Bikepacking mit Mountainbike: Ausrüstung und Tipps für dein Abenteuer

Als Selbstversorger unterwegs mit kleinem Gepäck: Bikepacking hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Doch wo kommt der junge Radreise-Trend überhaupt her und welche Ausrüstung ist dafür nötig? Bergzeit-Fahrradexperte Flo Glott erklärt, worauf Du beim Bikepacking in Sachen Rad, Gepäck und Tourenplanung achten solltest.

Was ist Bikepacking?

Hast Du schon mal was von Bikepacking gehört? Hast Du gedacht, dabei handelt es sich nur um einen modernen Begriff fürs Radreisen? Nicht ganz. Der Ursprung des Bikepackings liegt in nordamerikanischen Mountainbike-Langstreckenrennen, sogenannten „Self-Supported Races“. Diese Rennen lassen sich nicht in einer einzigen Tagesetappe bewältigen. Da zudem fremde Hilfe verboten ist - eben self-support von Nöten ist - müssen die Teilnehmer ihre gesamte Übernachtungsausrüstung und Verpflegung selbst transportieren.

Beim Bikepacking handelt es sich also um eine spezielle Art des Radreisens, bei der sich der Bikepacker selbst versorgt und überwiegend im Gelände unterwegs ist. Somit unterscheidet sich Bikepacking auch von einer klassischen Bike&Hike-Tour, bei der es sich meist um einen Tagesausflug handelt. Beim Bike&Hike dient das Rad dazu, möglichst nahe an den Gipfel heran zu kommen, um im Anschluss die letzten Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen.

Die richtige Ausrüstung für dein Bikepacking-Abenteuer

Was benötigt man überhaupt für das erste Bikepacking-Abenteuer? Neben einem Rad braucht man natürlich korrekt und sinnvoll gepackte Taschen und vor allem eine gute Planung. Das Wichtigste beim Bikepacking? Klar, das sind die Taschen, in denen Du die Ausrüstung wie Schlafsack, Kleidung und Proviant sicher verstaust. Grundsätzlich kannst Du jede Tasche verwenden, die eng am Rad befestigt werden kann.

Du solltest allerdings unbedingt darauf achten, dass die Taschen auch wasserdicht sind. In die Taschen packst Du nun alles, was Du für eine Mehrtagestour mit Outdoorübernachtung benötigst. Da Du Deine gesamte Ausrüstung am Bike transportierst lohnt es sich bei der Produktauswahl auf Funktionalität, Gewicht und Packmaß zu achten. Wähle leichte und klein packbare Ausrüstung, die zu den Anforderungen Deiner Tour passt und verzichte auf Dinge, die nicht wirklich notwendig sind.

Das richtige Fahrrad für Bikepacking

Eigentlich kannst Du Dich mit jedem Fahrrad ins Bikepackingabenteuer stürzen, da hier die Freiheit an erster Stelle steht und Du Dir für Deine ersten Touren kein teures Bike kaufen solltest. Da jedoch die meisten Bikepacker in die abgelegene Natur wollen, eignen sich Mountainbike oder Gravelbike am besten. Welche Art von Rad (29er oder 27,5 Zoll, Alu oder Carbon, Schaltung oder Singlespeed) spielt nur eine untergeordnete Rolle.

  1. Mit dem Fully hast Du aufgrund des Fahrwerks sicherlich am meisten Fahrspaß. Jedoch musst Du hier mit dem Anbringen Deiner Taschen aufpassen, damit diese nicht im Weg sind. Zudem lässt sich eine große Rahmentasche oft nur schwer anbringen.
  2. Das Hardtail ist zum Bikepacking gut geeignet. Hier hat man aufgrund der Rahmenform die vielseitigsten Möglichkeiten, große Taschen anzubringen.
  3. Auch ein Fatbike ist zum Bikepacking gut geeignet. Durch die breiten Reifen hast Du auch auf losem Untergrund Vortrieb. Mit einem Fatbike machen auch Touren bei winterlichen Bedingungen Spaß.
  4. Zwar kein Mountainbike, aber der neueste Trend in der Bikebranche und zum Bikepacking ideal: das Gravelbike. Diese Bikes sind die Schnittstelle zwischen Mountainbike und Rennrad. Schnell und leicht mit geländegängigen Reifen, eignen sie sich am besten für ausgiebige Bikepacking-Ausflüge. Die Räder sind außerdem meist mit Aufnahmen für Taschen etc.

Die richtige Beladung der Bikepacking-Taschen

Damit das Fahrrad beim Bikepacking agil ist und somit der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt, ist die richtige Beladung der Bikepacking-Taschen besonders wichtig.

