Welches Mountainbike für Frauen: Ein umfassender Test

Mountainbiken wird immer beliebter bei Frauen. Doch welche Angebote für Frauen sind wirklich gut und welche sind eher unnötig? Dieser Artikel untersucht, welche Bikes und Ausrüstungen Frauen wirklich auf dem Trail nach vorne bringen.

Die Entwicklung des Mountainbikens für Frauen

Mountainbiken ist längst kein reiner Männersport mehr. Frauen mischen in allen Bereichen der Szene mit, von Downhill-Weltmeisterschaften bis hin zur Freeride-Szene. Die Red Bull Formation bietet Frauen seit 2019 eine eigene Freeride-Bühne. Veronique Sandler zeigt, dass Frauen auch in typischen Männerdomänen bestehen können. Jules McLean arbeitet als Top-Mechanikerin an den Fahrwerken von Profis wie Rachel Atherton, die zusammen mit ihren Brüdern Dan und Gee selbst Mountainbikes baut.

Das Know-how von Frauen auf dem und am Bike wächst stetig. Ladys fahren, gewinnen, schaufeln, springen, schrauben - und sie bauen auch.

Die Herausforderungen bei der Produktauswahl

Trotz der wachsenden Expertise tun sich die Hersteller schwer, Frauen genau die Bikes und Parts anzubieten, die auch wirklich zu ihnen passen. Es geht nicht nur um die Rahmenfarbe, sondern um grundlegende Fragen wie: Passen Frauen die gleichen Größen wie Männern? Brauchen sie andere Parts? Und welche Styles stehen ihnen beim Equipment zur Wahl?

Deshalb haben wir mit vier Bikerinnen und einer breiten Auswahl an Produkten getestet, was für Frauen wirklich wichtig ist.

Der Fokus auf Fahrspaß und Komfort

Sobald sie auf dem Trail sind, wollen Frauen am Ende genau dasselbe wie Männer: Spaß haben, eine gute Zeit mit der Gruppe feiern, sich verbessern und auf dem Bike ein Mindestmaß an Komfort spüren. Ach, und den eigenen Style ausdrücken!

Schon ein einziger Fehlgriff bei der Ausrüstung kann unbequem, schmerzhaft oder sogar gefährlich sein und einen ganzen Trip vermiesen. Auf einige Bereiche beim Bike und Equipment sollten Frauen deshalb ganz besonders achten, um die volle Portion Spaß mitnehmen zu können, anstatt an unpassender Ausrüstung zu verzweifeln.

Frauenspezifische Produkte können da die Lösung sein, müssen es aber nicht. In manchen Bereichen sind auch Unisex-Optionen eine gute oder sogar die bessere Wahl.

Was macht Mountainbikes für Frauen anders?

Eine spezielle Geometrie? Ein anderes Gesamtkonzept? Oder nur einige wenige Parts? Werden die Rahmen-Geometrien von Männer- oder auch von Frauenkörpern abgeleitet?

Trek argumentiert, dass es keinen Unterschied zwischen Frauen- und Männerrädern gibt, solange die Rahmengröße stimmt und der individuelle Fit durch Anbauteile wie Sattel und Cockpit angepasst wird. Pivot trennt ebenfalls nicht in Männlein und Weiblein, sondern bietet ein Bike extra für leichte und kleine Rider an - Geschlecht egal.

Specialized differenziert ebenfalls nach Körpermaßen, statt in Geschlechter aufzuteilen. Liv geht die Extra-Meter und macht es sich zur Aufgabe, Bikes speziell für Frauen zu konzipieren.

Die Perspektive von Rachel Atherton

Rachel Atherton betont, dass ein perfekt passendes Bike ein absoluter Schlüssel für das Fahrgefühl ist, aber das hat nichts mit männlich oder weiblich zu tun. Die entscheidenden Faktoren wie Größe, Armlänge und Beinlänge variieren unter Männern ebenso wie unter Frauen, nicht nur zwischen den Geschlechtern. Atherton Bikes bietet daher 22 verschiedene Rahmengrößen ab Werk an.

Ein Mountainbike für Frauen sollte nicht einfach nur eine preisgünstige, qualitativ abgespeckte Variante eines Männermodells sein. Vor allem Neulinge sollten sichergehen, dass ihre Ausrüstung sitzt und ihnen passt, weil der wirkliche Spaß sonst erst gar nicht aufkommen kann. Niemand hat Freude an einem Rad, an dessen Anbauteilen von vorne bis hinten gespart wurde.

Wichtige Kontaktpunkte zum Bike

Sattel

Frauen haben naturgemäß einen größeren Sitzhöckerabstand als Männer. Wegen Babys gebären und so. Das bedeutet, dass sie nur mit einem Sattel glücklich werden können, der dem auch Rechnung trägt und ihren Körper an dieser Stelle etwas breiter abstützt. Der schmerzhafte Versuch, sich an einen ungeeignet schmalen Sattel zu gewöhnen, nur weil der halt schon am Rad war, wäre tatsächlich … für den Arsch. Messt lieber nach und holt euch gleich was Passendes.

