Der Reifendruck ist ein entscheidender Faktor für das Fahrgefühl und die Performance deines Mountainbikes. Der perfekte Druck, der für alle Situationen und jeden Fahrer passt, gibt es nicht. Das liegt daran, dass wir alle in unterschiedlichem Gelände, auf verschiedenen Bikes und mit ganz eigenen Vorlieben unterwegs sind. Dieser Artikel soll euch helfen, den für euch passenden Reifendruck in eurem MTB zu finden. Dieser Artikel hilft dir, den optimalen Reifendruck für dein 29-Zoll-Mountainbike zu finden, um Grip, Komfort und Rollwiderstand bestmöglich zu kombinieren.
Warum ist der richtige Reifendruck wichtig?
Während einer Bike-Tour sind die Reifen (hoffentlich) der einzige Kontaktpunkt zwischen uns und dem Boden. Sie beeinflussen das Fahrgefühl also mehr als jedes teure „Must-have“-Zubehör. Denn wenn ihr das Beste aus eurem Bike herausholen wollt, ist der einfachste und günstigste Weg, den richtigen Reifendruck zu finden.
In grauer Vorzeit lautete der Ratschlag für Mountainbiker, die auf der Suche nach dem perfekten Reifendruck waren, schlicht und einfach: „Pump sie so fest auf, wie es nur geht!“ Zum Glück sind diese Zeiten vorbei und moderne Reifen können mit viel weniger Druck als früher gefahren werden.
Weniger Reifendruck ermöglicht im Allgemeinen mehr Grip, da sich der Reifen um Wurzeln und Steine herum verformen kann, anstatt zu verspringen. Das verbessert die Traktion und den Komfort, sowohl bergauf als auch beim Downhill! Weniger Druck kann auch zu einem geringeren Rollwiderstand im Gelände führen. Denn Reifen mit niedrigerem Druck benötigen weniger Energie, um sich um ein Hindernis herum zu verformen, als Reifen mit höherem Druck, die das Bike und das Gewicht des Fahrers über das Hindernis drüber heben müssen.
Allerdings spielt er bei modernen Mountainbikes zunächst eine sehr untergeordnete Rolle. Fahrwerk und Reifen moderner Bikes sind von den Herstellern bereits so gut aufeinander abgestimmt, dass es schon einiges an fahrerischem Können und Geschwindigkeit erfordert, um hier durch noch weniger Rollwiderstand wirklich schneller zu sein.
Je mehr Bodenkontakt, desto mehr Traktion. Viel Traktion ist die Grundvoraussetzung für Grip, aber viel Traktion bedeutet nicht immer mehr Grip. Greift der Reifen in den Untergrund ein und überträgt Lenkbewegung und Verzögerung ohne Übersteuern oder Rutschen, spricht man von Grip. Dies geschieht bei Vorder- und Hinterreifen unterschiedlich.
Wenn man mit einem voll aufgepumpten Reifen über ein Hindernis fährt, wird der Reifen beim Überfahren angehoben. Dies kann auf unebenem Untergrund mehrmals pro Sekunde geschehen. Dadurch geht jedes Mal Traktion und damit Schwung verloren, der Vortrieb verschlechtert sich. Sinkt jedoch der Reifendruck, sinkt das Hindernis in den Reifen ein, was Traktion und Vortrieb begünstigt. Durch das Nachgeben des Reifens verbessern sich zudem die Dämpfungseigenschaften.
Die Ausführungen zeigen, dass aus fahrtechnischer Sicht ein niedriger Reifendruck anzustreben ist. Dieser sollte jedoch nicht beliebig abgesenkt werden, da sonst die Stabilität des Reifens auf der Felge leidet und es zu Durchschlägen auf Wurzeln oder Steinen kommen kann.
Bei zu niedrigem Reifendruck besteht die Gefahr, dass sich der Mantel in Kurven und beim Driften seitlich über die Flanke biegt oder sogar aus dem Felgenbett rutscht. Ein schwammiges Fahrgefühl ist die Folge von zu viel oder zu wenig Druck. Beides führt nicht selten zu Pannen und Stürzen. Dass der Reifendruck nicht zu niedrig sein darf, ist auch aus Gründen des Pannenschutzes ratsam. Denn bei einem Durchschlag wird der Reifen durch ein Hindernis so stark komprimiert, dass er schließlich auf die Felge gepresst wird. Pannen und Beschädigungen der Felge oder im schlimmsten Fall ein Riss in der Felgenwand können die Folge sein.
