren Schrauben (Schraubverband) gesichert werden, wie etwa der Bremsscheibe oder dem Vorbau. Durch das Anziehen der einen Schraube verringert sich hier die Vorspannkraft an der anderen; daher muss noch einmal nachgezogen werden.
- Qualitätskontrolle: Jedem Drehmomentschlüssel sollte ein Kalibrierzertifikat nach DIN EN ISO 6789 beiliegen. An drei definierten Messpunkten müssen jeweils fünf Messvorgänge verzeichnet sein, die eine Toleranz von plus/minus 4 Prozent nicht überschreiten dürfen. Zertifikate ohne exakte DIN-Angabe und mit nur drei Prüfungen pro Sollwert weisen lediglich auf eine Qualitätskontrolle beim Hersteller hin. Es wird empfohlen, den Drehmomentschlüssel einmal im Jahr oder nach 5000 Lastwechseln zu überprüfen und gegebenenfalls rekalibrieren zu lassen, da häufiger oder falscher Gebrauch Einfluss auf die Messgenauigkeit haben kann.
Testkriterien für Drehmomentschlüssel
- Handling (50 %): Gute Noten bekamen Kandidaten mit übersichtlicher Skala und präzise funktionierender Einstellung. Schlüssel mit Anzeigen, bei denen Teilstriche fehlen, die anfällig für Paralaxenfehler sind oder deren Einstellmechanismen Spiel zeigten, bekamen entsprechend schlechte Noten. Bonuspunkte gab es für ergonomisch geformte Griffe und einfachen Werkzeugwechsel am Antrieb.
- Präzision (20 %): Normalerweise sollte jedem Drehmomentschlüssel ein Kalibrierzertifikat nach DIN EN ISO 6789 beiliegen. Die Genauigkeit haben wir mit einem geeichten Prüfgerät kontrolliert, das uns die Firma Gedore zur Verfügung gestellt hat. Die besten Schlüssel haben wir mit “Sehr gut” bewertet, vielfache Normabweichungen mit maximal “Ausreichend”.
- Verarbeitung (10 %): Fehler beim Oberflächen-Finish oder spürbar viel Spiel in der Antriebsmechanik bedeuten hier Punktverlust. Die meisten der getesteten Schlüssel geben in dieser Kategorie wenig Anlass zu Kritik.
- Zubehör (20 %): Eine praktische Aufbewahrungsbox schützt den Drehmomentschlüssel und schafft Ordnung für Bits oder Adapter. Ausgerechnet teure Modelle wie die von Parktool oder Pedro’s geizen hier. Selbst die günstigen Marken wie 3min19sec oder BBB bieten da mehr Zubehör.
Test: Drehmomentschlüssel für die Werkstatt
3min19sec Premium-Drehmomentschlüssel
- Preis: 70 Euro
- Gewicht / Länge: 262 Gramm / 220 Millimeter
- Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
- Bereich / Antrieb: 2-26 Newtonmeter / 1/4 Zoll
- Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 2,5-10, Torx 25 und 30, Softbox
- Gesamtnote (100 %) 2,0
- Fazit: Der günstigste Schlüssel im Test überzeugt mit überraschend präzisen Mess-Ergebnissen und ist der Preis-Leistungs-Tipp für Hobbyschrauber.
BBB Torqueset BTL-73
- Preis: 95 Euro
- Gewicht / Länge: 277 Gramm / 223 Millimeter
- Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
- Bereich / Antrieb: 2-14 Newtonmeter / 1/4 Zoll
- Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 3-8, Torx 25 und 30, Softbox
- Gesamtnote (100 %) 2,2
- Fazit: Im unteren Drehmomentbereich liegt der TorqueSet minimal außerhalb der Normwerte. Das größere Manko aber ist die schwer ablesbare Skala, die anfällig für Paralaxenfehler und wenig intuitiv übersetzt ist.
