Ein Fahrradhelm sollte immer getragen werden, da bei Radunfällen häufig der Kopf betroffen ist. Laut der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) könnten 60 bis 70 Prozent der tödlichen Hirnverletzungen vermieden werden, wenn alle Radfahrer grundsätzlich einen Helm tragen würden.
Im Straßenverkehr werden Radfahrer oft beim Abbiegen übersehen und von Pkw, Lkw oder Bussen angefahren. Bei solchen Unfällen treten oft schwere Kopfverletzungen auf. Ein Fahrradhelm schützt im Falle eines Unfalls vor Kopfverletzungen - das ist Fakt und durch zahlreiche Studien eindeutig bewiesen.
Wie ein Fahrradhelm schützt: Bei einem Verkehrsunfall erleiden viele Radfahrende schwere Kopf- und Hirnverletzungen. Ein Helm lässt diese deutlich weniger schwer ausfallen: Ohne Helm trifft die Aufprallkraft konzentriert auf eine kleine Fläche und kommt dadurch mit großem Druck zur Wirkung. Mit Helm aber verteilt sich die Kraft auf eine viel größere Fläche, im Optimalfall auf die gesamte Helmauflagefläche.
Ein Helm absorbiert bis zu zwei Drittel der Energie, die bei einem Aufprall ohne Helm direkt auf den Kopf einwirken würde, so das Bundesverkehrsministerium. Gute Helme sind im Nacken- und im Schläfenbereich runtergezogen. Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann.
Die Dekra Fahrzeugtechnik testete und bewertete 2020 das Nutzenpotenzial von Fahrradhelmen in realen Unfallszenarien. Als Fazit der zahlreichen Crashversuche stellte sie fest, dass richtig getragene Fahrradhelme das Risiko schwerer Kopfverletzungen bei einem Unfall - sowohl mit einem Unfallgegner als auch bei einem Sturz ohne Fremdbeteiligung - deutlich reduzieren.
Die Verkehrsministerien Baden-Württembergs und Thüringens ließen von der HFC-Human-Factors-Consult GmbH zwischen 2014 und 2017 Fragestellungen rund um Fahrradhelm und Fahrradhelmpflicht untersuchen. Nach dieser Studie war bei einem Viertel aller Fahrradunfälle der Kopf betroffen, und Helme konnten 20 Prozent der leichten und 80 Prozent der schweren Kopfverletzungen verhindern.
Der "Melonentest" des ADAC veranschaulicht dies sehr anschaulich: Wenn die Frucht ungeschützt aus 1,50 Metern fällt, zerbricht sie. In einen - ausgemusterten - Fahrradhelm gelegt, richtig befestigt und aus der gleichen Höhe fallen gelassen, bleibt sie unbeschädigt.
Wer trägt einen Helm?
Jung oder alt: Wer trägt einen Helm? Die Helmtragequote lag 2022 bei 40,3 Prozent. Dabei war sie bei Pedelecfahrern mit 60,1 Prozent deutlich höher als bei konventionellen Radfahrerinnen und -fahrern (34 Prozent). Am höchsten - 81,3 Prozent - war sie 2022 bei den Jüngsten, nämlich bei Kindern von sechs bis zehn Jahren.
Die meisten Grundschulkinder tragen in Deutschland beim Radfahren einen Helm. 76 Prozent der Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren fahren oben mit, so die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Das heißt, bei ihren Kindern achten Eltern sehr wohl darauf, dass sie nur mit Schutz aufs Fahrrad steigen. Deswegen ist es besonders wichtig, dass Eltern und Großeltern immer einen Fahrradhelm tragen und damit Vorbild sind.
Statistiken zur Helmnutzung:
| Gruppe | Helmtragequote (2022) |
|---|---|
| Pedelecfahrer | 60,1 % |
| Konventionelle Radfahrer | 34 % |
| Kinder (6-10 Jahre) | 81,3 % |
Mit 31,2 Prozent liegt die Gruppe der 17- bis 21-Jährigen in der Statistik ganz hinten.