  1. In diese Tasche solltest Du vor allem leichte Dinge oder Ausrüstungsgegenstände verstauen, die besonders schnell zugänglich sein sollen.
  2. Satteltaschen sind so etwas wie die Klassiker unter den Bikepacking-Taschen. Die großvolumigen Taschen sind eine moderne Alternative zu herkömmlichen Back-Roller-Fahrradtaschen, die am Gepäckträger eines Reiserades befestigt werden. Durch das Design und die Befestigung am Sattel rückt der Schwerpunkt der Ladung näher an Rad und Fahrer, was Dich im Gelände wendiger und agiler macht. Seat-Packs fassen etwa zehn bis 15 Liter.
  3. Die Rahmentasche eignet sich insbesondere für schwere Gegenstände, da so das Gewicht nahe und tief am Bike ist. Somit liegt auch der Schwerpunkt optimal.

Packliste: Was muss mit, was nicht?

So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Das ist das Credo beim Bikepacking. Stell dir immer die Frage: Was kann ich zur Not weglassen? Welches Equipment spart Platz und Gewicht? Die Frage: „Was muss mit?“, hängt entscheidend von der Länge des Trips ab. Zwar macht es auf dem Rad mehr Spaß, ohne Zelt, Kochequipment und den kompletten Proviant durch die Natur zu fahren. Die Flexibilität bei der Wahl der Route und ihrer Länge schränkt dies allerdings auch merklich ein.

Helfen kann ein Minizelt, bei dem das Rad gleichzeitig Zeltgestänge wird, wie der „Bikecamper“ von Topeak. Das spart nicht nur bis zu 1,5 Kilogramm Gepäck, sondern ist zugleich effektiver Diebstahlschutz für das eigene Rad bei Nacht.

Empfohlene Ausrüstung:

  • Fahrradtaschen von Cyclite: robuste Food Pouch, ca. 40 Euro
  • Wetterfeste Oberrohrtasche, ca. 90 Euro
  • Multifunktionswerkzeug TOM 18 aus rostfreiem Chrom-Vanadium-Werkzeugstahl von SKS Germany, ca. 17 Euro
  • Mini-Standluftpumpe von Lezyne, 160 psi/11 bar, ca. 55 Euro
  • Ultraleichtzelt “Lizard Seamless” für Sommer, Frühjahr und Herbst von Vaude für 1-2 Personen, ca. 650 Euro
  • Leichter Rennradhelm “Rise” mit schnelltrocknender Helmpolsterung von Uvex, ca. 120 Euro

Die richtige Route für dein Bikepacking-Abenteuer

Das Schöne am Bikepacking ist, dass Du einfach losfahren kannst. Dennoch solltest Du es bei Deiner ersten Tour nicht gleich übertreiben. Fange daher mit kurzen Zweitagestouren an und lerne Dich und Deine Ausrüstung erst einmal kennen. So merkst Du schnell, ob Du noch etwas benötigst oder überflüssige Ausrüstungsgegenstände weglassen kannst. Gut ausgebaute Fernwanderwege sind für Anfänger eine gute Wahl, da Du immer in der Nähe der Zivilisation bist und sich die Navigation sehr einfach gestaltet. Steigere Länge und Abgeschiedenheit Deiner Tour langsam. Plane Deine erste Tour am besten bei gutem und warmem Wetter. Eine winterliche Bikepackingtour verlangt dem Radler einiges ab. Ein gute Planung ist für den Erfolg der Tour wichtig. Fernwanderwege sind für die ersten Touren eine gute Wahl.

Bevor Du zu Deiner ersten Tour aufbrichst, musst Du Dich für eine Route entscheiden. Wie erwähnt eignen sich zu Beginn längere Wanderwege, da diese gut markiert sind. Dennoch solltest Du Deine Route auf einer Karte markieren oder in einem GPS-Gerät abspeichern, um Dich nicht zu verfahren. Steht die Route fest, checke Dein Bike und Deine Ausrüstung durch und belade Dein Rad wie zuvor beschrieben.

Bikepacking-Tourenvorschläge:

Route 1 (blau): Für Bikepacking-Liebhaber. Die Klassiker-Route führt von Bad Tölz bis zum Isarursprung. Sie ist circa 80,5 Kilometer lang. Wer nach mehr Kilometern dürstet, kann die Fahrt bereits in München beginnen und so die Strecke erweitern. Am besten plant man - je nach Kondition - am Ziel eine Übernachtung ein, damit man am folgenden Tag gestärkt die Rückroute in Angriff nehmen kann.

Route 2 (orange): Für Bikepacking-Profis. Die “Tour Royal” beginnt beim Königsschloss in Hohenschwangau bei Füssen und führt Sie entlang des Tegernsees und des Chiemsees hin zum Königssee in Schönau. Die Route kann in drei Tagesetappen mit jeweils etwa 100 Kilometern zurückgelegt werden. Wichtig ist: Diese Tour ist nichts für Ungeübte.