Birzman Torque Wrench 3-15Nm
- Preis: 139 Euro
- Gewicht / Länge: 295 Gramm / 209 Millimeter
- Prüfsiegel: Hersteller-Prüfung
- Bereich / Antrieb: 3-14 Newtonmeter / 1/4 Zoll
- Zubehör: Anleitung, Prüfsiegel, Innensechskant 3-8, Torx 25
- Welcher Drehmomentschlüssel ist exakt?
MOUNTAINBIKE Test
Nicht erst seit dem Siegeszug filigraner Carbon-Parts ist beim Schrauben ein korrektes Anzugsmoment Pflicht. Welcher Schlüssel ist dazu genau genug? MOUNTAINBIKE hat 7 Drehmomentschlüssel getestet.
Obwohl heutige Carbon- und Alu-Parts immer sicherer werden, solltest du bei der Montage nicht auf dein Gefühl hören, sondern auf ein für exaktes Arbeiten erfundenes Werkzeug: den Drehmomentschlüssel. Denn Vertrauen ist gut, Kontrolle bekanntlich besser.
Die Ergebnisse des MOUNTAINBIKE Tests
Alle Schlüssel haben wir gemeinsam mit dem Prüfmittelservice der GTÜ und dem Kalibrierlabor von Kessler QMP getestet. Die gute Nachricht vorweg: Riesengroße Unterschiede ließen sich auf dem Prüfstand nicht reproduzieren. Bis auf den Rose lagen alle bei allen Messungen in einer Spanne von maximal vier Prozent Abweichung zum eingestellten Wert.
Die Lieblinge im Werkstattalltag
- Mit dem schmalen, digital anzeigenden Topeak kommt man auch an verwinkelten Stellen gut zurecht, muss dafür aber auf das rein akustisch auslösende Signal achten - sonst überdreht man das gewünschte Moment ungebremst.
- Optisch das Gegenteil zum Topeak ist der massiv wirkende und lange Wera. Er empfiehlt sich für Vielschrauber mit perfektem Handgriff und der besten Ablesbarkeit.
- Auch der Hazet ist super zu greifen und zu handhaben, auch wenn die Skala mit 0,25-Nm-Schritten die gröbste im Testfeld ist.
- Birzman und BBB liefern ebenso per se gute Werkzeuge. Ersterer zum Beispiel liegt nicht so satt in der Hand wie andere, ist dafür klein und schmal und dürfte im Reisegepäck viel Freude bereiten.
- Und selbst die preisgünstigen Vertreter der Zunft sind im Praxistest klar besser, als der Preisabstand vermuten lässt: Der Rose liegt sicher und schwer in der Hand, lässt sich gut verstellen und verrichtet klaglos seinen Dienst. Auch der Pro ist eine solide Wahl für preisbewusste Schrauber, er kommt zudem mit einem fast vollständigen Bitset.
Die Messwerte auf dem Prüfstand
- BBB, Hazet, Pro und Topeak zeigen an allen Messpunkten minimal oder etwas zu wenig an. Sie bleiben aber innerhalb der Herstellertoleranzen - und im Alltag sind diese Abweichungen nach unten unkritisch.
- Der Birzman-Schlüssel schwankt stärker. Er zeigt im unteren Bereich zu viel (knapp an der Toleranz) an, ist im mittleren Bereich dann sehr exakt, um im oberen Bereich etwas zu wenig anzuzeigen - unter dem Strich ist das Ergebnis aber noch gut.
- Der Wera weist im oberen Bereich, bei eingestellten 25 Nm, fast 1 Nm zu viel aus. Das sind jedoch in Relation nur 3,8 Prozent und somit innerhalb der Toleranz. Zudem sind so hohe Anzugsmomente am Bike quasi nicht vorhanden bzw. generell unkritischer. Im unteren Drehmomentbereich ist der Wera sehr genau.
- Einziger Ausreißer ist somit der Rose. Dieser überdreht bei eingestellten 2 Nm um satte 21,5 Prozent. Das sind zwar "nur" 0,5 Nm mehr, als er dürfte, bei fragilen Anbauteilen kann das aber kritisch sein. Auch nach oben hin zeigt der Rose zu wenig an, bleibt da aber locker im Toleranzbereich.
