Die Tour zum Nordkap auf dem Motorrad nach Norwegen wird nur mit der entsprechenden Vorbereitung ein großartiges Erlebnis werden. Norwegen entschleunigt dich komplett, die Natur und besonders die Stille im Norden, wirken besser als jede Therapie, du musst es nur zulassen! Eine gute Planung gehört dazu, das Land ist rau und hat seine Besonderheiten.
Zeit und Budget
Je mehr Zeit du mitbringst, umso mehr kannst du entspannt erleben. Es ist möglich, die Tour in 14 Tagen zu schaffen, gute drei Wochen würde ich allerdings empfehlen, wenn man die wichtigen Spots und Lofoten erleben möchte. 3000,-€ sollte man mindestens anpeilen. Wenn du zum Nordkap fahren willst, wirst du am Ende ungefähr 8000 Kilometer mehr auf dem Kilometerzähler haben.
Spartipps für die Nordkap-Tour
Hier sind einige Tipps, wo man sparen kann:
- Fahre mit Freunden: Wenn du nicht alleine fährst, kannst du dir mit Freunden bei schlechtem Wetter eine Hütte teilen, viele Campingplätze bieten Hütten an.
- Zelten in der Wildnis: Das kostet gar nichts, es ist in Norwegen durch das Jedermannsrecht erlaubt, sein Zelt in der Natur aufzuschlagen. Wichtig ist! Immer den Müll mitnehmen und den Platz sauber wieder verlassen.
- Campingplätze: Das Campen auf einem Zeltplatz ist gut und günstig. Die Campingplätze sind sehr zu empfehlen, dort habt ihr Sanitäre Anlagen und die Meisten bieten ein Frühstück an, oder man holt sich dort im Kiosk nur die Brötchen.
- Nutze das Booking Portal geschickt! Buche das Hotel über Booking com und frage die Orte schon immer ein paar Tage früher ab, dann bekommst du zwischendurch Sonderangebote von Booking com vorgeschlagen. Du kannst auch bei den Hotels nach Sonderpreisen fragen, mitunter sind in der Sommerzeit viele Hotels nicht ausgelastet, weil die meisten Urlauber im Sommer mit dem Camper, oder Wohnmobil unterwegs sind und die Norweger in die Sonne geflogen sind.
- Einer sollte die Versorgungskasse übernehmen! Wenn du mit Freunden fährst und ihr Campen wollt, dann sollte einer die Kasse für Lebensmittel haben, es reicht wenn einer die Lebensmittel kauft. Verteilt die Sachen untereinander auf den Motorrädern, das lässt sich alles sehr gut lösen. Packt alles was geht zusammen, so spart ihr Platz, es muss nicht jeder mit einem Paket Butter und Kaffee im Gepäck unterwegs sein, man kann viele Dinge teilen. Teamfähigkeit ist gefragt.
Übernachtungskosten, Benzin, Lebensmittel und die Fährüberfahrten sind die Hauptkosten auf solch einer Tour.
Benzinverbrauch und Tankstellen
Du wirst zu über 90% auf der Tour nicht weit über 80 km/h fahren. In den Ortschaften sind 50 km/h vorgeschrieben und auf der Landstraße herrscht ein Tempolimit von 80 km/h, sofern nichts anderes angeben wird. Auf Schnellstraßen sind mitunter 110 km/h erlaubt, diese Straßen zu fahren, wird eher die Ausnahme sein. Wer nicht gerade mit dem 8 Liter Tank unterwegs ist, sollte immer von einer zur nächsten Tankstelle kommen. Weiter oben im Norden werden die Tankstellen zwar weniger, aber moderne Motorräder werden immer sparsamer.
Ich empfehle, den Tank nie weniger als viertel voll werden zu lassen. Reserven sind immer gut, es sollte wenigstens 2 Liter Benzin im Form einer Benzinflasche oder kleinem Notfallkanister dabei sein. In Finnland kann das eher mal passieren, eine Tankstelle suchen zu müssen. Der selbst saugender Benzinschlauch sollte mit Gepäck sein.