6 Bikepacking-Tipps von Sara Hallbauer

  1. Langsam Tritt fassen: Die Entfernung sollte bei der ersten Tour nicht zu groß sein. Je nach sportlichem Level reichen 60-100 Kilometer an einem Tag. “Es bietet sich an, Familie und Freunde zu besuchen und erst nach und nach längere Routen zu planen”, so Hallbauer. “Aber keine Sorge, Bikepacken ist nichts anderes als Fahrradfahren, das kann echt jeder.” Übrigens, wer seine erste Bikepacking-Tour mit dem Mountainbike plant, kann seine Downhill-Skills bei DAV-Technikkursen auffrischen.
  2. Keine Ausreden: Das Wichtigste ist, einen Termin im Kalender zu buchen und dann auch wirklich loszufahren. “Man sollte sich nicht von Regen abschrecken lassen. Auch bei schlechtem Wetter macht Bikepacking Spaß”, so Hallbauer. Sie empfiehlt den Meteo Blue Wetterradar, um beispielsweise Pausen während Regenschauern einzulegen.
  3. Nicht ohne mein Flickzeug: Wer länger mit dem Rad unterwegs ist, muss gewisse Reparaturfähigkeiten beherrschen. Schlauch und Mantel flicken zu können sind das A und O - sonst findet Ihre Radtour ein schnelles Ende. Hallbauer rät ein Werkzeug-Tool, Flickzeug, eine Luftpumpe, einen Ersatzschlauch sowie mindestens drei Reifenheber einzupacken.
  4. Trinken, Trinken, Trinken: Auf dem Fahrrad vergisst der ein oder andere die Zeit. Dabei ist Flüssigkeitszufuhr unerlässlich. Auch hin und wieder einen Riegel zu snacken, sorgt für die nötige Energie beim Bikepacking.
  5. Tabu: Wildcampen: “Beim Begriff Wildcamping hat man direkt die Romantik von einem Zelt in der Natur im Kopf. Aber das ist ein großes Problem für Natur- und Wildschutz”, so Hallbauer. In Deutschland ist Wildcamping daher nicht erlaubt. Suchen Sie sich lieber einen Privatgrund, auf dem Sie ihr Zelt legal aufstellen dürfen oder übernachten Sie auf einem Campingplatz.
  6. Heimkehr-Hacks: Für wen die Heimreise mit dem Rad nicht infrage kommt, der sollte sich bereits im Voraus um einen Platz im Zug kümmern. Fahrradstellplätze sind im Sommer rar. Hallbauers Trick: Sie lässt sich eine zusammenfaltbare Fahrradtasche an ihren Zielort schicken, macht das vordere Rad ab, legt den Lenker um und packt das Rad in die Tasche. “So gilt es als Gepäckstück und ist weniger sperrig”, sagt die Expertin. Alternativ bieten einige Orte auch Bikeshuttles an, beispielsweise am Gardasee. Der Bus bringt Radler samt Rad sicher wieder zurück in die Heimat. Auch Flixbus hat sich für Hallbauer für die Heimreise bewährt.

Das Bikepacking-Abenteuer mit dem E-Bike

Insbesondere älteren Fahrern und Bikepacking-Startern kommt das zugute. Zudem kann die Packliste beim Bikepacking mit dem E-Bike großzügiger ausfallen, da der Motor die höhere Zuladung abfängt. Aufgepasst: Möchte man die E-Bike Tour mit einer Bahnfahrt kombinieren, sollte man auf das Gewicht des E-Bikes achten.

Welches E-Bike bietet sich an?

Vor allem Trekking- und SUV-E-Bikes sind meist auf die Anforderungen von Bikepacking ausgelegt. Neben den klassischen Modellen gibt es viele weitere Systeme, die sich fürs Bikepacking eignen: Kompakte bzw. Light-E-Bikes sind besonders praktisch im Handling, Full-Power-E-Bikes entfalten eine ordentliche Portion an Kraft. Ganz egal, welches E-Bike Sie wählen: In jedem Fall raten wir dazu, das E-Bike bei einer Probefahrt selbst zu testen.

Wie verwalte ich die Akkulaufzeit effektiv auf längeren Bikepacking-Touren?

Hochwertige Motorensysteme zeigen im Display die Restreichweite in der jeweiligen Unterstützungsstufe an. Um möglichst effizient ans Ziel zu kommen, kann man die unterschiedlichen Stufen des Motors clever und vorausschauend nutzen: Den Eco-Modus für flache Strecken und den Turbo-Modus für steile Passagen.

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