Die Ducati Multistrada V2 und Desert X setzen neue Maßstäbe im Bereich der Adventure- und Enduro-Motorräder. Dieser Artikel vergleicht die beiden Modelle hinsichtlich ihrer Designmerkmale, Ergonomie, Motorleistung und Fahreigenschaften, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für potenzielle Käufer zu bieten.
Design und Ergonomie
Das Design der neuen Multistrada V2 ist von den stilistischen Konzepten inspiriert, die die Geschichte der Multistrada-Familie geprägt haben: horizontal ausgewogene Volumina, mit einem filigranen und kurzen Heck und einer Frontpartie, die durch sportliche Linien gekennzeichnet ist und dank der Seitenteile zusätzlich betont wird. Die neuen Scheinwerfer und das Rücklicht sind von der letzten Generation der Panigale und der Multistrada V4 inspiriert und tragen zu einer kompakten und aggressiven Frontansicht bei, die sofort erkennbar ist. Der kürzere "Schnabel" ist gut in die Front mit dem neuen Windschild integriert und schafft ein harmonischeres Bild.
Die Ergonomie der Multistrada V2 wurde komplett überarbeitet, wobei der Komfort im Fokus stand. Der Fahrer- und Soziussitz sind im Vergleich zum Vorgängermodell komplett neu. Damit der Fahrer seine Füße sicher auf dem Boden abstellen kann, ist die neue Multistrada V2 mit einer in zwei Positionen verstellbaren Sitzbank mit einer Höhe von 850 und 830 mm ausgestattet.
Ein Riesen-Unterschied bewirkt die geänderte Ergonomie der Multistrada V2 von Ducati bereits beim Aufsitzen. Zwar ist auf Anhieb das typische "Multistrada-Sitzgefühl" da: aufrecht-erhaben-souverän und nah am breiten, hoch aufragenden Lenker. Dazu sitzt man einzigartig drin im Motorrad, wunderbar geborgen. Doch die neue, im vorderen Bereich schmaler geschnittene Sitzbank bewirkt Wunder für kleine Leute: So fällt die erforderliche Schrittbogenlänge um rund 40 Millimeter kürzer aus und selbst Piloten ohne Gardemaß bekommen beide Fußsohlen links wie rechts sicher auf den Erdboden. Der Knieschluss fühlt sich kompakter an.
Die Desert X Rally bietet eine erhöhte Sitzposition von 910 mm, was besonders für große Fahrer und extrem anspruchsvolles Gelände vorteilhaft ist. Allerdings kann die höhere Sitzposition auch eine Herausforderung darstellen, insbesondere für kleinere Fahrer oder Einsteiger. Im Vergleich dazu ist die Sitzhöhe der Desert X etwas niedriger, was sie zugänglicher macht. Sie verfügt über eine flexible Sitzhöhe von 875 mm, die sich durch optionales Zubehör auf 845 mm reduzieren oder auf 890 mm erhöhen lässt.
Motor und Leistung
Die neue Multistrada V2 ist mit dem neuen Ducati V2-Motor ausgestattet, einem 90°-V-Twin-Motor mit 890 cm³ Hubraum, variabler Einlassventilsteuerung IVT und Ventilfedern. Dieser neue, extrem kompakte und leichte Motor - er wiegt nur 54,9 kg - leistet einen wichtigen Beitrag zur Gewichtsreduzierung des Motorrads. Dank der variablen Ventilsteuerung optimiert der V2-Motor Leistung, Ansprechverhalten und Verbrauch. Die Leistung bei hohen Drehzahlen wird mit einer anhaltenden Drehmomentabgabe bei niedrigen und mittleren Drehzahlen kombiniert: Mehr als 70 % des maximalen Drehmoments stehen bereits bei 3.500 U/min zur Verfügung. Zwischen 3.500 und 11.000 U/min fällt der Wert nie unter 75 %.
Herzstück der Ducati Multistrada V2 blieb der bekannte 937-Kubik-Motor. Er erwacht mit einem herzhaften V2-Stakkato, das sich zum noch moderaten Standgeräusch von 95 Dezibel (A) bei 4.500/min aufschwingt. Als Zugabe hämmert es hart aus der Airbox. Dieses sündige Ansaugschnorcheln hört nur der Fahrer. Du spürst, dass die neue Version des V2 weniger Schwungmasse besitzt. Er läuft im tiefsten Drehzahlkeller etwas rappeliger, verlangt in hohen Gängen rund 4.000 Umdrehungen, um richtig rundzulaufen.