Reifen und Bremsen
Du solltest unbedingt mit einem neuwertigen Reifenprofil dein Norwegenabenteuer beginnen. Je weiter du in den Norden kommst, umso rauer wird der Asphalt.
Die Reifen könnten lauter werden: Ich habe das mit einem MULTI-TREAD Reifen erlebt, die Lauffläche ist härter, als die Außenfläche vom Reifen. Außen ist die Mischung weicher, in Verbindung mit dem groben Asphalt, wir das Laufgeräusch besonders in den Kurven lauter. Du wirst an mich denken, wenn du das Geräusch erstmals bei Kurvenfahrten hörst.
Wir haben in Øygardstøl eine Gruppe von Bikern getroffen, die waren etwas sportlicher in den Kurven unterwegs, einer von ihnen hat an seinem Brenner, die vorderen Bremsbacken verloren, die sind einfach rausgefallen. Keine Ahnung wie sowas passieren kann, aber man sollte diese Tour nur mit Top Bremsen angehen. Denn es gibt immer wieder Bergpassagen, wo gebremst werden muss, besonders wegen den vielen Wohnmobilen. Man selbst ist ziemlich beladen unterwegs, also vorher besonders auch die Bremsflüssigkeit checken lassen, um nicht plötzlichen Bremsverlust zu erleiden.
Währung in Skandinavien
Norwegen ist eines der wenigen europäischen Länder, das nicht der europäischen Währungsunion beigetreten ist. Aus diesem Grund hat man dort seine eigene Währung. Wer mit Euro Bar bezahlt, bekommt Norwegische Kronen als Wechselgeld zurück. An manchen Orten ist das Zahlen mit dem Euro möglich, ein reiner Kundenservice.
Der Umrechnungskurs der Norwegischen Krone zum Euro: Wenn man über den Daumen rechnen möchte, kann man sich das einfach machen, für 1000 NOK bekommen man ungefähr 100 EUR. In der Regel schwankt er höchstens um 10%, nur im März 2020 ist er mal kurzeitig um 20% abgesackt.
Die Skandinavier zahlen am liebsten alles mit der Kreditkarte und somit ist klar, das man überall mit der Kreditkarte weiterkommt. Die Visa und Mastercard klappt eigentlich überall, in vielen Fällen geht auch die Maestrokarte.
Und wer hätte es gedacht, auch die Schweden sind kein Mitglied in der Europäischen Währungsunion. Hier gilt die Schwedische Krone SEK. Der Wechselkurs ist ähnlich wie bei der Norwegischen Krone, für 1000 Kronen bekommt man ca. 100 Euro.
Wenn du über Dänemark in den Norden fahren möchtest, wirst du jetzt überrascht sein, auch hier hat man seine eigenen Kronen als Währung. Für 1000 DKK bekommst du ca. 130 Euro. Die Währung ist dem Euro gegenüber etwas schwächer, als bei den anderen, aber günstig ist auch in Dänemark nichts.
Reisezeit und Routenplanung
Es gibt Biker, die haben das gemacht und auch geschafft, aber das würde ich nicht empfehlen. Du solltest mindesten 21 Tage planen, besser sogar mehr. Das Land, die Menschen und die Natur sind es wert, diese Tour wirst du nicht so oft Leben durchziehen, aber viel drüber erzählen.
Je nachdem über welche Seite du die Tour beginnst, du wirst immer die meiste Zeit in Norwegen verbringen. Wenn du wenig Zeit für deine Tour geplant hast, werfe einen Blick auf das Bild von meiner Navigation, denn Kurven sind keine Seltenheit, besonders in einigen Bereichen von Norwegen wird das so sein. Wenn du dir Ziele gesteckt hast, prüfe die Strecken unbedingt vorher mit dem Routenplaner und vergesse nicht, das du hier und dort mal anhalten wirst.
