Wer hat Ducati gekauft? Eine detaillierte Analyse

Der italienische Motorradhersteller Ducati legte 2011 das beste Jahr in seiner fast 90-jährigen Geschichte hin. Nun übernimmt die VW-Tochter Audi das Unternehmen für 860 Millionen Euro.

Am Vorabend der VW-Hauptversammlung 2012 gaben die Aufsichtsräte ihren Segen. Für Europas größten Autobauer kauft die Ingolstädter Konzerntochter Audi die legendäre italienische Motorradschmiede Ducati zu einem nicht genannten Preis. Bislang war von einem Kaufpreis von etwa 860 Millionen Euro die Rede. Der Aufsichtsrat der Konzern-Tochter Audi segnet den Kauf der italienischen Motorradschmiede Ducati ab.

Über den Verkauf der Motorradmarke Ducati an einen deutschen Automobilhersteller war seit Anfang des Jahres spekuliert worden. Als mögliche Käufer wurden neben Audi auch Daimler und BMW ins Gespräch gebracht. Audi war bereits früher mit den Marken DKW und NSU im Motorradbau aktiv.

Die VW-Tochter Audi kauft nach Angaben aus Branchenkreisen den italienischen Luxus-Motorradbauer Ducati für rund 860 Millionen Euro. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sollen die Aufsichtsräte von Audi und der Mutter Volkswagen am späten Mittwochnachmittag - einen Tag nach dem 75. Geburtstag von VW-Patriarch Ferdinand Piëch - den Deal absegnen. Die Übernahme, über die bereits im Vorfeld vielfach spekuliert wurde, wurde am Vorabend der heutigen Volkswagen-Hauptversammlung gemeldet.

Volkswagen hatte den italienischen Motorradhersteller Ducati 2012 übernommen. Spekuliert wurde damals über einen Preis in Höhe von 860 Millionen Euro.

Es gehe bei all dem nicht unbedingt um das, was betriebswirtschaftlich notwendig und finanziell lukrativ ist, sagen Branchenanalysten. Sondern um das neue Spielzeug eines Mannes, der schon viele Marken gekauft hat. Zuletzt Porsche und MAN. Wenn einer schon alles hat, dann geht es am Ende vor allem um eines: wahre Leidenschaften.

Rational oder gar betriebswirtschaftlich ist die Übernahme der Firma, die im Bologneser Vorort Borgo Panigale Edelware für Premiumkunden fertigt, kaum zu erklären. Ducati ist fast ausschließlich eine Herzensangelegenheit des VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und ein weiterer Beweis für dessen langen Atem.

Daher ist das Timing perfekt: Schon bei der VW-Hauptversammlung am Donnerstag soll der 860-Millionen-Euro-Deal groß gefeiert werden. Ob der Kauf sinnvoll ist, ob Ducati zum Rest des VW-Reiches passt - all dies sind zweitrangige Fragen, wenn sich einer wie Piëch ein besonderes Geschenk machen will.

Piëch hat sich inzwischen fast komplett aus dem Unternehmen zurückgezogen. Veranlasst worden war der Kauf Ducatis einst von VWs damaligem Aufsichtsratschef und Großaktionär Ferdinand Piëch. Am 16. April feierte VW-Patriarch Ferdinand Piëch seinen 75. Geburtstag. Sein schönstes Geschenk machte sich der VW-Patriarch selbst.

Ducati ist so etwas wie die Diva unter den Motorradmarken. Piëchs Traum-Projekt. Vierzig Jahre später, an der Spitze des Konzerns, erfüllt er sich seinen lang gehegten Wunsch: "Ein kleiner feiner Motorradhersteller würde gut zu uns passen", sagte Piëch 2008 in einem Interview. Und führte fort, dass er noch immer dem Jahr 1985 nachtrauere, als Ducati in Not war und man den Hersteller "für einen Apfel und ein Ei" hätte kriegen können.

Audi verspricht sich von dem italienischen Motorradhersteller auch Synergieeffekte. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sagte, die Premiummarke Ducati habe eine lange Tradition im Bereich der sportlichen Motorräder. „Ducati gilt weltweit als Premiummarke unter den Motorradproduzenten und hat eine lange Tradition im Bereich der sportlichen Motorräder. Das Unternehmen verfügt über großes Know-how bei Hochleistungsmotoren und im Leichtbau und gehört zu den ertragsstärksten Zweiradherstellern weltweit. Damit passt Ducati hervorragend zu Audi“, sagte Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler.