Die Leistung bei hohen Drehzahlen wird mit einer anhaltenden Drehmomentabgabe bei niedrigen und mittleren Drehzahlen kombiniert: Mehr als 70 % des maximalen Drehmoments stehen bereits bei 3.500 U/min zur Verfügung. Zwischen 3.500 und 11.000 U/min fällt der Wert nie unter 75 %. Hinzu kommt eine gleichmäßigere Verbrennung bei niedrigen Drehzahlen, die eine sehr flüssige Gasannahme bei geringer Drosselklappenöffnung ermöglicht.
Bei Tempo 60 im sechsten Gang, wo die Durchzugsmessung beginnt, schüttelt sich der modifizierte Motor noch wie ein nasser Pudel. Untenrum läuft der "alte V2" mit den schwereren Pleueln einen Tick sanfter. Er verträgt geringfügig tiefere Drehzahl, ruckelt und hackt dann weniger.
Mehr denn je begeistert dagegen die antrittsstarke Drehzahlmitte, emotional bis explosiv. Ab 6.000, 7.000 Touren schnalzt der modifizierte V2 noch lebendiger los, stürmt feurig-entfesselt dem Leistungszenit bei gut 9.000 Touren entgegen. An Drehfreude und Power legte der Motor oben heraus nochmals zu, drückt gemessen volle 113 statt zuvor 107,5 PS. Daneben fällt die Drehmomentkurve fülliger aus.
Fahrwerk und Handling
Um den Komfort und das Fahrvergnügen auf jeder Strecke zu verbessern, ist die neue Multistrada V2 mit einem völlig neu gestalteten Rahmen, einem hinteren Hilfsrahmen und einer Schwinge ausgestattet, die der gleichen Konstruktionsphilosophie wie die Multistrada V4 folgen. Das Aluminium-Monocoque nutzt den Motor als tragendes Element, der hintere Hilfsrahmen besteht aus einer Gitterrohr-Konstruktion und die Schwinge ist aus Aluminium gegossen.
Dank einer kompletten Überarbeitung und der Lösung des Monocoque-Rahmens ist es den Ingenieuren gelungen, ein schlankes Motorrad mit einer sehr schmalen Passform zu schaffen, die es dem Fahrer erlaubt, die Füße leichter auf den Boden zu setzen. Darüber hinaus wurde die Kontaktfläche der Knie und der Innenseite der Oberschenkel mit den Oberflächen des Motorrads verbessert, was den Fahrspaß und das Gefühl der Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten erhöht.
Beide Versionen der Multistrada V2 sind mit einem 19-Zoll-Vorderrad und einem 17-Zoll-Hinterrad mit Pirelli Scorpion Trail II-Reifen und 170 mm Federweg ausgestattet, um Vielseitigkeit und Fahrgefühl zu bieten.
Die fünf verfügbaren Riding Modes (Sport, Touring, Urban, Enduro und Wet) bieten die Möglichkeit, die Multistrada V2 an jede Situation anzupassen, indem die Motorleistung und das Ansprechverhalten dank der vier Power Modes, mit denen der Motor ausgestattet ist, auf vorkonfigurierte und veränderbare Werte eingestellt werden.
Die Ducati Desert X Rally ist mit einem Öhlins-Lenkungsdämpfer ausgestattet, der dabei hilft, kleinere Unebenheiten und Schläge abzufangen, ohne dass der Fahrer übermäßig belastet wird. Ein weiterer Vorteil der Rally-Version ist die aufrechtere Sitzposition, die den Fahrer bei langen Touren entlastet und ihm eine entspannte Körperhaltung ermöglicht.
Elektronik und Ausstattung
Schließlich ist die Ducati Multistrada V2 serienmäßig mit einem Tempomat, einer in das Cockpit integrierten USB-Steckdose, dem Ducati Brake Light EVO (das bei einer plötzlichen Bremsung für eine Notblinkfunktion sorgt) und, im Falle der V2 S, mit dem Ducati Multimedia System ausgestattet, das die Möglichkeit bietet, die Turn-by-Turn-Navigation zu aktivieren.