Der folgende Tipp ist besonders für Brillenträger wichtig. Norwegen ist halb untertunnelt, wer damit ein Problem hat, soll direkt woanders hinfahren. Das Problem sind die unterschiedlichen Lichtverhältnisse, mit Sonnenbrille in den Tunnel rein und mitunter sieht man nicht mehr viel.
Auch das kann passieren, mich hat auf einem Bergpass ein schwedischer Reisebus in die Felswand gedrückt. Er war der Meinung das es passt und ist einfach langsam weitergefahren, hat meinen Griff touchiert und mitgezogen, bis ich in der Wand lag. Dann bist du erstmal geschockt, meine Kumpels haben den Busfahrer angehalten und rausgeholt.
Versicherungen und Automobilclub
Die richtigen Versicherungen abschließen: Wenn man im Ausland unterwegs ist, sollte man in einem Automobilclub Mitglied sein. Beispielsweise beim Mobil in Deutschland e.V, AvD Automobilclub, ACE, ADAC, oder andere. Was ich immer empfehlen würde, ist eine Auslandskrankenversicherung, wie wichtig die ist, weiß man erst, wenn man sie braucht. Besonders in südlichen Ländern, verlangt man vorab eine Kostenabsicherung, bevor es mehr als die Notversorgung gibt.
Sehenswerte Orte und Routen
Unten im Süden, ist die Telemark sehr schön, ich würde aber empfehlen, möglichst zügig in Richtung Norden zu kommen. Das sind ein paar Stichwörter für die Google Suche: Tindevegen Passstraße, Stegastein, Lyseboten (Kierag Kaffee), Bergen, Tromsø, Trollstiegen, Geiranger Fjord, Atlantik Road, Lofoten, Leardal, Undredal/Aurland,, Odda,Skjervsfossen Wasserfall, Arctic Circle Center, Olderdalen, Nordkap.
Eine Harley-Davidson zu besitzen, ist in Norwegen und anderen Skandinavischen Ländern besonders teuer, hier gibt es eine Luxussteuer auf Motorräder. Trotzdem gibt es in Norwegen einige Harley-Davidson Vertragshändler. In Oslo, Bergen, Trondheim und North-Norway in Ballangen. Der Dealer in Tromsø macht nichts offizielles mehr, wie ich zu hören bekommen habe. In North-Norway muss man mal gewesen sein, die T-Shirts backprints sind besonders cool.
Fähren und Autopass
Die Fähren in Norwegen und lohnt sich der Autopass? Du wirst an der Westküste oft mit der Fähre fahren müssen, deshalb solltest du bei deiner Routenplanung vorher genau schauen, ob die Verbindung eine Brücke, oder Fähre ist.
Die Fährverbindungen sind regelmäßig und gehen bis spät in den Abend, oder sogar noch länger. Die Fährüberfahrt ist kostenpflichtig, du kannst an jeder Fähre mit Kreditkarte bezahlen, nachdem du auf die Fähre gefahren bist. Die Preise sind je nach Länge der Überfahrt unterschiedlich, aber halten sich noch im Rahmen. Das geht ohne Reservierung und in der Regel musst nicht erst zur Kasse laufen. Das ist das einfachste, einfach rauf und zahlen, fertig.
Lohnt der Autopass? Es gibt ein elektronisches Maut Bezahlsystem, das lohnt sich aber nicht für Motorradfahrer. Die Karte muss im Vorwege mit 3500 Norwegischen Kronen aufgeladen werden und so viel Fährüberfahrten wirst du nicht haben. Andere Mautgebühren gibt es für Motorradfahrer nicht.
Zelten in Norwegen
Was ich beim Zelten beachten sollte! Gerade in Norwegen bietet sich das Zelten an, es gibt nur ein Handicap und dass ist das Wetter. Es kann sehr schnell umschlagen und dann gibt auf einmal Regen, oder den besten Sonnenschein.
