Fahrrad-Dämpfer richtig einstellen: Eine detaillierte Anleitung

Ein korrekt abgestimmtes Fahrwerk kann ein gutes Bike großartig anfühlen lassen, während ein schlechtes Setup ein fantastisches Bike schrecklich anfühlen lässt. Dieser Tuning-Guide soll Ihnen dabei helfen, eine Fahrwerkseinstellung zu finden, die allein für Sie optimiert ist. Das Setup eines Fahrwerks ist höchst dynamisch und man muss viele Variablen miteinbeziehen: Ihr Gewicht, wo Sie fahren, was Sie fahren und auch wie Sie fahren. Genau deshalb wird es auch in einer suboptimalen Performance enden, wenn Sie bloß die Einstellungen Ihrer Kumpel - oder sogar noch schlimmer: die eines Pros - kopieren.

Es gibt nicht „die“ perfekte Fahrwerkseinstellung. Wenn Sie Ihr Fahrwerk dahingehend optimieren, dass es Ihnen bei heftigen Schlägen Support bietet, wird darunter die Sensibilität bei kleinen Schlägen leiden. Das Setup eines Fahrwerks ist stets ein Kompromiss; es geht um die perfekte Balance zwischen Feinfühligkeit und Support. Daher ist es wichtig, die richtige Fahrwerks-Balance ausfindig zu machen, die zu Ihrem Fahrstil und Ihren Trails passt.

Bevor Sie Zeit in die Optimierung Ihres Fahrwerks investieren, müssen Sie sicherstellen, dass Ihre Federgabel und Ihr Dämpfer in funktionsfähigem Zustand sind. Es macht natürlich keinen Sinn, Zeit mit dem Setup zu verbringen, wenn Ihre Fahrwerkskomponenten auf ihrem Weg bergab nur keuchen und zischen. Die meisten Hersteller von Fahrwerkskomponenten empfehlen alle 50 Fahrstunden einen Ölservice und alle 100-200 Stunden einen kompletten Service der Dämpfung. Seien Sie ehrlich, wann haben Sie Ihr Fahrwerk das letzte Mal durchchecken lassen?

Was Sie für die Einstellung benötigen

Um Ihr Fahrwerk zu tunen, brauchen Sie Ihre normalen Bike-Klamotten genauso wie Ihren Helm sowie Rucksack. Damit Ihr Fahrwerk bestmöglich arbeitet, muss es in der Lage sein, auf jede Unebenheit des Trails zu reagieren. Wenn Sie auf ein Hindernis treffen, komprimieren sich Ihre Federgabel und Ihr Dämpfer und absorbieren die Energie des Stoßes. Diese wiederum wird durch das darauffolgende Ausfedern wieder freigesetzt.

Damit Sie Traktion beibehalten, müssen Federgabeln und Dämpfer nicht nur Stöße absorbieren, sondern sich auch ausdehnen, um in Löcher eintauchen zu können und Ihre Reifen am Boden zu halten. Damit das Fahrwerk sowohl ein- als auch ausfedern kann, spannen wir das Fahrwerk mit unserem eigenen Körpergewicht vor.

Schritt 1: Sag (Negativfederweg) einstellen

Dieses Maß an Vorspannung wird als SAG bezeichnet und beschreibt, um welchen Wert das Fahrwerk in seinen Federweg absackt, wenn Sie auf dem Bike sitzen. Das Maß dafür, wie stark die Federelemente sich in ihrem Federweg komprimieren, wenn wir auf dem Bike sitzen, ist bekannt als SAG. Sag ist der Federweg, der einer Federgabel oder einem Dämpfer zum Ausfedern zur Verfügung steht. Der Negativfederweg sorgt dafür, dass ein Laufrad in ein Schlagloch absacken kann, um permanent Bodenkontakt zu halten. Nur so kann optimale Fahrsicherheit gewährleistet werden.

Einstellung des SAG am Dämpfer

Bevor Sie beginnen, stellen Sie sicher, dass sich Ihr Dämpfer im Fully-open-Modus befindet. Falls er ein Einstellrädchen für die Lowspeed-Druckstufe hat, drehen Sie es komplett in Richtung (-). Bitten Sie Ihren Assistenten, das Bike auf ebenem Untergrund vor dem Umkippen zu sichern, während Sie aufsteigen. Nehmen Sie Ihre normale Sitzposition ein und erlauben Sie dem Bike für wenigstens 5 Sekunden, sich zu „setzen“.

Messen Sie den Abstand zwischen O-Ring und Staubabstreifer in mm. Teilen Sie diese Zahl durch den kompletten Federweg (z. B. viele Hersteller empfehlen eine bestimmte SAG-Einstellung, aber falls nicht, raten wir zu einer Grundeinstellung von 30 %. Wenn Sie weniger SAG wollen, pumpen Sie einfach etwas Luft in den Dämpfer und wenn Sie mehr SAG wünschen, dann lassen Sie etwas Luft ab. Pumpen Sie in 10-psi-Schritten Luft nach und wiederholen Sie diesen Prozess, bis Sie den erforderlichen SAG erreicht haben.

