Dank Federgabel und Dämpfer meistern Mountainbiker:innen auch die schwierigsten technischen Trails. Doch nur ein richtig eingestelltes Fahrwerk entfaltet das volle Potenzial des Rades. Der pressedienst-fahrrad erklärt, wie man ein passendes Setup findet.
Warum überhaupt Federung verbauen?
Eine Federung verbessert die Fahrdynamik und den Komfort. Sie erlaubt es den Rädern, dem Untergrund zu folgen und den Bodenkontakt nicht zu verlieren. Deswegen sind Motorräder oder Autos ohne Federung auch kaum denkbar.
Die Federung hält das Rad bzw. die gefederten Räder am Boden. Nur dort kann ein Rad Seitenführungs‑, Antriebs- und Bremsmomente übertragen. So steigen Fahrsicherheit, ‑komfort und auch die Effizienz, in dem die Kraft auch am Boden ankommt.
Federung und Dämpfung: Die Unterschiede
Moderne MTB-Federelemente bestehen aus Feder- und Dämpferseite. Es klingt wie eine Frage aus der Quizshow: „Wie unterscheiden sich Federung und Dämpfung am Mountainbike?“ Denn obwohl in einem MTB-Fahrwerk viel mehr passiert, die Umgangssprache zeigt eindeutig die Hauptfunktion an: Es federt! Dabei ist die Feder nur ein Teil des Fahrwerks und hat eine sehr spezifische Aufgabe. Ergänzt wird sie durch eine zusätzliche Dämpfung.
Man unterscheidet Federungs- und Dämpfungsfunktion. Moderne Federelemente setzen für die Feder oft auf Luft, seltener auf Stahl oder Titan. Die Dämpfung übernimmt Öl. Jeder Ein- wie Ausfedervorgang wird gedämpft, sprich kontrolliert. Ausfedern ohne Dämpfung, z. B. bei einer einfachen Kugelschreiberfeder, würde das Rad nach dem Überfahren eines Hindernisses unkontrolliert springen lassen.
Stell Dir vor, Du drückst eine Kugelschreiberfeder zusammen und lässt sie schlagartig wieder los. Sie wird Dir mit erstaunlicher Energie wahrscheinlich direkt ins Auge fliegen. Ebenso würde sich ein nicht bedämpftes Federelement am Mountainbike verhalten. Hier kommt also die Dämpfung ins Spiel. Sie hat die Funktion, die Geschwindigkeit der Ein- und Ausfederbewegung zu kontrollieren.
Federgabel und Dämpfer
Mountainbikes haben in der Regel ein oder zwei Federungskomponenten. Ist nur das Vorderrad gefedert, der Hinterbau aber starr, spricht man von einem „Hardtail“. Sind Vorder- und Hinterrad gefedert, sagt man vollgefedert oder „Full Suspension Bike“, bzw. kürzer „Fully“.
Für das Vorderrad kommt eine Federgabel zum Einsatz, die das Vorderrad direkt mit dem Rahmen verbindet. Für die Federung des Hinterrades wird ein Federbein eingesetzt, das das Hinterrad über eine oder mehrere Umlenkung(en) mit dem Hauptrahmen verbindet. Das Federbein wird meistens „Dämpfer“ genannt, auch in unserem Shop. Erlaube uns wegen der Verwechslungsgefahr mit der Funktion Dämpfung innerhalb des Federelements einen kurzen Hinweis: Wir sprechen hier vom MTB-Dämpfer bzw. Dämpfer, wenn wir das materielle Federelement meinen. Sprechen wir von Dämpfung, meinen wir die dämpfende Funktion des Elements.
Die Liste dieser Einzelteile sind sowohl bei der Federgabel als auch am Dämpfer gültig:
- Standrohre / Kolben
- Tauchrohre / Casting
- Zugstufenverstellung (rot)
- Druckstufenverstellung (blau)
- Lockout (nicht an allen Modellen)
- Luftventil
- Luftkammer
- SAG-Anzeige
Die richtige Einstellung finden
Bevor ihr Zeit in die Optimierung eures Fahrwerks investiert, müsst ihr sicherstellen, dass eure Federgabel und euer Dämpfer in funktionsfähigem Zustand sind. Es macht natürlich keinen Sinn, Zeit mit dem Setup zu verbringen, wenn eure Fahrwerkskomponenten auf ihrem Weg bergab nur keuchen und zischen. Die meisten Hersteller von Fahrwerkskomponenten empfehlen alle 50 Fahrstunden einen Ölservice und alle 100-200 Stunden einen kompletten Service der Dämpfung. Seid ehrlich, wann habt ihr euer Fahrwerk das letzte Mal durchchecken lassen?
