Ob Fußball, Wirtschaft oder Motor: Überall wird geschmiert. Das ist nicht immer gewollt, manchmal aber unverzichtbar: Für ein langes Motorradleben ist die Ölstandskontrolle wie auch der regelmäßige Ölwechsel oberstes Gebot. Wir zeigen, wie es geht.
Warum ist die Ölstandskontrolle wichtig?
Das Öl ist im Motor eine Art Alleskönner. Schließlich ist der Ölverbrauch auch ein wichtiger Indikator für den Verschleißzustand des Motors. Ebenso wichtig wie der Wechsel ist bereits die Ölstandskontrolle, denn nur ein korrekter Ölstand schützt vor Schäden. Aber wie alle Schmierstoffe altert es und muss deshalb in regelmäßigen Abständen gewechselt werden.
Läuft der Motor mit zu wenig Öl, führt das zu erhöhtem Verschleiß in Ermangelung ausreichender Schmierung bis hin zum Motorschaden. Im umgekehrten Fall, wenn zu viel Öl eingefüllt wurde, verliert der Motor Leistung, denn in diesem Fall bremst das Öl die bewegten Teile. Es kann dadurch schaumig werden und seine Schmierfähigkeit verlieren.
Außerdem erhöht sich der Öldruck im Inneren des Motors und führt zu defekten Dichtungen oder gelangt über die Kurbelgehäuseentlüftung in den Luftfilter. Der Ölstand verändert sich, weil ein gewisser Ölverbrauch normal ist, er sollte aber nicht über 0,4 l bei wassergekühlten und 0,7 l auf 1000 km bei luftgekühlten Motorrädern liegen. In besonderen Fällen (z. B. durch Benzinverdünnung) kann sich der Ölstand auch erhöhen. Regelmäßige Kontrolle ist deshalb unverzichtbar.
Wie oft sollte der Ölstand kontrolliert werden?
Der Ölstand des Motorrades sollte mindestens alle 1.000 km kontrolliert werden - eine einfache, aber wichtige Aufgabe. Bevor man mit der Messung startet, sollte man einen Lumpen zum Abwischen des Ölmessstabs sowie idealerweise einen Trichter bereithalten für den Fall, dass Öl nachgefüllt werden muss. Außerdem muss man darauf achten, dass das Auto an einer geraden Stelle steht, sonst wird die Messung verfälscht.
Wie wird der Ölstand gemessen?
Gemessen wird der korrekte Ölstand bei warmem Motor (ca. 80 Grad), der fünf bis zehn Minuten stand, damit das Öl zurücklaufen konnte. Bei einem Motor mit drei Liter Ölinhalt kann der Unterschied zwischen kaltem und warmem Motor mehr als 100 cm³ betragen!
Um das Öl des Motorrads zu messen, sollte das Fahrzeug dann auf einem ebenen Untergrund abgestellt werden. Maschinen mit Nasssumpfschmierung sollten dort erstmal zehn Minuten stehen bleiben, denn so hat das Öl genug Zeit, um zurück in die Ölwanne zu fließen. Zudem sollte der Motor genügend Zeit haben, um sich abzukühlen.
Viele ältere Motorräder haben noch die 6.000-km-Intervalle, neuere Typen 10.000 km oder 12.000 km bzw. verlangen alle zwei Jahre nach einem Wechsel.
Für eine genaue Kontrolle stellt man die Maschine auf den Hauptständer. Hat das Motorrad nur einen Seitenständer, lässt man es am besten von einer zweiten Person einen Augenblick in der Waagerechten halten, bevor man den Ölstand auf Niveau des Schauglases abliest. Wird der Ölstand nicht auf Niveau des Schauglases abgelesen, führt dies zu einem verfälschten Ablesewert. Infolgedessen werden Motoren dann mit Motorenöl überbefüllt.
Messung mit Peilstab
Bei der Messung per Peilstab muss man wissen, ob der Peilstab nur aufgesetzt wird oder komplett eingedreht werden muss (Fahrerhandbuch beachten). Ist ein Ölmessstab vorhanden, wird dieser herausgeschraubt und sauber gewischt. Anschließend wird er wieder eingesetzt, aber nicht eingeschraubt, und erneut herausgezogen.