Einstellung des SAG an der Federgabel

Sobald Ihr Dämpfer korrekt eingestellt ist, wird es Zeit für die Federgabel. Achten Sie auch hier darauf, dass die Dämpfung Ihrer Gabel komplett offen ist und stellen Sie den Druck in der Luftfeder entsprechend der Empfehlung des Herstellers ein. Ihr Assistent darf wieder das Bike halten, während Sie aufsteigen. Beginnen Sie mit der Empfehlung des Herstellers. Wenn es keine gibt, dann starten Sie mit 20 % SAG. Wenn Sie weniger SAG wünschen, pumpen Sie einfach mehr Luft in die Gabel. Wollen Sie mehr SAG, dann lassen Sie etwas Luft ab. Fügen Sie die Luft dabei in 10-psi-Schritten hinzu und wiederholen Sie diesen Prozess so lange, bis Sie den erwünschten SAG erreicht haben.

Eine gute Startposition für den richtigen Luftdruck findet sich in der Bedienungsanleitung des Herstellers. Hier nach der passenden Kilogramm-Angabe suchen, vollständige Ausrüstung mit einbeziehen. Druckstufendämpfung oder Plattform (Lockout) immer ganz öffnen. Aufs Rad steigen, in kompletter Montur (mit Helm, Rucksack usw.), Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, Grundposition einnehmen (stehend, Kurbeln waagerecht). Eine zweite Person kann helfen, das Rad zu halten; allein lehnt man sich an eine Wand oder ein Geländer. Jetzt ein paar Mal wippen, um die Federelemente eintauchen zu lassen.

Tipp: Wer viel im Sitzen auf dem Trail fährt, kann probieren, ob ein Setup im Sitzen für seinen Einsatzbereich z.B. bei tourenorientierter Fahrweise bessere Ergebnisse bringt. Möglichst stillstehen und den Gummiring am Standrohr so weit wie möglich nach unten schieben. Vorsichtig, ohne Wippen, vom Rad steigen und darauf achten, dass sich der Gummiring nicht mehr verschiebt. Tipp: Gabel und Dämpfer-Lockout vor dem Absteigen schließen.

Jetzt zeigt der Abstand zwischen Tauchrohrdichtung und Gummiring den Negativfederweg (Sag) an. 20 bis 30 Prozent des Gesamtfederweges werden als ideal betrachtet. Eine aufs Standrohr aufgedruckte Sag-Skala verrät die Prozentzahl; ist keine Skala vorhanden, einfach ein Lineal nehmen und nachrechnen. In der Grundposition kommt man am schnellsten zu seinem persönlichen Setup.

Empfohlene SAG-Werte

Der Negativfederweg sollte bei CC-/Marathon-Bikes maximal 20 % des Maximalhubs betragen, bei Touren-/AM-Bikes 25 % und bei Enduros 30 %.

Schritt 2: Zugstufe (Rebound) und Druckstufe (Compression) einstellen

Die Zugstufe kontrolliert die Geschwindigkeit, mit der die Gabel ausfedert. Zu schnelles Ausfedern lässt das Rad unkontrolliert springen, federt die Gabel zu langsam aus, steht beim nächsten Impact nicht der gesamte Federweg zur Verfügung. Der Rebound-Knopf an der Gabel ist meistens rot.

Bevor man die Zugstufe einstellt, sollte diese ganz geöffnet werden. Den Lenker kräftig und schnell nach unten drücken, um die Gabel einfedern zu lassen. Beim Ausfedern den Lenker loslassen; das Vorderrad sollte jetzt nicht den Kontakt zum Boden verlieren. Hebt das Vorderrad vom Boden ab, die Ausfedergeschwindigkeit verlangsamen, d.h. Zugstufe Klick für Klick reindrehen.

Nun die Druckstufe einstellen. Diese dämpft/bremst das Einfedern der Gabel bei Schlägen ab. Die Einstellung der Druckstufe richtet sich bei den meisten Federgabeln nach dem Fahrergewicht. Leitlinie: je schwerer der Fahrer, desto mehr Druckstufendämpfung wird empfohlen. Bei Gabeln mit nur drei Settings (zum Beispiel Open, Medium, Firm) empfehlen wir stets das offene oder mittlere Setting.

Für Federgabeln zum Beispiel mit Fit4 Kartusche wie bei der FOX 36 empfehlen wir den "3-Position Lever" in der offenen Stellung zu fahren und den "Open Mode Adjuster" (kleines Stellrad) anhand der FOX Empfehlungen einzustellen. Hier empfiehlt FOX zum Start 18 Klicks (gegen den Uhrzeigersinn von der komplett geschlossenen Stellung aus gezählt). Je offener, (gegen UZS) desto leichter bewegt sich die Gabel durch den Federweg. Je geschlossener (Klicks im UZS), desto mehr Widerstand bietet sie beim Einfedern und hilft zusätzlich gegen Durchschläge.

