Motorradfahren: Was Sie für eine sichere Saison beachten sollten

Wenn der Frühling kommt und die Temperaturen steigen, steht dem Start in die neue Motorradsaison nichts mehr im Weg. Doch vor den ersten Ausfahrten sollten Sie auf jeden Fall die Maschine und die Ausrüstung sorgfältig überprüfen. Denn nicht nur das Motorrad muss aus dem Winterschlaf erwachen.

Vorbereitung auf die Motorradsaison

Vor Saisonbeginn sollten Bikerinnen und Biker sich selbst und ihr Fahrzeug vorbereiten. Wichtig ist vor allem ein gründlicher Check von Technik und Sicherheitsausrüstung. Mindestens genauso wichtig wie dieser Check nach der saisonalen Fahrpause sind die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr sowie die mentale und körperliche Vorbereitung auf die ersten Touren.

Technische Überprüfung vor der ersten Fahrt

Mit dieser Checkliste zum Start in die Motorradsaison gehen Sie auf Nummer sicher. Natürlich gelten übergreifend alle Tipps und Hinweise in der Bedienungsanleitung des Herstellers.

  1. Motorrad gründlich reinigen: Reinigen Sie das Motorrad gründlich und überprüfen Sie es auf Mängel oder Roststellen. Bei der Reinigung können auch Undichtigkeiten an Motor, Vorderradgabel oder Federbein erkannt werden.
  2. Batterie prüfen: Checken Sie die Batterie und prüfen Sie, ob diese ausreichend geladen ist. Vor dem ersten Start des Motors sollte sie in jedem Fall voll aufgeladen sein.
  3. Flüssigkeitsstände kontrollieren: Prüfen Sie den Stand von Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel und füllen Sie bei Bedarf nach. Wenn Betriebsstoffe in größeren Mengen nachgefüllt werden müssen, sollte auch die mögliche Ursache für den niedrigen Füllstand geprüft werden, etwa verschlissene Bremsbeläge oder Undichtigkeiten am Kühlsystem.
  4. Elektrische Anlage testen: Testen Sie bei laufendem Motor sowohl Lichtanlage als auch die elektronische Anlage, z.B. Kupplungs- und Seitenständerschalter.
  5. Antriebskette prüfen: Überprüfen Sie die Antriebskette nicht erst kurz vor dem Start, sondern spätestens am Vorabend, denn nur so kann das aufgetragene Kettenfett richtig einwirken. Ist die Kette richtig gespannt? Für das korrekte Spiel des unteren Kettendurchhangs gelten die Vorgaben in der Bedienungsanleitung. Wenn die Kette zu stark oder sehr unregelmäßig gelängt ist, muss sie ersetzt werden.
  6. Bremsen prüfen: Überprüfen Sie vor der ersten Fahrt unbedingt die Bremsscheiben und -beläge. Nach längerer Standzeit können sich Staub und schmieriger Schmutz auf den Scheiben ablagern. Deswegen sollten Sie die Bremsscheiben zunächst beidseitig mit einem Bremsenreiniger auf einem Tuch abwischen. Zur Funktionsprüfung der Bremsen gehört auch, den Druckpunkt am Hebel und den Tritt aufs Pedal zu checken. Sind sie deutlich und präzise spürbar? Öffnet sich die Bremse wieder? Sitzen vielleicht die Kolben fest? Dies können Sie schon beim Schieben des Bikes kontrollieren. Auch die Bremsleitungen sind zu überprüfen - sie dürfen weder porös noch undicht sein. Bei Fehlern oder Mängeln an der Bremsanlage sollten Sie die Maschine stehen lassen und von einer Werkstatt prüfen und reparieren lassen.
  7. Reifen prüfen: Prüfen Sie Profilzustand, Luftdruck und Alter der Reifen (auch wenn Sie in der letzten Saison wenig gefahren sind). Die Reifen haben weniger als 1,6 Millimeter Profil oder sind älter als sechs Jahre? Dann sind auf jeden Fall neue fällig.
  8. Vergaser-Maschinen: Bei Vergaser-Maschinen: Benzinhahn öffnen und gegebenenfalls frischen Kraftstoff in die leere Schwimmerkammer der Vergaser füllen. So können beim Motorstart leichter entzündliche Spritbestandteile in den Brennraum gelangen.
  9. Probefahrt: Vor der ersten echten Ausfahrt eine kurze Probefahrt machen. Dabei auf den ersten Metern beachten, dass die Kontrollleuchten für ABS und Traktionskontrolle ausgehen. Wenn es die Verkehrssituation erlaubt, Vorder- und Hinterradbremsen prüfen. Am Hinterrad sollte deutlich das ABS ansprechen.

