Weltrekord Mountainbike Geschwindigkeit: Extreme Leistungen auf zwei Rädern

Die Welt der Geschwindigkeitsrekorde im Mountainbiken fasziniert und begeistert. Ob auf Schnee, Schotter oder Sand, es gibt immer wieder Athleten, die bereit sind, an ihre Grenzen zu gehen und neue Bestmarken aufzustellen. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser beeindruckenden Leistungen und die Menschen dahinter.

Max Stöckl: Der Downhill-Experte und Speed-Junkie

Der Tiroler Downhill-Experte Max Stöckl hat einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord für Serien-Mountainbikes auf Schotter aufgestellt. Dem einen oder anderen dürfte der Name Max Stöckl bereits bekannt sein: Der Tiroler ist schon seit vielen Jahren in der Downhill-Szene aktiv, doch in die Schlagzeilen schaffte es der inzwischen 42-jährige vor allem durch seine waghalsigen Geschwindigkeitsrekorde.

Max Stöckl aus Oberndorf bei Kitzbühel hat seine Leidenschaft für das Downhill-Mountainbiken vor über 20 Jahren entdeckt. Mit dem Speed-Virus infiziert und angetrieben von demselben raste er 1999 in Les Arcs zu seinem ersten Geschwindigkeits-Rekord auf Schnee. Die aufgestellten 187 km/h toppte der Österreicher 2007 in den chilenischen Anden mit über 210 km/h!

Der Weg zum Rekord in der Atacama-Wüste

Wer eine Reise nach Chile in die über 11.000 Kilometer Luftlinie entfernte Región de Atacama antritt, um sich dort mit einem Rad einen Berg hinunter zu stürzen, kann eigentlich nur eines im Sinn haben: einen Weltrekord! Und genau das hat der 42-jährige Tiroler Downhill-Experte Max Stöckl, drei Stunden von der Stadt Copiapó entfernt, nach jahrelanger Vorbereitung mit einem Serien-Mountainbike auf Schotter geschafft. Im Dezember 2016 machte sich der Tiroler nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung schließlich mit einem sechsköpfigen Team auf die Reise, um mit einem Serien-Mountainbike einen neuen Weltrekord auf Schotter aufzustellen.

Die Wahl fiel auf die Atacama-Wüste an der südamerikanischen Pazifikküste: In dieser lebensfeindlichen Mondlandschaft ragt ein namenloser Berg in die Höhe, dessen Gipfel fast 4.000m über dem Meeresspiegel liegt und der optimale Bedingungen für den Weltrekordversuch bietet. Die Atacama-Wüste an der Pazifikküste Südamerikas ist eine der trockensten Regionen der Erde. Hier gedeiht nichts, weit und breit nur Geröll und Steine. Gerade diese unwirtliche Gegend bietet ideale Bedingungen für Max Stöckl auf seiner Suche nach noch mehr Speed.

Auserkoren war ein namenloser Berg, dessen Gipfel auf 3.972 Metern Seehöhe liegt, dessen Umgebung mit optimalem Luftwiderstand, einer Hangneigung von 45 Grad im Startbereich und einer 1200 Meter langen Piste wie geschaffen ist, um den Durst nach Geschwindigkeit zu stillen. Vor Ort galt es, die Piste optimal vorzubereiten, bevor der Österreicher seine ersten Trainingsläufe absolvierte. Behutsam tastete sich Max bis an den Gipfel des Berges heran: „Man kann bei keinem Startpunkt vorher genau wissen, was passieren wird.“ Zunächst testete der Downhiller bei langsameren Läufen, um den Auslauf kennenzulernen und die ideale Linie zu finden.

Das Material: Serien-Mountainbike und Spezialausrüstung

Die Piste war also gefunden, doch auch das Material spielt bei derartigen Geschwindigkeiten eine entscheidende Rolle. Für bestmögliche Sicherheit waren ein Spezialanzug, ein Airbag, wie ihn eigentlich Skirennfahrer tragen, und ein eigens konstruierter zweiteiliger Helm Voraussetzung. Das war es dann aber auch schon mit High-Tech: „Meine Vorstellung vom Downhill-Mountainbiken ist: Es soll alles käuflich erwerblich sein. Das heißt, ich will keine Spezialteile am Rad haben. Es soll ein Rad bleiben und kein Motorrad ohne Motor,“ so Stöckl. Spezialanfertigungen kamen jedoch nur beim Anzug und beim Helm zum Einsatz.

Nach einigen Trainigsläufen und dem optimalen Präparieren der Piste war es dann soweit. Nach 650 der insgesamt 1200m erreichte Stöckl seine Höchstgeschwindigkeit von 167,6km/h. Als gegen Mittag des 13. Dezember 2016 auf der 1200 Meter langen Piste schließlich 167,6 km/h gemessen wurden, war die Krönung des Projekts „V-Max“ perfekt!

