Die Frage, wer der beste Motocross-Fahrer der Welt ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Viele Faktoren spielen eine Rolle, darunter die Anzahl der gewonnenen Weltmeisterschaften, Grand-Prix-Siege und die Dominanz über einen bestimmten Zeitraum. Dieser Artikel beleuchtet einige der größten Namen im Motocross-Sport und vergleicht ihre Leistungen.
Antonio Cairoli: Eine Ära geht zu Ende
Antonio "Tony" Cairoli, eine Legende des Motocross-Sports, hat seine Pläne im Rahmen einer Pressekonferenz in Rom bekannt gegeben. Cairoli steuerte 2021 auf seinen 10. WM-Titel zu. Vor dem FIM-MXGP von Sardinien (IT) hält Cairoli bei einem Sieg und fünf Podestplätzen in den bisher ausgetragenen neun Läufen der MXGP 2021.
Cairoli ist seit 2004 einer der prägenden Charaktere der Motocross-WM. Er wurde zweimal mit Yamaha MX2-Weltmeister, dann 2009 als Rookie MX1-Champion, bevor er zu KTM wechselte, um gemeinsam mit den Österreichern eine Ära zu formen. Vor allem aber verhalf Tony KTM 2010 zum ersten Titel in der Königsklasse. Vier weitere Titel - alle auf der KTM 350 SX-F - sollten folgen, bevor er 2017 noch einmal mit der KTM 450 SX-F triumphierte. Zusammen mit Claudio de Carli und seinem Team entwickelte sich Cairoli seit 2010 zum Aushängeschild von Red Bull KTM Factory Racing und prägte das Image und Entwicklungsprogramm von Red Bull KTM Factory Racing entscheidend mit.
In jedem seiner 18 WM-Jahre gewann er mindestens einen Grand Prix. Insgesamt sind es bis heute 93 - und die Saison läuft noch bis November. In der Bestenliste wird er nur von dem Belgier Stefan Everts überragt.
Tony Cairoli:
“Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich habe immer schon gesagt, dass mich Zahlen und Statistiken nicht interessieren. Für mich und meine Familie war es bereits ein großer Erfolg, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, was meine darauffolgende Karriere nur noch besonderer machte. Ich finde, dass es an der Zeit ist, aufzuhören. Mein Umfeld gibt mir das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Und wir sind ja auch noch im Rennen um den Titel dieses Jahr, weshalb ich nach wie vor hochmotiviert bin. Ich möchte all jenen danken, die mir seit meinem Einstieg in die Weltmeisterschaft geholfen und mich all die Jahre unterstützt haben. Im Laufe der Zeit habe ich viele Menschen kennengelernt und mich riesig über die Leidenschaft und Liebe der Fans gefreut. Ich fühlte mich von Anfang an als Teil der KTM-Familie und unsere Zusammenarbeit wird - wenn auch in anderer Form - weitergehen."
Pit Beirer, KTM Motorsports Director:
“Unsere gemeinsame Geschichte begann auf beeindruckende Weise, denn als Tony zu KTM kam, hatten wir noch keinen Titel in der Königsklasse gewonnen und waren gerade dabei, die KTM 350 SX-F zu entwickeln. Auf gewisse Weise also mussten wir zwei Herausforderungen bewältigen! Dann fünf Titel in Folge zu gewinnen und das 350er-Konzept so eindrucksvoll zu etablieren, war ein Meilenstein für uns. Im Laufe der Jahre wuchsen wir noch enger zusammen und unsere Freundschaft wurde noch stärker. Viel von unserem Erfolg in den Vereinigten Staaten und in der MXGP verdanken wir diesen ersten Jahren mit Tony und seinem Vertrauen in uns und in unsere Vision für die Zukunft."
Robert Jonas, VP of Motorsports Offroad:
“Wir sind unglaublich stolz darauf, in Tonys Karriere eine so wichtige Rolle gespielt zu haben und so viel zum Werdegang eines der besten Motocross-Rennfahrer aller Zeiten beigetragen zu haben. Zu Anfang unserer Zusammenarbeit - mit einem Motorrad, das auf diesem höchsten Niveau des Sports damals fast ein Wagnis darstellte - hätten wir es uns nie erträumt, so erfolgreich zu werden oder dass Tony in der MXGP einen solchen Eindruck hinterlassen würde. Er hat Fans in aller Welt und einige davon sitzen genau hier im Werk. Es wird schon eine Zeit dauern, bis wir uns daran gewöhnt haben, die Nummer 222 im nächsten Jahr nicht mehr auf der Strecke zu sehen, aber seine Leidenschaft und Erfahrung werden uns auch in Zukunft eine große Hilfe sein."
