KTM und CFMOTO: Eine strategische Partnerschaft in der globalen Motorradindustrie

Die Pierer Mobility AG kooperiert mit dem chinesischen Hersteller CFMOTO, KTM übernimmt den Vertrieb von MV Agusta in Nordamerika und beteiligt sich mit 25,1 Prozent an dem italienischen Traditionsunternehmen! Da stellt sich doch die Frage: Was gehört eigentlich alles zum KTM-Konzern dazu und wo wird produziert?

Die Notwendigkeit effizienter Produktion

Wer im Motorradgeschäft groß sein will und noch größer werden möchte, muss effizient, am besten auch noch sehr günstig produzieren. Wir Österreicher hätten also gerne, dass alle KTM-, Husqvarna- und Gasgas-Modelle - die ja allesamt zur mittlerweile riesigen Pierer Mobility AG zählen - in Mattighofen produziert werden.

Am Ende müssen wir aber einsichtig sein, dass kleinere, preissensible Kubaturen nun mal woanders kostengünstiger produziert werden können. Die Rede ist dabei einerseits von Indien, wo in Kooperation mit Bajaj die 125er und 390er-Modelle 125 Duke, 390 Duke, RC125 und RC 390 sowie 390 Adventure montiert werden.

Wer günstiger produzieren will, produziert in China. Andererseits kommt - wie so oft - auch China ins Spiel. Wer es noch nicht weiß, KTM ging 2017 mit dem chinesischen Motorradhersteller CFMOTO ein Produktions-Joint Venture ein und im März 2018 startete der Bau des Gemeinschaftswerks CFMOTO-KTMR2 am CFMOTO-Stammsitz im chinesischen Hangzhou, 200 Kilometer südlich von Shanghai.

2020 war es dann so weit, am neuen Standort, der auf eine Jahresproduktion von 50.000 Einheiten ausgelegt ist, lief die Fertigung der KTM 790er-Plattform an. Bei Bedarf sollte das Produktionsvolumen aber auf bis zu 100.000 Fahrzeuge aufgestockt werden können. Die Österreicher halten 49 Prozent am Unternehmen.

Im Übrigen arbeitet KTM bereits seit 2011 mit CFMOTO in China zusammen und wird dort beim Import und Vertrieb unterstützt. Zudem bauen die Chinesen aus Indien zugelieferte KTM Duke-Modelle für den chinesischen Markt auf.

Und ja, richtig, die 790er Duke- und Adventure-Modelle wurden im weiteren Verlauf zu 890 Duke, 890 Duke GP, 890 Duke R, 890 Adventure und 890 Adventure R - die allesamt allerdings NICHT aus China kommen. Dafür wiederum die günstigeren Neuauflagen von 790 Duke und 790 Adventure - immerhin lassen sich günstigere Einstiegs-Modelle leichter kalkulieren, wenn die Produktion billig ist, zumindest billiger als in Österreich.

Dass dieses Joint Venture aber nicht nur in eine Richtung funktioniert, merkt man bereits an der CFMOTO 800MT (hier geht´s zum Test der CFMOTO 800MT), deren Triebwerk auf jenem der KTM 790er-Modelle basiert - logisch, weil der Motor ja auch von CFMOTO gebaut wird. Das Design stammt übrigens ebenfalls aus Österreich, Kiska Design zeichnet nicht nur für alle KTMs und Husqvarnas, sondern auch für das fesche Äußere der 800MT verantwortlich.

Man sollte aber nicht vergessen und das Management der Pierer Mobility AG betont dies auf Nachfrage auch, dass der Großteil der Modelle nach wie vor aus Österreich kommt und dies auch so bleiben soll - Mattighofen ist und bleibt der Hauptproduktionsstandort für die vielen Konzernmarken!

Alle KTM-, Husqvarna- und Gasgas-Hardenduros sowie -Motocrosser kommen aus Österreich, ebenso die Minis, Freerides und Rally-Modelle von KTM. Nicht zu vergessen die KTM 690, Husqvarna 701 und Gasgas 700 Enduro und Supermoto.

Und letztlich natürlich auch alle großen 1290er-Modelle, die klarerweise schon aus Prestigegründen aus Österreich kommen (müssen). Und falls sich jemand wundert, warum KTM nicht einmal bei den Topmodellen der großen 1290er-Palette beim Fahrwerk auf schwedisches Gold namens Öhlins vertraut - die Pierer Mobility AG hat mit WP sogar eine eigene Fahrwerks-Schmiede im Programm, die nahezu alle Modelle mit Gabeln und Federbeinen versorgt.

