Harley Davidson Sportster 1100 Evolution (1987) – Ein Testbericht

Die Harley-Davidson XLH Sportster 1100 Evolution wurde ausschließlich in den Modelljahren 1986 und 1987 produziert. Sie markiert den Übergang von der bisherigen Ironhead-Motorengeneration zur neuen Evolution-Baureihe innerhalb der Sportster-Familie. Die Einführung des Evolution-Motors stellt die zentrale technische Neuerung dar und ist offiziell durch Harley-Davidson-Dokumentationen belegt.

Die Evolution der Sportster-Reihe

1986 ersetzte Harley-Davidson den bisherigen 1100-cm³-Ironhead-Motor durch den neu entwickelten Evolution-V2-Motor mit gleicher Hubraumklasse. Der Evo ist nicht nur leichter und kraftvoller als sein Vorgänger, sondern auch laufruhiger, thermisch gesünder und wartungsfreundlicher. Zylinder und Köpfe sind nicht mehr wie beim Shovelhead aus Grauguss, sondern aus einer Leichtmetalllegierung hergestellt, wodurch der Motor thermisch gesünder arbeitet. Drastisch minimierte Fertigungstoleranzen sorgen für eine deutlich verbesserte mechanische Laufruhe des Aggregats und dank Hydrostößeln entfällt das Einstellen der Ventile.

Der Evo-V2 hält als erster Harley-Motor seinen Schmierstoff gewöhnlich auch weit jenseits von 50000 Kilometer Laufleistung bei sich. Auf die vielbeschworenen Good Vibrations müssen aber auch Evo-Fahrer nicht verzichten, was man spätestens daran erkennt, dass mal wieder eine Glühbirne das Zeitliche gesegnet hat, Nummernschild oder Halter ein- bzw. abgerissen sind oder Instrumente und Spiegel den Massekräften Tribut zollen mussten.

Die XLH Sportster 1100 Evolution ist damit das erste Sportster-Modell mit dem neuen 1100er Evolution-Triebwerk. Die 1986er XLH Sportster 1100 Evolution verfügt über einen Keihin CV-Vergaser, kontaktlose elektronische Zündung und eine 5-Gang-Schaltung. Der Rahmen bleibt gegenüber dem Vorgängermodell weitgehend unverändert.

Die Vorderradführung erfolgt über eine konventionelle Teleskopgabel, hinten arbeitet eine Zweiarmschwinge mit zwei Federbeinen. Die Sitzposition ist aufrecht, mit mittig montierten Fußrasten und einem flachen Einzelsitz. Ein Soziussitz ist optional erhältlich.

Die Instrumentierung besteht aus einem analogen Tachometer und einem separaten analogen Drehzahlmesser. Ein LC-Display ist nicht vorhanden. Die XLH Sportster 1100 Evolution besitzt keine serienmäßigen Koffer oder Topcases. Der Windschild ist nicht verstellbar und nur als Zubehör erhältlich. Reifenmarke und -modell variieren je nach Auslieferungsland und sind nicht herstellerseitig standardisiert dokumentiert.

Modelljahr 1987

Im Modelljahr 1987 bleibt die XLH Sportster 1100 Evolution technisch weitgehend unverändert. Es gibt keine dokumentierten Änderungen an Motor, Fahrwerk oder Ausstattung. Die Produktion der 1100er Evolution endet nach diesem Jahr.

Ab 1988 ersetzt Harley-Davidson die XLH 1100 durch die XLH 1200 Evolution, die mit einem vergrößerten Hubraum von 1200 cm³ auf den Markt kommt. Die XLH Sportster 1100 Evolution ist damit ein Übergangsmodell mit kurzer Produktionszeit. Sie ist ausschließlich mit dem 1100er Evolution-Motor erhältlich und stellt eine technische Zwischenstufe zwischen der Ironhead-Ära und der späteren 1200er-Evolution-Baureihe dar.

Technische Details und Unterschiede

Der Hauptunterschied liegt im Hubraum: Die XLH 1200 Evolution (ab 1988) verfügt über einen vergrößerten Motor mit 1200 cm³. Weitere Unterschiede betreffen die Verdichtung, das Drehmoment und teilweise die Ausstattung. Die Rahmenbasis bleibt ähnlich.

Weitere Merkmale

  • Tankinhalt: Laut Hersteller 12,5 Liter.
  • Reichweite: Hängt vom Fahrstil ab, liegt aber bei moderater Fahrweise im Bereich von etwa 200 Kilometern.
  • ABS: Die XLH Sportster 1100 Evolution ist nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet.

Gebrauchtberatung für Evo Sportster Modelle

Das Gebrauchtangebot an Harley-Davidson Evo Sportster ist groß, die Preise meist happig. Den Großteil des Gebrauchtangebots stellen die Evolution-Sportsters, die 1986 eingeführt werden und einen Quantensprung in Sachen Qualität und Zuverlässigkeit darstellen.

Vorsicht bei der Evo Sportster mit Vierganggetriebe! Auch im Evo-Zeitalter macht das Vierganggetriebe reichlich Ärger. Die Getrieberäder sind von minderer Qualität und sorgen bei Bruch für eine Kettenreaktion, die etliche Zahnräder mit ins Grab reißen kann. Erst mit Einführung der Five-Speed-Box ab 1991 verbessern sich Schaltbarkeit und Zuverlässigkeit deutlich.