Antonio Cairolis Erfolge im Überblick:
- 2004 - 3. MX2-WM (Yamaha)
- 2005 - 1. MX2-WM (Yamaha)
- 2006 - 2. MX2-WM (Yamaha)
- 2007 - 1. MX2-WM (Yamaha)
- 2008 - 6. MX2-WM (Yamaha)
- 2009 - 1. MX1-WM (Yamaha)
- 2010 - 1. MX1-WM (KTM)
- 2011 - 1. MX1-WM (KTM)
- 2012 - 1. MX1-WM (KTM)
- 2013 - 1. MX1-WM (KTM)
- 2014 - 1. MXGP-WM (KTM)
- 2015 - 7. MXGP-WM (KTM)
- 2016 - 2. MXGP-WM (KTM)
- 2017 - 1. MXGP-WM (KTM)
- 2018 - 2. MXGP-WM (KTM)
- 2019 - 10. MXGP-WM (KTM)
- 2020 - 3. MXGP-WM (KTM)
Stefan Everts: Der Rekordhalter
Stefan Everts ist eine weitere Legende des Motocross-Sports. Mit 10 Weltmeistertiteln und 101 Grand-Prix-Siegen hält er die Rekorde in beiden Kategorien. Der Belgier dominierte den Sport über viele Jahre und setzte Maßstäbe für zukünftige Generationen.
Joël Robert: Eine frühe Legende
Joël Robert, ebenfalls aus Belgien, war einer der Pioniere des Motocross-Sports. Er gewann sechs Weltmeistertitel in der 250-ccm-Klasse in den Jahren 1964, 1968, 1969, 1970, 1971 und 1972. Robert feierte 50 Siege in WM-Läufen. Seine Karriere wurde jedoch durch einen schweren Unfall im August 1972 unterbrochen, von dem er sich nie wieder vollständig erholte.
Jeffrey Herlings: Das Wunderkind
Jeffrey Herlings war einst das Wunderkind in der Motocross-Weltmeisterschaft, gewann bereits kurz nach seinem Debüt im Alter von 15 Jahren, seine erste WM-Veranstaltung und wurde ein Jahr später Weltmeister. 2021 wurde Herlings MXGP-Weltmeister. Herlings hielt dem Druck stand und ging bei den beiden Spielen in Italien mit 1:1, um seinen Namen wieder in die Rekordbücher einzutragen.
Inzwischen stand Herlings 107 Mal als Gesamtsieger auf der obersten Stufe eines WM-Podests und wurde fünf Mal Weltmeister.
Jeffrey Herlings:
"Ich bin superglücklich, aber gleichzeitig tun mir die anderen beiden Jungs leid. Ich möchte beiden für eine tolle Meisterschaft danken. Das Schlimme an unserem Sport ist, dass nur einer gewinnen kann, aber sie waren großartig und ich habe großen Respekt vor beiden. Das 1:1 heute war etwas Besonderes. Ich habe eine Woche lang nicht geschlafen und darüber nachgedacht, was passieren könnte, was passieren könnte und dies und das. Das war keine einfache Meisterschaft. Wir alle drei haben bis zum letzten Rennen immer weiter gestürmt, besonders ich und Romain in den letzten beiden Rennen, und der Druck war groß. Ich habe nicht gebrochen und ich habe die Meisterschaft zustande gebracht. Was für eine harte Saison!"
Aki Ajo:
"Wir gingen von der Führung nach nirgendwo, weil Jeffrey verletzt wurde und dann aus der Konkurrenz war. Er kam früh zurück und ich denke, dass das Rennen, das er in Lommel gefahren ist, den Unterschied gemacht hat. Er ritt durch den Schmerz und brachte uns wieder auf den richtigen Weg. Seine Schmerzgrenze und sein Verlangen sind verrückt. Andere wären wahrscheinlich weggeblieben und hätten sich erholt, aber er wollte im Spiel bleiben. Jetzt ist er Weltmeister. Heute war „schrecklich“ für das ganze Team! Wir waren nach dem ersten Rennen punktgleich und es ging bis zum letzten Rennen und der beste Mann würde gewinnen. Es sah so aus, als ob Jeffrey es wieder mehr wollte. Dies war keine normale Saison. Es war ein schwieriger und besonderer Titel zu gewinnen. Der Wettbewerb war unglaublich, also ein großes Kompliment an sie: Tim und Romain haben ein unglaubliches Jahr abgeliefert und jeder der Jungs hätte einen Titel verdient, aber wir haben auch wirklich hart dafür gearbeitet. Jeffrey war unglaublich. Er hatte Höhen und Tiefen, kämpfte aber immer und kam zurück, um mehr zu bekommen. Es ist immer eine emotionale Fahrt mit ihm, aber am Ende denke ich, dass er diesen Titel am meisten verdient hat. Ich muss dem ganzen Team danken, weil es sich so viel Mühe gegeben hat, aber in unserer Motocross-„Welt“ ist der Fahrer der Superstar und wir haben Großartige in unserem Team. Tony, Jorge, Mattia, Rene und Tom: Die Beziehung, die wir haben, ist auch großartig und macht unsere Arbeit so viel Spaß."
Vergleich der Erfolge
Um die Leistungen der genannten Fahrer besser vergleichen zu können, hier eine Übersichtstabelle:
| Fahrer | Weltmeistertitel | Grand-Prix-Siege |
|---|---|---|
| Stefan Everts | 10 | 101 |
| Antonio Cairoli | 9 | 93 |
| Joël Robert | 6 | 50 |
| Jeffrey Herlings | 5 | 107 |
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