Conrad Fahrräder Charlottenburg: Geschichte und Industriekultur Berlins

Die Berliner Stadtlandschaft ist geprägt von Industriekultur - auch dort, wo es niemand vermutet. Unbekannte Bauten erzählen ungewöhnliche Geschichten. Dazu gehört beispielsweise die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM), die seit 300 Jahren Porzellanluxus produziert, ein Straßenbahndepot, das mittlerweile ein Oldtimer-Zentrum ist, sowie eine Müllverladestation, in der sich heute ein Architekturbüro befindet.

Die Schriftenreihe des Berliner Zentrums für Industriekultur (bzi) stellt in jedem Band 20 herausragende Objekte auf je einer Doppelseite vor. Die vom bzi herausgegebene Reihe erscheint beim Berliner L&H-Verlag. Die aktuellen Auflagen sind direkt beim Verlag, im Buchladen oder über die bekannten Online‐Vertriebswege erhältlich.

Bisher sind folgende Bände erschienen:

  • Band 1: Spandau / Siemensstadt
  • Band 2: Treptow‐Köpenick
  • Band 3: Charlottenburg / Moabit
  • Band 4: Tempelhof-Schöneberg

Historische Wurzeln der Oldtimer

Die Oldtimer-Messe „Motorworld Classics Berlin“ präsentiert historische Wurzeln. Wie bereits in den vergangenen Jahren ist dies in den Messehallen am Funkturm die Zeit des alten Blechs, der Fahrzeuge, in denen der Fahrer noch sein eigenes Assistenzsystem war. Nationale wie internationale Automobilhersteller zeigen ihre historischen Wurzeln, breiten Händler ihre Produkte und Dienstleistungen rund um das historische Blech aus, präsentieren Clubs ihre Kollektionen.

Zum Beispiel der 1. Brennaborverein Brandenburg a.d. Havel, der unter anderem einen Brennabor Typ R von 1926 zeigt. Die einst in der Stadt Brandenburg ansässige Firma hatte die Mobilität ihrer Kunden erst durch Kinderwagen gefördert, arbeitete sich dann über Fahrräder und Motorräder auf den Automobilbau zu, mit dem man 1903 startete. In den frühen zwanziger Jahren war Brennabor der größte Autohersteller Deutschlands, führte hier als einer der ersten die Fließbandfertigung ein. Mit der Weltwirtschaftskrise begann 1929 der Niedergang. Die Autoproduktion endete 1933, nach Kriegsende wurde das Werk demontiert.

Fahren im Stile Andy Warhols

Hinter der Automobilgeschichte verbergen sich eben immer auch politische, soziale und auch Kunstgeschichte, auf der Oldtimer-Messe am eindrucksvollsten in einem BMW M1 von 1979, genauer gesagt seiner Rennversion mit 470 PS. Geschaffen hat es Pop-art-Künstler Andy Warhol, der den Wagen, wie er sagte, „im Stile eines abstrakten Impressionisten mit Feldern und Regenbogenfarben“ gestaltete. Sich Andy Warhol hinterm Lenkrad des Boliden vorzustellen, fällt allerdings schwer. Der Künstler besaß ja nicht mal einen Führerschein.

Auch dessen stylisches Ambiente lockt zunehmend Menschen an, die sich im Autoverkehr dann doch lieber den Assistenzsystemen ihrer Automobile anvertrauen, die lieber sanft über den Asphalt gleiten als bei jedem kleinen Schlagloch dank beinharter Federung kräftig durchgeschüttelt zu werden.

Motorworld Classics Berlin, Messegelände am Hammarskjöldplatz in Charlottenburg, Freitag bis Sonntag.

Brompton Junction

Brompton Junction bietet:

  • Komplettes Fahrradsortiment - ACPTC & E-Bikes CPG
  • Komplettes Angebot an Testrädern
  • Breites Angebot an Gepäck und Zubehör
  • Werkstatt und Service von unseren erfahrenen Mechanikern
  • Beste Brompton-Erfahrung im Laden

Weitere Optionen sind:

  • Silber: Eine gute Auswahl an Brompton-Produkten und Brompton-Erfahrung verfügbar
  • Approved: Ein autorisierter Brompton-Händler, der derzeit keinen technischen Kundendienst für Brompton anbietet
  • Electric: Führt nur Brompton Electric im Sortiment

Die Berliner Mauer und die Geisterbahnhöfe

Die Berliner Mauer wirkte schon über der Erde ziemlich unüberwindbar mit all ihrem Stahlbeton, dem Todesstreifen und den schussbereiten Grenzern. Das SED-Regime hatte Berlin im August 1961 mit nahezu chirurgischer Präzision auseinandergeschnitten - nur unter der Erde verbanden noch drei Lebensadern den Osten mit dem Westen: die U-Bahnen der Linien C und D, heute die U6 und U8, sowie die Nord-Süd-Linie der Stadtbahn.

Doch die DDR war selbst für solch abwegige Fluchtpläne gerüstet: Zeitgleich mit dem Mauerbau wurden im Sommer 1961 auch mehr als ein Dutzend U- und S-Bahn-Haltestellen stillgelegt, die Zugänge zugemauert oder mit schweren Schlössern verriegelt. Über Nacht entstanden auf diese Weise Geisterbahnhöfe: Züge aus dem Westen fuhren auch nach dem Mauerbau noch unter Ost-Berlin hindurch, durften aber an den alten Stationen nicht mehr halten.

