Der Aufwärts-Trend des Fahrrads - vor allem des E-Bikes - hält unvermindert an. So läuft auch bei Zulieferern das Geschäft gut. Dies gilt ebenfalls für Busch+Müller in Meinerzhagen, eine Firma, die sich vor allem auf Fahrradbeleuchtung spezialisiert hat.
Rechtliche Rahmenbedingungen für Fahrradbeleuchtung in Deutschland
In Deutschland müssen alle Scheinwerfer, die an Fahrrädern und E-Bikes verwendet werden, eine Zulassung vom Kraftfahrtbundesamt besitzen. Diese ist erkennbar an der sogenannten K-Nummer, die auf dem Scheinwerfer angebracht ist und aus einer Wellenlinie, einem großen ‘K’ und vier Ziffern besteht. Scheinwerfer ohne diese Kennzeichnung sind im Straßenverkehr nicht zugelassen.
Die Montage der Scheinwerfer muss ebenfalls bestimmten Regeln folgen. So muss der Scheinwerfer in einer Höhe zwischen 40 und 120 Zentimetern und das Rücklicht zwischen 25 und 120 Zentimetern angebracht werden.
Bei E-Bikes, die nach 2013 auf den Markt gekommen sind, wird der Scheinwerfer in der Regel nicht mehr über einen Nabendynamo, sondern direkt über den E-Bike-Akku mit Strom versorgt. Daher sind herkömmliche Dynamo-Scheinwerfer nicht kompatibel.
Seit Juni 2024 ist es auch erlaubt, Blinker an E-Bikes nachzurüsten. Diese müssen ebenfalls eine Zulassung durch das Kraftfahrtbundesamt aufweisen.
Bei der Montage ist darauf zu achten, dass die Blinkeranlage korrekt mit der Lichtanlage des E-Bikes verbunden wird, sodass der Blinker nur funktioniert, wenn das Licht eingeschaltet ist. Bei einigen Systemen, wie denen von Bosch, besteht zudem die Möglichkeit, die Blinkeranlage unabhängig von der Lichtanlage über einen sogenannten Low-Power-Port zu betreiben.
Nachrüstung von Blinkern: Ein Sicherheitsgewinn
Die Legalisierung von Blinkern an einspurigen Fahrrädern und E-Bikes ist ein echter Fortschritt für die Verkehrssicherheit. Die Nachrüstung ist einfach, bezahlbar und erhöht die Sichtbarkeit erheblich, besonders in gefährlichen Situationen.
Blinker am E-Bike erhöhen nicht nur den Komfort, sondern auch die Sicherheit im Straßenverkehr. Für die Nachrüstung sind keine komplexen Werkstattarbeiten mehr nötig. Moderne Systeme bieten komplette Pakete, die sich leicht selbst montieren lassen.
Nach einer Gesetzesänderung dürfen jetzt auch Fahrräder in Deutschland mit Blinkern ausgestattet werden. Wer sein E-Bike entsprechend aufrüstet, kann sicherer am Straßenverkehr teilnehmen - ganz ohne wackelige Handzeichen.
Allerdings bieten Blinker einen gewissen Sicherheitsvorteil, da beim Abbiegen beide Hände stets am Lenker bleiben können.
Einen Blinker-Zwang gibt es übrigens nicht. Das Nachrüsten ist also freiwillig. Wer weiterhin auf klassische Handzeichen setzt, bleibt gesetzlich voll im grünen Bereich.
Trotzdem gilt: Ein Blinker am Fahrrad kann zur besseren Sichtbarkeit und Sicherheit im Straßenverkehr beitragen. Natürlich würden wir uneingeschränkt auch eine bessere Radinfrastruktur begrüßen.
S-Pedelecs: Besondere Vorschriften
S-Pedelecs, die aufgrund ihrer höheren Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h als Kraftfahrzeuge eingestuft werden, unterliegen strengeren Vorschriften als gewöhnliche E-Bikes oder Pedelecs.
Anders als bei herkömmlichen E-Bikes darf die Position des Scheinwerfers bei einem S-Pedelec nicht verändert werden. Jede Modifikation am Beleuchtungssystem, einschließlich des Austauschs von Scheinwerfern oder Rücklichtern, muss entweder durch ausdrücklich zugelassene Modifikationen erlaubt sein oder nach einer technischen Abnahme durch eine anerkannte Prüfstelle in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden.