Ich habe alles schon erlebt, einmal fünf Tage Regen am Stück, wenn du dann dein Zelt nur noch im Regen abbauen musst, bist du es irgendwann leid. Wenn du dann erstmal mit nassen Händen in die Handschuhe reingehst, hast du schnell verloren. Ich will dir damit nur sagen, du solltest offen für alles sein, ob Hotel, oder Hütte, wenn es schlecht läuft geht das irgendwann nicht mehr. Wenn ein Zelt schnell auf und abgebaut werden kann, ist es echt ein Vorteil. Besonders, wenn es Wettermäßig schlecht läuft, bist du froh, wenn das Zelt schnell steht.
Das perfekte Zelt habe ich derzeit nicht gefunden, ich selbst habe so eins, das gibt es aber nicht mehr zu kaufen. Zelte mit Fiberglasgestänge sind mir zu fummelig, wenn das schnell gehen muss, kannst du das vergessen. Es gibt ein ähnliches Zelt von Queedo, das ist das Quick Oak 3, nur leider ist der Vorraum noch mit einem umständlichen Fiberglas Gestänge versehen und das Packmaß und die Wassersäule sind nicht so perfekt, aber das wäre heute meine Wahl, wenn ich mir eins kaufen müsste.
Packliste fürs Zelt
Das Packmaß vom Zelt sollte klein und leicht sein! Eine hohe Wassersäule über 4000mm würde ich empfehlen. Ab 5000 mm bist du ziemlich auf der sicheren Seite, was allerdings schwer zu finden ist. Ein Unterschied ist, wenn du bei einer Wassersäule unterhalb von 5000mm von innen gegen das Zelt kommst, kann Feuchtigkeit durch die Zeltwand eindringen.
Eine Bodenplane für das Zelt ist von Vorteil! Der Boden vom Zelt sollte mindestens 2000mm haben, sonst kommt das Wasser von unten durch. Ich habe immer noch eine passgenaue Plane unter des Zelt gelegt, so ist es beim zusammenpacken immer sauber geblieben. Der Boden in Norwegen ist teilweise Steinig und hart, die normalen Heringe verbiegen sehr schnell. Ich kann diese Erdnägel aus Stahl empfehlen. Leider wiegen sie etwas mehr, als die klassischen Heringe, aber das ist die Sache wert. Die haben einen Griff und sind schnell gesetzt.
Das Zelt sollte ein kleines Vordach, oder einen Vorraum haben, dort kannst du deine Koffer und Taschen abstellen, oder die Schuhe an und ausziehen. Je mehr Nässe und Dreck draußen bleibt, umso besser.
Wenn du noch ein gutes Zelt hast, mit dem du losfahren willst, sollest du es vorher noch einmal imprägnieren. Ich habe das mit NIKWAX gemacht und zusätzlich die Nähte mit Nahtdichter versiegelt.
Licht und Beleuchtung im Zelt
Es gibt gute LED Lampen, die man in der Zeltmitte aufhängen kann, es gibt auch Gaslampen, die mit einer Gaskartusche verwendet werden. Praktisch ist, wenn die Gaskartusche zum Gaskocher passt, den du auf der Tour verwenden möchtest. Der Vorteil von der Gaslampe, ist auch ihr Nachteil! Sie wird richtig heiß und wärmt das Zelt ordentlich auf, sie im Zelt zu verwenden ist allerdings echt gefährlich. Sie verbraucht Sauerstoff und ist laut.
Um eine Grundwärme ins Zelt zu bringen, ist sie gut, allerdings brennt ein Zelt unheimlich schnell und es sollte kein zu kleines Zelt sein, ich würde dem unerfahrenen Campern davon abraten.. Und wer die Lampe unbedingt aufhängen will, sollte ein langes Lederband verwenden. Allerdings braucht ihr Nachts nur in der Südhälfte wirklich Licht, denn in Norwegen wird es nachts in den Sommermonaten nicht wirklich dunkel. Deshalb könnte auch der nächste Tipp völlig ausreichend sein, eine Stirnlampe kann man ebenfalls im Zelt als Lampe verwenden und sie nimmt kaum Platz weg.