Um euer Fahrwerk zu tunen, braucht ihr eure normalen Bike-Klamotten genauso wie euren Helm sowie Rucksack. Damit euer Fahrwerk bestmöglich arbeitet, muss es in der Lage sein, auf jede Unebenheit des Trails zu reagieren. Wenn ihr auf ein Hindernis trefft, komprimieren sich eure Federgabel und euer Dämpfer und absorbieren die Energie des Stoßes. Diese wiederum wird durch das darauffolgende Ausfedern wieder freigesetzt.
Damit ihr Traktion beibehaltet, müssen Federgabeln und Dämpfer nicht nur Stöße absorbieren, sondern sich auch ausdehnen, um in Löcher eintauchen zu können und eure Reifen am Boden zu halten. Damit das Fahrwerk sowohl ein- als auch ausfedern kann, spannen wir das Fahrwerk mit unserem eigenen Körpergewicht vor. Dieses Maß an Vorspannung wird als SAG bezeichnet und beschreibt, um welchen Wert das Fahrwerk in seinen Federweg absackt, wenn ihr auf dem Bike sitzt.
Zum Ausprobieren und Verbessern einer Ausgangseinstellung empfiehlt es sich, auf einem wohlbekannten Trail eine Probefahrt zu machen. Dieser sollte technisch nicht überfordern, denn je mehr Konzentration für die Fahrsituation aufgebracht werden muss, desto weniger bleibt übrig, um die Funktion der Federung zu bewerten.
Wenn es dann ans Einstellen geht gilt: „Eins nach dem Anderen heißt dabei die goldene Regel“, wie Philipp Martin vom Mountainbike-Hersteller Orbea rät. „Ändert man mehrere Einstellungen gleichzeitig, kann man die Veränderung sonst keinem Parameter eindeutig zuordnen.“ Zudem sollte man sich langsam an das gewünschte Ergebnis herantasten, etwa indem man eine Einstellung nur schrittweise verändert und dann ggf. in die Gegenrichtung feinjustiert.
1. Federhärte und Negativfederweg einstellen
Zunächst wird die Federhärte auf das Fahrgewicht (inkl. Ausrüstung wie Helm, Knieschoner oder Rucksack) angepasst. Bei Stahl- und Titanfedern hilft nur die richtige Feder. Austausch oder Umbau sollte in diesem Fall der Fachhändler übernehmen.
Wesentlich verbreiteter sind Luftfederelemente. Hier kann in einem weiten Bereich die Federhärte über den Luftdruck eingestellt werden. Dafür benötigt man eine spezielle Dämpferpumpe, betont Carsten Wollenhaupt vom Federungsspezialist Rock Shox angehört: „Typische Standpumpen arbeiten in einem geringeren Druckbereich. Ihre Manometer sind außerdem zu ungenau und ihr Kammervolumen zu groß.“
Der passende Luftdruck hängt daher nicht nur vom Gewicht des Fahrers, sondern auch vom Gelände ab. Auch das Modell der Federgabel oder des Dämpfers und die Kinematik des Bikes spielen eine Rolle. Konkrete Tipps für den entsprechenden Luftdruck gibt es bei den Bike-Herstellern zu jedem Modell.
Der richtige Luftdruck wird über den Negativfederweg eingestellt. Als Faustregel sollte man zwischen 20 und 30 Prozent wählen. Je mehr Federweg insgesamt zur Verfügung steht und je mehr Komfort gewünscht wird, desto größer der Sag. Einige Hersteller geben auf ihren Federelementen Luftdruckempfehlungen gestaffelt nach Fahrgewicht an. Das erleichtert es, einen guten Ausgangswert zu finden.
Ist dies nicht der Fall, hilft der Blick in die Bedienungsanleitung. Dort sind Minimal- und Maximalwerte für den Luftdruck angegeben, an denen man sich grob orientieren kann.