Griffe

Wie der Sattel sind auch die Griffe ein zentraler Kontaktpunkt zwischen Mensch und Maschine. Kleine Hände mit kurzen Fingern werden einen schlanken Griff deutlich besser fassen können. Hier lohnt sich daher ein Upgrade so richtig, denn eine gute Verbindung zwischen unseren Händen und dem Rad bestimmt maßgeblich, wie gut und sicher wir uns auf dem Bike fühlen.

Bremshebel

Könnt ihr sie berühren oder schweben sie unerreichbar in weiter Ferne vor euren Griffen? Frauen sind oft leichter als Männer und erleben mit den meisten Bremsen ausreichend Bremskraft. Doch kurze Finger tun sich schnell schwer, die Hebel komfortabel zu erreichen. Was da hilft, ist eine hochwertige Bremsanlage, die nicht nur Power liefert, sondern deren Griffweite auch präzise auf unterschiedliche Hände einstellbar ist.

Pedale

Wer kleine Füße hat, dem reichen auch Pedale mit kleiner Plattform. Und diese versprechen wiederum einen Hauch mehr Bewegungsfreiheit in Schräglagen oder im engen Gelände. Ähnlich wie Griffe bieten auch Pedale eine enorme Vielfalt an Formen, Farben und sogar Materialien.

Fahrwerk

Was leichte Mädels (und auch leichte Jungs) am Fahrwerk unbedingt beachten sollten: Schafft ein sensibles Ansprechverhalten! Lasst euch nicht blenden von den vermeintlich pauschal besten Federgabeln und Dämpfern, die die Profis da draußen fahren, denn die straffen Enduro-Topmodelle sind keine Pauschallösung für jedermann. Fragt euch lieber, wie viel Steifigkeit ihr wirklich braucht oder handeln könnt.

Wiegt ihr keine 90 Kilo und droppt in der Regel auch keine Autodächer? Dann braucht ihr nicht die bullige RockShox ZEB, sondern fahrt besser mit einer Lyrik oder Pike - leichter und mit mehr Flex für Komfort und Grip.

Lenker

Kürzen wir ihn beträchtlich, verliert der Lenker seinen gewollten Flex und wird plötzlich zum bockharten Erlebnis - wie der halbierte Stock. Das ist unkomfortabel und geht richtig auf die Hände. Braucht ihr ein schmales Cockpit, dann nehmt besser Lenker mit 31,8 mm anstatt 35 mm Klemmmaß und greift ruhig zu Alu statt Carbon.

Der natürliche Flex des Leichtmetalls kann sich besser anfühlen als ein stark gestutzter, bockharter Carbon-Stock.

Die Rolle der Bekleidung

Anders als beim Rad selbst, das die Fahrerin im besten Fall nur an den Griffen, dem Sattel und den Pedalen berührt, muss sich die Bekleidung viel besser an den Körper anschmiegen. Dazu kommt noch die im Gelände wichtige Schutzausrüstung bestehend aus Helm, Knieschonern, Handschuhen und vielleicht auch einem Rückenprotektor.

Für die Hersteller dabei knifflig: Weibliche Körperstaturen unterscheiden sich untereinander stärker als die von Männern. Große oder kleine Oberweite? Breite oder schlanke Schultern? Schmale oder gerade Taille? All das beeinflusst den Schnitt bei ein und derselben Körpergröße stark.

Mountainbike Empfehlungen

Hier ist eine Tabelle, die einige empfohlene Mountainbikes für Frauen zusammenfasst, basierend auf verschiedenen Kriterien:

Mountainbike Art Empfohlene Modelle Preisspanne Einsatzbereich
Hardtails Rose Bonero Unter 2000 € Tourenfähiges Bike für Enduro Trails
Fullys Rockrider All Mountain 100s, Canyon Neuron 1500 - 2000 € Singletrail
Cross Country Bikes Verschiedene Modelle mit Carbon Rahmen Ab 4500 € Cross Country Rennen, MTB Marathon
Downcountry Bikes Orbea Oiz TR, KTM, Canyon Lux Trail 3000 - 4500 € Alpenüberquerung, MTB-Marathon
Trailbikes Cube Stereo 120 TM HPC 29, Giant, Radon, Scott Variiert Trailtouren im deutschen Mittelgebirge, Alpenüberquerung
All Mountain Bikes YT, Radon, Canyon Variiert Trails im Mittelgebirge, alpines Gelände, Enduro Rennen, Bikepark
Enduro Mountainbikes Canyon, Cube, Radon, Propain 3000 - 4000 € Bikepark Einsatz

Fazit

Von den Griffen über den Sattel bis hinunter zu den Pedalen gibt es Parts zu beachten, die den Spaß auf dem Bike für Fahrerinnen entscheidend beeinflussen. Überall dort lohnt es sich, vor dem Kauf genau hinzuschauen oder ein paar Mark extra zu investieren.

Ein echtes Lady-Produkt ist dabei nur der Sattel, weil er der weiblichen Beckenanatomie gerecht werden muss. Alle anderen Parts finden Bikerinnen auch passend im Unisex-Produktsortiment, und zwar nicht nach Geschlecht, sondern einfach nach Größe und Einstellbarkeit ausgewählt.

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