Dazu zuvor je nach Herstellervorgabe den Motor 2 bis 3 Minuten laufen lassen, damit sich das Öl im Kreislauf verteilen kann. Nach dem Abstellen des Motors etwa 1 bis 2 Minuten warten. Dann den Ölstand entweder mit Hilfe des Messstabes oder durch Ablesen am Schauglas ermitteln. Im ersteren Fall den Messstab herausschrauben und abwischen. Den Messstab je nach Vorgabe des Herstellers wieder hineinstecken und wieder einschrauben bzw. ohne ihn einzuschrauben. Dann wieder herausziehen und den genauen Ölstand ablesen.
Auf dem Ölmessstab finden sich zwei Markierungen. Die untere markiert den minimalen Ölstand, die obere den maximalen. Der Ölfilm sollte zwischen Minimum und Maximum liegen. Der Abstand zwischen den beiden Markierungen entspricht ungefähr einem Liter Öl.
Messung mit Schauglas
Die meisten Motorräder haben eine Nasssumpfschmierung, d. h. der Ölvorrat ist in der Ölwanne. Es mag einem zwar akrobatisch vorkommen, die Maschine auszurichten und gleichzeitig auf das Bullauge zu schauen - aber das geht prima. Beim Ölschauglas hat man dieses Problem nicht. Bei beiden Arten muss die Maschine aber gerade stehen - nicht ganz einfach bei Motorrädern ohne Hauptständer. Beim Peilstab kann man sich auf die Maschine setzen, beim Schauglas braucht man Yoga-Erfahrung oder eine zweite Person.
Der richtige Ölstand
Idealerweise sollte der Ölstand auf der halben bis drei viertel Strecke zwischen "min" und "max" liegen. Der korrekte Füllstand befindet sich zwischen der oberen und der unteren Markierung. Der Füllstand darf nie über der oberen Markierung oder unter der unteren Markierung liegen. Aber Achtung: Je nach Modell/Bauart gibt es abweichende Vorgehensweisen bei der Kontrolle (z. B. Prüfung auf dem Seitenständer etc.). Einige wenige Motorräder (z. B. BMW F 650) haben eine Trockensumpfschmierung. Das Öl befindet sich hier in einem separaten Tank, an dem sich dann auch meist der Peilstab befindet. Unbedingt die entsprechende Anleitung beachten!
Wenn der Ölstand zu niedrig ist, nur so viel wie nötig nachfüllen. Dabei das Öl immer in kleinen Mengen einfüllen. Danach einige Sekunden abwarten, bis das Öl sich in der Ölwanne gesammelt hat. Es ist darauf zu achten, dass Schmutzpartikel, vor allem Sand, nicht in die Ölwanne geraten. Vor dem Herausdrehen des Messstabs oder Abschrauben des Deckels den Bereich um den Einfüllstutzen sorgfältig sauber wischen.
Welches Öl ist das Richtige?
Man unterscheidet drei Sorten: mineralisches, teilsynthetisches und synthetisches Motorenöl. Welches Öl für das jeweilige Motorrad das richtige ist, steht in der Betriebsanleitung. Falls der Hersteller ein bestimmtes Öl vorschreibt, erübrigt sich jede Diskussion, will man nicht Garantie- oder Kulanzansprüche verlieren. Wird vom Hersteller ein bestimmtes Öl vorgeschrieben, sollte man dieses auch benutzen, um keine Garantie- oder Kulanzansprüche zu verlieren. Die richtige Menge, Viskosität und Spezifikationen kann man dem Fahrzeug-Handbuch entnehmen.
Welches Öl man verwendet, ist nicht zuletzt eine Glaubensfrage, die in Foren oft mit fundamentalistischer Begeisterung ausgetragen wird. Wer sich aber sachkundig macht, wird Erstaunliches herausfinden. Es muss nicht immer das teuerste und nur vermeintlich beste Öl sein. In Tests schlagen gelegentlich Billigöle selbst die besten Markenprodukte, und die Erfahrungen aus den Internetforen zeigen, dass nicht jeder Motor, insbesondere die Kupplung, jedes Öl verträgt. Dass Händler gerne synthetisches Öl verkaufen, liegt auf der Hand, denn es ist deutlich teurer, ergo die Gewinnspanne größer. Übrigens sind alle Öle im Prinzip miteinander mischbar.