Husqvarna ist ja mittlerweile voll in den KTM-, oder besser den Pierer Mobility-Konzern integriert, lediglich die, mit den KTM 125 Duke- und 390 Duke-Modellen (abgesehen von der Optik) nahezu baugleichen Svartpilen- und Vitpilen 125/401-Modelle werden zusammen mit den Dukes außerhalb Österreichs in Indien produziert.

Dass vor einigen Jahren die legendäre Marke Husaberg kurzerhand komplett in Husqvarna umgetauft wurde, ist für wahre Husaberg-Fans (wie mich) natürlich schmerzlich, aber verständlich. Immerhin wurde Husqvarna gekauft, weil vor allem in good old America niemand Husaberg kennt, Husqvarna hingegen eine angesehene Offroad-Tradition vorzuweisen hat.

Und dabei ging es tatsächlich nur um den Namen, denn die Husqvarna-Offroader sind weitestgehend nichts anderes als andersfarbige KTMs. Ganz falsch ist der Ersatz Husabergs durch Husqvarna ohnehin nicht, denn als das schwedische Unternehmen Husqvarna 1987 an Cagiva nach Italien ging, wollten die Mitarbeiter, die zuvor in ihrer Heimat Hardenduros montierten, nicht plötzlich Kettensägen und Rasenmäher bauen - und gründeten kurzerhand Husaberg.

Der Kauf von Gasgas wiederum hatte wohl nicht nur den Zweck, die KTM- und Husqvarna-Modelle in einer dritten Farbe, nämlich rot anzubieten, sondern auch, um in der Trial-Szene Fuß zu fassen. Dass Gasgas in dieser Disziplin nämlich sehr erfolgreich ist, steht wohl außer Frage und die altbewährten und beliebten Trial-Maschinen werden nach wie vor in Spanien gefertigt.

Ausweitung der Kooperation und neue Partnerschaften

Die Kooperation mit anderen Marken wie CFMOTO hat aber nicht nur den Effekt, dass Modelle des KTM-Imperiums etwa in China produziert werden, sondern auch, dass CFMOTO-Modelle über die Pierer Mobility AG vertrieben werden. So sollen bereits ab 1.

Der neueste Streich des österreichischen Parade-Unternehmens ist die Expansion Richtung Italien. Nicht genug, dass MV Agusta-Motorräder in Nordamerika zukünftig über das KTM-Händlernetz ausgeliefert werden, beteiligt sich die KTM AG nun auch mit 25,1 Prozent an MV Agusta und hält damit eine Sperrminorität an MV.

Für die Edelschmiede aus Italien ergeben sich daraus Vorteile wie ein breiteres Händlernetz, mehr Schlagkraft bei Einkauf sowie Logistik und finanzielle Stabilität durch eine Kapitalerhöhung samt mehr Entwicklungsmöglichkeiten bei MV Agusta. Für KTM steht wiederum eine Supersport-Plattform mit Drei- und Vierzylindermotoren für eine Erweiterung der Konzern-Modellpalette nach oben zur Verfügung.

Produktion in Billiglohnländern

Andere renommierte Hersteller wie BMW produzieren nur in Europa. Wer nun also meint, dass ihm die vielen Auslands-Aktivitäten von KTM, vor allem jene in Billiglohn-Ländern missfallen und er deshalb zu deutscher Qualität von BMW greift, muss ebenfalls stark sein: Auch die Bayern lassen eine gar nicht mal so kleine Zahl an Modellen in günstig produzierenden Ländern bauen.

So kommen bei BMW die Mittelklasse-Motoren der F 750 / 850 GS und F 900 R und XR sowie die Roller C 400 X und GT aus China, gebaut vom Motorenspezialisten Loncin.

Im Januar 2023 übernahm die KTM-Mutter Pierer Mobility AG den Vertrieb von 11 CFMoto-Modellen für 5 europäische Märkte. Zudem erhöhte CFMoto seine Beteiligung an der Pierer AG auf 2,0 Prozent.

Zwischen der Pierer Mobility AG und dem chinesischen Hersteller CFMoto besteht mittlerweile seit fast 10 Jahren ein Joint Venture, also eine strategische Partnerschaft. Im Januar 2023 wurde sie weiter ausgebaut.

CFMoto-Motorräder werden seitdem von der KTM-Mutter in 5 europäischen Märkten vertrieben werden: Deutschland, Österreich, Schweiz, Spanien und Großbritannien.

»CFMoto ist unser Produktions- und Vertriebspartner für KTM Motorräder in China, der dafür in den letzten Jahren seine Kapazitäten und Lieferketten erweitert hat«, so Hubert Trunkenpolz, Vorstandsmitglied bei Pierer Mobility.