Auch bringen die Ingenieure der VW-Gruppe spezielles Motorrad- und Ducati-Know-how mit. Sowohl bei Audi als auch in der Entwicklungsabteilung von Ducati dreht es sich um automobile Themen der Zukunft: möglichst effiziente Hochleistungsmotoren, optimale Ausnutzung von begrenztem Hubraum, maximaler Leichtbau durch den Einsatz von neuen Werkstoffen wie Karbon. Der V-Rod-Revolution Motor, der 2001 von Harley-Davidson auf den Markt gebracht wurde, entstand am Bildschirm der Porsche-Motorenentwickler in Zuffenhausen.

Der Kauf von Ducati hat übrigens auch Auswirkungen auf Mercedes. Nach der Übernahme durch Audi soll damit jetzt Schluss sein. Die Daimler-Tochter Mercedes AMG kooperiert seit Ende 2010 mit dem Motorradhersteller. So stattet das Autounternehmen den MotoGP-Rennstall von Ducati mit Mercedes-Fahrzeugen aus.

Volkswagen (VW) produziert Fahrzeuge an verschiedenen Standorten auf der ganzen Welt.

Volkswagen hatte den italienischen Motorradhersteller 2012 übernommen. Audi hat laut dem Wall Street Journal nun die Investmentbank Evercore beauftragt, einen Verkauf auszuloten. Der Preis soll 1,5 Milliarden Euro betragen. Harley-Davidson sei ernsthaft interessiert und habe die US-Bank Goldman Sachs mit ins Boot geholt. Auch Ducati-Fabriken seien bereits besichtigt worden.

Im vergangenen Jahr setzte die italienische Motorradmarke 731 Millionen Euro um.

Die Traditionsschmiede Ducati, lange Jahre ein Sanierungsfall, gehört zu 70 Prozent dem Finanzinvestor Investindustrial und steht nach harten Sparrunden und Umbauten längst wieder oben. 2011 war das beste Jahr in der fast 90-jährigen Geschichte des Unternehmen: 480 Millionen Umsatz machten die Italiener im vergangenen Jahr; der Gewinn lag bei 110 Millionen Euro. 42.000 Motorräder wurden verkauft.

Ducati iproduziert am Hauptsitz in Bologna sowie in einer eigenen Fabrik in Thailand. 2011 verkaufte Ducati rund 42 000 Motorräder und erwirtschaftete einen Umsatz von etwa 480 Millionen Euro. 1926 wurde die Gesellschaft von Adriano und Marcello Ducati in Bologna gegründet. Die Società Scientifica Radiobrevetti Ducati produzierte zunächst Bauteile für Radios. 1949 wurde mit der Herstellung von Motorrädern begonnen. Die Marke ist auch im Motorsport erfolgreich.

Dabei unkten viele Kritiker vor der Vertragsunterzeichnung, dass der Deal reiner Irrsinn sei. Die Schuldenlast in Bologna sei zu hoch; das Image beschädigt. Das sei keine Ehe, die funktionieren könne. Das "Handelsblatt" schreibt: "Dann lasst sie doch bitte lieber in Schönheit sterben."

Doch offensichtlich hat die Durchleuchtung der Firmenbücher durch die Wirtschaftsprüfer in den vergangenen Wochen ergeben, dass Ducatis eigentliche Kredit- und Schuldenlast unter 200 Millionen Euro liegt - eine überschaubare Summe bei einem Gewinn von rund 110 Millionen Euro.

Und auch die Kritik an der aufwendigen Rennsport-Abteilung Ducati Corse zieht nicht. Das exorbitante Jahresgehalt von angeblich 12 Millionen Euro des Spitzenfahrers Valentino Rossi bringen Sponsoren mit.

Der VW-Konzern hatte Ducati erst 2012 für rund 860 Millionen vom italienischen Investor Investindustrial gekauft.

Offiziell: Audi kauft DucatiElfte Marke im VW-Konzern18.04.2012-Volkswagen-Tochter Audi übernimmt die italienische Motorradmarke Ducati.

Ducati - Kennzahlen und Produktion

JahrUmsatz (Millionen Euro)Gewinn (Millionen Euro)Verkaufte Motorräder
201148011042.000
Im vergangenen Jahr731--

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