Eventuelle Mängel auf jeden Fall vor Fahrtbeginn reparieren oder reparieren lassen.

Die richtige Motorradkleidung

Die richtige Kleidung erhöht nicht nur den Fahrkomfort, sie kann auch die passive Sicherheit beim Motorradfahren deutlich verbessern. Neben Helm, Handschuhen und Schutzkleidung sind vor allem in den manchmal noch erstaunlich kühlen Frühlingstagen eine warme Funktionsunterbekleidung sowie ein Nierengurt bzw. Rückenprotektor zu empfehlen. Mit kontrastreicher Kleidung sind Sie als Motorradfahrer bzw. Motorradfahrerin für andere Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen besser sichtbar.

Ihr Haupt- und Anti-Beschlag-Visier sollten Sie auf Kratzer untersuchen und gegebenenfalls austauschen. So reinigen und pflegen Sie Ihren Helm. Gerade zu Beginn der Saison unterschätzen Autofahrer und -fahrerinnen Geschwindigkeit und vor allem Beschleunigungsvermögen der Motorräder. Darum sollten alle Verkehrsteilnehmer und Verkehrsteilnehmerinnen zu jeder Zeit rücksichtsvoll und vorausschauend fahren. Eine defensive Fahrweise ist auch deshalb angebracht, weil es in der Übergangszeit vor allem in Waldstücken und auf Brücken morgens noch feuchte und glatte Straßenabschnitte geben kann. Vielerorts sind die Straßenoberflächen durch Frost beschädigt, sodass sich zum Teil große und tiefe Schlaglöcher bilden. Diese können genau wie Rollsplittreste für Biker und Bikerinnen gefährlich werden.

Motorrad-Training: Sicherer Saison-Start

Ein ADAC Motorrad-Training hilft im Schonraum Körper und Geist einzustimmen. Motorradfahren ist Sport, und jeder Sport braucht eine Aufwärmphase. Dass diese nach der Winterpause länger ausfallen sollte, ist eigentlich selbstverständlich. Gerade zum Saisonstart müssen Sie sich gedanklich und auch körperlich darauf vorbereiten, um Risiken zu minimieren. Beginnen Sie nicht gleich mit einer großen Runde, sondern starten Sie mit einigen kürzeren Eingewöhnungstouren. So geben Sie Körper und Geist die Chance, sich schrittweise wieder an die Herausforderungen des Motorradfahrens zu gewöhnen.

Die Teilnahme an einem Motorrad-Training ist ein idealer Start in die neue Saison. Die Programme werden bundesweit auf ADAC Trainingsanlagen angeboten:

  • ADAC Motorrad-Basis-Training - für Einsteiger und Einsteigerinnen
  • ADAC Motorrad-Intensiv-Training - für routinierte Biker und Bikerinnen
  • ADAC Motorrad-Kurven-Training - für künftige Kurvenspezialisten und -spezialistinnen

Mit dem Trainingsprogramm BMW Motorrad Ride Again powered by ADAC ist für Wiedereinsteiger und Wiedereinsteigerinnen Sicherheit und Fahrspaß garantiert. Die Trainings finden für Kleingruppen zwischen sechs und zehn Personen auf verschiedenen aktuellen BMW Motorrad-Modellen statt. Erfahrene Instruktoren des ADAC sorgen für das optimale Verhältnis von Lernen und Spaß.

Verkehrsregeln und Vorschriften für Motorradfahrer

Während Autos im Stau dicht an dicht stehen, bietet sich für Motorradfahrende eine verlockende Möglichkeit: Sie schlängeln sich zwischen den Fahrzeugen einfach durch. Aber ist das erlaubt? Welche Verkehrsregeln gelten für Motorradfahrende auf deutschen Straßen und was gibt es hinsichtlich der Bekleidung, des Helms und des Parkens eines Motorrades zu beachten?