Auch das Nachrüsten von Blinkern an S-Pedelecs ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. Aufgrund der höheren Geschwindigkeit und der damit verbundenen erhöhten Sicherheitsanforderungen muss der Kabelbaum für S-Pedelecs robuster und oft dicker sein, was den Einbau komplizieren kann.
Die korrekte Installation und Funktion der Blinker muss von einer Prüfstelle abgenommen und in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Dies gewährleistet, dass die Blinkeranlage den technischen Anforderungen entspricht und sicher im Straßenverkehr betrieben werden kann.
Vorstellung verschiedener Blinker-Systeme
Blinklichter am Fahrrad gibt es in verschiedenen Variationen. Fest installiert, als auch mobil oder zum Beispiel in einem Fahrradhelm integriert. Hier sind einige Beispiele für verschiedene Blinker-Systeme:
Turntec-Blinker von Busch + Müller
Der Turntec-Blinker (199 €) von Busch + Müller ein entscheidender Sicherheitsgewinn für jedes E-Bike und hat eine StVZO-Zulassung. Die beiden vorderen Blinker werden unterm Lenker montiert, die hinteren Module seitlich am Gepäckträger in Rücklichtnähe befestigt.
Mit einem Wipptaster am Lenker aktivieren Sie die Komfortfunktion, der Blinker schaltet dann nach mehrmaligem Blinken automatisch wieder aus. Die Signal- und Stromverbindungen zwischen Taster, Blinker-Einheiten und E-Bike-Akku werden über einen Kabelbaum hergestellt.
Dieses ist ab Werk oder als Nachrüstsatz erhältlich und basiert auf dem bewährten Turntec-Modell von Busch + Müller.
Der Richtungswechselanzeiger ist ebenso wie etwa beim Motorrad leicht mit Daumendruck zu bedienen und erübrigt das Anzeigen der Richtungsänderung durch den angehobenen, ausgestreckten Arm. Denn gerade das ist oft mit einem Risiko verbunden, da sich etwa bei holprigen Strecken ein Fahrrad mit nur einer Hand schwer lenken lässt.
Laut Hersteller kann der Turntec-Blinker an einen E-Bike-Akku mit einer Betriebsspannung von 10 V - 48 V DC am Lichtausgang angeschlossen werden. Das praktische Zubehör soll ab Mitte 2024 für 199,00 Euro erhältlich sein.
Besonderheit beim System von Busch + Müller im Vergleich zu den anderen Lösungen ist das sogenannte Komfortblinken. Dahinter verbirgt sich eine Funktionalität, die ihr bereits vom Auto kennt. Nach einem kurzen Antippen leuchtet der entsprechende Blinker mehrmals auf. Haltet ihr einen Taster dauerhaft gedrückt, leuchtet der Blinker, bis er nach einem erneuten Drücken erlischt.
Cycl WingLights Next Blinklicht
Eine gute Lösung als Blinker bieten die Cycl WingLights Next, die an der Stelle der Lenkerstopfen angebracht werden. Gimmick: Die Blinker sind theoretisch abnehmbar, jedoch durch eine Schraube gesichert. Die Halterung selbst verbleibt unauffällig als Endstück im Lenker. 2 CR123A Batterien liefern die Energie. Geschaltet wird mithilfe zwei kleiner Tasten, sodass die Hände nicht vom Lenker genommen werden müssen.
Die WingLights werden einfach im Lenkerende befestigt. Er soll auf Lenker mit 22 mm Durchmesser passen und daher kompatibel mit vielen Fahrrädern und E-Bikes sein.
Velorian E-Bike Blinkerset
Eine Alternative, quasi als Nachrüst-Set ist das E-Bike-Blinkerset des Berliner Anbieters Velorian. Das Steuergerät, die sogenannte Blinker-Box, wird am Fahrradrahmen befestigt, der Strom wird aus dem Akku des E-Bikes gezogen. Ein Zwei-Tasten-Schalter am Lenkrad lässt sich sicher bedienen, ohne die Hände vom Lenker heben zu müssen.