Jahrzehnte nach dem Mauerfall sind die Erinnerungen an solche Verfolgungsjagden verblasst, und die einst zugemauerten Stationen sind längst wieder eröffnet. Es gibt lediglich ein paar städtische Hinweistafeln, etwa am Nordbahnhof, die an die alten Geisterbahnhöfe erinnern.

Verbogene Gleise, aufgerissene Schienen, verschwundene Bahnlinien. Am 12. August 1961, nur einen Tag vor dem Mauerbau, hatte DDR-Verkehrsminister Erwin Kramer auf einer Karte jene Stellen markiert, die unterbrochen werden sollten. Stunden später waren Gleise aufgerissen, Schienen verbogen, Stacheldraht über Bahnstrecken verlegt. Unmittelbar danach verschwanden auf den offiziellen U-Bahn-Plänen des Ostens die Linien C und D.

Plötzlich gab es eine Ost- und eine Westversion der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG.

Angriffe auf die verhasste S-Bahn

Schon bald sahen viele West-Berliner in der von der DDR betriebenen S-Bahn ein Symbol des verhassten Mauerbaus. Berlins Bürgermeister Willy Brandt polterte am 16. August 1961, es sei "unzumutbar, dass die Westgeldeinnahmen der S-Bahn für den Einkauf des Stacheldrahtes verwendet werden".

So driftete seit dem Spätsommer 1961 Berlin verkehrstechnisch endgültig auseinander: Die Züge der S-Bahn waren im Osten bald heillos überfüllt; im Westen hingegen fuhren sie fast leer durch die Gegend. Die West-Berliner wichen auf U-Bahnen und Busse aus. Wer dennoch mit der S-Bahn fuhr, musste damit rechnen, wüst beschimpft zu werden. Eisenbahner aus West-Berlin trauten sich deshalb während des Boykotts nicht, ihre Dienstuniformen zu tragen, und Hunderte kündigten ihren Job bei der DDR-Reichsbahn.

Aber auch die Fahrten mit den U-Bahnen wurden schnell zum Politikum: Per Lautsprecher ("Letzter Bahnhof in West-Berlin!") wurden die Fahrgäste gewarnt, dass sie nun - unterirdisch - das Gebiet des ideologischen Gegners passieren würden. Manche gruselten sich in diesen Minuten, verängstigt durch Gerüchte über Entführungen der Stasi.

In Ost-Berlin nahmen derweil die Fluchtversuche durch die Bahntunnel zu, und das Regime reagierte umgehend: Die Zugänge zu den Bahngleisen wurden noch stärker gesichert; der Staat überprüfte seine Zugführer, Gleisbauarbeiter und Grenzsoldaten akribisch auf Verlässlichkeit. Immer mehr Zwischenmauern wurden hochgezogen und mit der Zeit sogar viele der (sowieso schon alarmgesicherten) Notausgänge zugeschweißt.

Als 1989 die Mauer über Tage fiel und sich die Deutschen in den Armen lagen, blieb die unterirdische Mauer unter Tage noch bestehen. Für den DDR-Bürger Robert Conrad war das die Chance, auf die er lange gewartet hatte. "Ich habe mich nicht als Erstes auf den Weg nach Paris oder Kalifornien gemacht, sondern bin zu den Geisterbahnhöfen hinabgestiegen", erzählt er. "Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Mir war klar, dass die verwaisten Bahnanlagen, die die Monstrosität der DDR symbolisierten, schnell verschwinden würden."

Mit Freunden traf er sich nachts ab 2 Uhr, wenn keine Züge mehr fuhren. Einer brachte Karten für die U-Bahn-Stollen mit, ein anderer ein Brecheisen, um Lüftungsschächte aufzuhebeln. Dann stiegen die Männer hinab in das kilometerlange Labyrinth aus dunklen Röhren. Conrad fotografierte und fotografierte, mitunter war ihm mulmig zumute. Zudem patrouillierten nach wie vor Grenzsoldaten und die Transportpolizei, eine Sondereinheit der Volkspolizei.

Lyonel Feininger und Usedom

Lyonel Feininger (1871-1956) entdeckte sehr früh die Insel Usedom und das damals mondäne Ostseebad Swinemünde. Zwischen 1908 und 1913 kam der damals noch unbekannte Maler regelmäßig von Berlin nach Heringsdorf. Per Fahrrad in den Dörfern oder zu Fuß am Strand und auf der Heringsdorfer Seebrücke sowie im mondänen Swinemünde entstanden Hunderte von sogenannten Natur-Notizen, die Basis für seine späteren Hauptwerke.

Anläßlich des 150. Geburtstages von Lyonel Feininger am 17. Juli 2021 hat ein deutsch-polnischer Initiativkreis unter der Leitung des Usedomer Galeristen Hannes Albers die Arbeit an einer Deutsch-Polnischen Lyonel-Feininger-Kultur-Route zwischen Rügen und Deep bei Treptow an der Rega aufgenommen.

Feininger-Orte an dieser Route zwischen der deutschen Insel Rügen und dem polnischen Ort Deep bei Treptow an der Rega sind: Rügen, Ahrenshoop, Graal, Ribnitz, Greifswald, Usedom, Swinemünde, Stettin, Greifenberg, Kolberg, Hoff, Treptow an der Rega.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0