Motorradfahren: Nicht ohne gültigen Führerschein

Motorradfahren ohne Prüfung ist in Deutschland seit 2019 teilweise möglich. So dürfen einige Krafträder auch mit dem PKW-Führerschein gefahren werden. Dies gilt beispielsweise für Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 cm³ und einer Motorleistung von weniger als 15 PS. Allerdings müssen dafür folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Mindestalter von 25 Jahren
  • Führerscheinbesitz seit mindestens 5 Jahren
  • Fahrschul-Seminar mit vier Theorie- und fünf Praxiseinheiten

Darüber hinaus dürfen mit dem PKW-Führerschein Krafträder der Klasse AM gefahren werden. Dazu zählen:

  • zwei- und dreirädrige Kleinkrafträder (L1e-B bzw. L2e)
  • vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge (L6e)
  • mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und einer Höchstleistung von 5,5 PS.

Wer seinen PKW-Führerschein vor dem 1. April 1980 erworben hat, darf nach Absolvierung einer 40-minütigen Praxisprüfung Motorräder bis 48 PS fahren.

Motorrad fahren ohne Schutzkleidung: Ist das erlaubt?

Das Fahren von Krafträdern ohne entsprechende Schutzkleidung ist in Deutschland erlaubt. Wer möchte, darf auch in Jogginghose und Turnschuhen auf sein Motorrad steigen. Allerdings kann dies im Falle eines Unfalls schwerwiegende Folgen haben. Zum einen steigt das Verletzungsrisiko enorm, zum anderen kann Motorradfahrenden aufgrund der fehlenden Schutzausrüstung eine Teilschuld zugesprochen werden (vgl. Urteil OLG Brandenburg, Az.: 12 U 29/09).

Aus diesem Grund wird das Tragen einer Schutzausrüstung empfohlen.

Ist das Motorradfahren ohne Helm zulässig?

Anders als bei der Schutzkleidung legt die Straßenverkehrsordnung beim Thema Helm klare Regeln fest. In § 21a Abs. 2 S. 1 StVO heißt es:

„Wer Krafträder oder offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h führt sowie auf oder in ihnen mitfährt, muss während der Fahrt einen geeigneten Schutzhelm tragen.“

Wer ohne Helm Motorrad fährt, dem droht ein Bußgeld i.H.v.

Motorrad abstellen auf PKW-Parkplatz oder Gehweg: Wo kann man sein Motorrad parken?

Ein Motorrad darf überall dort abgestellt werden, wo auch das Parken eines PKW zulässig ist. Im Umkehrschluss gilt für Motorräder überall dort ein Parkverbot, wo ein solches auch für PKWs besteht.

Das Parken eines Motorrades auf Gehwegen ist gem. § 12 StVO verboten.

Darf ich mit meinem Motorrad bei Stau vorbeifahren?

Aufgrund der geringen Breite ist es für viele Motorradfahrende verlockend, sich links und rechts an einem Stau vorbeizuschlängeln. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn das Rechtsüberholen ist - wie bei PKW - verboten und wird mit einem Bußgeld belegt.

Das linksseitige Überholen ist grundsätzlich erlaubt. Allerdings ist hierbei der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 1 m (PKW, LKW), 1,5 - 2 m (Radfahrende/Motorradfahrende) einzuhalten.

Beleuchtung am Motorrad

Gemäß § 50 Abs. 2 StVZO müssen Krafträder mit einem nach vorne wirkenden Scheinwerfer ausgestattet sein. Darüber hinaus sind eine Schlussleuchte sowie ein Rückstrahler erforderlich. Auch Bremsleuchten gehören zu den vorgeschriebenen Leuchtmitteln.

Eine Beleuchtung zur Kenntlichmachung der seitlichen Begrenzung ist jedoch nur für Motorräder vorgeschrieben, die über einen Beiwagen verfügen.

Wichtig: Anders als bei mehrspurigen Fahrzeugen ist das Fahren mit Tagfahrlicht bei Krafträdern gem. § 17 Abs. 2a StVO vorgeschrieben. Bei schlechten Sichtverhältnissen - z.B. bei Nebel oder Regen - sowie mit eintretender Dunkelheit ist das Abblendlicht einzuschalten.

Verkehrszeichen für Motorradfahrer

In Deutschland existieren zwei Verkehrszeichen, welche sich ausschließlich an Motorradfahrende richten:

  • das Verkehrszeichen 1022-12, welches das Befahren der jeweiligen Straße mit einem Kraftrad gestattet.
  • das Verkehrszeichen 255, welches das Befahren der jeweiligen Straße mit einem Kraftrad untersagt.