Sinnvollerweise greift man zu einem Modell mit Zahnriemenantrieb, der ab 1993 serienmäßig in allen Sportster-Modellen verbaut wird. Dieser wartungsarme Wunderriemen wurde im Laufe der Jahre immer schmaler und gleichzeitig immer haltbarer. Sanfte Lastwechsel und geschmeidiges Ansprechverhalten bietet er jedoch schon bei seiner Premiere 1991.

Regelmäßige Öl- und Filterwechsel machen viele Sportster-Fahrer selbst, der Zahnriemen hält bei gelassener Fahrweise ewig und der Evolution beginnt erst bei sehr hoher Laufleistung, an Ventildeckel- und Zylinderfußdichtung Schmierstoff zu verlieren.

Modellpflege im Laufe der Jahre

Durch die quasi jährlich stattfindenden Modellpflegemaßnahmen hat die Sportster mehr und mehr an Reife gewonnen. Anders als bei Rotwein gilt für Evo-Sportys: Je jünger, desto besser. Die Evolution-Sportys sind echte Dauerläufer.

  • 2006: Getriebe, Kupplung u. Bremslichtschalter neu | längerer Seitenständer für 883, 883 R und 1200 R.
  • 2011: Neuer Statoranschluss der Lichtmaschine | optimierte Ventildeckeldichtungen und Seitenständerhalterung.
  • 2019: SuperLow, Iron 883, Forty-Eight und Roadster mit neuen Tankgraphics.

Weitere Tipps für den Gebrauchtkauf

Sportys sind meist Erst-Harleys und dienen ihren noch unerfahrenen Besitzern oft als Experimentierfeld für Umbauten. Am schlimmsten sind Tuning-Maßnahmen von Hinterhof-Schraubern oder in Eigenleistung durchgeführte Aufrüstungen von 883 auf 1200 cm². So langweilig es auch klingt: Als Gebrauchtkäufer greift man am besten zur Ersthand-Sportster im Originalzustand. Und baut dann selbst um.

Die Sportster im Vergleich

Ein Teil der Sportster-Käufer bekommt nach relativ kurzer Zeit Lust auf mehr - vor allem mehr Image in der Harley-Szene - und greift zum Big Twin. Das beschert dem Gebrauchtmarkt viele relativ junge Sportys mit bescheidener Kilometerleistung. Das Angebot übersteigt derzeit die Nachfrage.

Gebrauchte Sportster gibt’s ab rund 5.000 Euro, komplett runtergerittene Bastelbuden manchmal auch etwas drunter. So gesehen grenzen die aufgerufenen Gebrauchtpreise teilweise an Unverschämtheit, denn sie liegen mitunter deutlich über den damligen Neupreisen. Wohl dem, der eine Evo Sportster in der Garage stehen hat.

Einspritzanlage und ihre Folgen

Seit 2007 ist die Vergaser-Ära auch in den Sportys zu Ende. Die Umstellung auf Einspritzung hat die Company erstaunlich gut hinbekommen. Die Gasannahme ist sanfter und gleichmäßiger geworden und auch die Lastwechsel gehen unverändert geschmeidig vonstatten. Aber so gut die Einspritzanlage auch funktionieren mag, sie bringt einiges an zusätzlichem Ballast mit sich. Schließlich muss der elektronisch gesteuerte Injektionsvorgang mit zahlreichen Messwerten angefüttert werden. Dazu werden Luftdruck, -temperatur und -menge gemessen, was den Einsatz von etlichen Sensoren, Sonden, Kabeln und Schläuchen nötig macht.

Mit dem Abschied vom Vergaser und der Einführung der Fuel-Injection 2007 kam es zu einer regelrechten Strippen-Invasion. Eine dicke Wurst aus Kabeln, Schläuchen und Steckverbindungen zieht sich durchs halbe Motorrad und ist recht ordinär verlegt. Die seit 2004 serienmäßig verbaute Alarmanlage sorgt für zusätzlichen Ballast. Erst mit Einführung des CAN-Datenbussystems zum Modelljahr 2014 konnte der Kabelwust wieder reduziert werden.

Die XR 1200 - Eine sportliche Ausnahme

Mit der 2008 vorgestellten XR 1200 wird nur glücklich, wer mit Cruising nichts am Hut hat. Nach dem Ende der Buell-Ära unter dem Dach der Company war sie der einzige Langhubköder für Motorradfahrer, die zurückverlegte Fußrasten und heftige Schräglagen schätzen. Die XR 1200 bricht allerdings mit der guten alten Harley-Tradition des Full-Metal-Bikes, denn Tankabdeckung, Fender und Heckteil sind aus Kunststoff gefertigt. Na ja, bei einem sportlichen Motorrad geht das irgendwie in Ordnung.

Mit verbesserten Federelementen, schwimmend gelagerten, feiner dosierbaren Vorderradbremsen und dem geschwärzten Erscheinungsbild federt und bremst sie besser und wirkt deutlich edler als die bereits 2010 wieder eingestellte Normalo-Version. Der 90 Pferdestärken leistende Evo-V2 läuft ebenso zuverlässig wie in den leistungsschwächeren Standard-Versionen.

Wer ein Auge auf die XR 1200 geworfen hat, wird bereits seit mehr als 10 Jahren nur noch auf dem Gebrauchtmarkt fündig - Harley hat das Modell mangels Erfolg Ende 2012 eingestellt.

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