»Dass wir im Umkehrschluss den Vertrieb von CFMoto Motorrädern in ausgewählten europäischen Märkten (...) übernehmen und ausbauen, ist eine logische Weiterentwicklung unserer Kooperation.«

2017 hatte KTM mit dem chinesischen Motorradhersteller CFMoto ein Produktions-Joint-Venture gegründet. Seit Herbst 2020 fertigen die Chinesen Mittelklasse-Modelle für KTM. Im Juli 2023 vermeldete die Pierer AG, die Partnerschaft würde weiter intensiviert. In diesem Zuge erhöht CFMoto die Beteiligung an der börsennotierten Pierer Mobility AG auf 2,0 Prozent.

Hintergründe zu CFMOTO

1989 gründeten die Gebrüder Lai Zhejiang CFMoto Power Co. als Teilezulieferer. Ab 1996 fertigte die Firma eigene Motoren, 2000 lief das erste eigene Motorrad, 2004 das erste ATV vom Band.

In der top-modernen Fabrik auf einem 200.000 m² großen Areal entstanden bereits weit über 100 verschiedene Modelle mit Dutzenden eigenkonstruierten Motoren. Mehr als 100 Patente hält CFMoto, exportiert in über 70 Länder.

Zudem kooperiert der Konzern seit 2009 mit KTM und dem österreichischen Design-Team Kiska bei der Entwicklung neuer Motorräder. Die chinesische Firma übernimmt seither auch Import und Vertrieb sämtlicher KTMs in China.

Seit 2021 baut CFMoto zudem alle 790er-Modelle von (also für) KTM in einer eigens dafür errichteten KTM-Fabrik gegenüber dem CFMoto-Stammsitz in Hangzhou. Bei diesem Produktions-Joint-Venture wird in Österreich entwickelt, in China gefertigt.

Erstes Projekt war ein Naked Bike mit dem bei CFMoto produzierten Motor der 790er-Duke. KTM-Boss Pierer nennt es "einen Einstiegs-Zweizylinder als Weltmodell". Den Vertrieb von CFMoto in Europa übernahmen zunächst die Importprofis KSR.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Wie geht es weiter für CFMoto? Derzeit werden die Motorräder von CFMoto über die Pierer Mobility in Deutschland vertrieben. Das ändert sich ab dem 1. Juni 2025.

Welche Vertriebsstruktur folgt, ist nicht bekannt. Es gibt zwei Möglichkeiten. Erstens: CFMoto übernimmt den Vertrieb selbst, was den meisten Händlern wohl zugutekäme. Zweitens: Wie schon vor der Pierer Mobility AG, übergibt CFMoto den Auftrag zum Vertrieb an einen Importeur. Damals war das KSR.

Für die Kunden in Deutschland mit einem festen Händler dürfte sich ab Juni zunächst kaum etwas ändern. Einzig wären dann vielleicht endlich die begehrten Modelle 450 MT und die 675er zu haben. Denn wie MOTORRAD hörte, bleiben Lieferungen von CFMoto-Motorrädern seit vielen Wochen aus.

Im Gegensatz zu den Ländern, in denen nicht die Pierer Mobility AG den Vertrieb übernahm. Unberührt von den vermeintlichen Änderungen der Vertriebsstruktur von CFMoto mit der Pierer Mobility AG bleibt die über 10 Jahre alte Kooperation der beiden Unternehmen, die laut chinesischer Medien in gewohnter Intensität weitergehen soll.

Erst Ende 2023 wurden 300 Stellen aus der Forschung und Entwicklung aus Mattighofen nach Indien zu Bajaj und nach China zu CFMoto verlegt.

Die KTM AG übergibt den Vertrieb von CFMoto und der Elektromarke Zeeho in fünf europäischen Ländern an neue Partner. Ab dem 1. Die Entscheidung fällt im Rahmen einer umfassenden Neuausrichtung der KTM-Gruppe.

Bis zum Stichtag bleibt die CFMOTO Motorcycles Distribution GmbH, eine 100-prozentige Tochter der KTM AG, zuständig für die Händlerbetreuung in der Vertriebsregion. Die Entscheidung sei in beiderseitigem Einvernehmen getroffen worden, betont KTM.

Die Nachricht hinterlässt viele Fragen - vor allem bei Händlern und Kunden. Zwar deutet nichts auf einen Rückzug der Marke CFMoto aus den genannten Märkten hin, dennoch könnte die Umstellung zu temporären Lieferverzögerungen oder Veränderungen im Händlernetz führen.