Personenbeförderung auf dem Motorrad

Für die Personenbeförderung auf einem Motorrad gelten gem. § 21 Abs. 1 StVO folgende Voraussetzungen:

  • die mitfahrende Person hat einen eigenen Sitz zur Verfügung
  • das Motorrad ist mit einem Haltesystem ausgestattet (§ 61 Abs. 1 StVZO)
  • das Motorrad verfügt über Fußstützen für die mitfahrende Person (§ 61 Abs.

Bußgeldtabelle für Motorradfahrende

Hier ist eine Übersicht über einige häufige Verstöße und die entsprechenden Bußgelder, Punkte und Fahrverbote:

Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
Freihändig fahren 5 Euro
Auf dem Hinterrad gefahren 50 Euro
Fahren ohne Betriebserlaubnis 50 Euro
Fahren ohne Helm 15 Euro
Kind befördert, das keinen Helm trug 60 Euro 1
Durch einen Stau geschlängelt (innerorts) 30 Euro
Durch einen Stau geschlängelt (außerorts) 100 Euro 1
Rettungsgasse unrechtmäßig benutzt 240 Euro 2 1 Monat
Motorrad auf dem Gehweg geparkt 55 Euro
… mit Behinderung 70 Euro 1
Fahren ohne Abblend-/Tagfahrlicht 10 Euro
...mit Gefährdung anderer 15 Euro

Die Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen mit dem Motorrad sind analog zu den Strafen bei Verstößen mit dem PKW.

Sicher mit Sozius unterwegs: Tipps für Fahrer und Beifahrer

Mit Beifahrer Motorrad zu fahren, ist um Welten anders, als alleine unterwegs zu sein. Chauffeur wie Sozius müssen sich aufeinander einlassen und sollten ausgiebig miteinander kommunizieren - vor und während des Ausflugs. Der Beifahrer kann sich zum Beispiel nur dann aufs Fahren einlassen, wenn er ein grundsätzliches Verständnis von Technik und Dynamik der Maschine hat. Eine Abneigung gegenüber dem Beifahrer, der die Bewegungsfreiheit einschränkt, ist für Genuss genauso schlecht wie eine verkrampfte Haltung angesichts eines zu befürchtenden sportlichen Fahrstils des Fahrers.

AUTO BILD hat die besten Tipps für eine sichere Motorradfahrt zu zweit gesammelt:

  1. Der Sozius-Eignungscheck fürs Motorrad: Das Motorrad muss für den Soziusbetrieb ausgelegt sein. Das setzt erst mal eine passende Sitzgelegenheit für den Beifahrer voraus. Verfügt das Bike über einen zweiten Sitz, sollte der bequem und rutschfest sein und eine angenehme Sitzposition mit nicht allzu stark angewinkelten Knien ermöglichen. Was sich für den mit Beschleunigen, Bremsen, Kuppeln und Schalten beschäftigten Fahrer perfekt anfühlt, kann für den weitgehend passiven Sozius nach einigen Kilometern zur Tortur werden. Im Idealfall hat die Maschine ein einstellbares Fahrwerk, das das zusätzliche Gewicht und die veränderte Fahrdynamik abbilden kann.
  2. Die Vorbereitung von Bike, Fahrer und Beifahrer: Die Vorbereitung für eine Motorradtour zu zweit sollte einige Zeit vor dem Start beginnen. Speziell unerfahrene Beifahrer neigen dazu, großen Respekt vor dem Motorradfahren zu haben. Einseitige oder gegenseitige Bedenken spricht man am besten offen an und macht beispielsweise Zeichen für "Alles OK" oder "Zu schnell" aus. Dass der Sozius dem gleichen Unfallrisiko ausgesetzt ist wie der Fahrer und daher über die gleiche Sicherheitskleidung verfügen sollte, versteht sich von selbst. Durch das höhere Gewicht auf dem Hinterrad verändert sich die Fahrdynamik. Das Beschleunigen verliert an Zackigkeit, der Bremsweg wird länger. Um das auszugleichen, sollte(n) hinten die Feder(n) vorgespannt werden. Der hintere Reifen kann mehr Luftdruck vertragen, er darf gerne auf den in den Fahrzeugpapieren angegebenen Maximalwert gebracht werden. Schließlich ist es sinnvoll, die Einstellung des Scheinwerfers zu überprüfen, um bei Dunkelheit keine entgegenkommenden Fahrzeuge zu blenden.
  3. Das richtige Verhalten an Bord: Die gemeinsame Fahrt sollte von Rücksicht auf die Bedürfnisse des anderen und Kommunikation geprägt sein. Klar, am einfachsten lässt es sich mit Hilfe einer Sprechanlage zwischen den Helmen kommunizieren. Doch auch beim Stopp an der Ampel und per Handzeichen lässt sich einiges klären. Der Fahrer sollte sanft anfahren und sachte abbremsen, damit der Beifahrer keinen Schrecken bekommt. Außerdem sinkt so die Wahrscheinlichkeit, dass die Motorradhelme aneinanderknallen. Immens wichtig ist, dass der Beifahrer sich auf den Fluss der Bewegung einlässt und sich keinesfalls gegen die Schräglage lehnt! Das kann im schlimmsten Fall zum Sturz führen. Am einfachsten finden Beifahrer in den Fluss der Bewegung hinein, wenn sie dem Fahrer jeweils auf der Kurveninnenseite über die Schulter schauen.
  4. Die No-Gos während des Ausflugs zu zweit: Beteuerungen passen zur genussvollen Motorradtour zu zweit genauso wenig wie Beschwichtigungen. Der Beifahrer sollte unabhängig von seiner Erfahrung mitfahren wollen und dem Fahrer vertrauen. Dieses Vertrauen gilt es während der Fahrt zu stärken und nicht durch plötzliche Aktionen wie wilde Überholmanöver aufs Spiel zu setzen. Genauso tabu wie Überholen auf Tuchfühlung sind hohe Geschwindigkeiten und heftige Schräglagen. In die Schräglage sollten sich Fahrer und Beifahrer am besten gemeinsam hineintasten. Doch es gibt Grenzen. Das Knie sollte auf keinen Fall in Richtung Asphalt streben. Am Ende liegt es am Fahrer, den Beifahrer auf Unebenheiten im Asphalt hinzuweisen.
  5. Was man sonst noch beachten sollte: Neben ausgiebiger Kommunikation stehen regelmäßige Pausen ganz oben auf der Prioritäten-Liste für die Ausfahrt mit Beifahrer. Kurzes Strecken von Armen und Beinen beim Ampelstopp reicht nicht aus. Stattdessen lieber ein schönes Ziel aussuchen, die Maschine parken und gemeinsam ein paar Schritte gehen. Die Distanzen zwischen zwei Stopps wachsen am besten mit der Erfahrung des Beifahrers.

Weitere wichtige Punkte für den Beifahrer:

  • Der Beifahrer passt sich, insbesondere in Kurven, dem Fahrer an - "klammert" notfalls damit er die Bewegung synchron mitmacht.
  • Der Beifahrer "hampelt" nicht auf dem Soziussitz rum.
  • Der Beifahrer steigt nur nach Aufforderung auf oder ab.
  • Der Beifahrer lässt auch im Stand, z. B. an einer roten Ampel, beide Füße auf den Fußrasten.
  • Wenn man keine Sprechanlage hat, vereinbart man vor der Fahrt z. B. ein Haltsignal: Auf Schulter klopfen = Halt bei nächster Gelegenheit.

Beim Motorradfahren gilt die ungeschriebene Regel - Alleine kann jeder fahren wie er will, wenn man draufgeht, ist es das eigene Leben. Klammere dich nicht all zu sehr an ihm fest, er muss sich schon noch bewegen können. Hände um seinen Bauch und gut ist. Und im Idealfall bewegst du dich immer mit ihm mit. Also immer parallel zu ihm sitzen und mit in die Kurven lehnen. Wenn du dich das nicht traust, bleibt immer gerade. Auf gar keinen Fall in die entgegengesetzte Richtung lehnen und auch keine schnellen Bewegungen machen, die das Gewicht seitlich verlagern würden. Fahrer und Beifahrer bilden eine Linie, mehr musst du eigentlich nicht beachten.

Motorradfahren in der Gruppe: Regeln für ein sicheres und angenehmes Erlebnis

Viele Motorradfahrer verbinden die Freude am Fahren gern mit dem Gruppenerlebnis einer gemeinsamen Tour oder Reise. Damit für alle Beteiligten maximaler Spaß garantiert ist, gilt es ein paar grundsätzliche Regeln zu beachten.