In der Wildnis zelten und nach ein paar Bier muss man in der Nacht nochmal raus, dann könnte dir eine Stirnlampe den Weg leuchten. Die Stirnlampe sollte schon über einen USB-C Stecker zum aufladen verfügen, je weniger Stecker man dabei haben muss, umso besser. Die gängigen Stirnlampen habe diverse Einstellungen, um für jede passende Gelegenheit, das richtige Licht vorzuhalten.
In verlassenen Gegenden, kann es bei einer möglichen Panne hilfreich sein, sich mit einem Warnlicht abzusichern, die Trucks sind auf den Straßen etwas sportlicher unterwegs, als bei uns.
Packen mit System
Ein wenig System beim packen kann nicht schaden. Ich habe alles was zum Campen benötigt wird, in einem 50L QBag verstaut. Das Zelt, Klappstuhl, Isomatte, Schlafssack, Lampe und die Zeltunterlage. Wir haben sehr viel wert auf ein umfangreiches und ausgiebiges Frühstück gelegt. Dazu verwenden wir ein gewisses Basic Set up. Tasse, Teller und Messer, wir haben eine Kaffeepresse, oder auch einen Kaffeefilter und Gaskocher. Abhängig vom Wetter, wussten wir ja ungefähr. ob wir alles nötige im Shop einkaufen gehen, oder im Hotel frühstücken.
Wenn wir via Google schon gesehen haben, das in der Umgebung, wo wir übernachten werden, eine gute Bakery (Bäckerei) ist, dann sind wir dort hingefahren. Preisleistung war immer Top und wir hatten jedes Mal Glück, frischer Lachs zum Frühstück und gute Brötchen hatten wir immer. Auf der Reise empfiehlt es sich, mit Rei aus der Tube, oder sonst etwas ähnlichem ausgerüstet zu sein. Denn irgendwann ist es soweit und du solltest einen Waschtag einlegen. Es eignet sich entweder ein normales Wäscheband, oder direkt ein Paracord Universalseil, das kann man zusätzlich für ein Tarp benutzen. Das Tarp haben wir bei schlechtem Wetter aufgezogen, um am Abend noch gemütlich zusammensitzen zu können, darum sollte auch...
Motorradfahren in Finnland
Mit dem Zweirad von Helsinki quer durch Finnland zum Nordkap ist der Traum vieler Motorradfahrer. Der Motorradreisejournalist Lars Wennersheide hat ihn sich mit seiner Familie erfüllt.
Eigentlich wollten sie Finnland dabei auf schnellstem Weg nach Norden durchqueren. Schon zum siebten Mal in Folge wurde Finnland zum glücklichsten Land der Welt gekürt.
Finnland zu entdecken, bedeutet vor allen Dingen, es zu erfahren. Eigentlich wollen wir es auf schnellstem Weg zum Nordkap durchkreuzen.
Spätestens mit Lahti beginnt, wofür Finnland weltweit bekannt ist: das Seengebiet. Die Straßenkarte im Tankrucksack bildet einen unendlichen grünblauen Flickenteppich aus Wald und Wasser ab. Kleine Kleckse, große blaue Punkte - wenn ein Land aus Flüssigkeit bestehen könnte, läge es nun vor uns.
Von der Route 314 kommen wir auf die mit der Nummer 612, biegen auf die 610, 616 und letztlich auf die Route 431 Richtung Mikkeli ab. Geschäfte in den Orten bleiben geschlossen, weil der Chef angeln ist. Urlaubszeit.
Wir mittendrin. Als wir endlich auf den Campingplatz in Savonlinna rollen, habe ich die Strecke beim morgendlichen Überschlag der Tagestour um schlappe zweihundert Kilometer unterschätzt.
Vorbei am Westufer von Finnlands schönstem See - dem Pielinen - über Kuhmo, immer dicht an der russischen Grenze auf die Nebenstrecke nach Suomussalmi. Kurz stoppen wir bei Minna an der Kreuzung der Route 912 mit der Raate-Straße, der heutigen Nebenstrecke 9125, die direkt auf die russische Grenze zuläuft. Gemeinsam mit ihrem Mann gehört Minna das »Raatteen Portti Winterkriegsmuseum«.
