Bundeswehr setzt auf Yamaha Ténéré 700 für Feldjäger und Kradmelder

Die Deutsche Bundeswehr rüstet auf, auch bei den Kradmeldern. In Zukunft wird die Yamaha Tenere 700 auch militärisch genutzt.

Nicht zuletzt aufgrund sich zuspitzender militärischer Konflikte und Auseinandersetzungen ist man bei der Bundeswehr dabei eine erhöhte Verteidigungsbereitschaft herzustellen. Wie in guter, alter Zeit scheinen da auch wieder die Kradmelder dazuzugehören, wenn aus den verschiedensten Gründen die elektronische Informations- und Befehls-Kette, Funkverbindungen oder das Internet ausfällt.

Die Bedeutung der Kradmelder in der Bundeswehr gewinnt aktuell im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung immer mehr an Bedeutung. Neben der Übermittlung von Informationen dienen die Militär-Motorräder auch der Absicherung von Marschkolonnen.

Zudem setzen Feldjäger sie für militärpolizeiliche Aufgaben ein, beispielsweise bei Eskorten für Politiker und Staatsgäste.

Bundeswehr wechselt von BMW zu Yamaha

Die Bundeswehr setzt künftig auf die Yamaha Ténéré 700 und verabschiedet sich von der BMW F 850 GS. Ab sofort werden die Kradmelder auf den neuen Maschinen ausgebildet.

Motorräder sind in der Bundeswehr keineswegs ungewöhnlich, und derzeit erlebt die Rolle der Kradmelder ein Comeback. Mit diesem Schritt vollzieht das deutsche Militär den Wechsel von BMW zur Yamaha Ténéré 700.

Doch warum dieser Wechsel? Was sind die Gründe, und wie schlägt sich die Yamaha im Vergleich zur bisherigen BMW?

Kradmelder: Die schnellen Boten der Bundeswehr

Wenn es darauf ankommt, vertraut die Bundeswehr auf eine der ältesten Kommunikationsmethoden: den Kradmelder. Diese Motorradkuriere überbringen wichtige Befehle, sichern Marschkolonnen oder erkunden Gefechtsstände.

Ihre Motorräder müssen daher schnell, robust und zuverlässig sein - und genau hier setzt Yamaha mit der Ténéré 700 an, die nun in 30 Exemplaren an die Bundeswehr-Motorradschule in Kümmersbruck übergeben wurde. Bis März 2025 sollen weitere 140 Motorräder folgen, und in den nächsten zwei Jahren werden weitere 100 Stück erwartet.

BMW weicht Yamaha: Das neue Krad der Bundeswehr

Seit 2019 setzte die Bundeswehr auf die BMW F 850 GS, die die KTM 400 ES ablöste. Diese wiederum ersetzte die langjährigen Zweitakter von Hercules mit 125 und 180 Kubik.

Die F 850 GS galt in Fachkreisen als etwas zu schwer für Kradmelder. Mit ihren 280 Kilogramm in der Bundeswehr-Version war sie für den Einsatz im Gelände möglicherweise etwas ungünstig.

Im Vergleich wiegt die Yamaha Ténéré 700 in der Basisversion nur 204 Kilogramm - 25 Kilogramm weniger als die BMW. Ein erheblicher Vorteil für den Einsatz im anspruchsvollen Gelände.

Die Ténéré 700 kommt mit einer speziellen BW-Ausstattung: einer olivgrünen Lackierung, Winter-Heizgriffen und einer Blackout-Schaltung, mit der auf Knopfdruck alle Lichter gelöscht werden können. Für die Feldjäger ist die Maschine zudem mit einer Sondersignaleinrichtung ausgestattet.

Weniger Gewicht und besseres Hinterrad-Format

Neben dem Gewicht gibt es auch technische Unterschiede: Die Yamaha Ténéré 700 hat ein 18-Zoll-Hinterrad, während die BMW mit einem 17-Zoll-Rad ausgestattet ist. In der Enduro-Welt gilt das 18-Zoll-Format als vorteilhaft für den Geländeeinsatz. Beide Maschinen haben jedoch das gleiche 21-Zoll-Vorderrad.

Die aktuelle Wahl ist die die Yamaha Ténéré 700 mit Sonderausstattung für die Militärkraftfahrerinnen und -fahrer der Bundeswehr. Dazu gehören beispielsweise beheizbaren Griffen für eisige Temperaturen.

Für den militärischen Einsatz ebenfalls unverzichtbar Motorschutzbügel, Koffer und Tankrucksack, sowie das große Display und als Besonderheit ein "Blackout-Schalter", um mit einem Tastendruck die gesamte Lichtanlage zur Tarnung ausschalten zu können.

Zur Ausstattung der Version für die Feldjäger gehört zudem eine Sondersignalanlage.

Technische Details der Yamaha Ténéré 700

Angetrieben wird das neue Krad von einem 54 kW (73 PS) starken Zweizylinder-Viertaktmotor mit 689 cm³ Hubraum, zwei obenliegenden Nockenwellen (DOHC), vier Ventilen pro Zylinder und elektronische Benzineinspritzung. Das Triebwerk entwickelt ein maximale Drehmoment von 65 Nm bei 6500 U/min.

Die für den Einsatz im Gelände günstige Drehmomentcharakteristik stellt bereits bei 3000 U/min mehr als 60 Nm zur Verfügung. Der Stahl-Brückenrahmen des neuen Krads bietet ein kontrolliertes und sicheres Fahrverhalten bei unterschiedlichsten Einsatzzwecken.

Vorne federt eine Upside-Down-Telegabel mit einem Standrohrdurchmesser von 43 Millimetern und 230 Millimetern Federweg, das Hinterrad wird durch eine Aluminium-Zweiarmschwinge mit einem hebelangelenkten Zentralfederbein und 220 Millimeter Federweg geführt.