Zusammengefasst: Fast jeder der Testschlüssel ist eine Bereicherung für Ihre Werkstatt, die größten Unterschiede liegen weniger in der Genauigkeit, sondern mehr in Ausstattung, Handhabung und natürlich Preis. So gibt es auch keine Ausrede mehr für selbst ernannte Schraubergötter!
Einzelvorstellungen der getesteten Drehmomentschlüssel
BBB TorqueSet DeLuxe BTL-173
- Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2-14 Nm
- Länge/Gewicht: 25 cm/326 g
- Lieferumfang: Inbus: 3, 4, 5, 6, 8 mm; Torx: 25, 30
- Einstellgenauigkeit: Skala und Feineinstellung gut ablesbar, nur in 0,2-Nm-Schritten einstellbar
- Abweichung vom Zielwert: Zeigt minimal bis etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
- Handhabung: Vergleichsweise kurz geratener Griff, etwas rutschige Oberfläche
- Verarbeitung:
- Fazit: Im Vergleich zu den Konkurrenten ist der BBB etwas mau ausgestattet. Er liegt gut in der Hand, könnte aber griffiger sein. Die Messwerte sind unbedenklich. Ohne Bits übrigens noch einmal günstiger zu haben.
- Testergebnis: Gut (74 Punkte)
Birzman Torque Wrench
- Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 3-15 Nm
- Länge/Gewicht: 20,5 cm/294 g
- Lieferumfang: Inbus: 3, 4, 5, 6, 8 mm; Torx: 25; Bit-Verlängerung
- Einstellgenauigkeit: In 0,1-Nm-Schritten einstellbar. Gut ablesbare, aber kleine Skala
- Abweichung vom Zielwert: Zeigt bei 3 Nm etwas zu viel an, bei 9 Nm exakt, bei 15 Nm minimal zu wenig
- Handhabung: In Relation zur Gesamtgröße langer, leider eher rutschiger Griff
- Verarbeitung:
- Fazit: Klein, leicht und schmal: Als Reisebesteck macht der Birzman eine gute Figur. Dafür liegt er nicht ganz ideal in der Hand. Die Messwerte schwanken, sind aber im "grünen Bereich". Mit 3 Nm als Anfangswert etwas "grob".
- Testergebnis: Gut (66 Punkte)
Hazet 5108-3CT (MOUNTAINBIKE-Testsieger)
- Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2,5-25 Nm
- Länge/Gewicht: 23,5 cm/313 g
- Lieferumfang: Prüfdokumente, Plastikumverpackung, Anleitung. Keine Bits
- Einstellgenauigkeit: Mit 0,25-Nm-Feineinstellung etwas grob, dafür haptisch top
- Abweichung vom Zielwert: Zeigt minimal bis etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
- Handhabung: Liegt hervorragend in der Hand, Nonius rastet spürbar ein
- Verarbeitung:
- Fazit: Toll verarbeitet, super Handhabung, dafür jedoch im Vergleich recht grobe Verstellung: Der Hazet ist dank sehr guter Messwerte dennoch besonders für regelmäßige Schraubarbeiten perfekt. Höherer Preis.
- Testergebnis: Sehr gut (87 Punkte)
Pro Bike Tool Torque Wrench Set (MOUNTAINBIKE-Kauftipp)
- Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2 bis 20 Nm
- Länge/Gewicht: 22 cm/282 g
- Lieferumfang: Inbus: 2, 2,5, 3, 4, 5, 6, 8, 10; Torx 10, 25, 30; Bit-Verlängerung
- Einstellgenauigkeit: Feineinstellung in 0,1-Nm-Schritten, prima ablesbare Skala
- Abweichung vom Zielwert: Zeigt minimal bis etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
- Handhabung: Die Grifffläche ist etwas knapp bemessen und zu rutschig, sonst sehr gut
- Verarbeitung:
- Fazit: Ausstattung und Handhabung sind gut bis sehr gut, die Messwerte sind unkritisch, der Lieferumfang zudem üppig - daher mit 79 von 100 möglichen Punkten der verdiente Kauftipp! Nur der Testsieger und die wesentlich teureren Modelle von Topeak und Wera sahnen mehr Punkte ab.