Worauf ist beim Kauf zu achten?
Beim Kauf ist auf folgende Dinge zu achten:
- Viskosität: Als Viskosität bezeichnet man das Maß für die Zähflüssigkeit eines Motoröls. Das Öl muss sich den thermischen Bedingungen des Motors anpassen. Ist der Motor kalt, muss es dünnflüssig sein. Steigt die Temperatur, dann muss ein ausreichender Schmierfilm gewährleistet sein. Bei normalen Motorrädern, die mineralisches Öl verwenden, kommt meist 10W-40 oder 15W-40 zum Einsatz. Synthetische Öle haben meist eine höhere Bandbreite bei der Viskosität, z. B. 5W-50.
- Qualität: Die bekannteste Qualitätsnorm für Öl (sie bezieht sich allerdings auf Automotoren) ist die API-Norm (von American Petroleum Institute). Sie hat bei Ottomotoren als ersten Buchstaben ein S, der dann folgende Buchstabe gibt den Leistungsstandard an. Daneben gibt es auch die japanische JASO-Norm, die wichtigste Klassifikation für Motorrad-Motorenöle. Für Motorradmotoren mit nasssumpfgeschmierten Kupplungen und Getrieben eignen sich besonders Öle der JASO MA/MA-2-Norm.
Der Ölwechsel
Da Öl altert, muss es regelmäßig gewechselt werden. Entweder nach einer bestimmten Laufleistung oder bei Gelegenheitsfahrern nach einer bestimmten Zeit. Dabei sollte auch der Ölfilter getauscht werden. Falls das Wechselintervall für das Motoröl ohnehin fast erreicht ist, ist ein Ölwechsel vor der Winterpause durchaus sinnvoll. Älteres Öl verfügt nur noch über einen Teil des Korrosionsschutzes, den frisches Öl besitzt, das außerdem auch noch keine durch die Verbrennung entstandenen aggressiven Bestandteile enthält.
Der Ölwechsel gehört zu den relativ einfachen Wartungsarbeiten und ist mit ein bisschen Planung auch für den Laien kein Problem, denn im Unterschied zum Auto lassen sich Ablassschraube, Ölfilter und Einfüllstutzen meist gut erreichen. Ein bisschen Planung ist aber unverzichtbar.
Was wird benötigt?
Man benötigt: die entsprechende Menge frisches Öl, einen Messbecher, den neuen Ölfilter, eine neue Dichtung für die Ablassschraube, einen passenden Trichter und, falls man zu viel Öl eingefüllt hat, eine Spritze mit Schlauch zum Absaugen. Nicht fehlen sollten natürlich das passende Werkzeug zum Lösen der Ölablassschraube sowie ein Auffanggefäß für das Altöl. Das gibt es im Zubehör als praktische Kombination von Wanne und Behälter. Müssen für den Wechsel auch Verkleidungsteile etc. abgebaut werden, legt man das benötigte Werkzeug ebenfalls bereit. Wichtig sind auch ein Drehmomentschlüssel sowie die Anzugswerte für die Ölablassschraube und eventuell das Filtergehäuse, denn die empfindlichen Gewinde im Motorblock können leicht beschädigt werden. Intelligenterweise deckt man den Garagenboden vernünftig ab und achtet darauf, möglichst keine Behälter offen herumstehen zu lassen.
Wie wird das Öl eingefüllt?
Wichtig beim Ölwechsel ist die richtige Temperatur. Der Motor sollte warm gefahren sein (ca. 15 km Fahrstrecke/80 Grad). Dann wird das Öl möglichst zügig gewechselt, damit sich die Schwebstoffe nicht wieder an der Innenwand des Motors absetzen. Genau das passiert nämlich, wenn das Öl bei kaltem Motor gewechselt wird. Achtung, da das Öl noch relativ heiß ist, unbedingt einen Schutzhandschuh beim Herausdrehen der Ablassschraube tragen - Verbrennungsgefahr! Zwei Missgeschicke sind jetzt typisch. Zum einen fällt die Schraube in die Wanne, zum anderen steht die Ölwanne falsch bzw. das Öl schießt weiter als gedacht aus dem Ablauf heraus. Deshalb entferne ich den Einfüllstutzen erst nach dem Entfernen der Ablassschraube. Jetzt kann das Öl gut ablaufen und der alte Ölfilter abgeschraubt werden. Es gibt zwei verschiedene Arten von Filtern. Patronen-Ölfilter ähneln einer Blechdose und werden komplett abgeschraubt. Das Abschrauben wird durch einen Ölfilterschlüssel oder -Aufsatz erleichtert. Bei der anderen Bauart muss zuerst ein Ölfilter-Gehäuse entfernt werden, um den eigentlichen Filter entnehmen zu können.