Besonders ältere Menschen sollten auf jeden Fall einen Helm tragen, wenn sie aufs Rad oder E-Bike steigen: "Wir sehen in der Klinik immer mehr ältere Radfahrer nach schweren Unfällen. Durch die verstärkte Nutzung von elektrischen Rädern erreichen sie schnell hohe Geschwindigkeiten, die sie dann schwerer kontrollieren können", so Dr.
Der Radverkehr folgt leider nicht dem allgemein positiven Trend der Unfallstatistik. Unfälle mit Pedelecs gehen häufiger tödlich aus als solche mit Fahrrädern ohne Motor, wofür auch das Alter der Verunglückten ein Grund ist - bei älteren Menschen ist zudem die Wahrscheinlichkeit höher, sich bei einem Sturz schwer oder tödlich zu verletzen.
Verletzte oder getötete Pedelec-Fahrende waren im Durchschnitt 53 Jahre alt, die auf einem nicht motorisierten Fahrrad 42. Welchen Anteil Kopfverletzungen an diesen Zahlen haben, ist nicht bekannt, weil die amtliche Statistik bei einem Fahrradunfall nicht unterscheidet, welche Körperregion betroffen ist.
Argumente gegen das Tragen eines Helms
Das sind die Gründe, warum Menschen keinen Helm aufsetzen, laut einer Statistik von YouGov aus dem Jahr 2019: 44 Prozent der Radfahrer finden einen Helm unbequem, 37 Prozent fühlen sich auch ohne Helm sicher, 30 Prozent schwitzen mit Helm zu sehr am Kopf.
Argumente gegen Helme sind oft zu hören: Zu unbequem, zu uncool und die Frisur leidet. Doch auch darauf hat der Markt längst reagiert. Die Modelle werden bunter, windschnittiger und luftdurchlässiger.
Ein weiteres Vorurteil gegen den Helm ist das vermeintliche Zurückdrängen des Radverkehrs. Das Werben für das freiwillige Tragen wäre nur die erste Stufe auf dem Weg zu einer Helmpflicht.
Gegen den Fahrradhelm spricht auch die sogenannte Risikokompensationshypothese (Risk Homeostasis Theory). Sie meint, dass ein erhöhtes Sicherheitsgefühl durch das Tragen eines Helms verursacht wird, was dazu führt, dass Radfahrende ein riskanteres Verhalten zeigen. In der Folge würde die Unfallgefahr steigen.
Trotz der überzeugenden Forschungslage lassen sich „Helmgegner“ schwer umstimmen, denn der Kopfschutz wird in der Radfahr-Szene auch als Symbol einer verfehlten Mobilitätspolitik gesehen.
Alternativen und Ergänzungen
Sie sehen aus wie ein Hut oder eine Kappe, es gibt sie mit Mustern und in vielen Farben: Fahrradhelme werden immer schicker. Da fällt es leicht, sich den Helm für den eigenen Stil auszusuchen. Besorgt man sich noch einen wasserdichten Überzug über den Helm, hat man einen guten Regenschutz, der nicht die Sicht beim Radfahren behindert wie zum Beispiel die Kapuze einer Jacke. Im Winter zieht man einfach einen dünnen Schlauchschal unter den Helm oder eine dünne Mütze.
Fahrrad-Helme können längst mehr als nur bei Stürzen den Kopf schützen: Mit smarten Helmen können Biker Musik hören, telefonieren und bei einem Unfall setzt der Helm automatisch einen Notruf ab.
Kopf-Airbags sind mit rund 300 Euro deutlich teurer als normale Fahrradhelme. Im ungünstigen Fall können sie auch bei normalen Erschütterungen durch Straßenbahngleise oder Bordsteine auslösen. Hat ein Airbag sich einmal aufgeblasen, kann er nicht mehr verwendet werden.
Helmpflicht: Ja oder Nein?