Mehr als tausend Kilometer streckt sich die Themenstraße von Süden bis hinauf nach Salla. Selten ist rechts oder links mal Leben in der Bude.
Hinein in die Weite des Landes, die bis Ruka am Fuße des Rukatunturi-Fjells kaum Fahrt aufnimmt. Willkommen in den Alpen Finnlands auf maximal 492 Metern Höhe!
Als wir in die Nebenstrecke der 950 einbiegen, könnte der Kontrast kaum größer sein. Wieder allein, allein.
Für uns ist es so weit: Wir passieren den Polarkreis. Die taigaartigen Wildnisgebiete mit ihren ausgedehnten Wäldern haben ihr Strahlen verloren.
Schon einmal im Hochsommer Weihnachten gefeiert? Jingle Bells und so? Mit der Elfe Vanilla, ihren Wichtelfreundinnen und dem leibhaftigen Weihnachtsmann?
Tankavaara, das Goldgräberdorf und blendende Finale unserer Finnlandquerung.
Eigentlich wollten wir Finnland auf schnellstem Weg nach Norden durchqueren. Dann war da das Land, die Sonne, die Seen und die so besonderen Menschen, die uns einfach gefesselt haben. Bis zum Nordkap ist es nicht mehr weit durch Norwegen. Eine Motorradtour durch Finnland aber hat etwas Meditatives, eine Ereignislosigkeit, die selbst zum Ereignis wird.
Wichtige Tipps für Motorradfahrer in Finnland
- Die Tempolimits bleiben mit außerorts 80-100km und auf den wenigen Autobahnen 120km/h gut verträglich.
- Oft kann auf den großen Verbindungsstraßen die Entfernung exakt in Zeit kalkuliert werden. 100 Kilometer bedeuten schlicht eine Stunde Fahrt.
- Keine Ampeln, keine Staus, kein hohes Verkehrsaufkommen.
- Je kleiner der Motorradtank desto genauer sollte man auf Nachfüllmöglichkeiten achten.
- Als Besonderheit muss man in Finnland offiziell auch auf dem Motorrad ein Warndreieck mitführen.
- Bei Panne/Unfall müssen Fahrer und Beifahrer Warnweste tragen, eine Mitführpflicht ist allerdings gesetzlich nicht verankert.
Beste Reisezeit und Budget
Die beste Reisezeit für Motorradreisende, die bis zum Nordkap reisen wollen, beschränkt sich wohl auf das Umfeld des Hochsommers, um Wintereinbrüche im späten Frühling oder frühen Herbst zu vermeiden.
Das Budget einer solchen Reise hängt, wie immer, von den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen ab. Benzin kostet ähnlich wie daheim, wesentlich variieren vor allem die Kosten für Übernachtungen und Verpflegung.
Bleiben die Kosten bei Zelt/Hütten und Selbstversorgung, wird der Anteil für komfortable Hotelzimmer und Vollverpflegung wesentlich größer.
Erfahrungsberichte und Meinungen
Viele Motorradfahrer träumen davon, einmal am Nordkap zu stehen. Doch was erwartet einen dort wirklich? Hier sind einige Meinungen und Erfahrungen:
- Negative Stimmen: Einige beschreiben die Straßen zum Nordkap als langweilig und das Wetter oft schlecht. Das Kap selbst sei von der Seeseite reizvoller als von oben.
- Positive Stimmen: Andere haben die Touren genossen und schätzen die Einsamkeit in den nördlichen Bereichen Skandinaviens. Abseits der Touristenrouten gibt es viele kurvenreiche Strecken zu entdecken.
Wichtig ist, sich nicht nur auf das Ziel Nordkap zu konzentrieren, sondern auch die Schönheit der Fjorde und Berge Norwegens zu genießen.
