Breitere Reifen am Motorrad: Vorteile und Nachteile

Die Wahl der richtigen Reifengröße ist entscheidend für das Fahrverhalten eines Motorrads. Dabei stellt sich oft die Frage, ob breitere Reifen tatsächlich Vorteile bringen oder eher eine Frage der Optik sind. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile breiterer Motorradreifen.

Grundlagen der Reifenbreite und Fahrphysik

Es ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit: Je breiter der Reifen, desto größer die erforderliche Schräglage bei gleicher Kurvengeschwindigkeit. Um das zu verstehen, muss man einen kleinen Exkurs in die Physik wagen.

Beim Kurvenfahren stützt sich das Motorrad über eine Linie (R) zwischen Schwerpunkt (S) des Motorrads und der Reifenaufstandsfläche (A) gegen die einwirkenden Gewichts- (G) und Fliehkräfte (F) ab. Die Kontaktfläche verzahnt sich im Asphalt und sorgt für Grip, das Motorrad fährt in Schräglage durch die Kurve. Verbaut man nun einen Breitreifen am Heck, so wird die Reifenaufstandsfläche zwar größer, wandert jedoch gleichzeitig weiter weg von der Fahrzeugmitte (M) zur Außenseite des Reifens. Die Linie zwischen den beiden Punkten verschiebt sich somit und es entsteht ein größerer Neigungswinkel, den es auszugleichen gilt - und zwar mit einer größeren Schräglage.

Je breiter der Reifen, umso stärker muss das Motorrad bei gleicher Kurvenfahrt geneigt werden. Die Reifenaufstandsfläche verschiebt sich nämlich zur Kurveninnenseite, der Schwerpunkt des Motorrades bleibt aber gleich. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Neigungswinkel.

Je breiter der Reifen, um so stärker wird das Lenkmoment, also die Haltekraft, die man am Lenker aufwenden muss, um den Kurvenradius weiter zu verfolgen. Verantwortlich dafür ist die Umfangsverringerung des Reifens in Zusammenwirken mit dem »gezogenen« Rad (Nachlauf).

Je breiter ein Reifen, um so »kippeliger« kann das Motorrad bei niedrigen Geschwindigkeiten werden. Für eine kurvenreiche Strecke sind somit die modischen Breitreifen ungünstiger.

Vorteile breiter Reifen

Der Vorteil des Breitreifens liegt in der besseren Haftung beim Herausbeschleunigen aus der Kurve. Breite Reifen wurden ursprünglich für Motorräder mit viel Leistung konzipiert. Die Mehrzahl der Supersportler fährt hinten auf 180 Millimeter breiten Gummis, um die Leistung von 150 PS und mehr auch auf die Straße zu bringen.

Die vergrößerte Aufstandsfläche bringt mehr Grip beim Herausbeschleunigen aus Kurven. Durch „Hanging Off” und hoch montierte Bauteile wie Fußrasten und Auspuff ist es möglich, Schräglagen von 45 Grad und mehr zu realisieren.

Auf trockener Fahrbahn trifft die Formel "Je breiter, desto mehr Grip" uneingeschränkt zu. Mit wachsender Breite, also mehr Gummi auf der Straße, und einem steiferen Aufbau der Karkasse bremsen breitere Reifen auf trockener Straße zudem schneller und besser. Der Bremsweg aus 100 km/h verringert sich deutlich.

Positiv wirkt sich die stabilere Seitenwand dagegen auf den Verschleiß aus: Der breitere Reifen muss mit besser verteiltem Bodenkontakt auch weniger Walkarbeit als der schmalere leisten, hält also länger.

Nachteile breiter Reifen

Breitreifen brauchen einen noch größeren Schräglagenwinkel, da die Aufstandsfläche bei ihnen weiter außen liegt. Hinzu kommt, je niedriger der Schwerpunkt, umso höher die benötigte Schräglage. Fahrphysikalisch spricht also alles gegen niedrige, breit bereifte Bikes.