Faktoren, die den idealen Reifendruck beeinflussen
- Fahrergewicht: Das Fahrergewicht ist für den Reifendruck genauso ausschlaggebend wie für das Setup des Fahrwerks. Leichtere Fahrer können etwas weniger Reifendruck fahren, wohingegen schwerere Fahrer mehr Druck benötigen, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.
- Terrain: Das Terrain, in dem ihr euch bewegt, hat einen großen Einfluss auf den Reifendruck, den ihr wählen solltet. Wenn ihr hauptsächlich auf harten Flow-Trails unterwegs seid, könnt ihr weniger Reifendruck fahren, solange der Reifen in Kurven nicht wegknickt. Der Fahrstil spielt natürlich auch eine Rolle. Wenn ihr immer auf der Straightline durch Steinfelder fliegt, kann ein höherer Reifendruck die Komponenten schützen.
- Reifen und Felgen: Die Wahl der Reifen und Felgen ist ausschlaggebend für das Einstellen des Reifendrucks am Mountainbike. Habt ihr eine dicke Karkasse, die für den harten Enduro-Einsatz entwickelt wurde, z. B. MAXXIS Doubledown oder Schwalbe Super Gravity? Oder eine leichte Version, die ein niedrigeres Gewicht vor Pannenschutz stellt, z. B. MAXXIS EXO und Schwalbe SnakeSkin? Auch ob der Reifen mit oder ohne Schlauch (tubeless) montiert ist, macht einen Unterschied. Ein Tubeless-Reifen kann im Allgemeinen mit weniger Druck gefahren werden. Durch den fehlenden Schlauch muss man keine Angst vor einem Snakebite haben. Die Felgenbreite ist ein weiterer Faktor: Breitere Felgen geben dem Reifen mehr Support, was einen niedrigeren Druck ohne Kompromisse erlaubt.
Richtwerte für den Reifendruck
Ja, je nach Einsatzgebiet kannst du dich an den auf dem Reifen angegebenen Werte orientieren. Ein Mittelwert zwischen dem minimalen und maximalen Druck ist dabei immer ein guter Ausgangspunkt. Hiermit findest du ein gutes Verhältnis zwischen Grip, Geschwindigkeit und Komfort, ohne das Gefühl für den Untergrund und das Fahrwerk zu verlieren.
In der Regel hast Du mit 2,0bar/29psi bis 2,2bar/32psi genug Luft im Reifen, um Durchschläge zu verhindern und trotzdem ausreichend Traktion und Grip zu bekommen.
MTB-Luftdruck: Ausnahmen und Besonderheiten Wer mit seinem Mountainbike auf ungewohntem Terrain unterwegs ist, kann und sollte vom üblichen Luftdruck abweichen. Auf Asphalt und gut befestigtem Untergrund kann der Druck schon mal um ein halbes oder sogar ein ganzes Bar erhöht werden. Aber Vorsicht - weniger Rollwiderstand bedeutet zwar höhere Geschwindigkeit, aber auch weniger Traktion. Weniger Haftung bedeutet wiederum einen längeren Bremsweg, da weniger Lauffläche auf dem Untergrund aufliegt.
Umgekehrt verhält es sich bei weichem Untergrund wie Schlamm oder Sand. Hier kann am unteren Ende des Mindestdrucks gefahren werden. Wer auf Sand fährt und sich sicher ist, dass der Reifen gut auf der Felge sitzt, kann diesen Wert sogar um 0,2 bar unterschreiten.
Wer nicht gerade ein All-Mountain-Bike in gemäßigtem Gelände fährt und vorne und hinten den gleichen Reifen hat oder ohnehin einen weichen Vorderreifen und einen härteren Hinterreifen fährt, kann am Vorderreifen etwas weniger Druck fahren als am Hinterreifen. Wir empfehlen auch hier mit 0,2 bar Unterschied zu beginnen. Wer zum Beispiel im Stadtverkehr fahren muss oder eine intensive Trainingseinheit auf der “Waldautobahn” absolviert, kann bis zu 0,5 bar Unterschied fahren. Dabei sollte der Vorderreifen weniger Druck haben, um möglichst viel Traktion und damit ausreichend Grip zum Kurvenfahren und Bremsen zu haben, während der Hinterreifen nur dem effizienten Vortrieb dient.
