Die Bedeutung des Fahrrads in der Musik: Eine Analyse am Beispiel von Die Prinzen und "Mein Fahrrad"

Geschmäcker sind verschieden. Aber ein paar Songs vereinen dann doch irgendwie alle Menschen. Fußball? You’ll never walk alone. Liebeskummer? Yesterday. Weltschmerz? Blowing In the Wind. Und Fahrrad fahren? Bicycle! Bicycle! Bicycle! Jeder denkt dabei sofort an Freddie Mercurys bombastisch-glamouröse Stimme und den Fahrradsong schlechthin: Bicycle Race von Queen.

Die Prinzen haben dennoch wahrscheinlich den bekanntesten Fahrradsong der deutschen Musikgeschichte geschrieben: Mein Fahrrad. Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da. „Und das stimmt ja auch“, sagt Schneidewind, der erzählt, dass der Manager von Bonnie Tyler einst unbedingt einen Cayenne statt der ihm angebotenen S-Klasse wollte, um zu einem Spiel des VfB Stuttgart zu kommen. Am Ende war’s egal, weil Stuttgart schon damals vom Stau dominiert war.

Die Prinzen: Könige des deutschen Pop-Rock

Bereits seit 30 Jahren begeistern die Prinzen mit ihrer einzigartigen Musik. Mit deutschen Songs wie Küssen verboten wurden sie berühmt. Ihr Jubiläum feiern sie 2023 mit ihrer Deutschland-Tour. Eine unserer Top-Gruppen im 100 Prozent Deutsch Stream sind die Prinzen. Jetzt im Stream anhören - zusammen mit vielen weiteren tollen Künstlern!

Hier sind einige ihrer bekanntesten Lieder:

  • Als einer ihrer berühmtesten deutschen Hits gilt wohl Alles nur geklaut aus dem Jahr 1993. Darin singt die Gruppe um Sebastian Krumbiegel über den Erfolg eines Musikers, der sich allein auf die Leistungen anderer Künstler stützt.
  • Frauen sind sentimental und Männer emotionslos, so zumindest lautet das Klischee. Und genau mit diesen Geschlechterrollen spielen die Prinzen in einem ihrer deutschen Songs.
  • „Das alles ist Deutschland, das alles sind wir“ heißt es im Refrain des Prinzen-Lieds Deutschland. Es ist wohl der bekannteste Vers aus dem Song, der nach seiner Veröffentlichung 2001 den 15. Platz in den deutschen Singlecharts erreichte.
  • Mit großer Selbstironie präsentiert sich auch das Lied Millionär. Darin singt die deutsche A-cappella-Band über eine Person, die viel Geld besitzen möchte, ohne dafür arbeiten zu müssen.
  • Nach einer gemeinsamen Tour mit Udo Lindenberg veröffentlichten die Prinzen 1992 ihre Single Küssen verboten. Sie ist Teil des gleichnamigen Albums, das mit mehr als 800.000 verkauften Platten großen Erfolg feierte.
  • Er zählt zu ihren bekanntesten Liedern - mit Mann im Mond schufen die Prinzen Doppeldeutigkeit in ihrer besten Form. Für viele Musikfans bleibt der Hit aber vor allem eine schöne Erinnerung an ihre Kindheit.
  • Was gilt heute eigentlich als anständig und wo verlaufen die Grenzen? Diese Frage stellen sich die Prinzen in ihrem Hit Dürfen darf man alles.
  • Nach Veröffentlichung ihrer ersten drei Alben änderten die Prinzen ihren Musikstil erheblich. Rockige und elektronische Beats wurden zu wichtigen Merkmalen.
  • Als einer ihrer ersten Songs veröffentlichten die Prinzen das Lied Mein Fahrrad. Darin behaupten die Alles nur geklaut Sänger, dass sich der Charakter von Autofahrern an der Marke ihres Autos erkennen lasse. Ein Klischee, das sich bis heute hält.
  • In ihrem Song Geliebte Zukunft zeigen sich die Prinzen ganz gefühlvoll. Hoffnung und Zuversicht sind hier die großen Emotionen.