Noch ganz außer Atem war der 42-Jährige unmittelbar nach seinem wilden Ritt überwältigt: „Wir haben zwei Jahre auf diesen Tag hingearbeitet, um auf diesem Berg zu stehen. Wir hatten schon am Start Tränen in den Augen. Das war sehr emotional.

Das Besondere an Max Stöckls Rekord ist vor allem, dass er ihn nicht als professioneller Leistungssportler aufgestellt hat. Hauptberuflich ist er Unternehmer und betreibt ein eigenes Mountainbike-Rennteam, „MS-Racing“.

Die Herausforderungen bei hohen Geschwindigkeiten

Der eine oder andere mag sich fragen, was so besonders daran ist, einfach nur einen steilen Berg nach unten zu rollen. Doch vor allem der Luftwiderstand und die auf Fahrer und Bike einwirkenden Kräfte verlangen dem Piloten alles ab: „Wenn man sich den Luftwiderstand vorstellen möchte, muss man nur einmal bei 150, 160 km/h die Hand aus dem Autofenster halten. Diese Kraft wirkt auf dem Rad am gesamten Körper.

„Sobald ich mich sicher fühle, fahre ich von ganz oben. Ab 160 km/h erfordert jedes einzelne zusätzliche km/h eine enorme Anstrengung“, beschreibt Max Stöckl und erklärt: „Wenn man sich den Luftwiderstand vorstellen möchte, muss man nur einmal bei 150, 160 km/h die Hand aus dem Autofenster halten. Diese Kraft wirkt auf dem Rad am gesamten Körper.

Weitere Rekorde von Max Stöckl

Nachdem er genug Erfahrung auf Schnee gesammelt hatte, konzentrierte er sich auf Schotterpisten. 2011 bretterte Max mit 164,95 km/h über den Vulkankegel des Cerro Negro in Nicaragua. Unmittelbar nach diesem Weltrekord auf Schotter fiel insgeheim auch schon der Startschuss für das Projekt „V-Max“, wie der Downhill-Experte verrät: „Dieser Lauf war nicht lustig genug, es war keine richtige Herausforderung. Als ich aus Nicaragua wieder zuhause war, habe ich gleich angefangen, nach einem neuen Berg zu suchen.

Elias Schwärzler: Geschwindigkeitsrekord auf einem gezogenen Fahrrad

Der österreichische Extremsportler Elias Schwärzler liebt es, Angst zu überwinden. Mit über 272 km/h auf einem serienmäßigen Mountainbike ist er jetzt offiziell “schnellster Mensch, der auf einem Fahrrad gezogen wurde”.

Die Mission 300

Elias Schwärzler wollte der schnellste Mann auf einem Mountainbike sein. Ziel seiner "Mission 300" war es, die Grenze von 300 Stundenkilometern auf einem handelsüblichen Mountainbike zu knacken - ein ungeheuerliches Unterfangen, bei dessen Vorstellung es neben dem Autor wohl den allermeisten Menschen Schauer des Schreckens durch den ganzen Körper jagt.

Über ein Jahr bereitete sich Schwärzler auf den Versuch vor. Am 22. Mai 2022 war es so weit. Von einem Rennmotorrad ließ er sich über die Gerade des Hochgeschwindigkeits-Ovals des Lausitzrings ziehen. Mit offiziell 272 km/h verpasste er zwar sein selbst gestecktes Ziel, den Eintrag unter den Guinness World Records hat er aber sicher. Kein Mensch ließ sich zuvor so schnell auf einem Fahrrad ziehen.

Der Athlet Elias Schwärzler (Österreich) forderte sein Mountainbike ganz schön heraus, als er in Schipkau, Deutschland, am 22. Mai 2022 mit einer Geschwindigkeit von 272,934 km/h (169,593 mph) den Rekord für das schnellste gezogene Fahrrad brach. Mit seinem bescheidenen Fahrrad filmt der 26-jährige Mountainbike-Profi und Influencer regelmäßig Stunts für seinen YouTube-Kanal.

Seine Eltern waren von diesem Rekordversuch allerdings nur wenig begeistert!„Ihre erste Reaktion war: Nein, mach das auf gar keinen Fall“, erinnert sich Schwärzler.

Die Vorbereitung und Herausforderungen

Für diese unglaubliche Leistung entschied sich Elias für ein Standard-Mountainbike anstelle eines speziell modifizierten Fahrrads. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit musste darauf geachtet werden, dass die Fahrradreifen dieser Herausforderung standhalten, was Elias mit seinem eigenen Prüfstand löste.

Der Rekordversuch fand auf dem Lausitz-Ring statt, einer berühmten Rennstrecke, auf der jährlich Motorsportwettbewerbe wie die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft ausgetragen werden. Nachdem Elias (und sein Fahrrad) bereit waren, war es an der Zeit, den Versuch zu starten.