Anpassung des Reifendrucks
Wenn Du schneller fahren möchtest und auf Komfort verzichten kannst, zum Beispiel beim XC, Marathon oder auch wenn Du mit einem Allmountain- oder Enduroreifen im Bikepark fahren möchtest, kannst Du den Luftdruck schrittweise um 0,2bar bzw. 3psi erhöhen. Spätestens bei 2,6 bar sollte aber Schluss sein, da du sonst riskierst, dass der Reifen platzt. Komfortfahrer und Fahrer mit “spielerischem” Fahrstil machen es hingegen umgekehrt und senken den Mittelwert schrittweise um 0,2bar/3psi. Auch wenn immer wieder Fahrer mit Reifen unter 1 bar unterwegs sind - wir raten davon ab und empfehlen, den vom Reifenhersteller empfohlenen Mindestdruck nicht zu unterschreiten.
Tipp: Wer auf sehr unterschiedlichen oder wechselnden Untergründen unterwegs ist, sollte sich ein Luftdruckmessgerät zulegen. Damit kannst du den Luftdruck auch unterwegs individuell an das Terrain anpassen. Sp starten viele Enduristen oder Trailfahrer, die den Trailhead selbst erklimmen, am Fuße des Berges mit einem höheren Druck (z.B. 2,4 bar bei einem Allmountain- oder Enduroreifen) und senken diesen vor der Abfahrt wieder auf ca. 2,2 bar ab. So kann der Reifen bergauf mit weniger Rollwiderstand gefahren werden und bietet bergab Grip und Komfort.
Wie finde ich den idealen Luftdruck beim MTB?
Wenn du bereits alle Schritte unter 1. GIBT ES EINEN RICHTWERT FÜR DEN MTB-LUFTDRUCK? durchlaufen hast und immer noch das Gefühl hast “es muss noch besser gehen”, helfen wir Dir hier, den idealen Luftdruck für deinen Reifen zu finden. Wir gehen davon aus, dass dein Bike technisch in Ordnung ist, Gabel und Dämpfer nach Herstellerempfehlung auf dein Gewicht und deinen Fahrstil eingestellt sind. Die Lager in Rahmen und Laufrädern sind in Ordnung und die Reifen sind nicht älter als zwei Jahre und haben noch mindestens 70% des Originalprofils. Anschließend solltest du folgende Checks durchführen:
- Fährst du das richtige Pedal? Passt es zu deiner Schuhgröße und deinem Fahrstil?
- Stehen Deine Füße auch richtig für Deine Mountainbike-Disziplin?
- Sitzt Du mittig auf dem Rad?
- Kannst du dein Gewicht vom Hinterrad auf das Vorderrad verlagern und dabei eine Hand vom Lenker nehmen?
- Dein Reifen ist grundsätzlich dem Einsatzzweck angepasst und nicht älter als zwei Jahre?
Wenn du bisher alles mit “Ja” beantworten konntest, musst du hier einen Kompromiss eingehen. So kannst du den maximalen Grip ODER die maximale Geschwindigkeit erreichen und hast bereits den idealen Reifendruck. Nun kannst du den Druck vorsichtig in 0,1 bar Schritten erhöhen, bis der Vorderreifen in aggressiven Kurven leicht rutscht. Das passiert kurz bevor er ausbricht. Damit bist du auf der “Speed”-Seite. Wenn Du nun den Luftdruck schrittweise um 0,1 bar reduzierst, bis das Hinterrad den Minimalwert erreicht, bist Du auf der “Grip-” Seite. Der Unterschied zwischen Vorder- und Hinterreifen sollte nicht mehr als 0,5bar betragen. Dies gilt auch bei unterschiedlichen Reifen.
Eines sollten wir klarstellen: Nicht alle Luftdruckmessgeräte sind gleich und die Messungen können variieren. Am besten verwendet ihr immer dasselbe Messgerät. Schafft euch einen hochwertigen Luftdruckmesser an und passt darauf auf. Und jetzt geht’s ab auf den Trail!
Testprozedere für den Reifendruck
Schnappt euch eine Pumpe und einen Luftdruckmesser und haltet Ausschau nach einer kurzen Teststrecke. Sucht nach schönen flachen Kurven, Anliegern, Kompressionen und Wurzeln - idealerweise auf einer Strecke, die dem Gelände entspricht, auf dem ihr normalerweise unterwegs seid. Der Trail sollte nicht zu anspruchsvoll sein, da ihr euch eher auf das Fahrgefühl konzentrieren solltet und nicht darauf, dass ihr keinen Abgang hinlegt.