Gut zu wissen: das Set besteht aus Blinkern fürs Heck und für vorn, wo die Blinker unterhalb des Lenkers montiert werden. Geeignet ist das Set sowohl für E-Bikes als auch für E-Lastenräder, E-Liegeräder und S-Pedelecs. Und: Gefertigt und hergestellt wird hauptsächlich in Berlin, Zulieferungen kommen aus Sachsen und Baden-Württemberg.
Monkey Home Zwei-Lampen-Split Fahrrad-Rücklicht mit Blinker
Ein wenig universeller am Fahrrad einsetzbar ist das Monkey Home Zwei-Lampen-Split Fahrrad-Rücklicht mit Blinker. Universell deshalb, weil es sich entweder zusammengesteckt als Blinklicht und Rücklicht unter dem Sattel befestigen lässt oder geteilt links und rechts an den Sattelstreben angebracht werden kann.
Die Helligkeit der 30 angebrachten LEDs erreicht 30 Lumen, geschützt ist das Produkt nach IPX6. Die Leuchtdauer soll rund 5-6 Stunden betragen. Eine kleine Bedieneinheit am Lenker steuert die einzelnen Modi, die Hände verbleiben sicher am Lenker.
Es ist ideal für alle, die mit wenig Aufwand ein Plus an Sicherheit auf ihre täglichen Fahrten bringen möchten.
Fahrradhelme mit Blinkfunktion
Livall BH 51 Neo
Der Livall BH 51 Neo vereint Lautsprecher, Mikrofon, Sturzsensor, vordere Positionsleuchten, einen Anti-Loss-Alarm, wenn das Smartphone verloren gehen sollte, so wie Brems-Rücklicht und Blinker. Trotzdem ist der Helm kein Schwergewicht. Dazu ist alles intuitiv über die kleine Fernbedienung, die am Lenker befestigt wird, bedienbar. Viele kleine Probleme des Radfahrens in einem Produkt gelöst.
Cratoni Smartride 1.2
Im neuen Cratoni Smartride 1.2 steckt im Grunde alles, was der technische Fortschritt für einen Hightech-Helm bieten kann: Neben der schützenden Helmschale verfügt der Smartride über einen Crashsensor, der im Falle des Falles einen Unfall erkennt und vorher programmierte Notfallkontakte alarmiert.
Das Smart Lightning System mit den drei LEDs auf der Rückseite erhöht nicht nur die Sichtbarkeit, die rechte und linke LED können jeweils gelb blinken und mit dem Lenkertaster oder mit dem Smartphone als Richtungsassistent - Blinker - aktiviert werden. Darüber hinaus lässt sich der Smartride dank Cratoni-App mit dem Smartphone koppeln und alle Lautsprecherfunktionen über den Helm steuern: Telefonieren und Musikhören. Die Ohren sind dabei frei, sodass die Umgebung noch wahrgenommen werden kann.
Giro Ethos Mips Shield
Giro hat mit dem Ethos Mips Shield einen beleuchteten Urban-Helm im Programm, der dank seiner rundum integrierten LEDs hohe Sichtbarkeit im Straßenverkehr gewährt. An der Vorderseite sorgen weiße LEDs für erhöhte Aufmerksamkeit, auf der Rückseite warnen rote LEDs den rückwärtigen Verkehr und gelbe LEDs zeigen an, wo's hingeht. Diese können als Blinker über die Lenker-Fernbedienung aktiviert werden.
Die geladenen LEDs haben eine Laufzeit von 10 Stunden, bevor sie mit dem USB-C-Ladekabel wieder aufgeladen werden müssen. Den Giro Ethos Mips bietet Giro mit und ohne Visier an.
Livall EVO21
Mit einer üppigen Beleuchtung ist der Livall EVO21 ausgestattet. Die beinahe durchgehende Rundumbeleuchtung des 350 g leichten Tec-Bikehelms erregt nicht nur am Frontbereich erhöhte Aufmerksamkeit, gerade seitlich und hinten hat der schick designte Helm eine Fülle an LEDs zu bieten. Je nach aktivierter Funktion signalisiert der EVO21 einen eingeleiteten Bremsvorgang (Bremswarnlicht), er kann als Blinker die Richtung anzeigen und mit Dauerbeleuchtung für zusätzliche Sicherheit sorgen.