Motorradfahren in der Gruppe: Größe und Zusammensetzung

Prinzipiell gibt es für die Größe der Gruppe keine Grenzen. In der Tourenpraxis zeigt sich aber, dass bei unkomplizierter Verkehrssituation Gruppen mit bis zu zehn Motorrädern zügig und stressfrei vorwärts kommen. Der Fahrstil aller Fahrer sollte ähnlich und der Umgang miteinander weitgehend harmonisch sein. Im Zweifelsfall - etwa bei Unzufriedenheit über einzelne Aktionen - sollte sich eine große Gruppe lieber teilen. Die Größe und Zusammensetzung der Gruppe entscheidet mit darüber, wie viel Disziplin innerhalb der Fahrergemeinschaft gepflegt werden sollte, damit sie nicht zerfällt. In den meisten Fällen überwiegt der Spaß an der gemeinsamen Unternehmung, so dass es den Beteiligten nicht schwerfällt, sich ausreichend anzupassen.

Vorbereitung einer Gruppenfahrt

Je nach Länge und Dauer der Ausfahrt sollte sich mindestens ein Teilnehmer mit den wichtigsten organisatorischen Dingen beschäftigen. Dazu gehören vor allem Recherchen zur Strecke und zu möglichen Pausen- und Übernachtungsmöglichkeiten. Große Gruppen werden vor der Abfahrt über den groben Tagesablauf informiert, Treffpunkte für Gruppenteile festgelegt und Termine vereinbart.

Die Reihenfolge in der Gruppe

Der Vorausfahrende sollte unbedingt in allen für das Gruppenfahren wichtigen Dingen erfahren sein. Dazu gehören:

  • Souveräne Beherrschung der Maschine auch in ungewöhnlichen Situationen, regelmäßige Beobachtung der Gruppe im Rückspiegel (nicht nur des direkt nachfolgenden Fahrers)
  • Gute Orientierungsfähigkeit, schnelles, unkompliziertes Landkartenstudium
  • Fähigkeit, während der Fahrt einen Überblick über die Verkehrsabläufe innerhalb und außerhalb der Gruppe zu bewahren
  • Rechtzeitiges, berechenbares Handeln (z.B. bei Richtungswechsel, beim Anhalten)
  • Einschätzung des Könnens und der Möglichkeiten der verschiedenen Gruppenteilnehmer

Die Reihenfolge innerhalb der Gruppe wird nach den fahrerischen Möglichkeiten der Teilnehmer zu Beginn der Fahrt festgelegt. Sie bleibt während der Tour gleich. Die Gruppenmitglieder überholen sich nicht gegenseitig.

7 Tipps für das Motorradfahren in der Gruppe

  • Wann immer es die Strecke und das Verkehrsgeschehen zulassen, wird versetzt gefahren.
  • Jedes Gruppenmitglied sucht Nachfolgende regelmäßig im Rückspiegel (besonders nach Ampeln, Kreuzungen und Überholmanövern). Fehlt ein Teilnehmer ohne erkennbaren Grund, wird an geeigneter Stelle angehalten. Diese Vorgehensweise wird gegebenenfalls bis zum ersten Fahrer der Gruppe fortgesetzt.
  • Halten Sie den persönlich benötigten Sicherheitsabstand ein.
  • Richten Sie Ihren Blick nach vorne nicht nur bis zum Vorausfahrenden, sondern wechseln Sie regelmäßig zwischen diesem und der vorausliegenden Strecke.
  • Ständiges zu dichtes Auffahren verunsichert den Vorausfahrenden. Nehmen Sie also auf dessen Sicherheitsbedürfnis Rücksicht.
  • Das Fahrverhalten sollte für die Nachfolgenden berechenbar sein.
  • Beim Anfahren an Kreuzungen und beim Überholen ist jeder für sich verantwortlich.

Weitere Tipps für das Fahren in der Gruppe:

  • Planen Sie ausreichende und vor allem rechtzeitige Tank- und Erholungspausen ein.
  • Bei schlechter Witterung oder Regen hält der erste Fahrer der Gruppe rechtzeitig an, damit die angemessene Kleidung angezogen werden kann.
  • Größere Gruppen können auf bekannten, eindeutigen und fahrerisch reizvollen Streckenabschnitten vollständig aufgelöst werden. Dann ist freies Fahren angesagt. Der nächste Treffpunkt für die Gruppe sollte allerdings vorab vereinbart werden.

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