Um die Zielgeschwindigkeit zu erreichen, zog ein Grand-Prix-Motorrad (GP) Elias auf seinem Mountainbike hinter sich her. Die größte Herausforderung während des Versuchs war der starke Gegenwind. Im Gegensatz zu einem Motorrad hat ein Fahrrad schließlich keinen Windschutz.

Leider konnte Elias aufgrund der Wetterbedingungen sein persönliches Ziel nicht erreichen, schaffte es aber dennoch, einen neuen Weltrekord aufzustellen. Der Wind bedeutete, dass Elias‘ Sicht auf die Strecke stark eingeschränkt war und er kurzzeitig unter Tunnelblick litt, den er mit einer veränderten Körperposition bekämpfte:„Ich sage immer, auf dem Rad muss man in die Hocke gehen. Es ist wirklich schwer, bei einer so hohen Geschwindigkeit zu lenken.”

„Ich bin verrückt nach Geschwindigkeit . Ich liebe es, schnell zu fahren und an meine Grenzen zu gehen. Ich liebe es, daran zu arbeiten, mich meiner Angst zu stellen Angst und diese zu überwinden. Der schnellste Typ auf einem gezogenen Fahrrad zu sein, war ein großer Traum. Ich bin stolz, dass alles geklappt hat und wir es geschafft haben, den Guinness World Records -Titel zu brechen .

Weitere Geschwindigkeitsrekorde im Überblick

Auch Athleten anderer Sportarten batteln sich im Wer-ist-am-schnellsten-Wettkampf.

Speedcheck: Geschwindigkeitsrekorde in anderen Sportarten

  • Wellenreiten: Rekord-Surfer Sebastian Steudtner erreichte auf der Monsterwelle von Nazaré Geschwindigkeiten über 80 km/h.
  • Klippenspringen: Laso Schaller sprang aus fast 60 Metern Höhe in einen Bergsee und erreichte dabei 123 km/h.
  • Windsurfen: Björn Dunkerbeck erreichte 103,7 km/h auf dem Seedkanal von Lüderitz, Namibia.
  • Skifahren: Simon Billy stellte bei den Weltmeisterschaften 2023 im Speed-Ski den Weltrekord mit 255,50 km/h auf.
  • Skydiving: Marco Hepp erreichte beim Wettkampf Speed Skydiving unglaubliche 530 km/h.
  • Superstunt: Felix Baumgartner durchbrach beim Rekordsprung aus knapp 39.000 Metern Höhe die Schallmauer und erreichte 1357,6 km/h.

Speedcheck: Welche Biker sind am schnellsten?

  • Downhill-Racing: Im Worldcup werden sogenannte Speedtraps aufgestellt, Zeitmessungen, die an besonders schnellen Passagen der Strecke die Geschwindigkeiten der Athleten ermitteln. Sie messen oft 60 km/h und schneller.
  • Auf nur einem Rad: Bei seinem Weltrekord 2001 in Palmdale, Kalifornien, erreichte Bobby Root unglaubliche 138,6 km/h auf dem Hinterrad. Noch verrückter: Root stellte auch den Rekord für die schnellste Fahrt auf dem Vorderrad auf. Im Nose-Manual erreichte der Profi-Freerider sagenhafte 90,7 km/h.
  • Top-Speed beim Absprung: Profi-Freerider Cam Zink stellte einen Weltrekord auf. Er flippte in Mamoth Mountain 30 Meter weit. Beim Absprung hatte er 74 km/h drauf. Mittlerweile wurde seine Rekord gebrochen. Der Brite Tom Isted drehte beim Darkfest in Südafrika 2023 noch weiter und war vermutlich beim Absprung noch schneller.
  • High-Speed bei der Tour de France: Die angeblich höchste Geschwindigkeit erzielte 2016 der deutsche Tour de Franc’ler Markus Burghardt vom Team BMC bei der Abfahrt Port de la Bonaigua mit gemessenen 130,7 km/h. Ein Wahnsinn auf schmalen Reifen! Dieser Bestmarke ist bis heute ungebrochen.

Zusammenfassung der Geschwindigkeitsrekorde im Mountainbiken

Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Geschwindigkeitsrekorde im Mountainbiken zusammenfasst:

Athlet Disziplin Geschwindigkeit Ort Datum
Max Stöckl Serien-Mountainbike auf Schotter 167,6 km/h Atacama-Wüste, Chile 13. Dezember 2016
Max Stöckl Schotterpiste 164,95 km/h Cerro Negro, Nicaragua 2011
Max Stöckl Schnee 210 km/h Chilenische Anden 2007
Elias Schwärzler Gezogenes Fahrrad 272,934 km/h Lausitzring, Deutschland 22. Mai 2022
Markus Burghardt Tour de France Abfahrt 130,7 km/h Port de la Bonaigua 2016

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