Werner Beinhart Motorrad Details: Eine Hommage an den Kult

Die Kult-Comicfigur Werner, geschaffen von Rötger Feldmann alias "Brösel", hat nicht nur auf dem Papier Geschichte geschrieben, sondern auch in der Welt der Motorräder tiefe Spuren hinterlassen. Der Comic, der unter dem Leitmotiv »Werner - beinhart« bekannt wurde, prägte ein polarisierendes Bild der ostholsteinischen Lebensumstände.

Feldmanns erste "Werner"-Zeichnungen erschienen 1978 im Satiremagazin "Pardon" sowie in einer Kieler Stadtzeitung. Schwerpunkt waren andauernde Streitigkeiten mit dem TÜV und der Polizei wegen seiner Horex-Umbauten. Die Comics erlangten schnell eine überregionale Bekanntheit.

Anstoß für die Party in Hartenholm 1988 ist "Brösels" vierter Band der "Werner"-Comicreihe, der 1985 erscheint. Der Titelheld wettet darin, dass er mit einem umgebauten und mit vier Motoren ausgestatteten Horex-Motorrad "Holgis" Porsche 911 im Rennen schlagen kann. Am ersten September-Wochenende 1988 ist es dann so weit: "Brösel" holt die Horex Marke Eigenbau aus dem Schuppen, den sogenannten Red Porsche Killer. "Holgi" bringt seinen roten Porsche 911 an den Start der 600 Meter langen Strecke.

Das legendäre Rennen und seine Folgen

Das Rennen lockte die Menschenmassen an - zur Überraschung der Veranstalter. Sie sind trotz wochenlanger Vorbereitungen schlicht überfordert. Knapp 100.000 Karten zum Preis von 55 D-Mark gehen im Vorverkauf über den Tresen. Dass aber noch einmal so viele partywütige Fans auf das Festival-Gelände wollen, damit hat keiner gerechnet. Die Massen sorgen für ein Verkehrschaos - nicht nur rund um Hartenholm, sondern auch auf der Autobahn 7 und der Bundesstraße 206.

Die Spannung, die sich über Wochen bei den beiden Fahrern und den vielen Fans aufgebaut hat, ist beim Rennen allerdings nur von kurzer Dauer: Die ersten Meter liegt der "Red Porsche Killer" noch vorne, aber der 911er von "Holgi" kommt deutlich vor dem Motorrad ins Ziel. Warum das? "Brösel" hat sich schlicht verschaltet.

Als mit dem Rennen auch das Festival vorbei ist, atmen viele Anwohner auf. Doch das Chaos bleibt: 600.000 Würstchen und 450.000 Liter "Bölkstoff" hätten die Fans innerhalb von drei Tagen konsumiert, berichtete der "Spiegel". Und danach ihren ganzen Müll zurückgelassen.

Als "ein dichter Teppich aus Plastikbechern, Autoreifen, Blechdosen und blauen Müllsäcken" wird die Hinterlassenschaft der Feierwütigen beschrieben. Zwei Wochen dauern die Aufräumarbeiten. Hartenholms damaliger Bürgermeister Kurt Böge (CDU) findet im Gespräch mit der "NZ" deutliche Worte: "Die Veranstalter ziehen ab - und unser Dorf bleibt beschissen zurück."

2018 erfährt das "Werner"-Rennen in Hartenholm eine Neuauflage. Wie 30 Jahre zuvor tritt der "Red Porsche Killer" gegen "Holgis" Porsche 911 an. Die Horex ist nun aber technisch weiterentwickelt worden. Der vierte Motor hat "Umbiegungssnüffelstücke" erhalten, was im "Werner-Deutsch" so viel bedeutet wie nach hinten gerichtete Ansaugrohre. Musikalisch sind unter anderem BAP und natürlich Torfrock ("Beinhart") am Start.

Die Faszination der Werner-Motorräder

Die Begeisterung für die Werner-Motorräder geht weit über die Comics hinaus. Zahllose aus den Comics bekannte Szenen fanden ihren Weg auf die große Kino­leinwand. Der ganze Irrsinn lockte in Form von fünf Filmen etwa 14 Millionen Zuschauer in die Lichtspiel­häuser.

Ein motorisiertes Monstrum mit vier Horex-Motoren - der Red Porsche Killer - gegen einen Porsche 911 T, Baujahr 1968. Das ist die Ausgangs­lage für das WERNER RENNEN, das zunächst in Comicform im Band „Eiskalt!“ (1985) erzählt wurde und schließlich auf Drängen der Fans auf dem Flugplatz Hartenholm im Spätsommer 1988 Realität wurde.

Unter den Augen von etwa 250.000 Besuchern, verlor Brösel auf dem Red Porsche Killer gegen seinen porsche­fahrenden Kumpel Holgi. Auch die Revanche 2004 auf dem Euro­speed­way Lausitz sollte nicht gelingen. Erst 2018, nach 30 Jahren, lederte Brösel Holgi in Hartenholm endlich ab.

Die Verbindung zu Horex

Eines ist dabei klar: Werners liebste Motorrad-Marke ist Horex - erkennbar am Markenzeichen „H“. In einem Film tritt Werner mit einer selbst zusammengeschraubten Maschine mit vier Horex-Motoren gegen einen Porsche an.