- Testergebnis: Sehr gut (79 Punkte)
Rose Drehmomentschlüssel Pro
- Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 1-25 Nm
- Länge/Gewicht: 26,5 cm/484 g
- Lieferumfang: Inbus: 3, 4, 5, 6, 8, 10 mm, Torx: 15, 20, 25, 27, 30, 40; Kreuz: PH2, PH3
- Einstellgenauigkeit: Etwas grobe 0,2-Nm-Feineinstellung, Skala nicht optimal ablesbar
- Abweichung vom Zielwert: Bei 2 Nm zeigt der Rose 0,5 Nm zu wenig an, der Rest ist okay
- Handhabung: Liegt stabil, aber etwas kopflastig in der Hand. Griff eher rutschig
- Verarbeitung:
- Fazit: Günstig, stabil und reichhaltig ausgestattet, aber mit deutlicher Schwäche im unteren Einstellbereich. 0,5 Nm Abweichung sind hier zu viel. Für Hobbyisten ohne kritische Leichtbau-Anbauteile okay.
- Testergebnis: Befriedigend (59 Punkte)
Topeak D-Torq Pro
- Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", akustisch, 1-20 Nm
- Länge/Gewicht: 21 cm/169 g
- Lieferumfang: Inbus: 2, 2,5, 3, 4, 5, 6 mm; Torx: 25; Kreuz: PH2; Bit-Verlängerung
- Einstellgenauigkeit: Mini-Display, auf 0,1 Nm genaue, digitale Einstellung. Umschaltbare Einheiten
- Abweichung vom Zielwert: Zeigt etwas zu viel an, bleibt aber in der Toleranz
- Handhabung: Sehr schmal, nicht gut zu greifen. Zu kleine Folientasten und Mini-Display!
- Verarbeitung:
- Fazit: Klein, leicht und rein digital: Der Topeak ist etwas für Schrauber mit Gefühl, da die Gefahr besteht, ihn zu überdrehen. Dafür zeigt er "live" das aktuelle Drehmoment an. Messwerte unkritisch. Sehr teuer!
- Testergebnis: Sehr gut (80 Punkte)
Wera Click-Torque A5
- Funktion/Messbereich: Knarre, 1/4", auslösend, 2,5-25 Nm
- Länge/Gewicht: 29,8 cm/432 g
- Lieferumfang: Prüfdokumente, Plastikumverpackung, Anleitung. Keine Bits
- Einstellgenauigkeit: 0,1-Nm-Rasterung, großes Sichtfenster und perfekte Ablesbarkeit
- Abweichung vom Zielwert: Zeigt im unteren Bereich minimal bis etwas zu viel an, im oberen knapp an der Toleranz
- Handhabung: Perfekter Grip, gut ausbalanciert - so macht Schrauben Spaß!
- Verarbeitung:
- Fazit: Der Wera ist ein toller Schlüssel mit bester Handhabung, perfekter Einstell- und Ablesbarkeit und toller Verarbeitung. Leichte, aber unkritische Schwäche am oberen Ende des Drehmoments.
- Testergebnis: Sehr gut (86 Punkte)
So testet MOUNTAINBIKE
Hoher Einsatz: Um ein möglichst genaues Bild der Schlüssel abzubilden, haben wir die Schlüssel sowohl auf dem Prüfstand als auch in der Werkstatt getestet.