Hydraulische Doppelscheibenbremsen mit einem Durchmesser von 282 Millimetern vorn und eine Einzelscheibe mit 245 Millimetern hinten verzögern das Krad. Die Bremsanlage ist mit einem abschaltbaren ABS-System ausgestattet. Die leichte Verkleidung wurde so konzipiert, dass sie vor widrigen Umgebungseinflüssen schützt.

Zusätzlich wurden Griffheizungen montiert und die Beleuchtung kann komplett, inklusive dem Bremslicht, mit einem Tarnlichtschalter abgeschaltet werden. Für den Einsatz bei den Feldjägern verfügt das Krad zusätzlich über eine Sondersignalanlage.

Die bisher eingesetzte BMW hatte zwar eine Motorleistung von 70 kW (95 PS), die Yamaha Ténéré 700 zeichnet sich aber gegenüber der BMW mit ihrem deutlich, mindestens 25 Kilogramm, geringeren Gewicht aus, was für den Geländeeinsatz erhebliche Vorteile bietet.

Yamaha schon länger im Militär-Einsatz

Die Yamaha-Motorräder sind bei der Bundeswehr nicht neu. Schon seit längerem kommen verschiedene Modelle von Yamaha zum Einsatz, etwa beim Kommando Spezialkräfte (KSK), das mit einer Version der WR 450 sowie dem Quad Kodiak ausgestattet ist. Auch das Quad Grizzly wird von den ABC-Abwehrtruppen genutzt.

Die Ausbildung zum Kradmelder

Um die Yamaha Ténéré 700 sicher zu beherrschen, durchlaufen Bundeswehrsoldaten eine spezielle Kradmelder-Ausbildung im Kraftfahrausbildungszentrum Kümmersbruck. Hier lernen sie nicht nur das Fahren im Gelände, sondern auch taktische Fahrtechniken, die für den Einsatz entscheidend sind. Jährlich werden bis zu 350 Soldaten zum Kradmelder ausgebildet.

Dem Kraftfahrausbildungszentrum in Kümmersbruck wurden die ersten 38 der neuen Motorrädern übergeben. Hier erfolgt zunächst die Übernahme durch die Fahrlehrer, die sich mit dem neuen Einsatzgerät auseinandersetzen müssen.

Seit diesem Tag werden sie zunächst am Kraftfahrausbildungszentrum zum Training der Fahrlehrer sowie im weiteren für die lehrgangsbezogene Ausbildung zum Kradfahrer eingesetzt.

Soldaten fahren weiter BMW

Zwar endet bei den Kradmeldern die zugegeben kurze Ära von BMW, und die Zeit der Yamaha Ténéré beginnt, doch wird es weiterhin Soldaten geben, die im Dienst BMW fahren dürfen. Bei den Feldjägern ist für Eskorten weiterhin die BMW R 1200 RT im Einsatz. Ob die zugunsten der erwarteten neuen BMW R 1300 RT ersetzt wird, ist nicht bekannt.

Die BMW R 1200 RT ist der Feldjägertruppe vorbehalten. Das Motorrad wird in erster Linie zum Eskortendienst eingesetzt.

Fahrerinnen und Fahrer absolvieren dazu ein spezielles Fahrtraining und eine protokollarische Weiterbildung.

Details zur BMW R 1200 RT der Feldjäger

Zu den Militärfahrzeugen der Bundeswehr gehören auch Motorräder wie die BMW R 1200 RT. Die Feldjägertruppe verfügt insgesamt über 148 dieser Maschinen. Genutzt werden diese bei Eskortenfahrten und für den protokollarischen Dienst beim Empfang hochrangiger Gäste.

Die Soldaten schätzen die BMW R 1200 RT wegen ihrer hervorragenden Fahreigenschaften und ihrer Wendigkeit. Diese Eigenschaften des Krads sind für den Eskorteneinsatz besonders wichtig, weil die Fahrzeuge dabei in Formation sehr nah bei einander fahren.

Die BMW R 1200 RT als Bundeswehrmodell weist neben den serienmäßigen Instrumenten und Bedienelementen eine Steuereinheit für das Funkgerät auf. Insbesondere die Eskortenfahrer der Bundeswehr nutzen dieses Motorrad.

Leistungsstarker Antrieb mit Kraft aus den unteren Drehzahlen sind ein besonderes Merkmal dieses Motorrades. Die Soldaten schätzen die Maschine wegen ihrer guten Fahreigenschaften und ihrer Wendigkeit.

Dem Eskortendienst kommt die serienmäßige, elektronisch verstellbare Windschutzscheibe zugute. Dienst auf dem Motorrad bedeutet höchste Konzentration und Fahrgeschick. Beim Eskortenfahren in geringem Tempo trennen die Maschinen oft nur wenige Zentimeter.

Zur weiteren Ausstattung gehören zwei Einsatzhörner und insgesamt drei Blaulichter. Eines am Heck - höhenverstellbar - und zwei an der Verkleidung.

Technische Daten der BMW R 1200 RT

HerstellerBMW
Antrieb1.170 ccm Luft-/Flüssigkeitsgekühlter 2-Viertakt-Boxermotor
Leistung125 PS / 92 kW

Historischer Rückblick: Motorräder in der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat in ihrer Geschichte auf verschiedene Motorräder gesetzt:

  • Maico M 250 B (1959-1983) - Das erste Bundeswehr-Krad, gebaut für den Offroad-Einsatz.
  • Hercules K 125 BW (1970-2000er) - Ein leichter Einzylinder-Zweitakter, lange Zeit das Standardmotorrad der Truppe.
  • Hercules K 180 BW (1992-2000er) - Nachfolger der K 125, später von KTM ersetzt.

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