Dank Notfallsensorik sendet der EVO21 im Sturzfalle eine SMS an den eingerichteten Notfallkontakt.
Lumos Ultra E-Bike Mips
Mit dem Ultra E-Bike Mips hat Lumos einen Radhelm im Portfolio, der nicht nur fürs Fahrrad oder E-Bike-Touren passt, er hat auch nach der niederländischen NTA-8776 Norm eine Eignung für S-Pedelecs. Für optische Erkennbarkeit sorgen fünf LED-Bänder, die rund um den Helm verteilt sind: eins auf der Vorderseite des Helms, zwei rote LED-Bänder auf der Hinterseite und zwei seitlich am oberen Rand des Visiers, die kombiniert mit den rückwärtigen LEDs als Blinker mittels der Lenkerfernbedienung aktiviert werden können.
Zusätzliches Feature: durch Gestenerkennung ist der Ultra auch mit der Apple Watch bedienbar.
Unit 1 Faro Mips
Mit einer großflächigen LED-Beleuchtung präsentiert sich der Unit1 Faro Mips: eine Lichtleiste an der Stirnseite und eine weitere Lichtzeile rückseitig. Zusätzlich bietet der Unit1 über ein breites LED-Pad auf der Hinterseite eine Bremslichtfunktion sowie einen Richtungsanzeiger als Blinker an, die mit einer separat erhältlichen Fernbedienung (39,90 Euro) aktiviert werden können.
Daneben verfügt der Unit1 über eine zusätzliche Crash-Erkennung, ein Mips Sicherheitssystem und Lüftungsschlitze zur Zirkulation des Fahrtwindes. Mittels App passt man den Helm an die eigenen Bedürfnisse an.
Weitere Aspekte bei der Nachrüstung
Die Installation neuer Beleuchtungseinheiten kann kompliziert sein, da oft Teile der Verkleidung entfernt oder sogar der Motor demontiert werden muss. Zudem muss die Beleuchtung direkt an das E-Bike-System angeschlossen werden, was technisches Know-how erfordert.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Scheinwerfer, als Teil der elektronischen Ausstattung des E-Bikes, müssen EMV-Tests bestehen, um sicherzustellen, dass sie keine Störungen in anderen elektronischen Systemen, wie zum Beispiel dem Polizeifunk, verursachen.
Das Nachrüsten von Scheinwerfern und Blinkern an E-Bikes bietet viele Vorteile, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Nicht jedes Blinkersystem taugt gleich gut für den Alltag. Käufer sollten Wert auf geprüfte Qualität legen. Wasserdichte Gehäuse, robuste Befestigungen und eine ausreichend starke Leuchtkraft sind Pflicht.
Außerdem sollte die Steuerung einfach bedienbar sein, ohne dass die Griffposition geändert werden muss. Markenprodukte mit KBA-Zulassung bieten ein Mindestmaß an Sicherheit.
Da E-Bikes über eine Bordspannung verfügen, können die Blinker einfach an den Akku angeschlossen werden. Alternativ lassen sich batteriebetriebene Systeme installieren, was auch praktisch für klassische Fahrräder ohne eigenen Motor ist.
Beim Anbau sollte in jedem Fall auf eine saubere Kabelführung geachtet werden, damit nichts beschädigt wird oder flattert.
Auch wenn Blinker jetzt offiziell erlaubt sind, kann es in einigen Situationen sinnvoll sein, zusätzlich das traditionelle Handzeichen zu verwenden. Beispielsweise, wenn ein Autofahrer durch das dichte Verkehrsgetümmel das kleine Blinklicht am Rad vielleicht übersehen könnte.
| Blinker-System | Hersteller | Preis (UVP) |
|---|---|---|
| Turntec | Busch + Müller | 199 € |
| WingLights Next | Cycl | 69,90 € |
| E-Bike Blinkerset | Velorian | 249 € |
| Zwei-Lampen-Split Fahrrad-Rücklicht mit Blinker | Monkey Home | 29,99 € |
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