Sebastian Krumbiegel und die Fahrradfreundlichkeit

Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band „Die Prinzen“, hat jüngst den Preis für die „fahrradfreundlichste Persönlichkeit“ bekommen, der Bestandteil des Nationalen Radverkehrsplans der Bundesregierung ist. Der leidenschaftliche Radfahrer engagiere sich ehrenamtlich im Qualitätsrat eines Fahrradherstellers, heißt es in der Begründung der Jury.

Krumbiegel selbst sagt dazu: „Gerade bin ich allerdings auf Lesetour, stelle mein neues Buch vor und fahre quer durchs Land. Das geht mit dem Fahrrad nicht, da bin ich mit dem Auto unterwegs. Aber zuhause in Leipzig fahre ich gern Fahrrad.“

Warum das Fahrrad?

Krumbiegel erklärt: „Man ist oft schneller als mit dem Auto und hat auch nie Stress, einen Parkplatz zu finden. Als ich elf Jahre alt war, im Jahr 1976, war ich mit dem Thomanerchor in Japan. Wir waren mit zwei Bussen unterwegs und wurden in den großen Städten Tokio, Osaka, oder Kioto immer von Fahrradfahrern überholt - das war ein groteskes Bild. So einen unglaublichen Verkehr gab es bei uns noch gar nicht. Im Osten sowieso nicht, und ich glaube auch nicht in Westdeutschland. Das hatte ich sicher auch im Kopf als ich mit den Prinzen das Lied „Mein Fahrrad“ geschrieben habe. Da heißt es: Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da. Heute trifft das genauso zu. Du bist in der Stadt immer schneller, beweglicher und flexibler als mit dem Auto.“

Frühere Erfahrungen mit dem Fahrrad

„Auf jeden Fall. Gerade in meiner Zeit im Thomanerchor gehörte das zum guten Ton. Da ging es weniger darum, ein Wahnsinns-Bike zu haben, sondern eher darum, das Fahrrad zu bekleben oder einen coolen Rückspiegel zu haben. Wir sind viel Fahrrad gefahren damals. Leipzig ist eine wirklich fahrradfreundliche Stadt.“

Konflikte zwischen Radfahrern und Autofahrern

„Ein Perspektivenwechsel ist immer ganz praktisch, gerade wenn man beide Seiten kennt. Einerseits bin ich manchmal total genervt von Radfahrern, wenn ich Auto fahre. Und dann bin ich aber auch als Radfahrer genervt von Autofahrern, die dir nach dem Motto ‚Der Stärkere gewinnt‘ brutal die Vorfahrt nehmen. Dann ist es gut, sich Gedanken zu machen: Was wäre, wenn ich jetzt auf dem Fahrrad oder jetzt im Auto sitzen würde? Da kann sich jeder an die eigene Nase fassen. Kämpfen auf der Straße bringt gar nichts, das ist nur Stress und zwar für alle Seiten. Jemanden mal freundlich anlächeln, jemanden vorbei winken oder reinlassen, ist für alle Seiten gut. Und es ist vor allen Dingen auch am Ende für den gut, der es selbst macht.“

"Mein Fahrrad" als politisches Statement?

„Alles, was wir machen, ist in irgendeiner Weise politisch. Sich nicht einzumischen eben auch. In dem Lied kommt ja die Zeile vor: ‚Mein Fahrrad ist nicht braun, weil ich braun nicht leiden kann‘. Das war natürlich damals auch ein Statement gegen Nazis. Ich glaube, wenn man anfängt, politische Protestsongs zu schreiben, kann das schnell nach hinten losgehen. Ich versuche immer, mir eine Art Leichtigkeit zu bewahren. Am Ende sind wir Entertainer und dafür da, die Leute zu unterhalten. Mein Buch, das gerade erschienen ist, heißt ,Courage zeigen‘.. Da habe ich versucht zu reflektieren, dass in dem Wort Unterhaltung auch das Wort Haltung steckt. Für mich gehört das immer zusammen. Dass man, ohne zu moralisieren, trotzdem eine Haltung transportiert.“