Eine Helmpflicht für Radfahrerinnen und Radfahrer wird immer wieder diskutiert. Keine gesetzliche Helmpflicht besteht auch für Pedelecs bis 25 km/h. Schnelle Pedelecs bis 45 km/h gelten als Kraftfahrzeuge und dürfen nur mit einem geeigneten Helm gefahren werden. Auch für E-Bikes, die ohne Tretunterstützung diese Geschwindigkeiten erreichen können, gilt eine gesetzliche Helmpflicht.
Nur in einer Handvoll Staaten weltweit existiert eine Helmpflicht für Radfahrende jeden Alters, die auch kontrolliert wird. In Spanien besteht sie außerhalb geschlossener Ortschaften für alle. In weiteren Ländern, darunter Österreich, Tschechien, Kroatien und Schweden, müssen Kinder und Jugendliche grundsätzlich einen Fahrradhelm tragen. Dabei variiert die Altersgrenze von Land zu Land.
Pionier war Australien, in dessen Bundesstaaten und Territorien die Verpflichtung zum Tragen eines Helms zwischen 1990 und 1992 eingeführt wurde. Danach ging nach einer Studie im International Journal of Epidemiology von 2019 die Zahl tödlicher Unfälle von Radfahrern deutlich zurück.
Die Gegner der Helmpflicht argumentieren, dass diese das Radfahren so unattraktiv mache, dass weniger Menschen mit dem Fahrrad unterwegs seien und deshalb auch weniger tödlich verunglücken.
Vor allem aus versicherungstechnischen Gründen wird die Einführung einer Helmpflicht aber als nicht zielführend angesehen. Es herrscht zudem Einigkeit, dass der Radverkehr gefördert werden muss.
Tipps zum Helmkauf und zum Tragen
Die wichtigste Empfehlung ist, auch für jede noch so kurze Strecke auf dem Rad einen Helm zu tragen. Vor dem Kauf sollte man ihn unbedingt anprobieren. Dass der Helm den geltenden Anforderungen genügt, zeigt das CE-Kennzeichen als Mindestanforderung.
Der Helm sollte mit einer LED-Beleuchtung und reflektierenden Elementen an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen ausgestattet sein. Noch besser wird die Sichtbarkeit mit einem hellen Design in auffälligen Farben.
Vor dem Aufsetzen ist darauf zu achten, dass die Riemen nicht verdreht sind. Beim aufgesetzten Helm sollen sie vor und hinter dem Ohr vorbeilaufen. Das Kinnriemenschloss darf bei straff gespanntem Riemen nicht direkt auf dem Unterkieferknochen aufliegen, sondern unter dem Kinn.
Der Helm soll mittig auf dem Kopf sitzen und die Hälfte der Stirn bedecken. Bei geschlossenem Kinnriemen darf er sich nicht verschieben lassen. Der TÜV empfiehlt ebenso wie der ADAC, einen Helm nach fünf Jahren auszumustern.
Nach einem Sturz ist der Helm zu entsorgen und zu ersetzen.
Wie Radfahren sicherer werden kann
Die Infrastruktur für den Radverkehr in Deutschland ist nicht immer optimal. Um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen, müssen die Kommunen, Landkreise und Bundesländer für sichere Radverkehrsanlagen sorgen. Dazu gehört - auch wegen der starken Zunahme von Pedelecs - die Realisierung durchgängiger Radverkehrsnetze mit ausreichend breiten Radwegen und sicheren Führungen über Knotenpunkte und Einmündungen. Auch Radschnellwege und Fahrradstraßen sind hilfreiche Maßnahmen.
Wichtig ist mehr Aufklärungsarbeit, damit alle Verkehrsteilnehmenden, also Auto- und Radfahrende, Fußgänger und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel, mehr Verständnis füreinander entwickeln. Gefordert sind mehr gegenseitige Rücksichtnahme und die Einhaltung der Verkehrsregeln.
Der Standpunkt des ADAC: Rad- und Autofahrer können vieles tun, Unfälle zu vermeiden, doch ein Risiko bleibt. Unter diesen Rahmenbedingungen bieten Helme den Radfahrenden den bestmöglichen Schutz. Der Helm rettet nachweislich Leben und macht den Radverkehr dadurch sicherer.
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