- Zu Beginn pumpt eure Reifen stark auf, um zu sehen, wie sich der hohe Druck anfühlt. Fahrt den Trail und lasst es dabei entspannt angehen. Das Bike wird sich durch den hohen Druck anders anfühlen als gewohnt.
- Okay, dann zurück zum Start und reduziert den Reifendruck um 2 psi vorne und hinten und wiederholt euren Test-Trail. Konzentriert euch dabei wieder auf das Fahrgefühl und darauf, wie viel Grip die Reifen liefern. Wiederholt das Ganze immer wieder und verringert jedes Mal den Druck.
- Wenn ihr den Reifendruck verringert, bekommt ihr mehr Grip und Traktion. Wenn der Druck zu niedrig wird, fühlen sich die Reifen in Kurven schwammig an und werden instabil bei hohen Geschwindigkeiten. Versucht, den Punkt zu finden, an dem eine weitere Reduktion des Reifendrucks die Performance nicht mehr verbessert. Nun sollte der Reifen viel Grip und Stabilität bieten.
- Ihr nähert euch eurem optimalen Druck-Setup und könnt nun mit der Balance zwischen Hinter- und Vorderreifen spielen. Normalerweise könnt ihr vorne etwas weniger Druck fahren. Die typische Gewichtsverteilung am Bike beträgt 40 % vorne und 60 % hinten. Versucht den Druck im Vorderreifen um 3 psi (0,2 bar) gegenüber dem Hinterreifen zu senken und überprüft, wie sich das auf den Grip auswirkt.
Ihr habt jetzt eine gute Grundeinstellung, von der aus ihr arbeiten könnt.
Reifen-Inserts
Es gibt viele Hersteller, die Inserts herstellen, aber im Grunde folgen dabei alle mehr oder weniger dem gleichen Prinzip. Reifen-Inserts sind für zwei Dinge ausgelegt: Erstens fungieren sie als dämpfende Schutzschicht für die Felge und absorbieren alle Schläge von Steinen oder Wurzeln, die den Reifen zerstören könnten. Zweitens sollen die Inserts die Stabilität des Reifens erhöhen, da sie die Seitenwände des Reifens an das Felgenhorn drücken.
Reifenkarkassen
Nicht alle Reifen sind gleich. Je nach Karkasse, Lauffläche und Seitenwand des Reifens könnt ihr den Druck auch senken und trotzdem eure Komponenten schützen. Heavy-Duty-Karkassen wie MAXXIS Doubledown und Schwalbe Super Gravity erlauben einen niedrigeren Reifendruck als die EXO- und SnakeSkin-Karkassen derselben Hersteller.
Tabelle: Reifendruck für verschiedene Fahrradtypen
Die folgende Tabelle bietet Richtwerte für den Reifendruck verschiedener Fahrradtypen, einschließlich Mountainbikes:
| Fahrradtyp | Reifenbreite | Reifendruck in bar | Reifendruck in psi |
|---|---|---|---|
| Mountainbike | 50 mm | 3,0 | 44 |
| Mountainbike | 59 mm | 2,0 | 29 |
| Rennrad | 25 mm | 7,0 | 100 |
| Rennrad | 28 mm | 6,0 | 87 |
| Gravel Bike | 35 mm | 4,5 | 65 |
| Trekkingrad | 35 mm | 4,5 | 65 |
| Trekkingrad | 40 mm | 4,0 | 58 |
| Trekkingrad | 50 mm | 3,0 | 44 |
Wichtig: Die empfohlenen Reifendruckwerte sind Richtwerte, die für eine durchschnittlich schwere Person (70 Kilogramm) und ein durchschnittlich schweres Fahrrad (12 Kilogramm) gelten. Du solltest daher den Luftdruck anhand verschiedener Faktoren an deine persönlichen Vorlieben anpassen. Bist du zum Beispiel schwerer, braucht der Reifen mehr Druck. Viele Reifenhersteller geben hier die Empfehlung: 1% pro Kilogramm. Bei E-Bikes solltest du wegen des zusätzlichen Gewichts von Motor und Akku ein halbes Bar dazurechnen.
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