Tipps von erfahrenen Reisenden
Hier sind einige Tipps von Motorradfahrern, die bereits am Nordkap waren:
- Reisezeit: Mitte Juni bis Ende August.
- Ausrüstung: Wasserdichte Kleidung ist ein Muss.
- Routenplanung: Abseits der typischen Touristenrouten gibt es viel zu entdecken.
- Tankstellen: Im Norden Finnlands sind die Abstände zwischen den Tankstellen größer.
- Kreditkarte: In Skandinavien ist bargeldloses Bezahlen üblich.
Abschließende Gedanken
Die Reise zum Nordkap kann ein unvergessliches Abenteuer sein, wenn man sich gut vorbereitet und offen für neue Erfahrungen ist. Ob mit Zelt oder im Hotel, alleine oder in der Gruppe - das Wichtigste ist, die Fahrt zu genießen und die Schönheit der nordischen Landschaft auf sich wirken zu lassen.
Man kann alles schaffen, aber die Reise zum Nordkap wird für euch vielleicht "The Jorney of a Lifetime" sein, die Reise eures Lebens und warum sollte man die unter Zeitdruck fahren? Ich war 23 Tage unterwegs und habe keinen einzigen Ruhetag eingelegt, im Schnitt 285 km am Tag. Das war ein Fehler. Wenn ich diese Reise noch einmal mache, plane ich Etappen von 180 bis 250 km.
Zelten ist für die meisten Motorradfahrer längst aus der Mode. Man hat Geld, ist bequem geworden, fährt eine dicke Adventure, hat Bluetooth im Klapphelm und jedes Zubehör an Bord, das Touratech nur bietet. Warum zelten, wenn ich mir eine Hütte leisten kann? Weil es ein Erlebnis ist, das ihr nie vergessen werdet.
Weitere Tipps:- Nicht an der Ausrüstung sparen, nur am Gepäck. Mit der 49 Liter Ortliebtasche und dem Endurotankrucksack bin ich prima ausgekommen, das Zelt schnalle ich außen auf die Tasche.
- Ich glaube nicht an Membrankleidung. Ja, sie hält eine Weile dicht, besonders in ihrer ersten Saison, aber nachts liegt sie nass und dreckig im Zelt neben euch und ist morgens noch genauso kalt und feucht wie am Abend zuvor. Mein Tipp ist eine einteilige Regenkombi aus Kunststoff.
- Handschuhe.
- Kreditkarte mit PIN. In Skandinavien ist das Bargeld auf dem Rückzug. Man kann fast überall mit der VISA-Karte bezahlen, nur anders als in Deutschland nicht mit Unterschrift, sondern mit der PIN. An vielen Tankstellen bekommt man kein Benzin ohne Kreditkarte mit PIN.
- Reichweite. Der Tank meiner Enduro fasst 7,7 Liter und für den Notfall habe ich 1,5 Liter Reserve an Bord. Damit kommt ihr auch durch die finnische Tundra, den am dünnsten besiedelten Teil der Strecke. Die weiteste Entfernung zwischen zwei Tankstellen beträgt dort 180 km.
- Reisezeit. Die beste Reisezeit ist Anfang Juni, die Saison hat gerade begonnen, die Campingplätze sind leer und warten auf Gäste, keine Touristen, wenig Mücken und ihr könnt noch Schnee und Eis sehen. Im Juli würde ich nur fahren, wenn ich schulpflichtige Kinder mitnehmen müsste. Alles ist dann overcrowded und auch die Mücken haben Hochsaison.
- Wetter: Am Nordkap kann man im Juni mit 0° - 8° C rechnen, ich hatte 4° C.
- Campingausweis. Treu und brav kaufe ich seit Jahren jeden Campingausweis, der angeboten wird, aber Tatsache ist, dass ich ihn nie gebraucht habe. Ein paarmal konnte ich ihn dem Typen in der Rezeption aufdrängen, aber nachgefragt wurde er kein einziges Mal.
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