Wie bereits bewährt gibt Ducati der Multistrada V2 vier Fahrmodi: Touring, Urban, Sport und Enduro. Sie bündeln die Gasannahme mit den Eingriffsschwellen von achtstufiger Traktionskontrolle, dreistufig regelndem ABS und dem Niveau der hinteren Federbasis. Anpassung an Zuladung erlauben vier Grund-Settings "Solo", "Solo mit Gepäck" (gut bei schwereren Fahrern!), "zwei Personen" und "zwei Personen mit Gepäck". Sie lassen sich in insgesamt 24 Schritten abstimmen. Alle Funktionen beider Ducati-Sisters lassen sich frei kombinieren. Am geschmeidigsten auf Landstraßen funktioniert der Touring-Modus.
Wunderbar feinfühlig hat die MotoGP-Marke Ducati die Traktionskontrolle der Multistrada V2 abgestimmt. Wenn sie eingrätscht, ist es nötig. Das Gefühl, jederzeit alles unter Kontrolle zu haben, fährt immer mit. Beim Fahrerlebnis begeistert immer wieder aufs Neue diese eingebaute Souveränität und Lässigkeit.
Gigantisch gut strahlt das Licht der Multistrada V2, Kurvenlicht inklusive. Und das Fernlicht ist der Hammer. Hinter der manuell höhenverstellbaren Scheibe findet jeder im Nu eine passende Einstellung. Tourentauglich machen zwei Bordsteckdosen im Cockpit, etwa für ein Navi, und unter der Sitzbank. Dort wartet eine USB-Ladebuchse aufs Handy. Im Touring-Pack für 1.089 Euro extra sind Hauptständer, Heizgriffe und funktionale Koffer mit an Bord; der linke fasst einen Integralhelm.
Ducati Multistrada V4 Rally vs. Ducati Multistrada 1260 Enduro: Ein Vergleich
Hier ist eine vergleichende Tabelle der Ducati Multistrada V4 Rally und der Ducati Multistrada 1260 Enduro:
| Merkmal | Ducati Multistrada V4 Rally | Ducati Multistrada 1260 Enduro |
|---|---|---|
| Motor | 4-Takt 90 Grad V 4-Zylinder | 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder |
| Hubraum | 1.158 Kubik | 1.262 Kubik |
| Leistung | 170 PS bei 10.750 U/min | 158 PS bei 9.500 U/min |
| Drehmoment | 121 Nm bei 8.750 U/min | 128 Nm bei 7.500 U/min |
| Federweg vorne | 200 mm | 185 mm |
| Federweg hinten | 200 mm | 185 mm |
| Gewicht fahrbereit | 260 kg | 254 kg |
| Tankvolumen | 30 Liter | 30 Liter |
Wie alle Multistradas ist auch die neue V2 so konzipiert, dass Ducatisti seelenruhig die Welt bereisen können. Dafür sorgen beispielhafte Wartungsintervalle (Ventilspielkontrolle alle 30.000 km) und die Programme 4EVER Ducati und Roadside Assistance. Ersteres bietet eine Garantie von 4 Jahren mit unbegrenzter Kilometerleistung. Das Programm Roadside Assistance bietet zusätzlich Pannenhilfe, Transport für Fahrer und Sozius, ein Ersatzfahrzeug und Übernachtungen in einem 4-Sterne-Hotel bei Problemen, die während der Laufzeit der Garantie auftreten können.
Abenteuerlustige können Speichenräder montieren, die die Multistrada V2 noch vielseitiger machen und es ihr ermöglichen, die Reise fortzusetzen, wenn der Asphalt endet.
Die neue Multistrada V2 wird in der Standardversion und als V2 S mit der semi-aktiven DSS-Federung erhältlich sein. Die erste Version wird in der Farbe Ducati Red angeboten, während man bei der zweiten Version zwischen Storm Green und Ducati Red wählen kann, mit der zusätzlichen Möglichkeit, sich für die Travel-Ausstattung zu entscheiden, komplett mit Seitenkoffern aus Kunststoff, Hauptständer und beheizten Griffen.
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