Wünsche an die Politik

„Natürlich kann ich mir wünschen, dass mehr Geld in den fahrradfreundlichen Ausbau von Städten gesteckt wird, wenn man beispielsweise vergleicht, dass ein Kilometer Autobahn Millionen kostet und ein Kilometer Fahrradstraße einen Bruchteil davon. Andererseits bin ich nicht der Typ, der immer nach der großen Politik schreit. Wir selbst können eine ganze Menge verändern. Wie wir darüber reden, wie wir miteinander umgehen.“

Weitere Einblicke in Krumbiegels Fahrrad-Affinität

Schon im Jahr 1991 bekannte sich Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel auf sehr charmante Art zum Fahrrad. In dem Lied „Mein Fahrrad“ ließ er kein gutes Haar an Autofahrern und hob den Genuss des Fahrradfahrens hervor. 16 Jahre später erhält er, wenn auch nicht unbedingt wegen des Liedes, den Preis als fahrradfreundlichste Persönlichkeit.

Krumbiegel war selbst anfangs überrascht, als er gefragt wurde. Er gibt zu, dass es aktivere Fahrradfahrer als ihn gibt, obwohl er zur Zeit schon recht regelmäßig fährt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er seit Jahren Mitglied im Pegasus Qualitätsrat ist, der das Fahrradfahren als solches promoten will.

Seine Erfahrungen und Motivationen

Eigentlich ist er ein klassischer Schönwetter-Fahrer, das gibt er gern zu. Aber jetzt hat er im Januar aufgehört zu rauchen - und das hat ihn ermuntert, auch in den letzten Wochen regelmäßig zu fahren, also auch bei Wind und Wetter. Er musste feststellen: das geht wunderbar, wenn man die passenderen Klamotten anhat.

Das Fahrradfahren erlernte er in der Vorschulzeit. Später, als er Thomaner war, gehörte es zum guten Ton, ein Fahrrad zu haben, es war fast eine Art Statussymbol.

Lieblingsstrecken und Faszination am Radeln

Krumbiegel lebt in Leipzig, das ist seine absolute Lieblingsstadt, aus ganz verschiedenen Gründen. Unter anderem ist Leipzig eine wirklich fahrradfreundliche Stadt mit sehr viel Grün und gut ausgebauten Fahrradwegen. Es gibt sogar Ampeln extra für Fahrradfahrer. Seine Lieblingsstrecken sind in und um Leipzig. Im Süden der Stadt beginnt der Auwald, und an den Grenzen dann die ganzen ehemaligen Braunkohle-Tagebau-Löcher, die vor Jahren geflutet wurden und heute eine Seenlandschaft bilden, die wunderschön ist.

„Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da“ - ja, ganz im Ernst: Als er als 11jähriger mit dem Thomanerchor in Japan war, führen sie immer mit hochmodernen Bussen von Konzert zu Konzert. Er weiß noch, wie verwundert sie waren, als uns im Berufsverkehr von Tokio immer wieder die Fahrradfahrer überholten, die sich im Stau durch die Auto-Lawine schlängelten.

E-Bikes und Engagement im PEGASUS-Qualitätsrat

E-Bikes findet Krumbiegel absolut cool. Er hat seit ein paar Jahren eins und war bei seiner ersten Fahrt sofort angefixt.

Für ihn waren die Reisen nach Vietnam, Kambodscha, Singapur und Malaysia am spannendsten. Dort haben sie sich unter anderem die Fabriken angesehen, in denen das Gros der Fahrräder gebaut wird, die wir hier in Europa fahren. Sie wollten checken, ob die Produktionsbedingungen fair und human sind, und sie waren wirklich begeistert. Er hätte niemals gedacht, dass er so was spannend finden könnte, aber es war ernsthaft beeindruckend, zu sehen, wie modern und wirklich hochtechnisiert diese Fabriken sind.

Wünsche an Politik und Kommunen

Es ist immer sehr leicht, zu fordern. Aber natürlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass Fahrradfreundlichkeit gerade in Großstädten mehr und mehr ein Thema wird. Das ist nun mal die Zukunft. Viele Innenstädte werden in den nächsten Jahren autofrei sein, und das ist gut so. Der Ausbau von Fahrradwegen ist Aufgabe der Politik und der Kommunen, und das kann man ruhig immer wieder anregen. Aber jeder von uns selbst ist gefragt, wenn es darum geht, sich auf den Straßen fair zu bewegen. Als Autofahrer gegenüber den Fahrradfahrern oder als Fahrradfahrer gegenüber den Fußgängern.