Ist ein Ausgangswert für den Luftdruck eingestellt, schiebt man die O‑Ringe auf den Gleitflächen zurück und nimmt die Grundposition auf dem Rad ein (mit leicht gebeugten Armen und Beinen zentral über dem Tretlager stehend). Dann steigt man vorsichtig ab, ohne zu wippen. Der O‑Ring hat sich beim Einfedern so weit verschoben, wie der Federweg genutzt wurde.
Jetzt misst man, wie viele Zentimeter Federweg in der Grundposition genutzt wurden und setzt das ins Verhältnis zum maximal zur Verfügung stehenden Federweg (bzw. Dämpferhub beim Hinterbau-Federbein). Aufgedruckte Skalen erleichtern etwa bei Rock Shox das Bemessen des Negativfederwegs.
| Fahrradtyp | SAG |
|---|---|
| Cross-Country-Bikes | 15-20% |
| Enduro-Bikes | ca. 25% |
| Downhill-Bikes | ca. 30% |
2. Zugstufe einstellen
Stimmt der Negativfederweg, stellt man im zweiten Schritt die Zugstufendämpfung ein. Dazu dreht man das Einstellrad für Rebound/Zugstufe Klick für Klick in die gewünschte Richtung. Die Bedienungsanleitung verrät, wo sich das Einstellrad findet. Die Dämpfung wird von der offenen, sprich ungedämpften Position aus gemessen und eingestellt.
Das Einstellrad ist mit „+“ und „-“ beschriftet, wobei „+“ mehr Dämpfung, also eine langsamere Ausfedergeschwindigkeit meint. Rock Shox ergänzt diese Angabe um zwei eindeutige Piktogramme. Der Hase steht für schnelles Ausfedern/weniger Dämpfung, die Schildkröte für langsames Ausfedern/mehr Dämpfung.
Zunächst sollte man die Dämpfung ganz öffnen, indem man das Einstellrad vollständig zu „-“/Hase dreht. Dann federt man die Gabel ein, indem man sich neben den Lenker stellt und sie durch Drücken mit dem gesamten Oberkörper so weit wie möglich komprimiert. Dabei am besten die Bremse ziehen, damit das Rad nicht wegrollt. Dann lässt man ruckartig den Lenker los und beugt sich zurück.
Die Gabel federt schlagartig und ungedämpft aus, wobei das Vorderrad in der Regel den Bodenkontakt verliert. Das verhindert man nun, indem man die Dämpfung so weit erhöht (Dreh in Richtung „+“/Schildkröte), bis das Vorderrad gerade eben nicht mehr abhebt. So ist eine taugliche Basiseinstellung erreicht.
Eine eventuell Vorhandene Hinterbaufederung sollte ungefähr gleich schnell ausfedern wie die Federgabel, um ein unharmonisches Fahrvehalten zu vermeiden.
Wenn die Zugstufen-Dämpfung zu gering ist (-), federt die Fahrwerkskomponente zu schnell aus. Sie fühlt sich dann an wie eine Sprungfeder und so, als wäre sie außer Kontrolle geraten. Ist die Zugstufen-Dämpfung jedoch zu stark (+), dann erholen sich die Fahrwerkskomponenten nicht schnell genug nach wiederholten Schlägen, komprimieren sich in der Folge immer stärker bzw. sinken immer tiefer in den Federweg ein und funktionieren schlicht und einfach schlecht.
Stoppt das Prozedere, wenn der Dämpfer ein winziges bisschen zu schnell ausfedert und leicht nachwippt. Das sollte eine solide Grundeinstellung sein. Wiederholt nun einen kompletten Abschnitt des Trails mit dieser Einstellung.
3. Druckstufe einstellen
Besonders hochwertige Federelemente erlaufen die externe Einstellung der Druckstufe. Damit lässt sich anpassen, wie sensibel das Federelement einfedert, ohne den Luftdruck zu verändern. Eine Veränderung in Richtung +/mehr Dämpfung bewirkt einen höheren Widerstand.
Aktive Fahrer:innen, die z. B. viel im Wiegetritt fahren können von dieser Einstellung profitieren. Aber Achtung: Nicht übertreiben! Schließlich ist die Federung zum Federn da.
4. Aufschreiben
Hat man nun seine Basiseinstellung gefunden, ist es ratsam, diese als Ausgangspunkt für weitere Experimente und zur Sicherheit gegen unbeabsichtigte Veränderungen zu notieren und aufzubewahren (etwa gemeinsam mit der Bedienungsanleitung).
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