Nachdem das Öl vollständig ausgetropft ist, wird die Ölablassschraube mit neuer Dichtung eingeschraubt und mit vorgeschriebenem Drehmoment angezogen. Der Patronen-Ölfilter wird meist nur mit der Hand angeschraubt und auch nur handfest festgezogen. Maßgeblich sind hierbei die Angaben des Fahrzeugherstellers. Die Gummidichtung des Filters wird vorher mit sauberem Öl am Finger eingeölt. Bei Filtern mit Gehäuse reinigt man dieses gründlich und legt den neuen Filter richtig ausgerichtet ein. Eventuelle Dichtungen und Dichtringe werden erneuert und die Schraube(n) mit einem Drehmomentschlüssel angezogen.
Jetzt muss nur noch neues Motoröl eingefüllt werden. Trichter und Messbecher sind hier hilfreich. Erst einen halben Liter weniger als angegeben einfüllen, dann den Motor kurz laufen lassen und den Ölstand prüfen. In kleinen Schritten bis zur Max-Markierung auffüllen. Falls man versehentlich zu viel Öl eingefüllt hat, hat sich zum Absaugen eine große Plastikspritze mit aufgesetztem Schlauch gut bewährt. Bevor man das alte Öl in einen Kanister füllt, um es fachgerecht zu entsorgen, sollte man es mit einem Teesieb durchsieben. Rückstände wie Metallspäne, kleine Plastikteilchen deuten auf mögliche Getriebeschäden oder Steuerkettenspanner-Probleme hin.
Zusätze verboten!
MOTUL Motorradschmierstoffe werden exakt nach den Spezifikationen und Anforderungen der Hersteller entwickelt. Es sind daher hochentwickelte Produkte, die alle technischen Anforderungen von Motorradmotoren optimal erfüllen. Ein Motorenöl ist ein komplexes Gemisch aus Basisölen und Additiven, die aufgrund spezieller Eigenschaften ausgewählt werden. Sie bieten den besten Kompromiss zwischen Leistung, Schutz und Langlebigkeit. Zusätzliche Additive würden die Ausgewogenheit des Schmierstoffs beeinträchtigen und könnten die Lebensdauer des Motors verkürzen. Eine regelmäßige und sorgfältige Wartung wirkt sich dagegen positiv auf die Lebensdauer aus. Ein Motorradöl schmiert in der Regel nicht nur den Motor, sondern auch Getriebe und Kupplung. Daher sind Motorradöle sehr komplexe Schmierstoffe. Die Palette der MOTUL Motorradmotorenöle übertrifft alle diese besonderen Anforderungen. Zusätzliche Additive sind daher überflüssig.
Motorräder mit Trockensumpfschmierung
Bei Motorrädern mit Trockensumpfschmierung arbeiten zwei Pumpen: Die Förderpumpe saugt das Öl aus der Ölwanne und befördert es in einen separaten Ölvorratsbehälter. Dieser befindet sich im Rahmen oder in der Schwinge des Motorrads. Die Druckpumpe spritzt das Öl an die zu schmierenden und kühlenden Stellen. Danach läuft es in die Ölwanne zurück, um wieder von der Förderpumpe abgesaugt zu werden.
Motorräder mit Nasssumpfschmierung
Bei der sogenannten Nasssumpfschmierung sammelt sich das Öl in der Ölwanne. Von dort wird es mit einer Pumpe gefördert und im Motor auf die zu schmierenden und kühlenden Motorteile gespritzt. Danach läuft es wieder in die Ölwanne zurück. Daher gilt es vor der Messung des Ölstands ein wenig zu warten, bis das Öl wieder in die Ölwanne zurückgelaufen ist und sich nicht mehr im Motor befindet.
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