Das war auch der Grund, warum sie die Aktion „Ich fahr´mit Herz“ ins Leben gerufen und zu deren Auftakt in Berlin auf dem Tempelhofer Feld die längste Fahrradschlange der Welt gebildet haben.

Die Prinzen: Kirchentour und Glaube

Krumbiegel spricht auch über seine Kirchentour zur neuen CD „Familienalbum“. Bereits 2010 und 2012 waren sie als Band in christlichen Gotteshäusern unterwegs. Im Jahr 2008 haben sie mit Margot Käßmann einen live ausgestrahlten Fernsehgottesdienst gemacht - unter der Bedingung, dass sie ihre eigene Musik spielen durften. Danach gab es ein, zwei Konzertanfragen von verschiedenen Gemeinden. Als es dann noch mehr Interessenten gab, ist daraus eine Tour geworden. Mittlerweile ist das eine gute Tradition. Sie fahren im September los, im Oktober kommen sie wieder. Sie treten in den Kirchen nur mit akustischen Instrumenten auf und fangen das Konzert mit einem Choral an. Dann kommen die Lieder, die man kennt: „Mann im Mond“, „Deutschland“, „Alles nur geklaut“, „Millionär“. Am Ende steht die Gemeinde, inklusive der Pfarrer, sie tanzen, klatschen und schreien.

Prinzipiell kann sich Krumbiegel in fast in allen Texten wiederfinden, weil sie Dinge ansprechen, die passieren, selbst wenn es manchmal hart klingt. „Die Prinzen“ sind dafür bekannt, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen und dass sie alles aussprechen, so wie es ist. Nicht auf eine plumpe Art, sondern auf eine intelligente Art. Der Mensch versteht ein Thema meist nur, wenn du es direkt ansprichst. Wenn sie ihre Lieder sogar in Kirchen spielen dürfen, kann es so schlimm nicht sein, auch wenn das Wort F*cken einmal vorkommt. Es ist ja trotzdem eine Botschaft dahinter. Die ist - so kennt das Publikum die „Prinzen“ - meist positiv.

Bei den „Prinzen“ singen meistens nur Tobias und Sebastian solo. Aber sie wollten, dass jeder mal die Leadstimme übernimmt, und da haben sie für Wolfgang ein Lied geschrieben, was er wirklich ist. So entstand „Backstagepass ins Himmelreich“. Wenn sie Kirchen-Konzerte geben, ist dieses Lied immer dabei, und Wolfgang singt es. Das ist wirklich er. Das Lied passt wunderbar zu den Prinzen, es passt sich ein.

Die Prinzen - Geliebte Zukunft Tourdaten

Datum Event Ort Tickets
03.10.25 Festhalle Ilmenau Ilmenau, DE Tickets
12.01.26 Rosengarten Mozartsaal Mannheim, DE Tickets
13.01.26 Alte Oper Frankfurt Am Main, DE Tickets
14.01.26 Elbphilharmonie - Großer Saal Hamburg, DE Tickets
15.01.26 Elbphilharmonie - Großer Saal Hamburg, DE Tickets
16.01.26 Georg-Friedrich-Händel-Halle Halle, DE Tickets
17.01.26 HCC Hannover Congress Centrum Hannover, DE Tickets
18.01.26 Culture Palace Dresden, DE Tickets
19.01.26 Friedrichstadt-Palast Berlin, DE Tickets
23.05.26 Tempodrom Berlin, DE Tickets
24.05.26 Alfried Krupp Saal Essen, DE Tickets
25.05.26 Kölner Philharmonie Cologne, DE Tickets
27.05.26 Gewandhaus zu Leipzig, Großer Saal Leipzig, DE Tickets
28.05.26 Circus Krone Munich, DE Tickets
29.05.26 Liederhalle Stuttgart, DE Tickets
13.06.26 NaturTheater Bad Elster Bad Elster, DE Tickets
11.07.26 Elblandbühne "Alte Ölmühle" Wittenberge Wittenberge, DE Tickets

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