Jetzt gibt’s für Werner und seinen Schöpfer schlechte Nachrichten. Horex hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen war bereits 1923 in Bad Homburg von Fritz Kleemann gegründet worden. Nach der Blütezeit in den 50er Jahren übernahm 1960 Daimler-Benz den Hersteller und löste Horex auf. Doch 2010 wagte der Unternehmer Clemens Neese in Augsburg einen Neustart: Er wollte an die Glanzzeit anknüpfen. Eine Manufaktur mit rund 30 Mitarbeitern baute neue Modelle. Doch die Ziele wurden offenbar nicht erreicht, das Geld ging aus.

Was Werner dazu sagen würde? Wahrscheinlich bräuchte er erst einmal ’ne Flasche Bier.

Der Zeichner hinter der Legende

Rötger "Brösel" Feldmann erblickte 1950 in Travemünde das Licht der Welt. Nach seiner Lehre zum Lithografen gönnte er sich eine 6-jährige Auszeit in Form von „arbeitslos und Spaß dabei“. In dieser kreativen Schaffens­phase widmete er sich zunehmend dem Zeichnen von Comics.

Nach ersten Veröffentlichungen in der Satire­zeitschrift Pardon, wurde er schnell zum frei­schaffenden Zeichner und bat das Arbeitsamt künftig von monatlichen Almosen abzusehen. Seit 1981 erscheinen in unregelmäßiger Regel­mäßigkeit Werner-Bände.

Ein Highlight ist 1984 das Buch EISKALT! aus dem sich das Werner Rennen entwickelt, das 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm seinen Weg in die Realität findet - 250.000 Fans zelebrieren eine Wahnsinns­party aus Benzin, Bier und Gummi!

Die Entwicklung der Figur Werner

Feldmann: Ich hatte schon viele Comics gezeichnet mit verschiedenen Figuren. Mein Freund Winfried Bartnick, der im Buchhandel gearbeitet hatte, meinte, ich müsse unbedingt Bücher machen. Ich habe dann die Geschichten so umgeschrieben, dass sie eine Hauptfigur hatten. Eigentlich konnte ich nicht richtig gut zeichnen, aber ich wollte anders sein. So ergab sich Werner mit seinen vier Haaren und zwei Zähnen. Irgendwie waren die Geschichten anarchisch - und naiv. Vielleicht hat gerade das die Leute fasziniert. 10.000 Exemplare haben wir 1981 vom ersten Buch "Werner - Oder was?" gedruckt.

In Comics zumindest konnten Sie Ihrer Tuner-Fantasie freien Lauf lassen - wie mit dem "Red Porsche Killer", einer viermotorigen Horex, mit der Werner 1985 in "Werner - Eiskalt!" gegen den Porsche seines Kumpels Holgi antrat.

Als sich das Buch ein paar hunderttausendmal verkauft hatte, riefen Leser an: "Was ist denn nu' mit dem Rennen?" Da war klar: Wir müssen das machen. Unser Kumpel "Ölfuß", Wolfgang Ußleber, kannte sich mit Horex aus, der hat das in drei Jahren zusammengeschwartet.

Das Vermächtnis von Werner

Die "Werner"-Comics und Filme haben nicht nur Millionen von Menschen unterhalten, sondern auch einen bleibenden Eindruck in der deutschen Popkultur hinterlassen. Die Geschichten von Werner, Meister Röhrich und ihren Freunden sind zeitlos und werden auch in Zukunft noch viele Menschen begeistern.

Auch wenn es manchmal schwerfällt, lustig zu zeichnen, wenn so viel Schreckliches passiert: Trump, Brexit, keiner will mehr Europa. Aber in Rente geht Werner deshalb noch lange nicht. 2018 kam der letzte Band raus, seit einem Jahr überarbeiten wir alle alten Comics grundlegend. Außerdem bereiten wir gerade eine Streamingserie vor.

Nachbau eines Werner Motorrads

Sömmerda - „Beinhart wie ‚n Rocker ...“ heißt es im Kult-Comic „Werner“ von Brösel. „Beinhart im Beiwagen“ lautet das Motto der Brüder Matthias (37, Koch) und Axel Ludwig (26, Kfz-Mechatroniker) aus Eßleben.

SIE HABEN WERNERS MOTORRAD NACHGEBAUT.

„Ich war drei Jahre alt, da riss mich der Werner-Film vom Hocker“, erinnert sich Axel. „Und natürlich sein Motorrad.“ Jahre später saßen die Ludwig-Brüder beim Bier im Bauwagen zusammen, beschlossen: Das können wir auch!

Sie zeichneten eine Skizze, Matthias organisierte Teelöffel, Tomatenmark-Dose, Ausstecher und Kümmel-Streuer, daraus entstand das erste Modell. Während Matthias die Ideen lieferte, setzte Mechaniker Axel die verrücktesten Pläne um.

Die Brüder kauften ein schrottreifes China-Moped (125 ccm, 12 PS), verkleideten es mit Holz, montierten einen Schaufelsitz, einen Feuerlöscher als Tank, einen Suppentopf dran. Kostenpunkt: 900 Euro. Später entstand der Beiwagen für 400 Euro.

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