Hier gibt es detaillierte Anleitungen zu den FOX 36er/38er Federgabeln und den DT SWISS Federgabeln. Die Ausfedergeschwindigkeit kontrolliert man ganz einfach: Federgabel möglichst tief einfedern und beim Ausfedern Lenker loslassen.

Schritt 3: Sag (Negativfederweg) am Federbein einstellen

Auch beim Federbein ist die richtige Einstellung des Sag essentiell. Die Einstellung funktioniert fast so wie an der Gabel. Zuerst den vom Hersteller angegebenen Luftdruck einstellen. Wer die Bedienungsanleitung verlegt hat, findet (auch ältere) Manuals leicht im Internet. Auch beim Federbein gilt Druckstufendämpfung oder Plattform (Lockout) immer ganz öffnen.

Aufs Rad steigen, Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, die Grundposition einnehmen, wippen, um den Dämpfer zu komprimieren. Auch hier unser Tipp: Wer überwiegend im Sitzen auf dem Trail fährt, kann probieren, ob er das Setup im Sitzen vornimmt und damit für seinen Einsatzbereich bessere Ergebnisse erzielt. Dann ist der Hinterbau gegebenenfalls nicht zu weich eingestellt für den Fall, dass das Körpergewicht überwiegend nach hinten verlagert ist.

Still stehen bleiben, Gummiring an den Dämpfer schieben, vorsichtig vom Rad steigen. Der Abstand zwischen Gummierung und Dämpferdichtung zeigt den Sag an. Jetzt kann der Sag an den Einsatzbereich und den persönlichen Geschmack abgestimmt werden. Die SAG Einstellung am Dämpfer funktioniert genauso wie an der Gabel.

Schritt 4: Zugstufe (Rebound) am Federbein einstellen

Auch am Federbein ist der Rebound-Knopf meistens rot. Zum ersten Einstellen sucht man sich am einfachsten eine Bordsteinkante. Die Bordsteinkante langsam herunterrollen, der Dämpfer sollte dabei ungefähr 1,5-mal wippen. Das bedeutet, er sollte einmal komplett einfedern, etwas nachwippen und sich dann stabilisieren.

Wippt der Hinterbau länger nach, ist die Ausfedergeschwindigkeit zu hoch, ein schwer zu kontrollierendes, hüpfendes Hinterrad wären die Folge. Also: die Zugstufe etwas reindrehen, damit sich der Rebound verlangsamt.

Auch einige Dämpfer besitzen umfangreiche Möglichkeiten an Feinjustierungen der Compression. Hier gilt: möglichst mit offener Einstellung beginnen und dann schrittweise die Anpassungen vornehmen. Je nach Modell bieten die Dämpfer eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten.

Weitere Tipps zur Feinabstimmung

Viele Suspension-Elemente bieten darüber hinaus noch eine Menge weiterer Einstellungsmöglichkeiten, um das Fahrwerk auf den eigenen Fahrstil einstellen zu können. Wichtig aber ist das passende Grundsetup, das man Fahrt für Fahrt auf seine persönlichen Vorlieben und Einsatzbereich anpassen kann.

  • Auf dem Trail eine Dämpferpumpe mitnehmen, am besten immer die gleiche verwenden.
  • Eine vertraute Strecke mehrfach fahren und Fahrwerk leicht nachjustieren. Zwischendurch immer wieder kontrollieren.
  • Die Einstellungen - auch das Grundsetup - notieren.

Den Dämpfer am Fahrrad richtig einstellen Schritt 1: Zugstufe rausdrehen: Um die Federhärte unbeeinflusst einzustellen, müssen alle Dämpfungseinstellungen rausgedreht werden. Beginne mit der Zugstufe: Drehe den meist roten Knopf, der sich auf der Unterseite der Federgabel befindet, bis zum Anschlag gegen den Uhrzeigersinn Schritt 2: Druckstufe öffnen: Stelle den zwei- oder dreistufigen (meist) blauen Hebel auf die niedrigstmögliche Stufe. Schritt 3: Luft ablassen: Ermittle im nächsten Schritt den maximalen Hub (nicht Federweg) des Dämpferkolbens. Drehe dafür die Ventilkappe ab und drücke mit einem spitzen Gegenstand vorsichtig auf das Ventil, bis die Luft komplett entwichen ist. Schritt 4: Gummi-O-Ring hochschieben: Fast alle Federbeine haben am Kolben/Standrohr einen Gummi-O-Ring. Drücke diesen bei stehendem Federbein nach oben in Richtung Dämpfergehäuse bis an die Dichtungen. Schritt 5: Hub messen: Drücke mit Kraft von oben auf den Hinterbau bis zum spürbaren Anschlag. Messe nun bei komplett ausgefedertem Hinterbau die Distanz zwischen Dichtung und Gummi-O-Ring, den maximalen Hub.

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