Auch auf Nässe dominieren die breiteren Reifen - solange die Mikroverzahnung des Reifengummis mit der Straße greift. Da mit jedem Zentimeter mehr Breite aber auch mehr Wasser verdrängt werden muss, schwimmen die Breitreifen bei gefährlichem Aquaplaning früher auf. Mit den schmalen Reifen kann man auf gerader Strecke über 10 km/h schneller fahren, bevor der Wagen aufschwimmt.

Weil die Flankenhöhe der breiten Reifen geringer ist (der Abrollumfang darf sich ja nicht verändern), steht weniger Luft zum Federn zur Verfügung, und die Seitenwand ist steifer. Der Effekt: Breite Modelle fahren auf dem Golf spürbar unkomfortabler als dünne.

Doch besonders wirtschaftlich sind breitere Reifen trotzdem nicht. Denn zum höheren Kaufpreis kommt der Mehrverbrauch: Pro Rad wiegen 18-Zöller rund fünf Kilo mehr als die 15-Zöller - und das Gewicht muss bei jedem Anfahren immer wieder aufs Neue beschleunigt werden. Dazu kommt ein höherer Rollwiderstand, weil sich beim Fahren auch der Luftwiderstand erhöht - bei 30 Millimetern Breitenzuwachs um etwa sechs Prozent.

Optik und Customizing

In der Cruiser- und Chopper-Szene gibt es dagegen keinerlei Vernunftsgründe für breite Reifen. Hier geht es rein um die Show, es geht nur um die Optik. Viele Fahrzeugbesitzer entscheiden sich für breite Reifen mit großen Felgen, damit ihr Auto schicker und besser proportioniert wirkt.

Es soll ja Customizer geben, die sich auf Umbauten mit breiten Reifen spezialisiert haben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wenn der Umbau richtig gemacht wurde, dann fährt der Schrubber auch, sogar in Kurven und auch mit Schräglage. Man muss aber dazu sagen, dass ein 360er Pneu nicht vergleichbar mit einem 180er ist.

Schmale Reifen: Vorteile im Handling

Schmale Reifen fördern das Handling. Sieht zwar an der Eisdiele nach nix aus, fährt sich aber besser. Auf einer Erna war vorn ein 110er, hinten ein 130er. Das ist wie Fahrrad fahren in Kurven. Sie fiel schon fast von selber in Schräglage. Auch das schnelle Umlegen von rechts nach links war überhaupt kein Problem.

Auf Schnee und Schneematsch fährt die schmalste Dimension 195/65 R15 ein gutes Stück sicherer als die breiteren Kollegen: Vor allem das Anfahren, aber ebenso die Seitenführung in der Kurve sind besser. Auch die Aquaplaning-Gefahr bei Schneematsch fällt geringer aus.

Schmale Reifen (195 mm) haben dank ihrer höheren Seitenwand wesentlich mehr Federungspotenzial als die breiten und flacheren Reifen mit den niedrigen Querschnitten.

Reifentests und Dimensionen im Vergleich

Eine Auswertung der ADAC Reifentests erklärt die Vor- und Nachteile dünner oder breiter Reifen. In Augenschein genommen wurden vier sehr unterschiedliche Reifengrößen in 15, 16, 17 und 18 Zoll, die alle für den VW Golf VII zugelassen sind.

Die Dimensionen:

  • 195/65 R15
  • 205/55 R16
  • 225/45 R17
  • 225/40 R18

Als zusätzliche Referenz diente ein Dimensionsvergleich mit einem Winterreifen gleichen Profils und gleicher Gummimischung.

Tabelle: Vor- und Nachteile breiter Reifen im Überblick

Aspekt Breite Reifen Schmale Reifen
Haftung (trocken) Besser Schlechter
Aquaplaning Anfälliger Weniger anfällig
Federungskomfort Geringer Höher
Verschleiß Geringer Höher
Kraftstoffverbrauch Höher Niedriger
Handling Weniger agil Agiler

Fazit

Die Wahl der Reifenbreite hängt stark vom Einsatzzweck und den persönlichen Vorlieben ab. Während breite Reifen auf trockener Fahrbahn und beim Beschleunigen Vorteile bieten, können schmale Reifen im Alltag und bei Nässe überzeugen. Letztendlich ist es ein Kompromiss zwischen Optik, Fahrverhalten und Wirtschaftlichkeit.

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