Gemeinsam mit dem Prüfmittelservice der GTÜ und dem Kalibrierlabor von Kessler QMP hat MOUNTAINBIKE keine Mühen gescheut, um die sieben Drehmomentschlüssel nicht "nur" in der Werkstatt auf Handhabung und Verarbeitung zu testen, sondern auch auf dem Prüfstand. Die GTÜ arbeitet dazu deutschlandweit mit mobilen Laboren bei Werkstätten und Händlern vor Ort. In einer auf 20° Celsius klimatisierten Messzelle können die Prüfer Hauptuntersuchungs-relevante ("HU") Handmessmittel wie Schließkraftmessgeräte, Druckluftmanometer, Messschieber, Bügelmessschrauben oder eben Drehmomentschlüssel in Anlehnung an normenkonforme Messverfahren kalibrieren.
Die Handhabung bewerteten wir bei stundenlangen Schrauberarbeiten an diversen Bikes in unserer Werkstatt - u. a. anhand des Gewichts, der Länge, der Verzahnung sowie des Einstellmechanismus.
Interview: Das sagt der Profi zur Handhabung
Gibt es große Unterschiede zwischen Industrie- und Baumarkt-Werkzeug? Und ist ein Drehmomentschlüssel ein Muss für jeden Hobbyisten? Julian Schmidt von Kessler QMP stand uns Rede und Antwort.
Die Wichtigkeit des richtigen Drehmoments
»Nach fest kommt ab.« Diese alte Mechanikerweisheit macht auf ein Problem bei der Arbeit mit Verschraubungen aller Art aufmerksam: Einfach so stark festziehen, wie es die Muskulatur erlaubt, kann das Material überfordern. Der Abriss eines Schraubenkopfs ist da noch die harmlose Variante des selbst verschuldeten Unheils. Schlimmer ist es, wenn empfindliche Teile wie Lenker oder Sattelstützen aus Carbon eingedrückt werden oder das Gewinde im Fahrradrahmen Schaden nimmt. Dann wird es teuer. Denn die Reparatur von Carbonteilen ist oft nicht möglich. Auch das Erneuern eines Gewindes im Rahmen macht wenig Vergnügen.
Drehmomentschlüssel können solche Schäden verhindern. Denn obwohl sie vom Grundsatz her funktionieren wie andere Werkzeuge, können sie die Kraft begrenzen, mit der man eine Schraube festzieht. Ist diese vom Nutzer oder der Nutzerin voreingestellte Grenze erreicht, weisen sie mit akustischen oder haptischen Signalen darauf hin.
Auswahl des richtigen Drehmomentschlüssels
Am Fahrrad gibt es viele kleine Verschraubungen mit Durchmessern von vier bis sechs Millimetern, etwa am Vorbau, dem Lenker, der Sattelstütze oder zur Befestigung von Zubehör oder Gepäckträgern und Schutzblechen am Rahmen. Solche Schrauben werden fast immer mit Drehmomenten zwischen drei und sechs Newtonmetern angezogen. Dafür eignen sich Drehmomentschlüssel, die diesen unteren Bereich abdecken.
Am Antrieb eines Fahrrads und ein paar anderen Stellen können aber auch Drehmomente von bis zu 60 Newtonmetern gefordert sein, um Bauteile sicher zu befestigen. Wenn Sie auch am Kurbelgehäuse oder den Achsen arbeiten, dann benötigen Sie ein Werkzeug, das auch diesen Bereich abdecken kann.
Weitere wichtige Aspekte
- Das korrekte Drehmoment ist bei modernen Fahrrädern teilweise direkt auf die Bauteile aufgedruckt, insbesondere an Lenker und Vorbau, aber auch an Sattelklemmen. Ansonsten sollten die Anzugsdrehmomente in der Bedienungsanleitung des Fahrrads oder der des Zubehörs zu finden sein.
- Einige Hersteller geben an, wie genau ihre Werkzeuge die vorgewählten Drehmomente einhalten können. In vielen Fällen werden maximale Abweichungen von drei oder vier Prozent ausgewiesen. Wir würden selbst Differenzen von zehn Prozent als unkritisch bewerten. Ob mit 4 oder 4,4 Newtonmetern angezogen wird, ist selbst für Carbonteile keine Frage von fest oder ab.
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