Fazit: Die Weichen für eine neue Phase im europäischen Auftritt von CFMoto sind gestellt. Wie schnell sich die neue Vertriebsstruktur etabliert - und mit welchen Partnern - bleibt abzuwarten.

In Kooperation mit dem chinesischen Partner CFMoto arbeitet KTM an einer neuen Zweizylinderplattform mit 750 Kubikzentimetern. Im August präsentierte die Pierer Mobility AG Investoren die Strategie des Konzerns.

Wie viele europäische Hersteller, die auf den asiatischen Märkten, vor allem in Indien und China, Fuß fassen wollen, ist KTM Partnerschaften mit wichtigen regionalen Playern eingegangen. In China ist CFMoto exklusiver Partner der Österreicher, das Unternehmen aus Hangzhou soll exklusiv für den Vertrieb der KTM-Produkte verantwortlich sein.

Die Modelle 750 Duke, 750 Adventure und 750 Supermoto T sind bereits fest eingeplant - sowohl für den chinesischen Markt aber auch für andere Regionen.

CFMoto 800MT Touring: Technische Daten, Preis

Eigenschaft Wert
Motor/Getriebe Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Reihenmotor, 8 Ventile, DOHC, 799 ccm Hubraum, 67 kW/91 PS bei 9250/min, 75 Nm bei 8000 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kettenantrieb
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
Normverbrauch lt. EU5 5,0 l/100 km
Radstand 1531 mm
Sitzhöhe 825 mm
Gewicht fahrfertig 231 kg

Der Aufstieg der chinesischen Motorradindustrie basiert auf strategischen Partnerschaften mit etablierten Herstellern. Bereits seit 2005 kooperiert der chinesische Konzern Lonchin mit dem deutschen Premium-Hersteller BMW bei der Motorradproduktion. Eine weitere bedeutsame Kooperation entstand 2017 durch das Joint Venture zwischen KTM und CF Moto.

Ein Joint Venture bezeichnet dabei eine Geschäftspartnerschaft, bei der beide Unternehmen Ressourcen und Kompetenzen bündeln. Durch diese systematische Zusammenarbeit mit internationalen Herstellern konnten chinesische Unternehmen ihr technisches Wissen kontinuierlich ausbauen.

Die chinesische Motorradindustrie wird heute von drei Hauptakteuren geprägt: CF Moto, Lonchin und QJ Motor. Lonchin gehört zu den weltgrößten Herstellern und produziert neben Motorrädern auch landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Seit 2022 demonstrieren chinesische Hersteller ihre technische Kompetenz auch im Motorsport - einem Bereich, der traditionell von europäischen und japanischen Marken dominiert wurde.

Die Verfügbarkeit der Ersatzteile für Motorräder entwickelt sich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Chinesische Hersteller investieren gezielt in ein dichtes Servicenetz und zertifizierte Werkstätten.

Original-Ersatzteile sind über autorisierte Händler schnell verfügbar - von Verschleißteilen bis zu elektronischen Komponenten.

Chinesische Hersteller verbinden moderne Technologie mit wettbewerbsfähigen Preisen. Die technische Ausstattung umfasst Innovationen wie schlüsselloses Startsystem, automatische Scheinwerfersteuerung und GPS-gestützte Parkplatzsuche.

Die Garantiezeit von vier Jahren übertrifft den Branchenstandard und demonstriert das gestiegene Qualitätsbewusstsein chinesischer Hersteller.

Chinesische Hersteller bedienen gezielt Marktsegmente, die von etablierten Marken vernachlässigt wurden. Die CF Moto 450 MT repräsentiert diese neue Strategie. Für 6.000 Euro erhalten Kunden ein vollwertiges Adventure-Bike mit Bosch-Antiblockiersystem (ABS), elektronischer Traktionskontrolle und KYB-Fahrwerk - einem hochwertigen japanischen Federungssystem.

Die traditionellen Motorradhersteller reagieren mit neuen Modellentwicklungen auf den Wettbewerbsdruck. Bestehende Modelle erhalten signifikante Überarbeitungen.

KTM aktualisiert die 390 Adventure mit hochwertiger WP-Federung und geländetauglicher Bereifung. Mehrere Hersteller beleben klassische Modelle neu. Suzuki bringt die DR400 zurück, während Kawasaki die Versys 1000 für 2025 ankündigt.

Die chinesischen Hersteller stehen vor der Aufgabe, Vertrauen in die Langlebigkeit ihrer Produkte aufzubauen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Branche steht in Spannung zu ethischen Überlegungen.

Die globale Motorradindustrie befindet sich in einer Umbruchphase.

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